Review

ACHTUNG ! SPOILER !

Im inoffiziellen Wettlauf um die Auszeichnung als „BeFaZ“ (beklopptester Film aller Zeiten) liefert sich PREHISTORIC WOMEN ein Kopf an Kopf Rennen mit dem einige Jahre später entstandenen WILD WOMEN OF WONGO (siehe mein Review unter https://ssl.ofdb.de/review/34324,803569,Wild-Women-of-Wongo).

Da die „Dialoge“ im Film nur aus unartikulierten Grunzlauten bestehen, wurde ein Erzähler (David Vaile) verpflichtet, um dem Zuschauer die beknackte „Handlung“ näher zu bringen. Und Vaile hat von Anfang an eine Menge zu Erzählen:  
Our knowledge of the Prehistoric World, before the first historians sat down to write the story of this people, is vage. […] Nobody knows, when these events took place, maybe 10.000, maybe a 100.000 years ago. It's the story of romance, when the world was young. And as all romances must, it concerns itself mainly with one man, Engor, and one women, Tigri. […] Under the spell of the full moon, Tigri and the women of her tribe dance restlessly, savagely, impelled by a feeling of frustration...of a promise unfullfilled. They dance, not knowing why, and continue until exausted.“

Dann folgen Szenen eines sehr (!) langen Tanzes leicht geschürzter Urzeit-Ladys. Der Zuschauer ahnt an dieser Stelle schon mal nichts gutes. Anschließend werden die Protagonisten der Handlung vom Erzähler vorgestellt und in Form von Rückblenden wird uns die Geschichte von Tigri (Laurette Luez) und ihres Stammes nahe gebracht:
Tigris Mutter Tanna (Jeanne Sorel) gehörte zu einer Sippe, in der die Männer das Sagen hatten und die Frauen die ganze Arbeit verrichten mussten. Eines Tages rebellierten die Frauen gegen die Männer und flüchteten in den Dschungel. Unter Tannas Führung prosperierte die Gruppe, die nur aus Frauen und Kindern bestand. Doch der Sippe drohte Gefahr: „The entire tribe is unaware that they've been sighted by the terrible Guaddi. This 9 foot tall monster has roamed the jungle for years, bringing death and destruction to whatever he touches.“ Guaddi (Johann Petursson) verschleppt dann auch einige Frauen und Tigris Mutter stirbt beim Kampf mit dem Monster.

15 Jahre später. Tigri führt nun das Kollektiv und ihr wird eines Tages klar: Ohne Männer kann die Gruppe nicht überleben. Kurzentschlossen überfallen die Frauen einen in der Nähe lebenden Stamm von Männern, angeführt vom stolzen Engor (Allan Nixon). Erzähler: „Engor and his tribesmen are amazed, to see that they've been attacked by members of the weaker sex!“ Die Männer werden gefesselt und in das Lager von Tigris Gruppe gebracht. Nur Engor kann zunächst entkommen. Im Lager werden die Männer von den Frauen wie Sklaven behandelt. Inzwischen ist es Engor durch Zufall gelungen, Feuer zu machen. Mit Hilfe dieser Entdeckung will er seine Sippe aus der Hand der Frauen befreien. Der Plan misslingt und Engor wird von Tigri als Ihr persönlicher Sklave ausgewählt. Das gefällt allerdings einigen Frauen im Lager nicht: „It seems that women were women in those days, too. A handsome male captive makes his appereance and suddenly there is trouble. And so the fight is on...“ So der leicht süffisante Kommentar des Erzählers. Es folgt ein heftiger Catfight um den „Besitz“ von Engor. Da möchte man(n) wirklich nicht zwischen die Fronten geraten! Die Darstellerinnen geben in dieser Szene einfach alles!
Plötzlich wird der Stamm von „Currex“ (?), einem „flying dragon“, angegriffen. Dank des Feuers kann Engor diesen vertreiben und schließlich gewinnen die Männer auch die Oberhand über die Frauen. Zu guter Letzt wird auch noch das Monster Guaddi getötet.
Es kommt zur allgemeinen Paarbildung und dem unvermeidlichen Happy End: „And so in those distant days even as today the eternal battle for supremacy between women and men was solved not through the […] and the club, but through romance!“ Und so schließt sich der romantische Kreis...

