Review

M. N. Shyamalan.
Ein Name ist Programm. Der indische Filmemacher bleibt seit seinem grossartigen Mainstream - Debüt "The Sixth Sense" ständig dem gleichen Stil treu. Stets geschehen in seinen Arbeiten mysteriöse Dinge und es herrscht eine gruselig - geheimnisvolle Atmosphäre, die von einer Überraschung am Ende aufgelöst wird.
Auch in seinem neuen Spielfilm "The Village" ist das nicht anders und die Spannung im Vorfeld war gross, ob ihm wieder ein origineller Mystery - Grusler gelingen würde, oder ob sein mittlerweile bekanntes Filmprinzip nur noch ein Gähnen hervorruft...

Das Geschehen spielt sich in einem kleinen, abgelegenen Dorf mitten im Wald von Pennsilvania ab(eine Jahresangabe wird nicht gemacht, es sieht jedoch schwer nach dem 19. Jht. aus).
Nach und nach werden die einzelnen Dorfbewohner, ihr Alltag, ihre Geschichte und damit auch die Geschichte des Dorfes beleuchtet:
Vor langer Zeit sind eine Handvoll Leute aus der nächstgelegenen Stadt weggesiedelt, weil sie dort geliebte Personen z.b durch Gewaltverbrechen verloren haben. In diesem abgelegenen Dorf, so hofften sie, würde es kein derartiges Leiden und solche Verbrechen mehr geben und sie könnten in Ruhe und Frieden miteinander leben.

Doch auch hier gibt es leider einen Haken:
Das Dorf wird hermetisch vom umgebenden Wald abgeriegelt, denn in diesem Wald herrschen bösartige Kreaturen, die von den Dorfbewohnern "Die Unaussprechlichen" genannt werden. Vor einiger Zeit wurde jedoch mit diesen Monstern ein Pakt geschlossen, der besagt, dass die Unaussprechlichen sich vom Dorf fernhalten, solange sich die Menschen ihrerseits nicht in den Wald begeben. Doch ausgerechnet der eher schüchterne, ruhige Lucius (Joaquin Phoenix) überschreitet eines Tages diese Grenze und wird von den Kreaturen bemerkt. In den darauffolgenden Nächten fallen diese ins Dorf ein und hinterlassen tote, gehäutete Tiere sowie rote (übrigens die im Dorf "verbotene" Farbe aufgrund der eben so gekleideten Monster) Zeichen auf den Türen. Allerdings scheint es sich hierbei nur um eine "Warnaktion" der Unaussprechlichen zu handeln, die Grenze nicht mehr zu überschreiten, denn keinem Menschen im Dorf passiert ernsthaft etwas.

Neben diesen Ereignissen rund um die Unaussprechlichen entwickelt sich die eigentliche Geschichte von "The Village", eine klassisch - tragische Dreiecks - Liebesgeschichte:
die blinde Ivy (eine grossartige Hauptrollen - Debütantin Bryce Dallas Howard) und Lucius lieben sich und wollen heiraten. Doch als dies bekannt wird, sticht ihr gemeinsamer Freund, der geistig Zurückgebliebene Noah (Adrien Brody), Lucius im Eifersuchts - Affekt (in einer toll gefilmten, überraschenden Szene) nieder.
Nun sehen sich die Dorfbewohner einem großen Dilemma entgegen:
nur ein Medikament aus der verpönten Stadt kann Lucius noch retten, aber dann müsste man einerseits den Dorf - Eid brechen, niemals in die Stadt zurückzukehren und andererseits den Ungeheuer - verseuchten Wald durchqueren.

Ausgerechnet die blinde Ivy (Liebe kann mehr bewegen als alles Andere meint sinngemäss ihr Vater) soll nun, unterstützt von 2 Helfern (die allerdings bald aus Furcht umkehren), diese Aufgabe erfüllen und die Medikamente besorgen.
Bevor sie sich jedoch in den schrecklichen Wald begibt und der Film in sein letztes Drittel steuert, verrät ihr allerdings ihr Vater (William Hurt) noch ein wohlgehütetes Geheimnis und damit setzt Shyamalan bereits den ersten, aber noch nicht letzten obligatorischen Plot - Twist ein...
Wie es dann weitergeht, wird hier vorerst zwecks Spannung nicht weiter behandelt ;)


Shyamalan lässt sich in "The Village" sehr viel Zeit, um uns das Dorfleben und seine Bewohner glaubhaft und durchaus tiefgründig näher zu bringen.
Dies gelingt auch vor allem dank der tollen Darsteller:
Bryce Dallas Howard spielt die sensible, aber auch etwas jungenhafte, Blinde Ivy grossartig, sie hat auch die meiste "Spielzeit" aller Personen.
Joaquin Phoenix überzeugt ebenso wie Adrian Brody, dem es sehr positiv anzurechnen ist, dass er sich auch nach dem Oscar - Gewinn nicht zu schade für eher kleinere und verrückte Rollen ist.
Routinierte Akteure wie Hurt, Sigourney Weaver oder Brendan Gleeson runden das überzeugende Ensemble passend ab.

Doch das Highlight in einem Shyamalan - Film ist schliesslich die Grusel - Atmosphäre und die ist auch hier wiederum sehr gelungen.
Die ständige Angst vor den Unaussprechlichen und deren Einfallen ins Dorf bietet genügend Optionen für unheilvolle Momente.
Immer wieder spielt der Regisseur und Autor mit menschlichen Urängsten: ein Knacken im Wald, unheilvolle Geräusche, usw: das Unbekannte versetzt uns in Angst und die Bedrohung ist allgegenwärtig.
Der absolute Höhepunkt an nervenzerrender Spannung ist allerdings Ivy's Walddurchquerung, die wirklich sehr intensiv geworden ist und von daher an die stärksten Momente von "Blair Witch Project" erinnert.
Zum Glück setzt Shyamalan diese Szenen aber nur sehr spärlich ein, wodurch sie im besagten Moment dafür aber ordentlich gruselig wirken.


Kommen wir nun zur Analyse der obligatorischen Plot - Twists:
Diesmal gibt es gleich zwei davon, die aber leider etwas absurd wirken; besonders originell oder grandios überraschend sind sie nicht gerade, vor allem das Geheimnis, das Ivy's Vater preisgibt, fällt hier eindeutig unter die Kategorie: "Dacht ich mir's doch!"
Die Auflösung am Ende ist eigentlich schon so blöd, dass man nicht schockiert - erstaunt ist, sondern eher grinsen muss.
Doch dieser Twist funktioniert auf völlig andere Art und Weise, da er die Geschichte sogar logisch abrundet und diese einen im Nachhinein dann doch wiederum erschaudern lässt...

Insgesamt gesehen ist "The Village" also ein rundum stimmiges, wunderschön gefilmtes Psychodrama mit wenigen, aber starken Gruseleinlagen und den typischen "Shyamalan - Surprises", die einem sicherlich ein bisschen auf die Nerven gehen können, aber letztlich auch nicht mehr Anlass zur Kritik geben dürfen als ein "normales" Ende in anderen Filmen.

So bleibt der indische Filmemacher auch mit seinem vierten Mainstream - Werk ein Garant für eigensinniges und originelles Kino, das einen hier zwar nicht mehr so vom Hocker haut wie damals bei "Sixth Sense", aber wer dies ernsthaft kritisiert, der sollte lieber mal selbst versuchen, ein revolutionäres Skript zu verfassen.

Gelungene Unterhaltung wird einem bei "The Village" auf jeden Fall geboten und damit kann man ja auch zufrieden sein.
8/10

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