Review

Besser hätte man das Werk von de Sade nicht verfilmen können, als Pasolini es hier schaffte.

Das Buch "die 120 Tage von Sodom oder die Schule der Ausschweifung" ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern Frakment gebliebene Aneinanderreihung von allen erdenklichen Perversionen. Die Drastigkeit des Textes ist absolut zeitlos und findet wohl in der ganzen Weltliteratur keinen Vergleich. Ebenso gibt es keinen Film der Sich mit Pasolinis Interpretation vergleichen lassen könnte.
Die Handlung der "120 Tage", einer großen Orgie von Demütigungen über Vergewaltigung bis hin zu Folter und zum (Lust-)Mord, wurde aus dem vorrevolutionärem Frankreich in das faschistische Italien im zweiten Weltkrieg verlegt.
Pasolini macht aus dem Stoff ein gnadenloses Werk über die Macht - das bezieht sich sowohl auf Politik, wie auch auf die allgemeine Natur des Menschen.

Die sterile Atmosphäre erzeugt genau die Emotionslosigkeit wie Sades Vorlage. Auch die Entscheidung für Laiendarsteller stellt sich als genial heraus. Durch die enorme Passivität und die negative (und kaum vorhandene) Charakterisierung der Opfer bildet niemand Identifikationsfigur, noch bleibt Platz für Mitleid.
Eine absolut kompromißlose Verfilmung die dem Stoff wirklich gerecht wird, auf höchstem künstlerischem Niveau.

Es gibt aber auch kaum Filme die sich so schwer konsumieren lassen wie "Salo". Zwar sind die anderen Pasolini-Werke auch kein Unterhaltungskino, liegen aber nicht so bleischwer im Magen.
Das liegt noch nicht mal an puren Gewaltszenen.Die bekommt man erst am Schluss zusehen, die Sequenz ist aber auch wirklich krass und sehr realistisch ausgefallen.
Wirklich schockierend ist die absolut mitleidlose Darstellung der Opfer und die wirklich extrem genaue Analyse der "Anarchie der Macht", ein wichtiger Film der zum nachdenken anregt und bewusst polarisieren soll.
Ein ungemein wichtiger Beitrag zum italienischem Kunst-Kino, für De Sade-Leser und aufgeschlossene Freunde kontroverser Filme.

PS: Ich empfehle nach dem Konsum das Bootleg zu lesen, wenn möglich auch witere Hintergrundinformationen und Interpretationen.Wie auchbei Sades Büchern erschließt sich die Vielschichtigkeit des Stoffes vielen Leuten nicht. Dieser Film macht es aber auch wirklich nicht einfach.

10 / 10

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