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Wenn ihr Bud oder Doyle seid, dann ist das Leben eigentlich gar nicht so kompliziert. Ihr habt ja euren Buddy. Das wäre dann Doyle oder Bud, je nachdem, ob ihr Bud oder Doyle seid. Er ist eure andere Hälfte. Er vervollständigt euch. Er steckt euch den Finger ins Ohr und den Zeh in den Mund. Ohne ihn seid ihr nicht komplett, so will es das Buddy-Movie-Gesetz. Eigentlich seid ihr also gewissermaßen ein Budoyle. Und ihr habt zwei Freundinnen, Monique und Jen: Süß, sexy und an Umweltschutz interessiert (hä?). Jede liebt jeweils eine Hälfte von euch, ungefähr so, als wärt ihr zwei niedliche Hundewelpen. Gesteuert werdet ihr von euren niedersten Instinkten, denen ihr einfach wie in Trance folgt. Ihr habt immer ein klares Ziel… also, naja, meistens habt ihr kein Ziel, weil ihr antriebslose Volltrottel seid. Aber wenn ihr eins habt, sei es auch noch so primitiv, dann erscheint euch keine Hürde zu hoch und kein Aufwand unangebracht, um dieses Ziel zu erreichen. Ihr habt Hunger, ihr wollt Sex, ihr müsst auf Klo? Die Autoren eurer Geschichte werden euch für eure unkontrollierten Impulse danken, denn ihr bietet ihnen haufenweise Ausreden, einen Schweizer Käse von Drehbuch auf den Bierdeckel zu schmieren, das bettlägeriger kaum sein könnte.

So treibt es euch also per Brotkrumenspur in den Bio-Dome. Bio-was? Na, Bio wie: Dieses Mülltrennungs- und FCKW-Dings, das in den 90ern die Gemüter erregte, als sich Greta noch nicht einmal in der Planungsphase befand. Oder Bio wie: Biosphäre2, eine wissenschaftliche Anlage, die 1991 in Arizona gebaut wurde, um ein von der äußeren Umwelt völlig unabhängiges Ökosystem zu erschaffen. Hat wohl jemand in der Zeitung gelesen und den MGM-Bossen zugeflüstert. Was für eine Steilvorlage, um Kylie Minogue in einen Wissenschaftlerkittel zu stecken und sie mc² entdecken zu lassen! Doch ist es nicht primär ihr Schmollmund beim Nachdenken, der euch in die Kuppel lockt, sondern der Drang zu urinieren und die Unfähigkeit, ein Biotop von einem Kaufhaus zu unterscheiden. Ein gähnendes Loch im Skript ist es wiederum, das euch nach zwei Dritteln wieder ungehindert hinausspazieren lässt. Trick 17: Wenn dir als Autor nichts Besseres einfällt, lass einfach den Schlüssel stecken und schau, was passiert. Regeln bedeuten euch nichts, Konsequenzen halten nicht lange an, denn ihr seid ja immerhin Bud und Doyle. Würde man euch nicht an der verblödeten Visage ablesen, dass ihr gar nichts rallt, könnte man glauben, ihr wärt dazu in der Lage, hinter den Meta-Vorhang eures Daseins zu blicken, spaziert ihr doch so unbekümmert durch den Unsinn, den einige ein denkwürdiges Abenteuer und andere geistloses Siechtum nennen würden, als wüsstet ihr immer mit absoluter Sicherheit, dass ihr am Ende die Helden seid, die gefeiert werden. Und zwar von einem Live-vor-Ort-Publikum, das man aus unerfindlichen Gründen ständig auf Rob Schneider absucht.

Ihr habt weder den Rauch von Cheech und Chong noch den Rock von Wayne und Garth. Ihr habt nicht die Schönheit von Beavis und Butthead und auch nicht das invertierte Genie von Harry und Lloyd. Sogar Jesse und Chester überragen euch in Sachen Sweet- und Dude-Faktor. Vor allem habt ihr nicht diese coolen Signature Moves und Catch Phrases von Bill und Ted, sondern bloß eklige Essgewohnheiten. Erst recht habt ihr keinen Zugriff auf deren Zeitreise-Telefonzelle, obwohl der rotzige Skater-Punk eures Soundtracks auf der gleichen Technologie basiert. Aber ihr habt etwas, das die anderen nicht haben. Ihr habt die unglaubliche Macht der Nervigkeit. Ihr Beiden seid zu Zweit wie mindestens drei Stooges, bloß mit Psychostimulanzien in der Wirkung verstärkt, durch den Mixer gejagt und per Blitz inhaliert. Mit euch und einem Tofu-Vorrat für ein ganzes Jahr möchte man garantiert nicht so lange unter einer Kuppel gefangen sein. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb genau diese Situation als Prämisse auserkoren ist. Es geht um die Kollision von Ordnung und Chaos. Möge die Blase platzen.

