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Als mir neulich ein paar neu hochgeladene Filmchen aus den seligen 60er/70ern mit flotter Rainer-Brandt-Synchro kaum noch erwartete Freuden versprachen, hab ich natürlich gleich mein Häkchen gesetzt, aber gleich der Erste des Quartetts ernüchterte dann doch sichtlich meine Anfangseuphorie.

„Zwei tolle Hechte auf dem Weg zum Himmel“ zeigt als deutscher Titel (Varianten sind „Dufte Typen räumen auf“ und „Dynamit in der Schnauze“ sofort an, wohin die Reise geht. Offenbar war in den flotten 70ern weltweit ruchbar geworden, dass man mit Prügelcomics à la „Spencer&Hill“ in „Bella Italia“ richtig gut Kasse zu machen war und deswegen besetzte man fröhlich einige ungewöhnliche Duos, die gerade in Amerika nichts oder noch nichts Rechtes zu tun hatten. Also musste einer nur relativ glatt aussehen und der etwas muffelig und mit starkem Bartwuchs und stabiler Struktur, dann war es das schon.

Was mich – zunächst – positiv verblüffte, war das Casting der beiden Figuren: hier kommen plötzlich Stars wie Keith Carradine (als Hill-Abkömmling, wobei die Nähe zu Gemma noch eher hinkommt) und sapperlot, Tom Skerritt (!!!) als Spencer-Blaupause daher.

Der fertige Film ist dann aber mehr eine Kreuzung aus den typischen Prügelkomödien und dem ins Komische gezogenen Mafiafilm der 70er, wenn er denn in irgendeiner Form als halbwegs gereift wirken würde. Aber nichts da, die „Hechte“ agieren hier in einer Komödienruine, die so viele Schnittfassungen durchlaufen hat, dass die agile Brandt-Synchro, ausgeführt von der Creme de la Creme deutscher Schnodder-Synchronisateure, dem Film auch noch den letzten Rest von Sinn ausgetrieben hat.

Der restliche Ansatz von Plot erzählt davon, wie Carradine als Mafialeibwächter seinen ewig motzenden Capo beschützen soll, was aber nur so semi gelingt, während eine rivalisierende Familie die beiden auslöschen will. Um überhaupt was aus der Story zu machen, flüchtet man nun gute 78-90 Minuten (je nach Fassung) von einem Mittelmeerhafen Italiens und Südfrankreichs zum nächsten, wobei man Boote klaut, Boote kapert, Leute entführt und darauf wartet, dass sich Sybil Danning vom Ingrid-Steeger-Gedächtnis-Mäuschen in eine rattige Blondine verwandelt.

Irgendwann unterwegs gabelt Carradine dann Skerritt auf, der den italienischen Grummelbärfischer so überzeugend mit der persönlichen Stimme Rainer Brandts gibt, dass ich ihn 20min unter der Stoppelfassade gar nicht erkannt habe.

Nach allerlei Bootsgefahre geht der Mafiachef dann doch zur Konkurrenz flöten und man muss ihn halt wieder beschaffen, wobei ich nie verstanden habe, warum Robbie denn so da hinterher ist, wird er doch ständig nur mies behandelt. Die Befreiungsaktion besteht dann in erster Linie aus einem Kostümball, zu dem die beiden als aufgerüschte Fummeltrinen komplett mit allen möglichen flachen Drag-Witzen zu weiblicher Bekleidung auftauchen.

Am Ende gibt es sogar noch einen Schluss-Twist, der den ganzen Film redundant macht und wenn die Protagonisten sich dann auf dem Rollfeld derbe eine keulen (übrigens steckt Skerritt im Großen und Ganzen eigentlich immer nur ein), dann ist das so erfrischend sinnlos wie der Rest des Films wie eine Schnittruine wirkt. Cyril Cusack darf auch noch in ein paar Szenen unter Deck mitwirken, aber das Fehlen wirklich überzeugender Schlägereien rückt den Film eh mehr in eine Slaptstickversion der Borsalino-Welle, den ein paar Spencer/Hill-Freunde gedreht haben.

Wird leider nach der Hälfte ziemlich zäh und statisch, auch wenn die Figuren stetig in Bewegung bleiben. Kuriose 4/10.







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