Qualitativ hat M. Night Shyamalan ja mit jedem Film nachgelassen und so enttäuscht „The Village“, sein derzeit aktuellster Streifen, nach den ordentlichen bis sehr guten Vorgängern.
Schauplatz ist, wie der Titel schon sagt, ein Dorf namens Covington, aber Zeit und Ort der Geschichte bleiben unbekannt; selbst, ob der Film in der Realität oder einer Fantasywelt angesiedelt ist, bleibt vorerst unklar. Das Dorf wird von einem Ältestenrat geleitet, zu dem anderen Edward Walker (William Hurt) gehört. Edward hat zwei Töchter, Ivy (Bryce Dallas Howard) und Kitty (Judy Greer), von denen sich die blinde Ivy bald als Hauptfigur der Geschichte herausstellt.
Doch das Dorf liegt in Abgeschiedenheit, denn im Wald leben die so genannten Unaussprechlichen, von denen man nur wenig erfährt (z.B. dass sie lange Krallen haben). Die Dorfbewohner und die Unaussprechlichen leben in Frieden voreinander, weil sie das Gebiet der anderen respektieren. Doch junge Leute, wie Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) wollen den Wald durchqueren, um Medizin aus der Stadt zu holen…
Im Vergleich zu „The Sixth Sense“ und „Unbreakable“ kommt „The Village“ erschreckend plump daher. Das Farbspiel mit rot und gelb wird einem gerade ins Gesicht geknallt, von subtiler Symbolik keine Spur. Hinzu kommen noch Taschenspielertricks wie das Bildformat WS 1,85:1, das heutzutage für Kinofilme ungewöhnlich ist, das Bild aber so verengt, dass man weniger zu den Seiten sehen kann und Shyamalan einfacher Schockeffekt durch plötzlich ins Bild kommende Dinge erzeugen. Immerhin sind ein paar der Schocks wirklich gut (z.B. Blick durch die Bodenluke des Wachturms), aber der Film lässt nach einem starken ersten Drittel erschreckend nach.
Im ersten Drittel wird Spannung aufgebaut und der Zuschauer schnappt begierig nach den kleinen Informationsbrocken, die Shyamalan über die Unaussprechlichen und die Geschichte des Dorfes hinwirft. Man spürt direkt, dass sie etwas im Verhältnis zwischen den Dorfbewohnern und den Unaussprechlichen ändern wird. Liegt es daran, dass Lucius in die Stadt will? Daran, dass der geistig zurückgebliebene Noah Percy (Adrien Brody) im Wald rote Beeren gepflückt hat? Oder wollen die Unaussprechlichen die Bewohner etwas verjagen?
Doch nach der Verstecksequenz schaltet „The Village“ wieder einen Gang zurück und entwickelt sich zu einer ganz ungewöhnlichen Art von Liebesfilm. Zwar spannt dies den Zuschauer auf die Folter, doch dank der gut erdachten Charaktere und der wenig überschwänglichen Darstellung von Gefühlen, erweist sich „The Village“ hier sehr viel erfrischender als die x-te Kitsch-Schmonzette. Herrlich die Szene im ersten Drittel, als Ivy ihren Gefühlsausbruch hat und Shyamalan einen absoluten Brüller macht (ich will nicht zuviel verraten, aber es ist eine unerwartet witzige Szene).
Doch quasi zur Halbzeitmarke gibt „The Village“ dann qualitativ. Es kommt zu einem dramatischen Zwischenfall und als Folge dessen wird zumindest für einen Charakter das Geheimnis des Dorfes enthüllt. Diese Wendung mag noch ganz nett sein, wenn auch nicht so überraschend. *SPOILER* Ich hatte schon beim Aussehen der Unaussprechlichen geahnt, dass es sich um verkleidete Menschen handelt; nur wer, das wird mir nicht ganz so klar *SPOILER ENDE* Seltsamerweise sieht Shyamalan an dieser Stelle auch gezwungen, seine Dialoge für den Rest des Films ins pathetische Kippen zu lassen und wenn ab dort über Liebe, Gefühle usw. geredet wird, dann denkt man nur: Shyamalan goes Soap Opera.
So zieht sich das Finale dann auch nur noch, Ivy legt vollkommen unglaubwürdig eine „Cliffhanger“-Einlage hin, die Stallone stolz machen würde und nur bei einer Szene kann „The Village“ noch für Spannung sorgen. *SPOILER* Nämlich als das Vieh auftaucht. Leider enthüllt „The Village“ dann zu schnell, das diese Szene eher als retardierendes Moment gedacht ist. *SPOILER ENDE* Mit dem Holzhammer knallt das Finale dann noch den letzten Twist um die Ohren, aber den hat eh jeder nach der Hälfte des Film vorausgesehen. Doch leider tut der Film noch so als sei es eine große Überraschung oder besonders zivilisationskritisch, aber ehrlich gesagt langweilt das letzte Drittel des Films nur noch.
Schade, dass die Story so vermurkst ist, denn die Schauspieler sind wirklich großartig. Alte Recken wie Brendan Gleeson, William Hurt und Sigourney Weaver müssen trotz guter Leistungen etwas zurückstecken, denn der Fokus liegt hier auf der jungen Generation. Die stellt mit Adrien Brody, Bryce Dallas Howard und Joaquin Phoenix allerdings drei sehr gute Mimen, die auch hier wieder zu Höchstform auflaufen. M. Night Shyamalan hat auch einen Gastauftritt, was uns der Film auch noch als große Überraschung verkaufen will, aber das Gesicht seines Charakters bleibt solange verborgen, dass schon jeder Zuschauer ahnt, wer das wohl ist.
Großartige Schauspieler, stimmungsvolle erste Hälfte, doch dann baut „The Village“ ab, verärgert mit seinen Erklärungen und langweilt gegen Ende stark. Gerade noch Mittelmaß.