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Machomäßig, zynisch und über jeden Zweifel erhaben, das sind die Markenzeichen von Clint Eastwood (Gran Torino, Firefox), die er besonders als Harry Callahan auslebte. Dieses Image wird auch ewig an ihm haften bleiben, wobei ich dies als positiver Segen bezeichne. Nach "Dirty Harry kommt zurück" versuchte Eastwood dennoch ein wenig wegzukommen, neben der Actionkomödie "City Heat" verkörpert er auch in "Der Wolf hetzt die Meute" eine etwas andere Figur. Dank des reißerischen, deutschen Titels werden die Zuschauer etwas in die Irre geführt und sind dementsprechend enttäuscht. Der Originaltitel lautet "Tightrope" was übersetzt soviel wie Balanceakt oder Drahtseilakt heißt und dies ergibt durchaus mehr Sinn. Regisseur und Drehbuchautor Richard Tuggle schrieb schon das Skript zu Eastwoods "Flucht von Alcatraz".

Wes Block (Clint Eastwood) gehört zu einer Sondereinheit, die sich mit Sexualverbrechen beschäftigen. Nun hält ein Mörder die Szene in Atem, besonders da er es auf Block abgesehen zu haben scheint. Jegliche Prostituierte mit der sich Block vergnügt hat, wird vom unbekannten Killer kurze Zeit später ermordet. Auch privat steht es nicht gut um Block, seine Frau hat ihn verlassen und nun muss er sich allein um seine beiden Kinder Amanda (Alison Eastwood) und Penny (Jenny Beck) kümmern. Hilfe findet er bei Beryl Thibodeaux (Geneviève Bujold), mit der Block eine neue Beziehung beginnt. Doch der Killer mordet weiter und kommt Blocks Familie immer näher. Schnell ist die Nacht gekommen, wo er in Blocks Haus einsteigt, seine beiden Kinder schweben in größter Gefahr.

Selbst für das Entstehungsjahr ist "Der Wolf hetzt die Meute" ein sehr altmodischer Genrevertreter, der mehr an eine Serienkillerhatz in den 70er Jahren erinnert. Dementsprechend fällt auch der rein instrumentale Score aus, dem es leider am letzten Schliff mangelt. Dafür bietet uns Tuggle eine sehr intensive Durchleuchtung der sadomasochistischen Szene, der Großteil des Films spielt bei Nacht. New Orleans ist hier ein einziger Pfuhl, bestehend aus grausamen Verbrechen, die düster, dreckige und teilweise auch bedrohliche Kulisse zieht Block samt dem Zuschauer in ihren Bann. Verschmutzte Hinterhöfe, schmierige und verrauchte Kneipen, das sind die Orte wo Block nachts seine Ermittlungen durchführt, anstatt daheim bei seinen Kindern zu sein. Warum ihn seine Frau verlassen hat erfahren wir nicht, aber die Kinder wollen lieber bei ihm bleiben und so muss meist ein Kindermädchen abends herhalten. Der Killer schlägt derweil fast jede Nacht zu und scheint Block auch zu kennen. Er hinterlässt keine Fingerabdrücke und erwürgt seine Opfer mit einem roten Band, während er sich danach an ihnen vergeht. Tuggle deutet die Morde immer nur an, das Gesicht des Killers ist auch nie zu sehen, sondern immer durch unterschiedliche Masken bedeckt.

Die Ermittlungen von Block und Partner Molinari (Dan Hedaya) laufen nur schleppend und genauso ist auch das Erzähltempo von Tuggle. Hoch anzurechnen ist, dass sich Tuggle wirklich intensiv mit seinen Figuren beschäftigt, doch die ein oder andere Szene hätte man ruhig weglassen können. Spannend darf es zwar werden, wenn der Killer zuschlägt, doch diese Momente sind immer sehr kurz. Recht amüsant dagegen ist das Kennenlernen von Block und Beryl, die sich gemäß dem Filmgesetz ineinander verlieben dürfen und somit hat unser Killer eine weitere Beute gefunden. Denn der ermordet fleißig die Prostituierten, mit denen sich Block während seiner nächtlichen Ermittlungen vergnügte und greift auch bald dessen Familie an. Dabei darf sich der Film erst in der zweiten Halbzeit richtig entfalten, hier gibt es einige spannende Momente wie die Durchsuchung des Lagerhauses, oder der Einbruch in Blocks Haus. Auch typisch für Eastwood-Filme ist das Finale, wo sich Block und der Killer eine Hetzjagd zu Fuß liefern mit anschließendem Zweikampf. Jedoch wird der Zuschauer in keinster Weise zum Miträtseln animiert, denn der Täter befindet sich nicht in Blocks Umfeld. Daher bleibt eine Überraschung zum Abschluss aus, dennoch ist das Finale sehr gelungen. Erfreulicherweise ist alles sehr realistisch gehalten, nicht in üblicher Callahan-Manier. Clint Eastwood weiß dabei als leicht verletzlicher Ermittler zu überzeugen, genauso die Kanadierin Geneviève Bujold (Die Unzertrennlichen, Coma) in ihrer starken Frauenrolle. Dan Hedaya (Zivilprozess, Down) verkörpert Blocks Kollegen und Eastwoods richtige Tochter Alison spielt auch seine Filmtochter und erhielt dafür sogar eine Auszeichnung.

Eine sehr altmodische Hatz auf einen gefährlichen Serienkiller, die allerdings mehr Tempo vertragen könnte. Dank der spannenden zweiten Halbzeit, gut ausgearbeiteten Charakteren und den glaubwürdigen Darstellern ist er noch knappe 7 Punkte wert.

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