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"He-Man in 'Das Geheimnis des Zauberschwertes' ", ein Filmtitel bei dem so manches Kind der 70-er und frühen 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts glänzende Augen bekommen dürfte - und das völlig zu Recht! Der eigentlich nur als Promotion-Gag gedachte und aus den Pilotfolgen der TV-Trickserie "She-Ra - Princess of Power", die ein Spin-Off der populären "He-Man - Masters of the Universe"-Trickreihe war und ebenso wie diese wiederum eigentlich nur eine gleichnamige Linie von Actionfiguren des Spielzeuggiganten Mattel promoten sollte, zusammengeschnittene Film avancierte unter den Fans der Mattel-Toylines um He-Man und She-Ra binnen kürzester Zeit zum absoluten Kult, und bereitet großen wie kleinen Fantasy-Fans bis heute viel Freude, egal ob sie irgendwann mit einer oder beiden Toylines gespielt haben oder nicht.

Die Zauberin von Grayskull, einem magischen Schloss auf dem fernen Planeten Eternia, in dem die mächtigsten Zauberkräfte des Universums ruhen, entsendet Prinz Adam, den Sohn des Königpaares Marlen und Randor von Eternia und Träger des Schwertes von Grayskull, durch dessen Zauberkraft er sich mittels des Ausrufes "Bei der Macht von Grayskull, ich habe die Zauberkraft!" in He-Man, den stärksten Mann des Universums und mutigen Beschützer von Eternia und Schloss Grayskull vor den Mächten des Bösen verwandeln kann, durch einen Dimensionenportal auf den Planeten Etheria. Dort soll er eine ganz bestimmte Person finden, die wie er dazu auserwählt ist, durch die Zauberkraft von Schloss Grayskull gestärkt, das Gute im Kampf gegen das Böse zu führen, und dieser Person dazu ein zweites Zauberschwert, das seinem eigenen bis auf einen über dem Griff in die Klinge eingesetzten Edelstein zum verwechseln ähnelt, überbringen. Adam macht sich auf den Weg nach Etheria, das vor langer Zeit von der Wilden Horde unterworfen wurde, einem bösartigen Kriegervolk das die Galaxie durchquert und auf seinem Weg andere Welten unterwirft und rücksichtslos ausbeutet, und schließt dort Freundschaft mit einer kleinen Gruppe von Rebellen, die von einem verzauberten Wald namens "Whispering Woods" aus einen Guerilla-Kampf gegen die Wilde Horde und ihren finsteren Anführer Hordak führt. Als He-Man nimmt er an einem Kampf der Rebellen teil, mit dem Ziel die Bewohner des Dorfes Thaymore davor zu bewahren, von der Horde in die Sklaverei verschleppt zu werden. Dabei begegnet er auch der bildhübschen jungen Adora, die der Kristall in dem Zauberschwert das er von der Zauberin erhalten hat sofort als diejenige erkennt, der He-Man es überbringen soll - doch Adora ist ein hochrangiger Offizier der Wilden Horde! Kaltblütig nutzt sie He-Mans Verwunderung, um ihn überwältigen, gefangen zu nehmen und in das berüchtigte Gefängnis der Wilden Horde auf Beast Island bringen zu lassen. Seine Befreiung durch die Rebellen und ihre gemeinsame Flucht von Beast Island ist nur eines von noch weiteren Abenteuern, die He-Man zusammen mit seinen neuen Freunden zu bestehen hat, und die ihm die wohl schönste Überraschung seines Lebens bescheren!

