Obwohl monströs konsequent, vor allem ein langweilender Film.
Dieser Film findet sich oft in den Listen zum oberflächlichen Thema "härteste/ notorische Filme" und genießt einen entsprechenden Ruf...
Auch wenn Pasolini sich der literarischen Vorlage mit der einen oder anderen Finesse angenommen hat, bleibt es jedoch ein - obwohl monströs konsequenter - vor allem langweilender Film.
In "Salo" sind Jugendliche passive Opfer von Dekadenz und Macht: Hemmungslos zelebrieren Vertreter eines untergehenden faschistischen Regimes an ihnen ihre Triebauslebung. - Jugend ist Ware, in diesem kranken, analsadistischen Spiel, und die Kamera hält bei (fast) allem voll drauf.
Mit wahrer Leidenschaft für provozierende Bilder ist das Ganze umgesetzt (spätestens seit den 60ern ital. Kinomentalität, von Fellini über Argento bis Deodato und Fulci), das simple politische Ansinnen Pasolinis wird dabei so überdeutlich, ja plakativ vorgetragen, dass es auch dem Begriffsstutzigsten direkt ins Gesicht springen dürfte.
- Und man fragt sich vor allem, in Blick auf Pasolinis Biographie: Was von dem, was er hier so radikal anprangerte, war auch in seinem Wesen selbst? - Kleines Stichwort: Jugend ist Ware.
Die hauptursächliche literarische Vorlage, de Sades "Die 120 Tage von Sodom", empfand ich im Übrigen bei der Lektüre als literarisch überschätzt, "Justine" macht da mehr her. Die Anleihen auch bei Dantes "Inferno" vermögen die Melange aus strunzödem Italo-Softporno und vereinzelter Greuel- und Ekelpräsentationen letztlich auch nicht zu adeln.
Kurzum: Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Werk Pasolinis künstlerisch nicht ein wenig überschätzt wird.
Irgendwie sind mir Pasolinis Filme generell fremd geblieben, unbedingt sehenswert aber "Das 1. Evangelium - Matthäus/ Il Vangelo secondo Matteo".