Ein leider oft übersehener Beitrag zum Sci-Fi-Genre, der sich im weiteren Verlauf immer mehr zum Politthriller entwickelt, ist „Unternehmen Capricorn“. Lange Zeit, bevor erste Gerüchte über eine gefakte Mondlandung der Amerikaner die Runde machten, beschäftigt sich Peter Hyams Film mit der Frage, wie es denn wäre, würde die NASA eine Marslandung vortäuschen, von deren Inszenierung die drei Astronauten erst unmittelbar vor dem Start erführen. Zunächst machen sie das Spiel aus Angst um ihre Angehörigen mit, als jedoch die Raumkapsel beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht, gelten sie offiziell als tot, weshalb sie auch in Wirklichkeit in akute Lebensgefahr geraten und von einer Militärbasis mitten in einer Wüste die riskante Flucht wagen.
Jeder der drei Subplots in „Capricorn One“ birgt ungeheuer viel Spannungspotential:
Die Flucht der Männer in Raumanzügen erinnert an den Anfang von „Planet der Affen“, die unendlich weite Wüstenlandschaft wirkt hier mindestens genauso bedrohlich, vor allem das Auftauchen der Helikopter treibt den Puls immer wieder in die Höhe. Lautstark künden sich die Hubschrauber jedes Mal in der Ferne an, um sich dann wie riesenhafte Insekten auf ihre Beute zu stürzen, wobei die Tötung an sich der Fantasie des Zuschauers überlassen bleibt. Herausragend die Szene, in der ein Astronaut am Ende seiner Kräfte minutenlang um die Erklimmung einer Felswand kämpft, nur um dann feststellen zu müssen, dass die Häscher ihn oben bereits erwarten. Die geniale Kamerafahrt, welche uns das ganze Drama vor Augen führt, macht diese Sequenz unvergesslich.
Ganz so beklemmend sind die beiden anderen Storylines zwar nicht, aber interessant und spannend allemal. Da haben wir zunächst den Journalisten Robert Caulfield, der über seinen Kontaktmann Lunte riecht und seine Nase tiefer in manche Ungereimtheit bei der Mission steckt, als einigen NASA-Verantwortlichen lieb ist. Diese wiederum setzen alle Hebel in Bewegung, um die drei entflohenen Astronauten und alle Mitwisser, die ihren Machtinteressen gefährlich werden könnten, zu töten.
Die Geschichte um Caulfield und die Hintermänner der inszenierten Marslandung dürfte vor allem Verschwörungstheoretikern gefallen, während Freunde von altbewährtem, straff inszeniertem Thrill die Flucht der drei Astronauten interessanter finden sollten. Die eingestreuten Sequenzen von Brubakers Hinterbliebenen stören zwar zwischendurch den Spannungsfluss, bewirken aber, dass man sich auch um die Familie sorgt, welche anfangs ja dafür herhalten muss, um Druck auf die Astronauten aufzubauen. Moralisch sind die NASA-Leute eh unter aller Kanone, da sie unter einem solchen Erartungsdruck seitens der Regierung stehen, dass traditionelle Werte wie Freundschaft keinen Pfifferling mehr wert sind.
Genügend Stoff für einen diskussionswürdigen und beklemmenden Film ist auf alle Fälle gegeben. Zwar hätte ich mir insgesamt mehr schlüssige Zusammenhänge gewünscht (sofern dies bei solch einem Film überhaupt möglich ist) und vielleicht hätten mehr Erklärungen, was den Verbleib einiger Personen und die Konsequenzen für die Handelnden angeht, dem nachhaltigen Eindruck ganz gut getan, nichtsdestotrotz bleibt „Unternehmen Capricorn“ ein sehr spannender und auch schockierender Ausflug ins Science-Fiction-Genre, ohne dabei freilich in die philosophischen Sphären eines „2001“ vorzustoßen.