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M. Night Shyamalan dürfte das Talent des Filmemachens, wohl in die Wiege gelegt worden sein. Bereits mit seinem ersten Film "The sixth Sense", erschuf er einen Streifen, der im Grusel-Genre zum absolut Besten gehört, was es derzeit auf dem Markt gibt. Und auch Shyamalans zweiter Streifen, "Unbreakable", konnte mit einer beeindruckenden Mystery-Story und dem stillen Grauen überzeugen. Und vor allem die Plot-Twists, jeweils am Ende der beiden Streifen, gehörten mit zum besten vom Besten! Doch mit seinem dritten Streifen, "The Signs", ging es plötzlich schnurstracks bergab. Im Gegensatz zu den spannenden Geschichten der Vorgänger, wurde dieses mal nur eine öde und klischeebeladene Alien-Story geliefert, Atmosphäre und Spannung waren ebenfalls nicht auf dem zu erwarteten Niveau und der End-Twist enttäuschte gewaltig. Was wird uns nun also bei "The Village" erwarten? Gott sei Dank, ein richtig guter Film!

Mit "The Village" besinnt sich Shyamalan langsam wieder auf seine alten Qualitäten. Die Geschichte um ein abgelegenes Dorf, welches anscheinend von einer Horde übler Kreaturen bedroht wird, die immer dann aktiv werden, wenn einer der Dorfbewohner die Dorfgrenzen überschreitet, ist fein ausgedacht und kann an vielen Stellen überzeugen. Im Prinzip wird einem hier eine gute Mischung aus Dorf-Drama und Mystery-Grusel geboten. Zwar hat auch "The Village" einiges an Unlogikkeiten zu bieten und manchmal wirkt das Geschehen auch arg konstruiert, doch im Grunde kann man schon zufrieden sein, vor allem wenn man das ganze Geschehen mit dem müden Vorgänger vergleicht.

Dabei wird die Spannung und das Grauen langsam und kontinuierlich aufgebaut. Während am Anfang alles noch wie ein harmlos dreinschauendes Dorf-Drama wirkt, so dreht Shyamalan die Spannungs- und Atmosphärenschraube wirklich durchgehend an. Dazu wirft er einige Fragen auf, die einem bis zur Lösung nicht wieder loslassen. Vor allem die Frage "Wer sind diese Unaussprechlichen?" beschäftigt einen wirklich durchgehend. Schade nur, dass man die Lösung des Ganzen, diesesmal leider etwas arg verfrüht erfährt. Auf einen Plot-Twist, zum Ende des Filmes hin, muss man zudem völligst verzichten.

Dafür liegen die größten Stärken des Films in seiner Optik. Die Kulissen des Dorfes sind allererste Güte und der Wald wirkt bedrohlicher als so manches Waldgebiet, was schon in X-Filmen durchforstet wurde. Dazu gibt es Nebelschwaden, die das ganze Dorf zu einem gar gespenstischen Fleckchen Erde machen. Und die Ausleuchtung des ganzen Sets und der grandiose Score, bringen das Atmosphäre-Fass förmlich zum überlaufen. Schon lange nicht mehr, konnte ein so sanftes Grauen, so derartig wirken wie hier! Dafür gibt es für den Regisseur auf jedenfall ein dickes Lob!

Kritikpunkte gibt es höchstens in zwei Punkten. Zum einen muss man leider sagen, dass Shyamalan das Tempo des Films doch teilweise etwas zu arg gedrosselt hat. Zwar baut sich das Grauen dadurch schön langsam auf, doch vor allen in den ersten Minuten, muss man erst einmal förmlich mit sich kämpfen, um auch voll konzentriert zu bleiben. Doch spätestens wenn man sich mitten im Filmgeschehen befindet, vergeht dieses Gefühl.

Zum anderen ist es aber auch die Auflösung des ganzen Geschehens! Sie kommt, wie schon erwähnt, viel zu früh, wirkt etwas arg an den Haaren herbei gezogen und lässt eben auch den guten und zu erwarteten Plot-Twist, wie bei den ersten beiden Filme, sträflich vermissen. Zwar könnte man nun sagen, dass Shyamalan mit den Erwartungen der Zuschauer spielt, doch das er sie am Ende leider völlig links liegen lässt, ist dann doch etwas bedauerlich!

Dafür gibt es dann bei den Schauspielern wieder nur Gutes zu berichten. Hauptdarstellerin Bryce Dallas Howard, spielt ihre die Rolle der blinden Ivy wirklich erstaunlich glaubwürdig. Kaum zu Glauben, dass man von ihr bis jetzt kaum etwas gehört hat. Aus ihr kann jedenfalls noch mal eine große Darstellerin werden. Dazu Joaquin Phoenix, der sich auch wieder wacker schlägt und die Alt-Darsteller Sigourney Weaver und William Hurt, die, nach einigen undankbaren Rollen, wieder zu ihren alten Qualitäten zurück gefunden haben. Und wer genau hinsieht, der kann auch Shyamalan wieder in einem Cameo entdecken!

Fazit: Spannendes und immens atmosphärisches Mystery-Drama, dass mit einer recht ansprechenden Story und dem genialen Einklang seiner brillanten Optik und des überaus ansprechenden Scores, für Gänsehaut bis zur letzten Minute sorgt. Auch wenn die Auflösung des ganzen Treibens etwas zu früh preisgegeben wird und dann auch nicht sonderlich befriedigend wirkt, so kann man doch sagen, dass der Regisseur auf dem besten Wege ist, wieder an die Qualitäten seiner Erstlingswerke heran zu kommen. Vielleicht klappt es ja schon beim nächsten Mal! Es wäre ihm zu wünschen!

Wertung: 7/10 Punkte

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