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Gleich vorneweg: Die 10 Jahre Produktionszeit und die angeblichen 450.000€ Budget sieht man diesem Film, den auch Schlingensief nicht schlechter hinbekommen hätte, keine Sekunde an. Dafür liefert Wenzel Storch knapp 75 Minuten absolut sinnfreien Dauertrash, der jeder ungeschriebenen Regel des Kinos grinsend den Mittelfinger zeigt. Das ist teils genial, teils dämlich, teils einfach nur nervig, verpackt in zugegeben sehr ausgefallener do-it-yourself-Deko und garniert mit der wohl seltsamsten "Story" der zumindest deutschen Filmgeschichte:

Skipper Gustav schippert mit seinem Schneckenhausschiff, begleitet von seiner Frau Eva, ebenso zahlreichem wie frechem Girlie-Nachwuchs, einem vom Aussterben bedrohten, aber schwer bewaffneten Eingebohrenen-Trupp (der zudem als Bordkapelle fungiert) und seiner sprechenden Tierbesatzung durch die sieben Weltmeere. Dabei landet er auf einer Insel, die von seinem ebenso despotischen wie dekadenten Jugendfreund Knuffi regiert wird, der natürlich sofort der armen, aber nicht wehrlosen Eva nachstellt.

Soviel zur Rahmenhandlung, und wem das schon zu abgedreht ist, der wird angesichts sexgeiler Ommas, kotzender Bären, Propaganda-Ministern mit Blasenschwäche und Karniggeln, die im Drogendelirium Haarbürstenständer niederrammeln und dadurch zu Zeitmaschinen mutieren, sehr schnell entsetzt die Beine in die Hand nehmen. Positiv bleibt auf jeden Fall zu erwähnen, dass die Crew die völlig hirnkranken Ideen mit viel Spaß und Liebe zum Detail, aber anscheinend ohne jedes Talent auf Film gebannt haben. Die selbstgebastelte Ausstattung ist auf jeden ein Hingucker, und Jörg Buttgereit (auch Cameo!) garnierte den Ulk noch mit ein paar geschmacklosen Make-Up-Effekten.

Stellenweise ist das Ganze dann auch zum Schreien komisch, besonders der nett animierte und ultragemeine Anfang. Auf Filmlänge geht der "Reise ins Glück" dann aber doch die Puste aus, der Film ist derart vollgestopft und überladen mit Absurditäten, Unsinn und Geschmacklosigkeiten, dass er mit zunehmender Laufzeit immer anstrengender bis unerträglich nervig wird. Das Problem liegt wohl darin, dass Wenzel von Anfang an auf Extrem setzt und der Film sich einfach nicht mehr steigern kann, sondern den Unsinn-Level konsequent so hoch wie möglich zu halten sucht. Da dem Zuschauer dabei bald der Spaß abhanden kommt, will der Film immer wieder mit Gewalt noch eins draufsetzen und landet dann irgendwann bei angepinkelten kleinen Mädchen, wo bei vielen Fantasy-Filmfest-Zuschauern endgültig der Ofen aus war. Hier wäre weniger doch mehr gewesen, denn die nur gut 70 Minuten Laufzeit erscheinen einem fast wie zwei Stunden.

Wer sich den Abspann durchliest, könnte zu der Erkenntnis kommen, dass das große Ziel anscheinend war, möglichst viele Fördereinrichtungen um ihr Geld zu betrügen. Das Resultat ist für Freunde des Anti-Kinos und zum Himmel schreienden Blödsinn wahrscheinlich eine Offenbarung, aber jeder auf der Suche nach so etwas wie einem Film sollte hier schnell das Weite suchen.

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