"Das Geheimnis des Zauberschwertes" ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher, von der ersten bis zur letzten Minute faszinierender Zeichentrickfilm. Der eingangs schon erwähnte Umstand, dass er aus den fünf Pilotfolgen der TV-Trickserie "She-Ra - Princess of Power" zusammengeschnitten wurde, von denen jede eine mehr oder weniger in sich geschlossene Geschichte erzählte, deren jeweiliges Ende jedoch bereits den Grundstein für die Ereignisse der kommenden Folge legte, was noch durch einige am Ende jeder Folge offen gelassene Fragen und Probleme ergänzt wurde, verleiht dem Film schon das Format eines kleinen Epos, das von verschiedenen Abenteuern He-Mans auf Etheria erzählt, die von seiner Suche nach der Person, die zum Tragen des zweiten Zauberschwertes von Grayskull auserwählt wurde und seinem Kampf gemeinsam mit den Rebellen gegen den bösen Usurpator Hordak und seine Wilde Horde, in dem für ihn widerum der Schlüssel zur Erfüllung seines Auftrages liegt, wie eine Klammer zusammengehalten werden - für einen ursprünglich in erster Linie für Kinder (!) gedachten Zeichtrickfilm eine einmalige Erzählstruktur, die aber perfekt funktioniert. Ebenso perfekt funktioniert der durchgehend konstruierte Spannungsbogen, der sich schon wirklich das Prädikat "trickreich" verdient hat, denn er ist nicht - wie wir es aus dem Deutschunterricht in der dritten Grundschulklasse kennen ;o) - in die drei einfachen Phasen Einführung mit Spannungsaufbau, Hauptteil mit Höhepunkt und Schlussteil mit Auflösung untergliedert, sondern besteht eben auf Grund der oben beschriebenen Handlungsstruktur nochmals aus mehreren kleinen Teilspannungsbögen, die immer wieder aufs Neue damit überraschen, was schon zu welchem Zeitpunkt aufgelöst wird, und zu welchen neuen Fragen nach dem "Warum?" und "Wie weiter?" die Auflösungen führen, was den Film trotz seiner klaren und übersichtlichen Trennung in Gut und Böse und der über jeden Zweifel erhabenen Gewissheit, dass das Gute am Ende natürlich obsiegen wird, auf dem Weg dahin spannungstechnisch doch zu einer unterhaltsamen kleinen Achterbahnfahrt macht, wobei sich die Spannung eben aus durchdachten und logischen Wendungen und Überraschungen in der Geschichte ergibt, und nicht durch künstlich konstruierte Spannungsmomente, die an den Haaren herbeigezogen werden.

Die Figuren sind zwar bewusst einfach angelegt, "Das Geheimnis des Zauberschwertes" ist wie schon gesagt eigentlich als Kinderfilm konzipiert, aber dafür grafisch umso liebevoller gestaltet. Wie im klassischen Märchen lässt sich auf den ersten Blick erkennen, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört und welche besonderen Eigenschaften die jeweilige Figur hat, also z.B. stark, mutig, listig, gemein, naiv usw. Was vielen Realfilmen das Genick bricht weil es schlicht aus Fahrlässigkeit oder Gleichgültigkeit geschieht, wird hier zum Gewinn, denn die Einfachheit der Charaktere ist ein wesentliches Element der Gesamtkonzeption des Films, der sich ganz bewusst märchenhafter Anleihen bedient: er erzählt eine zeitlose Episode aus dem ewigen Kampf zwischen dem absoluten Guten und dem absoluten Bösen, gestrickt um Figuren, mit denen dem Zuschauer die Identifikation leichtfällt, weil er sich je nach dem entweder in ihren Schwächen wiederfinden oder aber davon träumen kann, ihre Tugenden zu besitzen. Die Komplexität heutiger Mangas oder Animes will der Film bewusst gar nicht erreichen, sondern einfach eine möglichst breite Schicht von Zuschauern ansprechen und verzaubern, sie in eine Welt einladen, die ihrer eigenen einserseits ähnlich, und dabei andererseits doch völlig anders ist und die ihnen die Möglichkeit bietet, naive Träume von Abenteuer und Heldentum auszuleben. Und diesen Anspruch löst der Film auf ganzer Linie ein, wer bereit ist, sich auf ihn einzulassen wird hineingezogen in eine fantastische Welt und eine spannende Geschichte voll Action, Humor und Gefühl. Die klare Aufteilung in Gut und Böse und die typologischen Figuren ermöglichen einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in die Welt des Films, die fantasie- und liebevolle Darstellung von Figuren und Schauplätzen, der ausgeklügelte Erzählstil und die stimmige Mischung aus spannenden, lustigen und gefühlvollen Momenten und Elementen nehmen den Zuschauer sofort gefangen, lassen ihn von Beginn an mitfiebern, mitlachen und mitfühlen. Dass der Film in gewissen emotionalen Momenten bei der Darstellung der Gefühlsregungen seiner Figuren die Grenze des damals tricktechnisch Möglichen erreicht und in Folge dessen in einigen wenigen Einstellungen vielleicht etwas unbeholfen wirkt (er entstand eben 1985, der ausgefeilte Zeichenstil heutiger Mangas und Animes war noch ferne Zukunftsmusik!), tut dem wirklich überwältigen und mitreißenden Fimvergnügen absolut keinen Abbruch, dieser vielleicht kleine Makel wird durch allein durch die fantastischen Figuren und Kulissen, den geschickten Einsatz seines schlichten, aber eingängigen Scores und seinen Titelsong mit echter "Gänsehaut-Garantie" um ein Vielfaches wieder wett gemacht.

