Review

Kontroll - oder “Subway” auf Ungarisch, könnte man sagen.
Aber Moment, Ungarn? Was für Filme kommen denn schon aus Ungarn?
Doch höchstens verkopftes Geschichtskino von István Szabó, aber doch keine Generefilme?
Falsch! Kontroll ist ein origineller Thriller der sich an westlichen Vorbildern orientiert.

Der gesamte Film spielt ausschließlich in dem Mikrokosmos der Budapester Metro.
Im Vorspann versichert uns der Leiter der Verkehrsbetriebe, dass all die Geschehnisse reine Fiktion sind, nur geschultes Personal angestellt ist und es absolut keine Parallelen zu den Budapester Verkehrsbetrieben gibt.
Doch nach Sichtung des Streifens ist man da sicher anderer Meinung.

Aber der Reihe nach. Es geht um eine Gruppe U-Bahn Kontrolleure die versuchen Schwarzfahrer zu erwischen. Dabei müssen sie sich auch noch gegen rivalisierte Kollegen behaupten.
Diese Berufsschicht ist bei den Fahrgästen nicht gerade sehr beliebt.
Bulcsú ist so ein U-Bahn Kontrolleur, ein Aussteiger der, so erfahren wir später, im früheren Berufsleben ein erstklassiger Architekt war. Doch die Angst zu versagen, einmal nicht der Beste zu sein und der Zwang dieser Leistungsgesellschaft haben ihm zum Ausbruch bewogen.
Er schämt sich seiner Arbeit, besonders wenn er einen ehemaligen Arbeitskollegen aus seinem früheren Leben trifft. Doch fühlt er sich nur hier unten wohl, bleibt sogar über Nacht im Schlund der Metro.

Im Untergrund arbeitet er mit seinen Freunden Muki (der an Narkolepsie leidet), Professor, Tibi und noch andern skurrilen, leicht beschränkten Kollegen zusammen.
Untergrund ist hier das richtige Wort. Überall ist Schmutz und Abschaum.
Die Kontrolleure müssen sich mit Luden, Prostituierte, Hooligans und anderem schwarzfahrendem Gesindel herumschlagen, was meistens in Gewalt eskaliert.
Zu allem Überfluss treibt auch noch ein gemeiner Mörder sein Unwesen. Ein
Kapuzenmann, der seine Opfer kurz bevor die Bahn vorbeirauscht, auf die Gleise schubst.

Die Suche nach dem Mörder und der alltägliche Kampf gegen die Schwarzfahrer bestimmen die Handlung. Die Morde passieren plötzlich und wirken intensiv, werden aber niemals explizit gezeigt. Bei der Verfolgung der “Flitzer” erinnert die Inszenierung von Regisseur Nimród Antal stark an die Arbeiten von Guy Ritchie oder an die eines Danny Boyle.
Untermalt wird das ganze von einem hypnotisch wirken Elektro-Soundtrack der Gruppe NEO.
Diesen rasanten Szenenabläufe wünscht man sich öfters zu sehen, doch immer wieder wird die Spannung und Geschwindigkeit herausgenommen und durch z.T. banales Alltagsgeschehen unterbrochen.

Der Humor, wenn auch sehr schwarz, kommt zum Glück nicht zu kurz.
Wenn Leichenteile aus dem Fahrgestell der Bahn gepult werden und sich die Sanitäter dabei genüsslich übers Kochen unterhalten oder betrunkene Lockführer nicht vorschriftsmäßig anhalten, dann vergisst man für eine Weile die ganze Tristesse der Umgebung.
Und natürlich ist da immer wieder der “Running-Gag” mit dem schlagartig einschlafenden Muki. Den heimlichen Höhepunkt stellt jedoch der vorgeschriebene Besuch der Kontrolleure beim Psychologen da. In dieser schnell montierten Gegenüberstellung steckt mehr Witz als in manch einer Komödie.

Unser Held Bulcsú wird von einer schönen Unbekannten aus der Lethargie gerissen.
Eine junge Frau in einem Bärenkostüm, die natürlich ohne Fahrschein reist, weckt seine Neugierde. Diese geheimnisvolle Fremnde versprüht einen zärtlich- zerbrechlichen Charme.
Doch Vorsicht, sie kann zur Furie werden, was einige seiner Kollegen schmerzhaft zu spüren bekommen.

Der Zuschauer weiß nie genau, wo der Film hin will, zu schnell wechselt die Stimmung und damit die Richtung des Films. Zwischen zynischem Thrill, lakonischem Humor oder surrealen Traumsequenzen, fernab von der Hochglanzoptik gängiger Produktionen.
Das wirkt teilweise ermüdend, versteht aber gleichzeitig zu verunsichern.
Am Ende des Films steht ein wunderschönes Bild. Der Bär hat sich in einen Engel verwandelt und führt Bulcsú an die Oberfläche ins Licht.

Hollywood plant bereits ein Remake, ob das allerdings genauso schmutzig, poetisch und schwarzhumorig daherkommt darf bezweifelt werden. 7/10

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