Ein bisschen Karneval, ein bisschen Masterpiece
Ein wenig wie die schwarze Version eines schwächeren Scorsese- oder Leone-Films - „Hoodlum“ aka „Harlem, N.Y.C.“ erzählt aus dem depressionsgebeuteltem Ghetto New Yorks, von einem gerade aus dem Knast kommenden Schwarzen, der schnell mit der Mafia um die Vorherrschaft in seinem Viertel kämpfen muss zwischen Glücksspiel und Machtspielchen…
Schieberkappen auf schwarzer Haut
Der kleine, schwarze Neffe von „The Untouchables“? „Hoodlum“ erinnert trotz seiner starken Zentrierung auf die dunkelhäutigen Gangster dieser Epoche doch an einige Klassiker seiner Zunft. Von Tommy Guns bis Nadelstreifen, viele Klischees werden bedient. Fishburne schafft mit Mimik und wenig Worten mehr als andere mit zehn Monologen. Die Farben sind sehr grell, das Blut knallrot, manchmal sieht es etwas nach Verkleidungen aus. Ohne der Garderobe, Schminke und Ausstattung wirklich etwas vorzuwerfen. Ganz im Gegenteil. Vielleicht hätte ein grieseligerer Look gut getan. Andy Garcia ist ebenfalls ein guter Bösewicht, mit seinem klein geschminkten Auge und seinem selbstsicheren Grinsen. In eine Parodie gleitet das Ganze zum Glück nie ab. Und der Geschichte und Entwicklung von „Bumpy“ folgt man im Grunde gerne. Mit deutlich über zwei Stunden und seinem fehlenden Zug fehlt es „Hoodlum“ insgesamt dann aber um im Gedächtnis zu bleiben oder ihn öfters gucken zu wollen. Da bleibt man dann doch eher bei den unkaputtbaren Klassikern des Gangstergenres oder dieses Jahrzehnts mit etwas mehr Pfeffer im Popo - etwa „Blood In, Blood Out“, „Menace 2 Society“, „Carlitos Way“ oder „American Gangster“.
Once Upon a Time… in Harlem!
Fazit: als Charakterstudie und gut ausgestatteter Historiengangsterfilm ist „Hoodlum“ gar nicht übel. Fishburne ist eiskalt und brodelnd zugleich. Dem ganzen Werk fehlt's meiner Meinung nach „nur“ an Drive, Tempo und audiovisuellem Knowhow um in höhere Regionen vorzustoßen. Ein Epos ohne Geltungsdrang.