Der einzige echte, dafür aber auch ziemlich einschneidende Wermutstropfen ist in keiner Form den Machern des Films, sondern einzig und allein dem deutschen Rechteinhaber Jugendfilm-Verleih anzulasten: dieser hatte die Dialoge des Films zunächst überdurchschnittlich gut übersetzt und den Film mit zahlreichen prominenten Stimmen (u.a. Norbert Langer, Evelyn Maron, Edgar Ott) wirklich toll synchronisiert, dann aber leider aus völlig unverständlichen Gründen um rund 20 Minuten (!) gekürzt! Der Schnippelorgie fiel neben zahlreichen kleineren Szenen und Einstellungen, deren Wegfall die Geschichte zwar atmosphärisch, aber nicht direkt erzählerisch beeinflusst und nur hier und dort einen etwas holprigen Szenenübergang hinterlässt auch ein kompletter und durchaus wesentlicher Teilhandlungsstrang zum Opfer, dessen Fehlen die Zuschauer um einen der wichtigsten und schönsten Teile der Geschichte betrügt und einen durchaus auffälligen, in dieser Fassung des Films aber beim besten Willen nicht mehr erklärbaren logischen Bruch erzeugt. Was man sich dabei gedacht hat, wird wohl für immer ein Geheimnis der Verantwortlichen bleiben, meine persönliche Theorie ist, dass man den Film mit seiner ursprünglichen Spielzeit von etwa 100 Min. als zu lang für einen "Kinderfilm" befand und daher auf etwa 80 Min. "straffen" wollte - ein ziemlich bescheuerter Erklärungsversuch, ich weiss, aber er würde wunderbar zu dem Umgang passen, den man im Lande der Teutonen mit Filmen ausländischer Herkunft pflegt. Eine Behandlung als Kunstwerk kann ein Streifen hier zu Lande bekanntlich nur dann erwarten, wenn er von Wim Wenders, Sönke Wortmann oder Doris Dörrie stammt, aber mit Sicherheit nicht aus einer US-amerikanischen Trickfilmschmiede. Naja, das gehört in ein anderes Diskussionsfeld...

In meinen Augen jedenfalls ist "Das Geheimnis des Zauberschwertes" ein absoluter Fantasy- und Trickfilm-Klassiker, der sich hinter anderen brillianten Filmen seiner Richtung wie etwa "Das letzte Einhorn" in keinster Weise zu verstecken braucht. Sein außerhalb der Fangemeinde von "Masters of the Universe" und "Princess of Power" hier zu Lande eher geringer Bekanntheitsgrad ist, wie schon die sinnlose Verstümmelung der deutschen Kinofassung, allein der deutschen Jugendfilm-Verleih anzulasten (der Film lief in Deutschland nur in wenigen Kinos, meine Theorie hierzu ist, dass die Jugendfilm-Verleih auf Grund der Tatsache, dass die Mattel-Spielzeugreihe "Masters of the Universe" in den 1980-er Jahren bei Eltern und Pädagogen wegen ihres angeblich "gewaltverherrlichenden" Charakters nicht unumstritten war, bei einer breit angelegten Vermarktung des Films laute Proteste aus dem Lager der Jugendschützer und in Folge dessen Imageschaden bei zugleich nur geringem kommerziellem Erfolg befürchtete), und erlaubt absolut keinerlei Rückschlüsse auf seine inhaltliche und handwerkliche Qualität. "Das Geheimnis des Zauberschwertes" ist ein unbedingtes Muss für alle großen und kleinen Film-Fans und hat jeden der 10 Punkte die ich ihm gebe wirklich mehr als verdient.

P.S. Wer den Film ungekürzt sehen will, sollte sich einfach die ersten fünf Episoden der Trickserie "She-Ra - Princess of Power" der Firma Filmation anschauen, aus denen wurde er wie gesagt zusammengeschnitten, hintereinander ergeben sie den kompletten Film in seiner Originalfassung.

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