Review

Woran liegt es eigentlich, daß so wenige Komödien die Halbwertzeit von 10 Jahren überdauern ?

Sicher, es gibt Klassiker für die Ewigkeit wie z.B. „Manche mögen’s heiß“, aber gerade an „Die Waffen der Frauen“ läßt sich besonders schön verdeutlichen, wie vergänglich Ruhm sein kann.

Denn der Film verfügt über ein herausragendes Team : neben dem renommierten „Reifeprüfung“ Regisseur Mike Nichols agieren in den Hauptrollen Harrison Ford und Sigourney Weather sowie Melanie Griffith in ihrer besten Schaffensperiode.

Während heute noch jeder - wie sicherlich auch Fans zugeben müssen – durchschnittliche Actionfilm, in dem Ford mitspielte (ich denke da z.B. an "Das Kartell" ) ,über einen höheren Bekanntheitsgrad verfügt, ist „Working Girl“ als symptomatisches Sittengemälde der späten 80er Jahre in Vergessenheit geraten.

Oder noch schlimmer!!

Denn vielleicht kann man mit dem Titel noch etwas anfangen, aber über die Jahre bekommen die meisten Komödien dieser Art auf Grund ihrer häufigen Wiederholungen im Fernsehen den Stempel der durchschnittlichen Unterhaltung, kein Cineast mag sich noch ernsthaft damit auseinandersetzen....

Möglicherweise kann man dieses Juwel unter den Gesellschaftskomödien auch deshalb nicht erkennen, weil der deutsche Titel so idiotisch ist. „Die Waffen der Frauen“ sollte emanzipatorisch klingen (was schon damals mißlang), aber heute denkt man da nur noch an irgendwelche sexuellen Anreize.

Dabei ist der schlichte Titel „Working Girl“ geradezu genial in seinem Understatement und trifft das Thema mehr als deutlich. Denn der gesamte Film dreht sich fast nur um Arbeit - zwar innerhalb der sogenannten Finanzwelt, aber die ist hier weit weniger schillernd beschrieben als z.B. in „Wall Street“, sondern geprägt vom harten Kampf um Erfolg und Anerkennung. Es gibt viele Momente in diesem Film, wo man die Protagonisten nicht um ihren Job beneidet...

Der zweite Grund für die heute fehlende Anerkennung könnte an den unglaublich extremen 80er Jahre Outfits der meisten Beteiligten liegen. Wahnsinnig aufgetürmte Föhnfrisuren, buntes Make-Up, Schulterpolster von deformierenden Proportionen und männliche Vokuhila-Frisuren lassen den Film bei oberflächlicher Ansicht als reinen Trash erscheinen.

Unabhängig davon, daß diese Mode damals tatsächlich aktuell war, so galt sie doch auch damals schon in gebildeten Kreisen als geschmacklos. Im Grunde konnte man in dieser Zeit viel deutlicher als heute oder in den 60er Jahren erkennen, welcher Schicht man angehörte und der Film verschweigt das keine Sekunde, sondern verwendet das als wichtiges Stilmittel.

Schon zu Beginn macht Katharine Parker (Sigourney Weather) gegenüber ihrer Sekretärin Tess McGill (Melanie Griffith) deutlich, was sie von deren Optik hält. Allerdings geht sie als Tess’ neue Chefin nicht so weit, irgendetwas daran ändern zu wollen. Denn im Grunde bedeutet Geschmack zu haben und das durch ein schlichteres Outfit auch demonstrieren zu können, sich als Führungspersonal von der arbeitenden Masse abzuheben.

Tess ,die schon längere Zeit versucht, eine bessere Position zu bekommen und sich um Weiterbildung bemüht hat, wird immer wieder daran gehindert – nicht zuletzt weil sie optisch als Sekretärin zu erkennen ist und deshalb nicht für voll genommen wird. Daran erkennt man, wie wichtig die Betonung der damaligen Mode ist, da auch daran Tess’ Veränderung äußerlich deutlich gemacht werden kann.

Als Katharine Parker nämlich einen Skiunfall in Italien erleidet und einige Zeit dadurch von New York entfernt ist, beginnt Tess deren Kleiderschrank, Sprache (sie übt an Hand von Sprachaufnahmen) und Verbindungen zu nutzen, um selber ins Geschäft einsteigen zu können.

