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Berlin-Wedding im Jahre 1942: Der 17-jährige Arbeitersohn Friedrich Weimer (Max Riemelt) wird seines Boxertalents wegen an der Napola Burg Allenstein aufgenommen. Dort, umgeben von endlosen Wäldern Preussens, soll die künftige Elite des Reiches herangezogen werden. Voller Begeisterung ist Friedrich dabei, doch seine Freundschaft zu dem in sich gekehrten Albrecht (Tom Schilling) bewirkt auch in ihm eine Veränderung. Als eines Tages flüchtige sowjetische Kriegsgefangene in den örtlichen Wäldern gestellt werden sollen, wird auch ein Teil der Napola Allenstein in den Einsatz geschickt. Als es Tote gibt, gerät die Situation mehr und mehr außer Kontrolle und der sensible Albrecht droht ihr erstes Opfer zu werden...

Dennis Gansels "Napola" geht unter die Haut. In beeindruckenden Bildern verleiht er einem Kapitel der deutschen Geschichte ein Gesicht, das bisher kaum Beachtung fand und vielen wohl gänzlich unbekannt ist. Vor dem Hintergrund brutalen Drills, lebensgefährlicher Wehrertüchtigung und gezielter idelogischer Indoktrinierung steht die Beziehung der beiden HJ-Kadetten Friedrich und Albrecht im Mittelpunkt der Erzählung. An eben dieser zerbrechen letztlich beide auf unterschiedliche Weise, nachdem sie das menschenverachtende Unrechtssystem des Nationalsozialismus und seiner Unter-Organisationen durchschaut haben.

Mit einem beeindruckenden Gespür für atmosphärische Bilder und Kulissen lässt Regisseur Gansel den Zuschauer am Alltag der Kadetten teilhaben - und dies auf derart realistische Art und Weise, daß man meinen könnte, selbst dem Geschehen hinter den bedrohlich-düsteren Mauern des Eliteinternats beizuwohnen. Einen guten Teil zum Gelingen von "Napola" trägt zudem die bis ins letzte Detail liebevoll ausgestaltete Ausstattung der Kulissen und Akteure. Dies ist wohl in erster Linie den historischen Beratern zu verdanken, die Regisseur Gansel zur Seite standen. Wahrlich beeindruckend! Realistischer ist eine solche Thematik schlicht nicht darzustellen...

Doch neben allem äußerlichen Realismus und der beeindruckenden Bildern liegt "Napolas" eigentliche Stärke in seiner fesselnden Geschichte und mit ihr den überzeugenden Charakteren. So ist es beileibe nicht nur die Beziehung Friedrichs und Albrechts, auch die Darstellung weiterer Schicksale wie des schikanierten Außenseiters und Bettnässers sowie die Beziehung Albrechts zu seinem gauleitenden Vater sorgen für ein faszinierendes, ergreifendes und zugleich nachdenklich stimmendes Kinoerlebnis.
Einzig der eisige Abgang Albrechts wirkte auf mich ein wenig zu sehr bei einem Blockbuster James Camerons abgeschaut, beeindruckend ist er dennoch!

Geschichte hautnah erfühlbar gemacht, wertneutral beobachtet und frei von ideologischer Verfärbung der Marke Guido Knopp: "Napola" sollte zum Pflichtprogramm eines jeden Kinogängers gehören und zeigt zugleich eindrucksvoll, was das deutsche Kino in der Lage ist hervorzubringen! Eine Meisterleistung sowohl in technischer wie auch darstellerischer Hinsicht!

Eine wie auch immer geartete, derartigen Filmen gerne unterstellte allgemeine Verharmlosung ist nicht festzustellen. Vielmehr erschliesst es sich dem Zuschauer selbst, wo der fanatische und gnadenlose Weg der Napolakadetten schließlich endete: In den Massengräbern der Endkämpfe - Jeder zweite fiel...

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