Review
von Alex Kiensch
Tommy Jarvis, Jasons Hauptgegner aus den beiden vorhergehenden Filmen, findet keine Ruhe. Mit einem Bekannten macht er sich auf, das Grab des irren Massenmörders zu finden und Jasons Leiche für immer zu zerstören. Doch stattdessen bewirkt er versehentlich, dass ein Blitzschlag den Toten wieder zum Leben erweckt - und erneut nimmt ein grausames Blutbad in den Wäldern des Crystal Lake seinen Lauf.
Keine einzige der zahlreichen Fortsetzungen des Kult-Klassikers von 1980 konnte dem Original das Wasser reichen - aber dieser sechste Teil ist mit Abstand am nächsten dran. So sorgen eine ganze Reihe düsterer Bilder des nächtlichen, von Nebelschwaden durchzogenen Waldes für gruselige Stimmung, die zwar alteingesessene Horrorfans kaum vom Hocker hauen werden, die aber eine dichte Atmosphäre der Einsamkeit und Bedrohung aufkommen lassen.
Man merkt dem Film an, dass er mit deutlich größerem Budget inszeniert wurde als seine Vorgänger. Da gibt es durchaus aufwendige Actionszenen, eine souveräne Kameraführung und Schauspieler, die angesichts der begrenzten Möglichkeiten in einem Horrorfilm zumindest nicht ganz schlecht sind. Das Wichtigste jedoch ist definitiv eines: Im Gegensatz zu den anderen Fortsetzungen bietet dieser Beitrag eine gehörige Portion Selbstironie. Man merkt deutlich, dass sich der Film nicht allzu ernst nimmt, und das hebt ihn sogleich auf ein ganz anderes Niveau. Denn während sich die anderen Beiträge der Reihe in ihrer meistens ausgeprägten Primitivität viel zu ernst nahmen, gibt es hier für den Horrorfan einiges zu lachen. Schon allein der Vorspann, der sich an den Stil von James Bond-Filmen anlehnt, zeigt, wohin es geht. Auch liefern die sympathischen Figuren ständig lässige Sprüche ("Ich hab genug Horrorfilme gesehen, um zu wissen, dass Typen mit Masken selten freundlich sind", sagt eine Frau, vor der urplötzlich Jason auftaucht) und es gibt eine ganze Reihe von Anspielungen und Zitaten auf andere Genre-Klassiker wie "Halloween" oder "A nightmare on Elm Street". So hat nicht nur der eingefleischte Jason-Fan seine helle Freude an diesem blutigen Streifzug.
Doch neben der befreienden Ironie kommt auch die Spannung diesmal nicht zu kurz. Dank der stark inszenierten Bilder - wenn Jason zum Beispiel mit blutiger Machete langsam durch den Schlafsaal einer Kindergruppe wandert - vermag einen der Film immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Obwohl die einzelnen Horror-Elemente eher Standard sind, wie etwa knarrende, sich von allein öffnende Türen oder stürmische Gewitternächte, erzeugt das Gesamtprodukt einen durchaus packenden Spannungssog, der in einem so packenden Finale gipfelt, wie es das seit dem zweiten Teil nicht mehr gab. Einen gewichtigen Anteil daran dürften auch die drastischen Splatter-Effekte haben, die mitunter ebenso ironisch überdreht wie der Film selbst daher kommen.
Bei all dem stört es kaum, dass die Story genrebedingt flach und vorhersehbar bleibt, dass die Figuren kaum entwickelt werden und dass es im Detail mit der Logik nicht allzu weit her ist. Insgesamt ist der sechste "Freitag, der 13."-Teil mit Abstand die beste aller Fortsetzungen und kann allen Horrorfreunden wärmstens empfohlen werden.