Review

„Barfuss durch Hiroshima" erzählt die Tragödie des Atombombenabwurfes über Hiroshima aus der Sicht eines Schuljungen...

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Niederlage der Japaner schon zum Greifen nahe, doch die starrsinnige Militärführung will nicht aufgeben und spornt die Bevölkerung mit Durchhalteparolen an, weiterzukämpfen.
Hiroshima: der kleine Gen Nakaoka kommt mit seinen Geschwistern und den Eltern mehr schlecht als recht über die Runden. Der Vater hat als Pazifist, der öffentlich den Krieg kritisierte und seitdem von vielen gemieden wird, Probleme, die Familie zu ernähren. Dennoch hält man zusammen und unterstützt sich gegenseitig, wo es nur geht. Sorgen machen sich die Nakaokas vor allem um die hochschwangere Mutter, die aufgrund der Lebensmittelknappheit unterernährt ist und Angst hat, ihr ungeborenes Kind zu verlieren. Dennoch scheint die Lage recht ruhig zu sein - trotz ständigen Fliegeralarms blieb die Stadt bisher unversehrt, die Menschen warten auf die Kapitulation ihrer Regierung.

Doch es kommt anders: am Morgen des 6. August 1945 werfen die Amerikaner eine Atombombe über Hiroshima ab. Gen, der sich gerade auf dem Schulweg befindet, flieht inmitten des atomaren Infernos und findet sein Elternhaus eingestürzt vor. Sein Vater und seine Geschwister verbrennen qualvoll in den glühenden Trümmern, nur die Mutter konnte sich retten. Mit ihr zusammen begibt sich Gen auf eine erschütternde Odyssee durch die Flammenhölle Hiroshimas...

Auf der teilweise autobiographischen Mangavorlage von Keiji Nakazawa basierend, nimmt „Barfuss durch Hiroshima" den Zuschauer mit auf einen schockierenden Trip, der die Atombombenexplosion und ihre Folgen mit aller Schonungslosigkeit zeigt.
Wo anfangs noch (wenn auch durch die finanziellen Sorgen getrübte) Familienidylle herrscht, regieren in der zweiten Hälfte des Films Angst und Schrecken, der totale Wahnsinn macht sich breit, wenn der kleine Gen und seine geschwächte, schwangere Mutter durch die Strassen einer Stadt eilen, die durch den atomaren Angriff völlig verwüstet wurde. Überall treffen sie auf sterbende, auf grausamste Art und Weise entstellte Menschen - das Gezeigte bricht jegliche Tabus.
Der Film schafft etwas, das nur wenige seiner Art von sich behaupten können: er weckt wahre Gefühle im Betrachter, man fiebert mit der Familie Nakaoka, trauert mit ihnen und möchte, dass sie so heil wie möglich aus diesem Alptraum herauskommen.
Unschuldige, ahnungslose Menschen in dieser Lage zu sehen, wirkt wie ein Faustschlag ins Gesicht! Dabei kommt „Barfuss..." gänzlich ohne irgendwelche einseitigen Schuldzuweisungen aus, sondern konzentriert sich ganz und gar auf den Überlebenskampf der Protagonisten; die politische Ebene wird, wenn überhaupt, nur ganz kurz angeschnitten, eine Tatsache, die ich angesichts der vielen vor Patriotismus und Faktenverdrehung strotzenden Kriegsfilme (die vornehmlich aus Amerika stammen) sehr positiv bewerten möchte.

Etwas gewöhnungsbedürftig kommt der einfache, kindgerechte Zeichenstil daher, der ieigentlich so gar nicht zum brutalen Geschehen passen möchte - aber auch daran hat man sich rasch gewöhnt und irgendwie verstärkt dann eben diese recht naive, großäugige Animationsart die Schockwirkung noch.

Auch der sehr bewegte, mitreißende Soundtrack verstärkt den höchst positiven Gesamteindruck noch weiter, wobei die kitschigen Popsongs zu Beginn und am Ende des Streifens wohl eher Zuschauer (bzw. Zuhörer) aus dem asiatischen Raum ansprechen dürften!

Fazit: „Barfuss durch Hiroshima" ist einerseits eine animierte Keule, die auf den Zuschauer einprügelt, dass es sich gewaschen hat - und gleichzeitig ein bewegendes Plädoyer für den Frieden und gegen den Einsatz von atomaren Waffen!
Schockierend, erdrückend, einfach meisterhaft!

Allerdings sollten jüngere Zuschauer aufgrund des Inhalts Abstand nehmen, das Gezeigte ist wirklich sehr, sehr schwer zu verdauen...

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