Tess, die bisher immer viel zu wenig selbstbewußt aufgetreten war, nutzt deshalb diese Möglichkeiten ,weil sie - als sie in Katharine’s Auftrag deren Post durchgeht – erfährt, daß Katharine eine von Tess entwickelte Geschäftsidee gestohlen hat, ohne sie daran zu beteiligen. Wütend darüber stapelt sie hoch und verkauft sich als Managerin. Als Erstes nimmt sie dabei Kontakt zu Jack Trainer (Harrison Ford) auf, aber nicht ohne sich zuvor ihre Haare schneiden zu lassen....

Dabei agieren die 3 Hauptprotagonisten absolut überzeugend :

- Melanie Griffith gelingt überzeugend die Symbiose von einem einfachen Mädchen, daß nicht aus der besten Gegend stammt, mit einer intelligenten jungen Frau, die sich für mehr interessiert und auch begabt genug dafür zu sein scheint, aus dem vertrauten Korsett zu springen. Sehr schön wird Tess’ privates Umfeld von ihrer Freundin Cyn (Joan Cusack) und ihrem Freund Mick (Alec Baldwin) verkörpert.

- Sigourney Weather ist einfach herrlich in ihrer arroganten Art, die sie mit einer unglaublichen Nonchalance ausspielt . Dabei wird mit der Zeit immer deutlicher, daß sie innerlich so abgehoben ist, daß ihr jegliche Menschenkenntnis abhanden gekommen ist. Weder kann sie bei dem von ihr begehrten Mann dessen wahren Gefühle erkennen, noch ist sie in der Lage, in einer Frau wie Tess McGill deren Potential zu sehen und das obwohl sie die Qualität in deren Idee sofort erkennt.
Es darf eben nicht sein, was nicht sein kann und so scheitert sie im Endeffekt an ihrer mangelnden sozialen Kompetenz....

- Harrison Ford gibt den symphatischen Geschäftsmann für den Karriere nicht Alles ist. Dabei läßt er durchaus durchblicken, daß auch ihm der Erfolg nicht immer leicht fällt und reagiert mehrfach überempfindlich, wenn er sich nicht genug anerkannt fühlt.

Die weiblichen Hauptfiguren sind hier wesentlich kontourierter, aber Ford ist wichtig als männlicher Symphat, denn was in diesem Genre sonst dem männlichen Geschlecht angehört, kann nur unter Kategorien wie Duckmäuser, Besserwisser, Kriecher, Beamtentyp, geiler Aufreisser, Angeber u.ä. abgelegt werden (dabei glänzen damals noch unbekannte Mimen wie Kevin Spacey oder Oliver Platt in fiesen Nebenrollen).
Aber man hat nie das Gefühl dabei, es wäre übertrieben oder gar diffamierend dargestellt, im Gegenteil, die Kerle wirken erschreckend realistisch.

Einzig die allerhöchsten Bosse verfügen über ein gewisses Maß an natürlicher Souveränität.

Äußerlich geht es in diesem Film zwar um den Kampf zwischen Chefin und Sekretärin, aber im Grunde ,um den Versuch beider Frauen in einer männlich dominierten Arbeitswelt ihren Platz zu finden. Letztlich ist Katharine’s unfaires Verhalten auch damit zu begründen, ihre Reputation in diesem Umfeld bewahren zu wollen – ein Umfeld, daß einen zu stetigem Erfolg zwingt.

Und so macht Nichols mit den letzten Bildern das Wesentliche deutlich, um das es ihm geht. So sehr man sich auch bei seiner Arbeit bemüht und einsetzt und durchaus zu persönlichen Erfolgen kommt, man bleibt immer nur ein kleines Rädchen im riesigen Getriebe....

Fazit : eine intelligente Komödie, die wirklich nichts von ihrer Aktualität verloren hat, auch wenn der äußere Anschein anderes manchmal vermuten läßt. Bis in kleinste Nebenrollen überzeugend besetzt und nachempfindbar, dazu absolut kurzweilig und spannend erzählt mit witzigen Dialogen ohne jemals in Plattitüden oder billige Effekte abzugleiten (9/10).

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