Review
von Leimbacher-Mario
Verkleidungskünstler
Ist „The Village“ M. Night Shyamalans unterschätztestes Werk? Oder gar sein überschätztestes? Wer weiß. Seine fehlleitende Marketingkampagne und die Erwartungen an einen historischen Horrorfilm haben damals beim Kinogang sicher nicht gerade zur positiven Stimmung beigetragen. Aus heutiger Sicht hat der Titel aber eine überraschende Menge auf der Habenseite... Erzählt wird von einer abgeschotteten Dorfgemeinschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert Amerikas. Auf Grund etlicher grausamer Erlebnisse haben die Dorfältesten sich von den immer gefährlicher und gewalttätiger werdenden Städten abgewandt, um ein Leben in Frieden und klassischen Traditionen zu erreichen. Doch seltsame rote Monster scheinen im umgebenden Waldgebiet zu hausen, sodass ein Entkommen eh schwer bis unmöglich erscheint...
„The Village“ ist näher an einem intriganten Kostümliebesfilm als an einem Historyhorrormonsterschocker. Wenn man das weiß, dann klappt das mit der Sympathie und vielleicht sogar dem Genuss schon wesentlich eher. Das Ensemble ist hochklassig, wohl das breiteste und krasseste mit dem Shyamalan je zusammengearbeitet hat, voller Standouts und inniger Momente. James Newton Howards violinistischer Score ist Gänsehaut pur und schlicht meisterhaft. Dazu sind Sets, Kostüme, Beleuchtung und Grundidee über jeden Zweifel erhaben. Da ist schon viel, was man toll finden kann. Inklusive einer debütierenden, wundervollen Bryce Dallas Howard. Warum der Film dennoch als Knack- und Wendepunkt nach unten in Shyamalans Ouevre gesehen wird? Weil nur einer von beiden Twists gut aufgezogen wird, man sich sogar über beide streiten kann. Weil man eben falsche Erwartungen haben kann und die Monster keine allzu großen Rolle spielen. Weil manches zu viel und ausführlich erklärt, anderes wiederum zu flott und unnötig übergangen wird. Und weil das Ende unbefriedigen wirken kann. Ich bin mittlerweile aber definitiv auf der grünen Seite dieses Genremix' angekommen.
Fazit: „The Village“ ist mit Sicherheit nicht Shyamalans bester oder spannendster Film. Er war/ist sogar der Wendepunkt wo es für mich bergab ging. Und dennoch ist er hübsch gefilmt, hat eine Wendung die immerhin noch heute nachgemacht wird (ich gucke auf dich, „Antebellum“!), etliche doch immens spannungsvolle Sequenzen und ein erhabenes Ensemble.