Nach 1968 galt Douglas Trumbull als Special-Effects-Magier. Seine Effekte für den visionären "2001 - Odyssee im Weltraum" brachten ihm Weltruhm und Möglichkeiten, seine Karriere im Filmbusiness auszubauen. Ihm wurde ein eigenes Filmprojekt, mit ihm als Regisseur und Special-Effects-Chef angeboten. Sein Debütwerk sollte "Silent Running" werden. Ebenso philosophisch, nachdenklich, unendlich und für den Science-Fiction-Krawumm-Fan ebenso langweilig wie das große Vorbild "2001".
Kalkulierter kann ein Film schon gar nicht mehr sein. Trotzdem wurde aus "Silent Running" ein schöner Film - sieht man mal von ein paar schauspielerischen Unzulänglichkeiten und den schrecklich schmalzigen Songs von Joan Baez ab. Denn Trumbull hat verstanden, worum es beim Film geht. Entgegen vieler seiner Kollegen, setzt er überraschenderweise die Effekte ein, um die Geschichte zu unterstützen, nicht zu überlagern. Oft ist man es gewohnt, dass die Geschichte eher die Effekte legitimieren soll. Nicht so bei "Silent Running". Die Weltall-Effekte sind sicherlich sehenswert und bezaubernd getrickst, bewegen sich aber analog zu dem Film, wirken nie aufgesetzt. Trumbull interessiert sich lieber für seine Personen, für die Geschichte, und deren menschliche Seite.
Da die Erde voll technologisiert wurden ist, wurde die letzte überlebende Flora und Fauna vom verdreckten Planeten entfernt. Die letzten, paradiesischen Waldgebiete treiben jetzt unter gigantischen Kuppeln im Weltall. Drei Raumschiffe tragen diese riesigen Treibhäuser durch das unendliche All, pflegen und behüten das letzte Überbleibsel aus schöneren Tagen der Erde. Besonders der Botaniker Freeman Lowell liebt seine Schätze im All. Zwar muss er seine geliebten Wälder mit drei Ignoranten, die die Kostbarkeit der geretteten Naturgebiete nicht begreifen, teilen, doch wenigstens kann er diese beim Pokern über den Tisch ziehen. Als der Befehl kommt, die Wälderkuppeln sofort zu zerstören, da die Schiffe von nun an wieder kommerziellen Nutzens angegliedert werden sollen, versteht Lowell die Welt nicht mehr. Nicht nur, dass acht Jahre seines Schaffens umsonst gewesen sein soll, die Menschen sind dabei, die letzten Naturressourcen zu zerstören, die noch existieren. Lowell handelt zwar im Affekt, aber doch entschieden: Er tötet seine Crew, und begibt sich alleine mit seinem geliebten Wald, und zwei Roboterdronen auf den Weg in das unendliche All.
Das Drehbuch, das von Deric Washburn ("Die durch die Hölle gehen"), Michael Cimino (Regisseur von "Heaven's Gate" und "Die durch die Hölle gehen") und Steve Bochco (arbeitet normalerweise für das TV) geschrieben wurden ist, wendet sich ganz an den Zeitgeist der ausgehenden 60er Jahre. Lowell wird oft von seinen Kollegen als spinnertes Blumenkind beschimpft, seine "Back to Nature"-Attitüde ist ihnen unverständlich reaktionär. Lowell ist zwar nicht ganz der Hippie im All, wie man erwarten würde, ist aber klar die Identifikationsfigur für alle "Blumenkinder". Doch schön ist der Charakter der Bruce Dern-Figur gezeichnet: So kann er mit seinen menschlichen Freunden nicht auskommen, mit den ihm gehorsamen Dronen nicht. In seiner Besorgnis um die Welt wird aus Lowell ein weltfremder Ausgestoßener, ein einsamer Reisender.
Beachtenswert ist die konsequente Weiterführung des Stoffes durch Trumbull. Die spirituelle Geschichte nimmt keine Mainstream-Wendung, hat nach 40 Minuten nur noch einen Darsteller zu bieten (und zwei amputierte Laienakteure in den Dronen), und nur noch ein Minimum an Dialog. Trotzdem bleibt die Spannungskurve oben. Die schönen Effekte, die bezaubernde, aufkeimende Freundschaft zwischen naturliebenden Mensch und andersartiger Maschine (man beachte die Szene, in der Lowell eine sterbende Taube vergißt, um seinem Roboterfreund zu helfen) faszinieren den geneigten Zuschauer. Und selbst am Ende bietet uns Trumbull nicht den erwarteten, inhaltslosen Effekt-Overkill, sondern erzählt den deprimierenden, ehrlichen Ausgang seiner Geschichte, ohne diese an billige Effekthascherei zu verkaufen.
"Silent Running" ist zwar kein zweiter "2001", aber dennoch ein hevorragender Science-Fiction-Film mit wenig Schwächen, vielen Stärken und einer starken Story, die trotz ihrer klaren Aussage nie nervig-moralsüchtig wirkt.