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Jason: Der lustige Untote!
Teil Fünf, "Ein neuer Anfang", lief zwar ganz ansehnlich in den Kinos, genießt aber bei Hardcore-Fans eher einen unbeliebten Status, da nicht der richtige Jason mit gezogener Machete durch die Botanik streifte, sondern ein Nachahmer. Die negative Resonanz auf diese fast schon krimiähnlichen Elemente wurde von Paramount ernst genommen, und als Trost für die Fans lassen sie Jason wieder auferstehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit "Jason lebt" - einem recht eindeutigen Titel - beginnt der endgültige Kult um den Killer vom Camp Crystal.

Am Anfang sehen wir Tommy und seinen Kumpel, wie sie auf den Weg zum Grab von Jason sind. Tommy - Fans bekannt aus den beiden letzten Teilen - will sich endlich mal vergewissern, dass Jason die Kartoffeln wirklich von unten sieht, und nimmt zur absoluten Vergewisserung noch einen Kasten Benzin mit. Er möchte Jason in die Hölle schicken. Man grebt den alten Horst also aus und findet eine madige Leiche vor. Rüpel Tommy muss seinen Frust auslassen - er greift nach einem Zaunpfahl, reißt ihn ab und sticht auf Jasons Leiche ein. Dummerweise lässt er beim letzten Hieb den Pfahl in Jasons Körper stecken, und aus einer Laune der Natur heraus muss es ausgerechnet jetzt Blitz und Donner geben. Ein Blitz trifft den Pfahl wie einen Blitzableiter, und der Strom fließt durch Jasons Körper.
Ein Auge schießt auf und Strahlemann ist zurück.

Nach halbwegs erfolgreicher Flucht (Tommys Kumpan musste als Erster den Löffel abgeben) gerät Tommy an den Sheriff von Camp Crystal, das jetzt furchtbar kitschig "Camp Green Forrest" heißt. Er erzählt dem gelockten Sheriff die ganze Story, der diese aber nicht schlucken will. Er stempelt Tommy für irre ab und sperrt ihn hinter Schloss und Riegel. Derweil lernen wir drei oder vier Teenager kennen (aber keine ganze Gruppe! Danke, lieber Gott!), die natürlich das alte Camp wieder zum Leben erwecken wollen. (Wie oft wollten das jetzt welche und wie oft sind alle dabei draufgegangen? Lest mal Zeitung, ihr Heinis). Eine von ihnen ist auch Maggie, das Töchterchen des Sherrifs, das sich bei einem Besuch ihres Vaters im Revier in Tommy verguckt. Hach...

Wer sich jetzt über die Abwesenheit der befürchteten Gruppe asozialer Teenies freut, darf nicht lange aufatmen. Das Camp wird ja nun nicht aus Jux wieder eröffnet. So kommt in der nahen Mitte des Films ein Bus mit dutzenden, ach was, hunderten kleinen Rotzgören an. Deren Einsatz ist allerdings einigermaßen dezent. Es hätte schlimmer kommen können.
Wie auch immer, Jason ist wieder unterwegs, diesmal tot und wahrscheinlich ein bisschen müffelnd. Auf dem Hinweg zum Camp meuchelt er, um sich wieder einzugewöhnen. Dabei fallen ihm nur Leute zum Opfer, die  vorher für eine Minute gezeigt werden. Und da soll man Sympathie aufbauen?

Am Camp angekommen, geht es dann Schlag auf Schlag. Die eh nur störenden Teenager werden abgemurkst (die kleinen Kinder selbstverständlich verschont - Jason ist kinderlieb), und Tommy und Maggie machen sich auf, dem Unheil entgegenzuwirken, dass Jason über alle bringt. Tommy fasst hierbei einen netten Plan. Er will Jason per Kette und daran befestigtem Stein in die Untiefen des Crystal Lakes verbannen, weil er da auch umgekommen ist. Moment... aber er ist doch da gar nicht gestorben. Das wollen mir jedenfalls die Vorgänger klar machen. Die Reihe wird sich doch nicht selbst widersprechen, oder? Gehirnschmalz beiseite, Tommy schafft es natürlich, ertrinkt fast, überlebt aber nach Mund-zu-Mund-Beatmung seitens Maggie und in der Schlussszene guckt uns Jasons glückliches Auge aus seinem neuen, wässrigen Grab an.

"Jason lebt" ist nun der erste Teil, der richtige, humorhafte Züge trägt. Statt bemüht ernsten Horror abzuliefern, setzt man alles auf Ironie und Spaß, um der Reihe neue Facetten abzugewinnen. Das Ergebnis ist eines der besten Sequels der Reihe. Man muss wohl natürlich dafür offen sein. Freunde ernster Horrorkost werden nicht wirklich auf ihre Kosten kommen. Jason selbst wird hier zu einer Mischung aus Michael Meyers und Freddy Krueger. Er stapft stumm und mordend durch die Gegend, regt aber mit manchen Aktionen wirklich zum grinsen an. So auch sein irritierter Blick auf den ausgerissen Arm einer Person, den er nach einer etwas zu dollen Schleuderei noch in der Hand hält. Auch schön sein fast schon enttäuschter Blick auf seine Brust, als er von einer Farbpatrone mit roter Farbe getroffen wird.

Das macht alles Spaß und verdeckt einigermaßen die sonst allzu sichtbaren Schwächen. Schon wieder spielt sich alles am See ab, dessen Atmosphäre nach fünf Filmen nun wirklich langsam ausgenuckelt ist. Ein bisschen nervend auch die Unlogik der Figuren, die immer vorm schleichenden Mann mit Maske davonlaufen, statt mal handgreiflich zu werden und ihm wenigstens versuchen, den Kopf abzuschlagen. Auf die Idee kommt keiner, obwohl Jasons Mutter im ersten Teil bekanntlich so starb. Komisch. Auch der Sheriff handelt ein bisschen klischeehaft. Tommy erzählt ihm die Geschichte hundertmal, und niemand will ihm glauben. Statt Sherrif Locke mal ein paar Fakten überprüft, stellt er recht früh die These in den Raum, der Bengel wolle sie nur verwirren, während er der eigentliche Mörder ist. Klaro.

Aber trotzdem bin ich überrascht. Ja, sogar fast enttäuscht, weil ich hier nicht so übers Leder ziehen kann wie bei den Vorgängern. Es ist schwer, Schwächen bei einem Film freizulegen, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Das macht den sechsten Ableger der Franchise auch erstaunlich unterhaltsam. Sonst habe ich mich immer gelangweilt bei allen vorherigen Filmen, aber dieser hier entwickelt wenigstens ein bisschen Spannung. Nicht viel, aber es reicht, um nicht unentwegt den Harndrang als Ausrede nutzen zu müssen. Schön auch die diversen Anspielungen auf Horrorkollegen. Den Anfang hat man schön von Frankensteins Monster kopiert, und ein paar Details sind (zumindest mir) auch aufgefallen. So wird immer wieder eine Stadt namens Carpenter erwähnt (John, Schöpfer von Michael Meyers) und ein Gör unter den Kindern wird leicht vorgehoben: Nancy (zufällig war es eine Nancy, die Freddy Krueger in drei Nightmare-Filmen entgegentritt).
Nennt es Zufall, ich nenn es Verbundenheit.
Oder warum hieß ein Köter in "Nightmare 4" Jason?

Fazit

Überraschend unterhaltsamer Ableger der Friday-Reihe, der es schafft, durch netter Ironie und ein paar Anspielungen die serientypischen Schwächen zumindest zeitweilig zu verdecken.

5,5/10

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