Damit endet ein Film, der in der Pressemappe u.a. wie folgt beschrieben wird:
„PREHISTORIC WOMEN is loaded with eye-catching angles, including scantily-dressed girls, menacing giants, battles between cavemen and women, fighting among animals – and every scene is in Cinecolor!“
Wow, spektakulär, könnte man denken. Doch weit gefehlt! PREHISTORIC WOMEN ist extrem öde. Und vom „Wunder“ Cinecolor ist in den verfügbaren Versionen auch nicht mehr übrig als ein ausgewaschener, kraft- und saftloser Filmstreifen, der das Zuschauen zur Strapaze macht. Wäre der Film in einem besseren Zustand, mit leuchtenden Cinecolor-Farben, würde er vielleicht mehr Eindruck hinterlassen, aber so wirklich mag man daran nicht glauben.

Abgesehen davon, dass der Film wirklich langweilig ist und selbst die Trash-Elemente nur ein müdes lächeln provozieren, ist er auch in jeder anderen Hinsicht unbrauchbar. Die Regie ist uninspiriert und die Musik dudelt pausenlos und ohne dramaturgischen Bezug zur Handlung vor sich hin. Das von dem damals „größten Mann der Welt“, dem Isländer Johann Petursson dargestellte „Monster“ ist eine Art Bigfoot, der ungelenk durch die Kulissen stapft. Noch lächerlicher ist der „fliegende Drache“, nichts anderes als ein vergrößert dargestellter Wasservogel (Pelikan?) im hektischen, unbeholfenen Landeanflug. Die Darsteller stolpern ebenfalls recht unmotiviert durch die Landschaft, und da sie keine richtigen Dialoge miteinander auszutauschen haben, agieren sie unsicher und amateurhaft. Aber immerhin: Die Darstellerinnen sind in jeder Szene perfekt geschminkt und frisiert. Der Erzähler erweist sich in vielen Szenen als völlig überflüssig und redundant, da er immer wieder Szenen beschreibt, die der Zuschauer sowieso gerade im Bild sieht.

Am lustigsten sind noch die paar Szenen, in denen die Frauen die Männer überrumpeln und mit Steinen und Keulen traktieren. Die Männer haben dabei echt nichts zu lachen und werden von den Frauen rüde herumkommandiert und malträtiert.
Aber natürlich sollte niemand an dieser Stelle einen seriösen Kommentar zur Gender-Debatte oder zum Thema Gleichberechtigung erwarten. Dazu ist das ganze Machwerk wirklich zu albern.

Bemerkenswert sind da schon eher die Analogien zu dem bereits erwähnten WILD WOMEN OF WONGO. Der ist zwar kein Remake von PREHISTORIC WOMEN,doch neben Ähnlichkeiten in der Story fallen drei Aspekte sofort auf:
Der Name des Hauptprotagonisten ist in beiden Filmen Engor.
Und während in PREHISTORIC WOMEN ein Mann minutenlang mit einem sehr kleinen und sehr apathischen schwarzen Panther kämpft, ist es in WILD WOMEN OF WONGO eine Frau, die sich im Wasser einen ebenso langen Kampf mit einem ebenso kleinen und wenig wehrhaftem Krokodil liefert.

Die dritte Gemeinsamkeit ist die totale Blödsinnigkeit beider Filme!

Laut AFI wurde der Film zwischen dem 27. April und Mitte Mai 1950 gedreht und im November 1950 uraufgeführt. Dem AFI-Eintrag zum Film ist ebenfalls folgendes zu entnehmen: „Despite the film's generally negative reviews, PREHISTORIC WOMEN turned out to be very profitable, and modern sources recognize it as one of the most successful exploitation films of its time.“

In Deutschland wurde der Film am 4. Januar 1953 unter dem Titel AMAZONEN DES URWALDS (FSK: 16) erstmals aufgeführt und ward seit dem nicht mehr gesehen und wurde auch nicht vermisst.

Von den Darstellern haben nur wenige eine zumeist bescheidene Karriere in Hollywood-B-Filmen gemacht, namentlich Laurette Luez, Allan Nixon und Joan Shawlee. Für die meisten anderen Akteure war PREHISTORIC WOMEN eine einmalige Angelegenheit.

Regisseur Gregg G. Tallas, geboren in Griechenland, hat ebenfalls nur eine kleine Filmo vorzuweisen (laut IMDb 13 Regie-Credits, einige sonstige Aufgaben hinter der Kamera). Neben einigen B-Filmen die er in den USA inszenierte, hat er auch ein paar Filme in Griechenland gedreht. In den 80er Jahren wurde er durch die Videoveröffentlichung seines Films „Cataclysm – Der unendliche Aplptraum“ (1980) bekannt, der in stark gekürzter Form unter dem Titel „The Case of Claire Hansen“ auch als Teil des haarsträubenden Episodenfilms „Night Train To Terror“ (1985) verwurstet wurde.


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