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Jason lebt! Wirklich tot oder lebendig war er jedenfalls nie. Ich habe als nachwachsende Slasherfan-Generation das Glück, bei Jason keiner übergreifenden Story folgenden zu müssen und die Dinger in selbstgewählter Reihenfolge zu gucken. Das bedeutet: Je nachdem, wie sie mir über den Weg laufen. Angefangen hat es mit Jason X, dann kam Teil 9, dann Teil 7, danach 1,2,5,8 und nun eben Teil 6. Der vorerst letzte Ausflug nach ehemals Camp Blood glänzt durch die besten Dialoge so far, comichafte Mordszenen und Jason, der erstmals Mut zu offener Ironie beweist. Tommy Jarvis (Thom Mathews) belebt Jason Voorhees versehentlich wieder, als er versucht sein Trauma zu überwinden. Seine Versuche, die Einwohner bei Chrystal Lake zu warnen enden im hiesigen Gefängnis. Nachdem die ersten Morde geschehen, versucht er, gemeinsam mit der Tochter des Sheriffs (Jennifer Garris), Jason endgültig zu besiegen.

Regisseur Tom McLoughlin bringt erstmals offensichtlichen Humor in die Reihe und inszeniert den Film unverhohlen als genau das, was sie immer sein sollte: Spaßiges Entertainment. Quasi nebenbei seziert er das Slashergenre und katapultiert es zu seinem Ursprung. In der besten Szene wird Jason völlig gewaltfrei auf das reduziert, was er ist. Der Boogeyman, der kleinen Kindern Angst machen soll, um sie im späteren Leben vor sexuellen Versuchungen zu behüten. Folgerichtig muss das verschonte Kind beten als Jason vor ihm steht. Es betet, damit ihm Gnade gewährt wird und natürlich gelobt es im Gebet ewig fromm zu sein.

Für Fans hat Teil 6 vor allem einen nostalgischen Bonus. Slasherfans sind äußerst konservativ und schätzen daher bekannten Muster und Schemata. Folgerichtig kehrt die Serie zum vorerst letzten Mal zu dem lieb gewonnenen Camp-Thema zurück. Gleichgültig, dass dieses Szenario genauso austauschbar ist, wie in seinen Vorgängern und Nachfolgern. Jason lebt....lebt filmisch gesehen durch eine dynamische Kamera (Friedhofszene), einige gelungene Übergänge und Spannungsbögen, einen tollen Soundtrack und feinste 80er Atmosphäre im Allgemeinen. Autoverfolgungen waren anscheinend ebenfalls schwer in Mode und so werden Jasons Morde diesmal von regelmäßigen Autostunts flankiert. Erstmals wird Ernsthaftigkeit geflissentlich ignoriert und ganz betont auf Spaß, Ironie und Selbstreflexion gesetzt. Nicht genug, dass die Straßen „Cunningham Road" und der Nachbarort „Carpenter" heißt, die Protagonisten haben laut Selbstauskunft „Schon genug Horrorfilme gesehen" und verhalten sich dann trotzdem dumm genug, um draufzugehen. Das sind alles Ansätze, die Kevin Williamson knappe zehn Jahre später konsequent zu Ende gedacht hat. Erstmals werden nur männliche Brustwarzen gezeigt und Alpträume werden dem schlechten Einfluss des Fernsehens zugeschrieben. Jason ist nun erstmals jene übermenschliche Mordmaschine und hat sich somit zum letzten Mal verpuppt, bevor „Jason X" (2001) noch einmal erfolglos versuchte, mit „Über-Jason" einen draufzusetzen. Schwer zu sagen, wie weit die Selbstreflexion in diesem Film geht. Sollen die Hamster im Laufrad-Szenen ironisch signalisieren, dass die Serie seit Anfang an auf der Stelle tritt? Egal: Für mich ist Jason, Teil 6 der Zenit der Serie, der mit all dem glänzen kann, was den prüden Hockeyfan groß gemacht hat. Das ist zugegeben nicht allzu viel, hat aber seine Qualitäten. Solides Handwerk, diesmal sogar mit eigener Handschrift.

Daran werde ich mich erinnern: Unglaublicherweise an die Dialogszene: „Wir spielen Karten: Der Pik Bube ist Jason"

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