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M. Night Shyamalan ist ein Regisseur, über dessen Qualitäten ich mit mir selbst völlig uneins bin. Ein cleverer, manchmal aber zu arg durchkonstruiert wirkender Plot wird dem Zuschauer unter nägelknispernder Spannung suggeriert, nur um dann irgendwie recht einfältig aufgelöst zu werden. Die Ausnahme: „The Sixth Sense“. Aber da war ja dieses unerträgliche Kind. „Unbreakable“ war wie alle Shyamalan-Filme gemächlich, aber unter drückend dichter Atmosphäre erzählt, die finale Konfrontation jedoch vorhersehbar. Dennoch: sein bester Film. Dann kam „Signs“, der zunächst so eine grandiose Spannung aufbaute, sich aber mit seiner tatsächlichen Alieninvasion der völligen Lächerlichkeit preisgab. Und nun, in diesem Sommer, nimmt uns Shyamalan mit aufs Dorf. THE VILLAGE ist ein abgeschiedenes Örtlein, augenscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, fern ab von „den Städten“, auf einer großen Lichtung, umgeben von einem dichten Wald. Dieser Wald ist das Habitat geheimnisvoller und mächtiger Dämonen. Die Bewohner leben in einem schwierigen Frieden mit diesen Kreaturen. Der Kodex verlangt, dass kein Dorfbewohner den Wald betreten darf, sonst würde die Rache der Waldbewohner über sie kommen. Der junge Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) aber kommt zu der Einsicht, dass wer sich mit reinem Gewissen und friedvollen Absichten in den Wald begibt, diesen auch ungehindert passieren und zu „den Städten“ gelangen kann. Sich dem Rat der Dorfältesten (u.a. Sigourney Weaver und Willam Hurt) widersetzend, tritt er über den mit Fackeln und Wachtürmen markierten Waldesrain...
Es wäre unentschuldbar, in einer Kritik zu diesem neuen Shyamalan Film mehr von der Handlung preiszugeben, die natürlich wieder einen ganz absonderlichen Haken schlägt. Trotz deutlicher Bezüge auf die Lebenswelt von Heranwachsenden, die Suche nach deren Neubestimmung, das sogenannte Coming of Age – da gibt es im Deutschen einfach kein passenderes Wort – ist THE VILLAGE ist sehr erwachsener Grusel. Viel mehr Drama denn teenagerfreundlicher Schockrock, werden hier bewusst wieder einige Fragen offen gelassen, mit denen man sich beschäftigen kann, nachdem man den Film ein zweites Mal zurückgespult hat, um die Handlung und Bilder mit dem Vorwissen des Finales nach Hinweisen auf eben diese Auflösung zu untersuchen. Shyamalan ist zwar auch nach diesem Werk noch ein deutliches Stück davon entfernt, zu meinen Lieblingsregisseuren aufzusteigen – dafür ist mir gerade auch der rückwärtsgewandte Eskapismus von THE VILLAGE einfach zu suspekt – für sich kann man den Streifen aber schon mal als okay durchgehen lassen. 6/10

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