In Pier Paolo Pasolinis Werk „ Die 120 Tage von Sodom“ geht es um eine kleine Gruppe von Adeligen, die sich jeweils acht Jungen und acht Mädchen auf ein Schloss bestellen und sie dort als Objekte ihrer sexuellen Neigungen und Perversionen missbrauchen.
Pasolini prangert in seinem Film den Faschismus und den Machtmissbrauch der Obrigkeit an. Er zeigt in drastischen Szenen wie der Mensch als solches nicht mehr existiert sondern zum Objekt degradiert wird welches den perversen Machenschaften der Obrigkeit völlig ausgeliefert ist.
Schon zu Beginn des Films wird dieses deutlich. Die vier Faschisten suchen sich ihre Opfer aus wie auf einem Viehmarkt. Die Jungen und Mädchen werden ihnen vorgestellt, müssen sich ausziehen und werden von den vier Herren begutachtet, wie ein Pferd dem man ins Maul schaut.
Anschließend werden sie mit auf das besagte Schloss genommen, wo ihnen zunächst die Regeln vorgelesen werden.
Ihnen wird unter anderem klargemacht, dass sie keinerlei Rechte haben und jede Zuwiderhandlung drastische Strafen nach sich zieht.
Der Tagesablauf ist so gut wie immer der Selbe. Eine Dame erzählt eine Geschichte aus ihrem leben bzw. aus ihrer Kindheit, in denen es um Sexuelle vorlieben irgendwelcher Adeligen geht und der sie nachkommen musste. Unterlegt werden die Gesichten mit recht fröhlicher Klaviermusik.
Diese Episoden dienen nur dem Zweck, die vier Adeligen sexuell zu erregen und ihre Phantasie anzuregen. Sie verspüren prompt das Verlangen es nachzuspielen, was dann natürlich auch in die Tat umgesetzt wird.
Zum Beispiel müssen die Opfer so tun als wären sie Hunde und werden an Leinen durch die Burg geführt. Sie müssen aus Fressnäpfen essen und werden ausgepeitscht.
In einer anderen Episode werden sie gezwungen ihren eigenen Kot zu essen und müssen sogar als Strafe in ihren Exkrementen baden.
In diesem Stil geht es auch weiter. Es wird gedemütigt, erniedrigt, beschimpft, vergewaltigt usw. bis es zu guter letzt zum äußersten kommt.
Auf die einzelnen Charaktere wird hierbei nur sehr wenig eingegangen. Einzig und allein die vier Faschisten kommen etwas mehr zur Geltung. Auch wenn man nur etwas über ihre verschiedenen perversen Neigungen erfährt und nicht etwa über ihre Beweggründen oder den Ursachen, welche sie zu diesem Verhalten geführt haben.
Die jugendlichen Opfer werden in keinster Weise als Individuen dargestellt. Man kann sich ihre Gesichter nicht einmal merken, da sie meist in der Gruppe auftreten und nicht im Geringsten charakterisiert werden.
Sie dienen einzig und allein als Objekte welche diese Tour de Farce ertragen müssen und am Ende durch den Wahn ihrer Peiniger den Tod finden.
Ja es gibt kein Happyend oder eine Wendung in der sich die Opfer erheben und gnadenlos Rache nehmen.
Gerade deswegen hinterlässt der film einen wirklich bitteren Nachgeschmack.
Die hier dargestellten Szenen sind wirklich abstoßend, wobei mir die Episode mit den Fäkalien mehr auf den Magen schlug als die Folter und Tötungsszenen am Ende.
Keine Frage auch diese sind sehr hart und explizit umgesetzt. Einem wir die Zunge heraus geschnitten es wird unter anderem skalpiert und mit einem glühenden Eisen die Brustwarzen verbrannt usw.
Alles in allem ein film der für das breite Publikum aufgrund der expliziten Gewalt und Sexszenen wohl nicht geeignet ist.
Seine Intention bringt Pasolini aber gekonnt rüber und auch an seiner enormen Wirkung auf den Zuschauer hat die 120 Tage von Sodom trotz seines Alters nicht verloren.
Es heißt nicht ganz zu Unrecht in einem Zitat aus „Salo gestern und heute“: „Man muss zwei Filme gesehen haben um ein Staatsbürger zu sein, Nacht und Nebel und Die 120 Tage von Sodom“.
(7/10)