Nonnen hatten im Bereich des Exploitationfilms schon immer eine ungünstige Position, denn entweder quälen sie oder sie werden zu Opfern, - soll ja schließlich provozieren.
In "Nonnen bis aufs Blut gequält", so der gängige Alternativtitel, geht es nicht ganz so unbarmherzig zur Sache wie vermutet, jedoch ist phasenweise erstaunlich viel Tiefgang auszumachen.
Italien im 15. Jahrhundert: Flavia (Florinda Bolkan) wurde von ihrem Vater ins Kloster geschickt, doch wirklich wohl fühlt sie sich hier nicht. Immer wieder hinterfragt sie die Machtstellungen des Mannes und bricht eines Tages aus. Kurz darauf fallen die Moslems über das Gebiet her, deren Anführer sich Flavia kurzerhand anschließt, um Rache an ihren Unterdrückern zu nehmen...
Tatsächlich ist ein wenig Gesellschaftskritik auszumachen, denn Flavia missfällt die Machtstellung des Mannes, beobachtet eine ungesühnte Vergewaltigung im Schweinestall und prangert an, dass Frauen meistens nur zu schweigen haben, während Kerle ihrer Willkür nachgehen. Erst später erfährt sie, dass Oberschwester Agatha (Maria Casarès) ähnlich tickt, als diese versucht, Flavia ein natürliches Körpergefühl zu vermitteln.
Allzu explizit geht es allerdings nicht zur Sache, obgleich ein paar entblößte Oberweiten und zeitgemäße Bären auszumachen sind. Gewalttechnisch gibt es eine Enthauptung, verbrannte Haut, ein paar Leichen, abgezogene Haut und eine abgeschnittene Brustwarze, wobei die Kastration eines Pferdes am ehesten Unwohlsein verursacht. Halbwegs ordentlich getrickst sind jene Szenen schon, nur das Blut ist teilweise etwas zu hell und dickflüssig.
Bei alledem kommt zwar nicht allzu viel Spannung auf und die Entwicklung einer eher zurückhaltenden Nonne zu einer Art Johanna von Orleans wirkt im letzten Drittel ein wenig unglaubwürdig, doch dank der soliden Ausstattung, den passablen darstellerischen Leistungen und dem gefälligen Score mit markantem Hauptthema fällt die Chose einigermaßen atmosphärisch aus.
Weniger überzeugend fallen die Schwertkämpfe aus, denn die wirken wie Vorbereitungen für die Freilichtbühne, zumal in diesen Abschnitten überhaupt kein Blut vergossen wird.
Demgegenüber können die ruhigen Passagen eher überzeugen, besonders die Dialoge zwischen Flavia und dem etwa gleichaltrigen Abraham lassen ein wenig Philosophie einfließen, wogegen die Gespräche mit Agatha ein paar Standpunkte in Richtung Gleichbehandlung und Vorurteile gegenüber Religionen thematisieren ("Die Moslems tun dir nichts an, was nicht schon die Christen begangen hätten").
Tatsächlich sind die nachdenklich stimmenden Momente die Highlights des Streifens, während jene, die schockieren sollen, weitgehend kalt lassen und den Gorehound eher selten erfreuen. Darstellerisch ist primär Hauptdarstellerin Florinda Bolkan positiv zu erwähnen, welche viel Ausstrahlung mitbringt und recht nuanciert performt und die dünne Handlung größtenteils allein tragen kann.
Insgesamt kein sonderlich aufregender oder gar schockierender Streifen, aber okay für Nunploitationfans.
6 von 10