Review

In diesem Wald lauern SPOILER...

Als ich mir diesen Film im Kino ansah, saß neben mir jemand, der wohl mit dem restlichen Werk von M. Night Shyamalan vertraut war, denn er wusste, es würde wieder ein Ende geben, mit dem keiner rechnet, und eben dies tat er nun über die volle Laufzeit des Films: Er versuchte, damit zu rechnen. Schade für ihn.

"Die sind doch alle tot", "Die Monster sind eigentlich die Menschen", "Das blinde Mädchen ist die einzig Sehende", keine Spekulation war ihm zu gewagt, Hauptsache, das Ende würde ihn nicht überraschen und er konnte im nachhinein behaupten, die Lösung schon von weitem kommen gesehen zu haben. Und als sie dann kam, war er enttäuscht. Nur sei mir die Frage erlaubt: Warum? Sicher, beim Anschauen von Krimis macht es natürlich einen Heidenspaß, den Mörder zu identifizieren, bevor der Ermittler es tut, aber nachdem ich mir persönlich Shyamalans letzten Film SIGNS ziemlich dadurch versaut hatte, immer schon fünf Ecken weiter zu denken als notwendig (und mich die Auflösung auch ziemlich enttäuschte), wollte ich mich bei THE VILLAGE jetzt einfach nur fallen lassen. Und ich habe es nicht bereut.

Die unglaubliche Sorgfalt, mit der Shyamalan jede Einstellung in diesem Film komponiert hat, die vielen Momente, die allein durch ihre Bildsprache bestehen und ohne gestelzte Dialoge auskommen, das perfekte Zusammenspiel von Musik und Bildern, Licht und Ton, das kann man nur so zusammenfassen: Großes Kino.

Denn die bewegten Bilder waren seit jeher der große Vorteil des Kinos gegenüber allen anderen Medien, seien es nun Bücher oder Hörspiele. Shyamalan macht sich diesen Vorteil zu eigen wie kaum ein anderer, er kleidet das nicht zu formulierende in Bilder. Hinweise zuhauf: Grabstein. Blume. Schaukelstuhl. Rot. Nichts davon erschlägt einen, alles fügt sich ein in die melancholische, ruhige Grundstimmung, die vielen, die den Film gesehen haben, ein Dorn im Auge war. Aber sie ist notwendig, bedenkt man die Intention des Films.

Dem ordnen sich auch die Darsteller unter, Overacting wird man hier nicht finden, und doch sind viele der Darbietungen für mich persönlich absolute Highlights.
Bryce Dallas Howard und Joaquin Phoenix verkörpern die "Helden" des Films so gegensätzlich wie möglich, und ergänzen sich gerade dadurch perfekt. Adrien Brodys Charakter tappt nicht in die "Dorftrottel"-Klischeefalle, sondern senkt sich nur sonderbar unangenehm aufs Gemüt des Zuschauers. Er ist ein Störfaktor in dieser Idylle, man spürt es, kann es aber auch nicht vollständig erklären. Und auch die "Alten" sind durch die Bank wundervoll charakterisiert: William Hurt ist sowieso einer der ganz Großen, und Sigourney Weaver und Brendan Gleeson hinterlassen in ihren verhältnismäßig kurzen Szenen bleibende Eindrücke.

Technisch gibt es wie immer bei Shymalan nichts zu beanstanden: Traumhafte Bilder von Roger Deakins, unterlegt mit intensiv/geheimnisvoller Musik von James Newton Howard und Hillary Hahn, vereint von einem Regisseur, der es wagt, in Zeiten visuellen Overkills fast ausschließlich mit Bildern zu erzählen und meiner Meinung nach damit auf ganzer Linie Erfolg hat. Respekt. Sein reifster Film, der die etwas konstruierten UNBREAKABLE und SIGNS übertrifft (was nicht heißt, dass diese schlecht waren).

Nur entgeht einem so etwas leicht, wenn man sich ausschließlich auf die Auflösung konzentriert. Denn dann, um mal in Shyamalans Kosmos zu bleiben, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

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