Denn wollen wir nicht alle sehen, wie William Atherton wegen euch langsam seine Contenance verliert, hinter seiner Gesichtsbehaarung verschwindet und zum Mad Scientist mutiert? Über beide Stirb-Langsam-Filme hinweg hat man sich doch nichts sehnlicher ausgemalt als das. Und wünschen wir uns nicht diesen Hauch von Verwechslungskomödie, wenn der Projektleiter ausgerechnet die beiden wohl dümmsten Vertreter der Gattung Homo Sapiens der versammelten Presse als Spezial-Wissenschaftler verkauft, um von der eigenen Inkompetenz abzulenken? Welch Potenzial für allerhand peinliche Begebenheiten. Erwarten wir nicht letztlich, dass ihr die steifen Stockärsche in den Bügelfalten-Uniformen mal ordentlich aufmischt und nebenbei den Regenwald rettet, so dass eure Freundinnen da draußen und die neuen Freundinnen da drinnen endlich tierisch auf euch abfahren? Das ist doch genau die Katharsis, die Torfköpfen wie euch immer wieder aufs Neue widerfährt: Scheiße bauen und versehentlich den Tag retten. Den pickeligen Nerd vor dem Fernseher schüttelt es dann vor Neid, baut er doch auch permanent Scheiße und wird dafür nicht belohnt. Und während ihr euch noch fragt, was da eigentlich gerade passiert ist, werdet ihr auf Händen getragen. Warum nicht, Gratis-Rückenmassage geht immer klar.

Euer Regisseur ist aber sogar zu faul, diese plumpen Verläufe einer typisch debilen Slacker-Komödie dann auch wirklich voll auszuspielen, so wie es ein Adam Sandler machen würde. Vielleicht sollte man es begrüßen, dass die Klischees gerade erst im Aufbau begriffen sind, als sie schon wieder kümmerlich verdorren. Was passiert aber stattdessen? Es wird einfach in Dauerschleife gezeigt, wie ihr gegen Türen lauft und mit Kokosnussbomben werft. Zum Lachen dreht ihr das Lachgas auf und für die Pointe verursacht ihr wortwörtlich Explosionen. Die Tatsache, dass The Offspring gerade irgendwo nackt und kahlrasiert ein Konzert geben müssen, weil ihr ihnen die Klamotten und Frisuren geklaut habt, ist erleuchtend, kann aber nicht alleine die Handlung tragen. Was euch natürlich egal ist. Was wiederum ein durchaus charmanter Charakterzug ist.

Schon damals war das alles ziemlich behämmert und es ist mit der Zeit nicht eben intelligenter geworden. Unter den Buddy Comedies seid ihr immer noch der angebrannte Rest am Boden des Reagenzglases. Ihr lasst die 90er mit ihrer Mode, ihrer Musik, ihren besinnungslosen Studentenparties und überhaupt ihrem ganzen Lebensstil regelrecht debil wirken, dabei hatte man gerade dieses Jahrzehnt zwischen den Geschmacksverbrechen der 80er und der digitalen Identitätslosigkeit des 21. Jahrhunderts eigentlich als angenehm reflektiert in Erinnerung. Wie man sich täuschen kann…

Aber wenn man heute fragt, was Pauly Shore und Stephen Baldwin eigentlich in ihrer Karriere so gebacken gekriegt haben, sagt man da nicht immer noch wie aus der Pistole geschossen „Bud und Doyle“? Irgendwas scheint da hängen geblieben zu sein, ungefähr so wie ein Denkprozess in einer infiniten Ellipse. Wir werden vermutlich nie erfahren, ob wir es wirklich euch Beiden zu verdanken haben, dass das Ozonloch teilweise wieder gekittet werden konnte, aber auf jeden Fall erinnert ihr uns nach all dieser Zeit immer noch an unsere verprassten Jugendjahre. Somit also an uns selbst. Und mal ehrlich: Tenacious D geben ein Konzert auf dem Gehweg, Rose McGowan ist eine Schlange, von Joey Lauren Adams Anblick bekommt man Zahnschmerzen und Thaddäus Tentakel macht den Erzähler. Das ist cool und tut keinem weh. So richtig böse kann man euch nicht sein. Wirklich gehasst werdet ihr am Ende doch eh nur von den Filmkritikern. Und wer hört schon auf die.

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