Während seine Landsmänner Jean-Francois Richet und Florent Emilio Siri in Hollywood erstklassige Actionkracher vom Stapel lassen, muss sich der französische Regisseur Pitof (Vidocq) bei seinem US-Debüt mit einer geradezu phänomenal langweiligen und uninspirierten Comicverfilmung von Batmans Geliebten Selina Kyle alias Catwoman begnügen. Allerdings hat man den Namen der Hauptfigur in den unsinnigen Namen Patience Philips umgeändert und mit Halle Berry (Last Boy Scout) eine farbige Darstellerin verpflichtet. Letzteres ist eigentlich nicht schlimm, weil es farbige Catwomans ja auch schon gab. Leider setzt der Film zu sehr auf die gerne groß angepriesene Starpower von Frau Berry. Von ihren Leistungen in "Monster's Ball" mal abgesehen, ist Halle allerdings nicht unbedingt eine wirklich begabte Darstellerin, sondern profitiert mehr von ihrem Äußeren. Dazu aber später mehr in der Darstelleranalyse.
Patience Philips (Halle Berry) ist ein Mauerblümchen, das als Grafikerin in einer riesigen Kosmetikfirma arbeitet, geleitet vom profitsüchtigen George Hedare (Lambert Wilson) und seiner machthungrigen Frau Laurel (Sharon Stone). Als Patience eines Nachts zufällig mitbekommt, dass die neue Anti-Aging-Creme fatale Nebenwirkungen hat, wird sie kurzerhand getötet - allerdings nur, um wenig später dank einer mystischen Katze wiedergeboren zu werden. Fortan verfügt Patience über erstaunliche Kräfte. Doch die Erinnerungen an ihren Tod lassen sie nicht los, und mit Peitsche und Katzenmaske macht sie schließlich Jagd auf ihre Mörder, und kommt dabei Cop Lone (Benjamin Bratt) in die Quere, in den sie sich verliebt hat...
So, nun wieder zu Halle Berry. Außer ihre optischen Reize auszuspielen, in einem Outfit rumzustolzieren, das jeder Domina Tränen in die Augen treiben würde, und pseudocoole Oneliner abzugeben, hat sie hier nichts zu tun. Kolleginnen wie Charlize Theron, Angelina Jolie, Jessica Alba oder Jennifer Garner, die ja auch schon die eine oder andere Comic- bzw. Konsolenspielverfilmung beehrten, hätten hier immerhin in Sachen Mimik und Ausstrahlung mehr rausholen können. Von Berrys hochgelobtem Talent also weit und breit nicht den Funken einer Spur. Da hier Catwomans Feinde eine schädliche Kosmetikcreme verbreiten wollen, dachte man schon an Uschi Glas als lokale Gegnerin. Glücklicherweise hat man sich für Sharon Stone (Schneller als der Tod) entschieden, die zwar auch nicht viel zu tun hat, aber immerhin eine brauchbare Schurkin abgibt. Dies kann man von ihrem Filmpartner Lambert Wilson (Sahara) nicht behaupten, da er einfach nur ein Finsterling aus der Retorte ist. Natürlich darf auch ein männlicher Love Interest nicht fehlen, den man hier in Form von Benjamin Bratt (Demolition Man) serviert bekommt. Wie schon in "Miss Undercover" darf er einfach nur gut ausschauen und oberflächlische Sprüche klopfen. Ok, schauspielerische Unfähigkeit mag eine Sache sein, und viele Schauspieler können nichts dafür und sind es sich selber nicht bewusst. Doch absolute Nervigkeit ist da schon eine andere Sache. Und die findet man hier mit Alex Borstein (Showtime) als übergewichtiger Sidekick vor. Mit ihren Sprüchen und Getue geht sie einem so richtig auf die Eier. Nichts gegen Übergewichtige, aber das männergeile Weib kauft man ihr beim besten Willen nicht ab.
In vielen Interviews schwadronierte Halle Berry davon, wie hart doch das Training für "Catwoman" war. Viel davon zu sehen ist im Film aber nicht. Denn entweder übernahm der CGI-Knecht ihre übermenschlichen Fähigkeiten, was im Endresultat dann wie ein schlechtes PC-Spiel ausschaut, oder sie ließ sich in den Nahkampfeinlagen doubeln - und ausgerechnet noch von einem Mann, der ihr Kostüm trug! So locken die Kämpfe und andere Actioneinsätze von Catwoman nichtmal ein müdes Lächeln hervor. Visuell haben die Franzosen es eigentlich eh drauf, was Regisseur Pitof (ist das ein richtiger Name?) schon in seinem Debüt "Vidocq" und seinen visuellen Arbeiten in "Alien - Die Wiedergeburt" beweißen konnte. Doch hier übertreibt er es einfach und viele Szenen sehen schlicht und einfach nur billig aus, und man hat oftmals das Gefühl in einem mies animierten Konsolenspiel zu sein. In Sachen schlechter CGI hat hier wohl die Leben einhauchende Katze den Vogel abgeschossen. Im Prinzip mag ich Katzen, aber die ich habe, sind auch nicht vom Rechenknecht erschaffen worden. Hätte man nicht einfach eine echte Katze nehmen können? Es gibt doch Tiertrainer und günstiger wäre es vermutlich auch noch gewesen. Viel zu oft schwelgt Pitof jedoch in seiner visuellen Verliebtheit, dass es ihm anscheinend scheißegal war, ob es realistisch oder kacke aussieht. Von der Handlung selber will ich hier gar nicht erst reden, da man dies schon in den letzten Jahren öfters (und meistens auch besser) vorgesetzt bekommen hat. So sucht man natürlich auch die Spannung vergebens. Zudem stammen die Kräfte von Catwoman noch aus alten Tagen und werden stets von einer Auserwählten ausgeübt... Buffy lässt grüßen! Schon verwunderlich, dass man für dieses schrottige Skript vier Autoren brauchte. Erotik wird einem trotz einer anderorts gerne freizügigen Halle Berry nur oberflächlisch geboten und dürfte eher in die Kategorie "Für kleine pupertäre Bengel unterhalb der 15" fallen.
Nee, liebe Halle... so wird das nie was! "Catwoman" ist wohl mit Abstand die mieseste Comicverfilmung der letzten Jahre, wogegen "Elektra", "Fantastic Four" oder "Hulk" sogar noch wie tiefgründige Romanverfilmungen wirken. Da bleibe ich lieber bei Michelle Pfeiffer, die trotz fortgeschrittenem Alter immer noch ein Blick wert ist!