Im "French Quarter", dem Amüsier-Viertel von New Orleans, geht ein psychopathischer Frauenmörder um und sucht sich seine Opfer unter den dort tätigen Prostituierten, die er zuvor fesselt und vergewaltigt. Der in dem Fall ermittelnde Polizist Wes Block, der sich, seit er von seiner Frau mit seinen beiden Töchtern Amanda und Penny sitzengelassen wurde, in dem Milieu auch ganz gerne mal mit Fesselspielchen und schnellem Sex die Zeit vertreibt, ist folglich auch gar nicht begeistert davon, dass er sich nun dienstlich in der Gegend blicken lassen muss. Allerdings stößt er schon bald auf Hinweise darauf, dass es sich bei dem Killer wohlmöglich um einen Cop handeln könnte. Als der Psychopath Blocks Vorlieben auf die Schliche kommt, meint dieser, in dem Ermittler so etwas wie eine verwandte Seele zu erkennen. Bald schon beginnt der Irre damit, Block persönlich Hinweise auf seine nächsten Taten zukommen zu lassen und natürlich genau die Prostituierten umzubringen, bei denen er Stammkunde ist... Man kann sich gut vorstellen, was einen Star vom Kaliber Clint Eastwoods an Richard Tuggles Psycho-Thriller gereizt haben könnte: Als Schauspieler hat Eastwood nämlich selbst unter eigener Regie nie davor zurückgeschreckt, Charaktere darzustellen, die, wenn sie schon nicht als Bösewichte durchgehen, dann doch zumindest Anti-Helden-Qualitäten vorweisen, die sie in einem nicht durch und durch positiven Licht erscheinen lassen... ein Trend, der sich bereits 1971 bei seinem eigenen Regie-Debüt "Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten" abgezeichnet und sich schließlich bis zu dem Oscar-gekrönten ’92er-Western "Erbarmungslos" durchgezogen hat. Nach dem ein Jahr zuvor erfolgten, gelungenen vierten Einstieg in die "Dirty Harry"-Serie "Dirty Harry kommt zurück" hat Eastwood darum hier sicherlich die Chance ergriffen, dem ikonischen Film-Bullen Harry Callahan einen realistischer gezeichneten Polizisten gegenüberzustellen, der nicht nur von seinem Job, sondern vor allem auch von den eigenen, inneren Dämonen geplagt wird. Als Wes Block muss er sich nämlich nicht nur mit einem dieser üblichen Allerwelts-Psychopathen herumschlagen, sondern zusätzlich noch den Familien-Alltag als allein erziehender Vater zweier Töchter mit seinen ausschweifenden Gelegenheits-Affären und Nutten-Besuchen unter einen Hut kriegen. Genau da liegt allerdings auch das Problem, denn Richard Tuggle lässt in seiner zähen Inszenierung den Thriller-Part der Handlung zugunsten der genauen Ausarbeitung der Hauptfigur ganz schön schleifen, weswegen sein Streifen trotz der guten Performance Clint Eastwoods (der dem Stoff an sich natürlich allemal gerecht wird) leider furchtbar langweilig geworden ist. Wirklich genregerechte Spannungs-Momente gibt es da kaum. Aus der storytechnisch reizvollen Möglichkeit, dass auch Block perfekt ins Profil passt und demnach sogar selbst der Killer sein könnte, wird überhaupt kein Kapital geschlagen, da das Publikum bereits in der allerersten Szene einen guten Blick auf den wahren Täter werfen kann. In dem Bestreben, einen üblichen Cop- beziehungsweise Proto-Serienkiller-Film durch das Lokal-Kolorit des New Orleaner Rotlicht-Viertels und ein bisschen S/M-Sex ein wenig "kinky" aufzumotzen, kommt "Der Wolf hetzt die Meute" zudem nur wie eine schlappere Variante von William Friedkins "Cruising" daher. Man merkt halt, dass in den Zeiten vor "Sieben" & Co die Regeln dieses Subgenres noch nicht so wirklich in Stein gemeißelt waren. So verbreitet die Chose dann auch weniger echtes Psycho-Thriller-Flair, sondern wirkt auf ihre gemächliche und unspektakuläre Art eher wie ein fades Krimi-Drama. Wenig verwunderlich also, dass lediglich die Szenen mit Eastwood und seinen beiden Film-Töchtern (von denen die ältere dann auch noch von Eastwoods tatsächlicher Tochter Alison gemimt wird) und die kurzen Momente einer aufkeimenden, ungewöhnlichen Romanze mit einer feministischen Kollegin vom Sitten-Dezernat einigermaßen gut funktionieren. Die eigentliche Mörder-Hatz ist hingegen nur banal und uninteressant, und mündet schließlich auch in einem wenig aufregenden Finale auf einem Rangier-Bahnhof. Die Schauwerte halten sich, mal abgesehen von den Original-Locations, ein paar Nudity-Einlagen und einem einzigen knappen Gore-Effekt zum Schluss ebenfalls in Grenzen, im Grunde genommen hätte das Ganze auch ein TV-Film sein können. Die ständige Untermalung mit fiedeliger Jazz-Musik (is’ ja immerhin New Orleans, newa?) wirkt da nur noch zusätzlich einschläfernd.
4/10