Der Independentfilm „Evenhand – 2 Cops in Texas“ kann vor allem durch seine durchweg nüchterne und realistische Atmosphäre überzeugen. Der eigentlich total unspektakuläre Alltag zweier Kleinstadt-Polizisten ist unterhaltsam und entwirft ein wirklich authentisches Bild der Polizeiarbeit, vorurteilsfrei und ohne Partei zu ergreifen.
Die Charaktere sind vielschichtig und glaubhaft gezeichnet, das Drehbuch glänzt mit hervorragenden Dialogen und schauspielerisch gibt es auch nichts auszusetzen. Zwar findet sich in der Besetzung kein bekannter Name, doch gerade weil „Evenhand“ im Kleinstadtmileu angesiedelt ist sind große Hollywood-Stars nicht nötig um den Film zu tragen.
Kameramann Tim Orr gilt inzwischen als Größe in Independent-Kreisen und dieses Werk zeigt warum: Orr schafft es die meist recht tristen und schlichten Schauplätze perfekt zu filmen, der Look macht einen großen Teil der filmischen Klasse aus. Ohne moderne Spielereien fängt die Optik die innere Trostlosigkeit der Protagonisten ein , die kurze Laufzeit und das straffe Drehbuch garantieren aber auch kurzweilige Unterhaltung.
Der subtile Humor entsteht vor allem durch die teils leicht skurrilen Nebenrollen und durch die Konflikte und Diskussionen zwischen den Hauptfiguren. Die Ironie gewinnt jedoch nie Überhand und der Grundton bleibt durchaus ernst, bis zum tragischen und kompromisslosen Ende.
Diese Konflikte die unterschiedlichen Auffassungen von guter Polizeiarbeit sind weitesgehend klischeefrei inszeniert und funktionieren dank der motivierten und talentierten Darsteller bestens. Die nüchterne und glaubhafte Vorstellung die die mir völlig unbekannten Darsteller liefern ist beeindruckend, da der Film großen Wert legt auf die Fokussierung der Charaktere. Gute Schauspieler sind für ein solches Projekt wesentlich wichtiger als Unmengen von Geld. Action findet nicht statt, es gibt weder klischeehafte Verfolgungsjagden noch unnötige Gewaltdarstellung. Für ein Mainstreampublikum dürfte diese kleine Produktion daher wohl zu unspektakulär und zynisch sein, alle die mit einfachen aber ambitionierten Independentfilmen was anfangen können dürften von „Evenhand“ nicht enttäuscht sein.
„Evenhand“ einem Genre zuzuordnen fällt schwer, das minimalistische Konzept geht jedenfalls voll auf und in Anbetracht der Machart gibt es erstaunlich wenig Längen. Sowohl schauspielerisches wie inszenatorisches Talent ist reichlich vorhanden, so das der Film mehr internationale Beachtung verdient hätte.
Insgesamt 7,5 / 10