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Was hätte man aus diesem Sujet alles machen können: ein Killer ermordet Prostituierte, der Ermittler (gespielt von Eastwood) ist zwar wie besessen bei der Arbeit, aber er hat ein dunkles Geheimnis: er selbst ist regelmäßiger Gast im Rotlichtviertel von New Orleans, und die Mordopfer hat er vor ihrem Tod oftmals selbst besucht. Und er steht auf Sex mit Handschellen. Und er lässt es sich nicht nehmen, Ermittlungsarbeiten mit seinen Trieben zu kombinieren...
Thriller, die so ähnlich sind, gibt es zwar so viele, dass es bei den Produktionskosten Mengenrabatt geben müsste, aber dennoch lässt sich daraus immer wieder was Spannendes drehen - vorausgesetzt, der Regisseur findet die richtigen Bilder. Dieser Regisseur - ein gewisser Richard Tuggle - findet nur welche, die schon unzählige Male vorher gefunden wurden.
Dabei fängt alles ganz vielversprechend an: eine "Malpaso"- Produktion, Jazzmusik von Lennie Niehaus: so fangen Eastwoods Filme meistens an, nur: dies ist kein solcher, denn Clint hätte ihn wirklich selbst drehen sollen. Was es bedeutet, dass er das nicht getan hat, sieht man in der Sequenz, die sich an die Anfangstitel anschließt: eine junge Frau (übrigens Jamie Rose, "Die Lady mit dem Colt") geht eine nächtliche Straße entlang; jemand, von dem man nur die Schuhe sieht und der nur ein Killer sein kann, folgt ihr, und schließlich sehen wir, dass er sich als Cop verkleidet hat. Wir sehen auch, dass es nicht Eastwood selbst ist. Und damit ist die Story schon fast erzählt. Was nun noch kommt, sind Spurenaufnahmen, Clints bereits erwähnte (und völlig harmlose) Obsessionen, seine Liebesgeschichte mit der Powerfrau (übrigens toll gespielt von Genevieve Bufold: größter Lichtblick in diesem Film!), dann der Angriff auf Clints Kinder, zwei entscheidende Showdowns (es klappt ja nie beim ersten Mal), die sterblichen Überreste der Haushälterin in der Waschmaschine und so weiter, und so fort. Alles ist vorhersehbar: wann der Killer zuschlagen wird, wen es treffen wird, wo es geschehen wird, hinter welcher Maske er sich diesmal verstecken wird usw.. Selbst sein Ende auf den Bahngleisen können wir uns in etwa vorstellen (obwohl der abgerissene Arm doch noch eine kleine Überraschung bringt, die irgendwie nett anzusehen ist).
Wie solche Geschichten erzählt werden könnten, wird seit Hitchcocks "Strangers on a train" immer wieder vorgeführt, aber besagter "Richard Tuggle" scheint alle Filme dieses Genres verpasst zu haben: Täter und Ermittler wirken dann am faszinierendsten, wenn sie gewissermaßen ein Pärchen bilden, wenn der eine sich selbst im anderen wiedererkennt. Hier mag es ja so sein, dass der Täter Verbindung zu Eastwood aufnehmen will (in einer Szene bestellt er für ihn sogar einen Stricher), aber alles wird so platt dargeboten, dass es den Zuschauer kaum noch interessiert, wer der Täter eigentlich ist und ob Clint eine Verbindung zu ihm hat. Während der Verfolgungsjagd kurz vor den Bahngleisen kommt eher die Frage auf, wann dieser Krampf endlich zu Ende geht - man hat schließlich noch mehr an dem Abend vor...
Fazit: nur geeignet für Leute, die absolut jeden Killerthriller gesehen haben wollen. Und selbst die sollten in der peinlichen Szene im Fitnessraum, in der Clint balzenderweise um Genevieve herumturnt, lieber mal zum Bierholen rausgehen.

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