Ein Häftling in Alcatraz, gespielt von Kevin Bacon, wird nach einem Ausbruchversuch vom sadistischen Gefängnisdirektor, gespielt von Gary Oldman, für 3 Jahre in Einzelhaft gesperrt und als er völlig verstört wieder aus dieser entlassen wird, tötet er einen seiner Mithäftlinge. Sein Anwalt, gespielt von Christian Slater, beginnt beim Gerichtsverfahren den Kampf gegen Alcatraz.
Die Story stützt sich laut den Filmmachern auf wahre Begebenheiten, allerdings sind die Informationen über das damalige Verfahren nicht mehr nachvollziehbar und stützen sich hauptsächlich auf Augenzeugen. Hinzu kommt natürlich noch die übliche Hollywood-Dramatisierung der Ereignisse. Eigentlich ist es aber auch egal, ob sich der Film nun auf wahre Begebenheiten stützt, oder nicht, denn auch ohne realen Hintergrund ist er überaus schonungslos, verstörend und schockierend. Die Story, ob sie nun fiktiv ist oder nicht, ist auf jeden Fall gut. Der Film wird aus der Perspektive des Anwalts erzählt, wobei dieser dabei aber kaum weiter behandelt wird und auch die Charakterkonstruktionen der Mitarbeiter von Alcatraz entsprechen dem typischen Klischee. Die Veränderung Bacons jedoch ist überzeugend und bewegend dargestellt und der Weg, mit dem Alcatraz aus dem Dieb einen Krüppel und Mörder machte ist überaus schonungslos und vielschichtig dargestellt. Vor allem beim Verfahren geht der Film weit über die Grenzen der üblichen Gefängnis-Dramen hinaus und wirft einen hervorragenden Blick in menschliche Abgründe. Das Ende ist zwar zugegebenermaßen überdramatisiert, aber ansonsten sind die Wendungen gut, realistisch und vor allem unvorhersehbar, da sich der Film über weite Strecken vom gängigen Muster entfernt.
Regisseur Marc Rocco liefert zu der bewegenden Story die entsprechende Umsetzung. Die Kulisse der Kerker von Alcatraz ist gut gewählt und zeigt die Qualen, die Häftlinge dort erdulden mussten, bevor schließlich eine Lockerung der Haftbedingungen in Kraft trat. Die Atmosphäre ist die ganze Zeit über melancholisch, da von Anfang bis Ende geschickt Mitleid mit Bacon erzeugt wird und natürlich auch gespannt, da ihm für seinen Mord ein Todesurteil droht. Die Filmmusik ist die meiste Zeit über ruhig und tritt lediglich beim überaus emotionalen und dramatischen Ende in den Vordergrund, um der Willensstärke Bacons den entsprechenden Pathos zu liefern. Auch wenn hier selbstverständlich ein wenig übertrieben wird, ist es eine überaus gelungene Art den Film zu beenden, da sich dieses bewegende Finale wirklich lang in der Erinnerung des Zuschauers hält. Das Erzähltempo ist langsam genug, um die Dramatik geschickt aufzubauen, aber auch schnell genug, um die ganze Zeit über gut unerhalten zu können und Spannung aufbauen zu können. Schade, dass der offensichtlich talentierte Regisseur Mark Rocco, der mit "Murder in the First" sein erstes größeres Werk ablieferte nie den Durchbruch schaffte.
Kevin Bacon rundet den gelungenen Film ab. Er spielt wirklich überragend und zeigt nach seiner Rolle als Psychopath in "Am wilden Fluss" und seiner Rolle als Anwalt in "Eine Frage der Ehre" erneut seine Vielseitigkeit und liefert neben seiner Nebenrolle in "JFK" die wohl beste und vor allem bewegendste Leistung seiner Karriere als gefolterter und seelisch verkrüppelter Ex-Häftling von Alcatraz ab. Gary Oldmen findet sich in der Rolle des sadistischen und leicht psychopathischen Gefängnisdirektors hervorragend zu Recht, zumal er diese schon in "Leon - Der Profi" perfektionieren konnte. Christian Slater spielt wie immer solide und findet sich in der Rolle des unerfahrenen aber bemühten Anwalt ganz gut zu Recht, wobei ich mir von ihm eine ähnlich bewegende Darstellung wie von Bacon erhofft hätte. William H. Macy spielt die Rolle des Staatsanwalts ordentlich und zeigt sich auch am Anfang seiner Karriere überaus routiniert.
Fazit:
"Murder in the First" ist ein hervorragendes Drama mit einer guten, wenn auch auf zweifelhaften Fakten beruhenden Story, einer überaus bewegenden und emotionalen Umsetzung und einem herausragend aufspielenden Kevin Bacon. Auch wenn er zum Ende hin etwas zu sehr dramatisiert wird, ist der Film von Anfang bis Ende spannend und dramatisch und damit auf jeden Fall empfehlenswert.
87%