Die junge Flavia wird von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, in dem sie nicht nur dem praktizierten Glauben zu Gott, sondern immer mehr innerhalb und außerhalb der dicken Mauern der Abschottung von der Realität nachgeht. Sie zweifelt das Recht des Patricharchats der Kirche an, was zu unüberwindbaren Konflikten führt und sie aus dem Kloster fliehen läßt. Die Unzufriedenheit über gedemütigte und kurz gehaltene Frauen in ihrer Welt des 15. Jahrhunderts läßt sie sogar Rachepläne schmieden, für die sie sich die Unterstützung der moslemischen Eroberer zunutze macht. Dieses Drama unterscheidet sich damit grundlegend von den meist billigen und aussagelosen Nunploitationstreifen der 70er Jahre, solche feministischen Ansätze sind hier geradezu exotisch. Ebenso untypisch ist der geringe Trashgehalt für diese Kategorie. Dazu tragen vor allem die ungewöhnlich ernsthafte Sichtweise von Regisseur Gianfranco Mingozzi, der gute Soundtrack und die wenigen, aber teils harschen Folterszenen bei, vor allem aber die beeindruckenden Traumbilder, die ohne Kitsch, aber mit viel Gefühl für psychedelische Metaphern gezeigt werden. Die Charaktere sind zudem ordentlich gezeichnet, das gilt insbesondere für Flavia (Florinda Bolkan), die sich von der schweigsamen Nonne zur Jeanne D'Arc ihrer Zeit verwandelt. Die für Exploiter so typischen Erotikszenen sind hier mal nicht Mittel zum Selbstzweck und haben nicht einfach Schmuddelerotikcharakter, Hut ab. Und für alle Gorehounds sei noch mal erwähnt: "Nonnen bis aufs Blut gequält" hat mit "Hexen bis aufs Blut gequält" u.ä. wenig gemein, der Schwerpunkt liegt hier nicht allein bei Folterungen, sondern den seelischen Qualen einer ketzerischen Katholikin, die an ihren eigenen Idealen scheitert.
Fazit: Absolutes Nunploitationhighlight, das in der Kategorie Drama goldrichtig ist, aber auch (wenige) herbe Szenen enthält. 8/10 Punkten