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Hierzulande sensationalistisch vermarktet als harter Erotikstreifen, bietet "Ai no shinsekai" (Neue Welt der Liebe) einen als ganzheitlich angelegten Blick auf das Leben zweier Prostituierter, deren Privatleben genauso fokussiert wird wie ihre Berufstätigkeit. Schauspielerisch sehr gut umgesetzt von den sympathischen Hauptdarstellerinnen Sawa Suzuki und Reiko Kataoka, kann der Film durch seine abwechslungsreiche Erzählweise überzeugen, in der konventionelle bildliche Erotik eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die Figuren sind Regisseur Takahashi und Co-Autor sowie Fotograf und Ideengeber Nobuyoshi Araki - dessen Aufnahmen als erzählerisches Mittel in den Film einbezogen werden - spürbar wichtig; der japanische Originaltitel bezieht sich offenbar auf die Wende im Leben der beiden jungen Frauen - bei Rei durch die zumindest für sie persönlich als Erfolg zu verbuchende Premiere ihres Theaterstücks, für Ayumi in der stagnierenden und durch Heimlichtuerei erschwerten Beziehung zu ihrem wenig bis nichts tuenden Freund. Möglicherweise aber auch auf eine Ära, in der Liebe neu definiert wird, wozu aber keine eindeutige Antwort gegeben wird, wie auch generell hier nicht moralisierend gewarnt oder sonstwie versucht wird, zu beeinflussen. Die Schwarzweißfotos von Araki sind ebenso wie der Film auf eine Abbildung der Persönlichkeit statt klischeehaft erotischer Posen ausgerichtet. Humorvoll, ohne albern zu werden, und ernsthaft, ohne in Depression abzugleiten, wahrt der Film die Balance zwischen den drohenden Abgründen. Empfehlenswert.

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