Review

Die Napola - Erziehungsschulen für die Elite der Elite des dritten Reiches. Diesem Thema stellte sich Dennis Gansel, allerdings leider mit mäßigem Erfolg...
Es ist weitest gehend immer noch ein Tabu sich über dieses Thema auszulassen, doch genau zu dieser Aufgabe fühlte sich Gansel berufen. Er bezieht sich dabei aber weitest gehend auf die Erzählungen seines Großvaters und nicht so sehr auf wissenschaftlich fundierte und verifizierte Sachverhalte. Deswegen lassen sich sehr viele falsche bzw. überspitze Sachverhalte feststellen.
Auch ist es Gänsel nicht gelungen einen gewissen Eigencharakter in den Film zu bringen, so hat er das Grundelement dieses Themas verpasst festzuhalten. Dieses ist für die nähere Beschreibung der gestellten Aufgabe allerdings unerläßlich.
Gänsel hätte nicht nur Klischees anreißen sollen oder Stereotypen darstellen sollen, sondern auf die spezielle Art und Weise der Indoktrinierung, die nunmal im dritten Reich vor lag, näher eingehen müssen. Er gibt uns nur irgendwelche pauschalisierten Sozialgruppen vor (Vater, böser Jungführer, guter Nazi etc.), lässt uns aber nicht die eigentliche Brutalität und Menschenunwürdigkeit dieses dunklen Zeitabschnittes spüren. Dadurch entsteht eine zwangsläufige Entscheidung zwischen Gut und Böse - ja sogar eine Verharmlosung.
Vieles wird sehr knapp angekratzt und dadurch entsteht ein falsches Bild von Sachverhalten, die sich geschichtlich eindeutig belegen lassen (der Vater soll die Arbeiterschaft repräsentieren, die gänzlich gegen die Napola ist...schlichtweg falsche Darstellung der Arbeiterschaft, einfache Pauschalisierung) Dadurch lädt der Film selbst mit vorhandenem geschichtlichen Hintergrundwissen nicht gerade zu einer überschwänglichen emotionalen Bindung ein.
Leider muss man sagen, dass es für den Film egal wäre, wie er heißt, das Hauptthema eigentlich in den Hintergrund tritt, es zur Kulisse wird, denn Gänsel vermittelt den Zuschauern eigentlich nur ein Drama zwischen zwei Jugendlichen, die eine innige Freundschaft pflegen. Dies könnte man aber auf sehr viele Filme anwenden und auch auf sehr viele Zeiten. Er stellt deswegen die psychischen und physischen Veränderungen, die den Jungendlichen widerfahren ist durch das totalitäre brutale NS-Regime, völlig in den Hintergrund. Aus diesem Grund ist der Film nicht mehr in einem tragischen Kontext zu sehen, sondern verflacht in einem lapidar (im Bezug auf das eigentliche Hauptthema) anmutendem Jugend-Drama.
Wäre der Film nur ein nettes Internatsdrama, bei dem etwas rauhe Sitten herrschen, dann würde ich sagen ok. Aber Gänsler stellte sich nunmal dieser enorm großen Aufgabe und deswegen muss man auch einen erheblich größeren Tiefgang erwarten. Er hätte gut daran getan, wenn er lieber weniger Klischees (die mitunter natürlich richtig und wichtig sind) in den Film eingebaut hätte und auch diesen Happy-End-Charakter über Board geworfen hätte und sich lieber auf den wichtigsten Hauptpunkt - die Darstellung der Indoktrination von Jugendlichen - konzentriert hätte.

Was man allerdings sagen muss ist, dass die beiden Hauptdarsteller Max Riemelt und Tom Schilling für sich betrachtet ein klasse Leistung abgegeben haben. Sie spielen ihre Rollen wirklich mit sehr viel Leidenschaft und großer Mühe. Man merkt, dass sie die Bewegungsabläufe und auch die Mimik, die so klassisch in der NS-Zeit praktiziert wurde (allen voran Adolf Hitler), verinnerlicht haben und diese mit absoluter Perfektion wiedergeben konnten. Man muss sie auch wirklich (und weitest gehen die anderen Schauspieler auch) aus der Gesamtkritik herausnehmen, da sie ja nichts dafür können, dass der Regisseur einige gravierende Fehler bei der Umsetzung des Projekts gemacht hat.

Fazit:

Napola ist ein unterhaltender Film. Unterhalten ist wohl das Stichwort, denn unterhaltend sollte ein Film über die NS-Geschichte nicht sein! Er sollte anklagend, erzählend und nachdenklich sein. Was dabei aber bei Napola rauskommt, lässt sich wohl nur noch auf die Stufe mit einer netten Geschichte, die man von seinem Opa erzählt bekommt, stellen. Hier liegt nämlich der Hauptfehler von Gänsler, er geht einfach zu wenig auf die wirklich geschichtlichen Hintergründe ein, sondern erzählt lieber eine etwas lockere Drama-Geschichte zwischen zwei Jungs...das kann und darf nicht sein Ernst sein!!

Ich will den Film ansich nicht schlecht machen, aber wissenschaftlich ist er leider nur Müll, er bringt nichts für einen längeren Nachgeschmack, wie es z.B. viele Filme über den Vietnam-Krieg tun. Er ist einfach zu lieb und zu Hollywood-verspielt, ja zu kassenreisserisch gedreht....Nazi-Sells!

schwache 6 Punkte von mir

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