Die schlechten Vorzeichen der Comicverfilmung „Catwoman“ haben mich persönlich nicht davon abhalten können, mir den Film doch noch im Kino anzusehen – schließlich haben viele größere Filme des Kinosommers 2004 schlechte Kritiken hinnehmen müssen (z.B. „Troy“,“Riddick“,“Alien vs.Predator“) oder sind an der US-Box-Office enttäuschend gelaufen (siehe „King Arthur“,“Exorcist 4“ etc), stellten sich im Endeffekt aber trotzdem als gelungen (bzw. unterhaltsam) heraus.
Warum nicht also auch „Catwoman“…?
Ein Budget von rund 100 Millionen Dollar, eine gute Besetzung und ein angesagter französischer Regisseur versprachen einiges – nur leider ging die Rechnung in diesem Fall nicht auf. Zwar ist der Film keineswegs gelungen oder die gigantische Katastrophe, als die ihn viele hinstellen, aber „leider“ auch kein unterhaltsamer „Über-Trash“ wie etwa „Showgirls“ oder „Battlefield Earth“ … im Endeffekt also nur untere Durchschnittsware, was in einem Jahr etlicher guter Comicverfilmungen (“Punisher“/“Spiderman 2“/“Hellboy“) jedoch besonders negativ ins Gewicht fällt.
Die Story ist erwartet einfach gestrickt worden: Die unscheinbare Patience (Halle Berry) kommt dahinter, dass das neuste Produkt des Pharmakonzerns, in dem sie als Werbedesignerin arbeitet, in Langzeittests fatale Nebenwirkungen (Narbenbildung bei den Anwenderinnen) zeigt – daraufhin wird sie von den beiden Haupt-Sicherheitskräften des Unternehmens (Michael Massee aus „the Crow“ und Byron Mann aus „Belly of the Beast“) „beseitigt“. Doch Patience ist nicht tot – eine Katze „haucht“ ihr neues Leben ein, was in Verbindung mit den chemischen Abwässern (in denen sie ertrunken ist) dazu führt, dass sie in der Folgezeit katzentypische Eigenschaften entwickelt und als „Catwoman“ gegen nervige Nachbarn oder böse Räuber angeht.
Gleichzeitig emanzipiert sie sich im Job und Privatleben, lernt den netten Cop Lone (Benjamin Bratt) kennen und genießt ihre neu gewonnenen Freiheiten – bis ihr die Sache mit der Produktlinie wieder in den Sinn kommt, worauf sie den Konzerninhabern George (Lambert Wilson) und Laurel (Sharon Stone) Hedare den Kampf ansagt. Probleme mit den Medien (sie halten Catwoman bald für eine Mörderin), ihrem Freund (er kommt ihrer Identität langsam auf die Spur) und der durch die intensive Anwendung des Produkts fast unverwundbar gewordenen Laurel (wenn man die Creme nicht nimmt, vernarbt man – wenn doch, wird die Haut bald so hart wie Marmor) sind nur einige der Konsequenzen…
Die Besetzung ist, zumindest auf dem Papier, perfekt ausgewählt worden: Halle Berry („Monster´s Ball“) ist sicher eine gute (weil auch ungewöhnliche) Wahl für die Titelfigur gewesen – sie sieht klasse aus, ist hip und athletisch, doch leider macht ihr die Rolle offensichtlich so viel Spaß, dass sie das „spielen“ vergisst (sie ist nicht sooo übel, doch Lichtjahre von einer Oscar-würdigen Vorstellung entfernt). Sharon Stone („Sliver“) war förmlich prädestiniert für ihre Rolle – als knallharte Diva und Geschäftsfrau, die zwar noch umwerfend aussieht, doch als Gesicht der Werbekampagne von einem weitaus jüngeren Model abgelöst wird. Sie spielt die Gegenspielerin und „Über-Bitch“ mit sichtlichem Vergnügen, aber ihre Rolle ist zu klein und recht schemenhaft ausgefallen. Lambert Wilson („Matrix Reloaded“) ist perfekt als Ekel und machohafter Firmenchef, Benjamin Bratt („Red Planet“) spielt den eher undankbaren Part des Cops und Liebhabers solide.
Man hat sich Mühe gegeben, die „Catwoman“ Figur halbwegs glaubwürdig einzuführen: Geschichtliche Zeugnisse von Katzenfrauen (wie aus dem alten Ägypten) werden ebenso angeführt wie die wechselnden Verkörperungen des Charakters (sogar ein Bild von der unerreichten Michelle Pfeiffer aus „Batman Returns“ taucht auf), vieles davon wird zudem von einer geheimnisvollen Katzenlady (Frances Conroy, TV´s „Six Feet Under“) in Kontext gerückt.
Was mich vor allem zuversichtlich stimmte, war die Wahl von Pitof als Regisseur, schließlich hatte er mit „Vidocq“ zuvor einen visuell berauschenden Fantasy-Krimi abgeliefert, und ich habe gehofft, dass er seinem Stil auch in Hollywood treu bleibt … leider war das nicht der Fall: Zwar gibt es einige schön und schnell montierte Sequenzen (wie das Basketballspiel) oder Kamerafahrten (durch die Skyline der Stadt), doch „gut“ sieht das nur in bestimmen Fällen aus – Szenen, welche die springende („CGI“-) Catwoman zeigen, wirken nicht nur schlampig animiert, sondern durchs Editing auch noch wie ein simples Videospiel. Gefiel mir die „CGI“-Katze bei der Wiederbelebung noch erstaunlich gut, ließen viele der anderen Effekte zu wünschen übrig, was bei einem solch hohen Budget einfach nicht sein darf („Hellboy“ hat es (kostengünstiger) wesentlich besser vorgemacht).
Man vermisst einfach den visuellen und kreativen Ideenreichtum, der „Vidocq“ so auszeichnete. Jener Stil, also temporeich, voll von ungewöhnlichen Kameraperspektiven und Regieeinfällen, hätte diesem Projekt gut getan und mehr von seinen Defiziten abgelenkt.
Katzen können in der Realität ziemlich nervige Biester sein – leider gilt das auch für die Figur der Patience, wenn sie im Alltag Katzeninstinkte entwickelt (faucht Hunde an, verschlingt Thunfisch und Sushi, hat Abneigung gegen Regen etc), was zu unfreiwillig komischen und fast peinlichen Momenten führt.
„Catwoman“ richtet sich hauptsächlich ans weibliche Publikum: Themen wie Emanzipation und Selbstverwirklichung werden propagiert, die zwei stärksten Figuren sind Frauen, Nebencharaktere wurden ebenfalls „frauentypisch“ gestaltet (die etwas mollige, aber selbstsichere beste Freundin, der nette und humorvolle schwule Arbeitskollege, die liebe Katzenmutti…). Optisch hingegen will man mit Halles Outfit eindeutig männliche Kinogänger vor die Leinwand locken – das freizügige Lederkostüm spricht Bände, und zudem landet Catwoman immer schön mit dem Dekollete zur Kamera. Jungs sollten insgesamt trotzdem lieber auf „Hellboy“ ausweichen…
Halle Berry hat nach ihrem Oscar für „Monster´s Ball“ erst einmal den kommerziellen Weg eingeschlagen („die another Day“/„Gothika“) – nach dem Einspielmisserfolg dieses Films konzentriert sie sich hoffentlich wieder auf anspruchsvollere Rollen…
Fazit: Maue Comicverfilmung mit einer sexy Hauptdarstellerin, ungenügenden F/X und schwacher Story … knappe 4 von 10.