Es lebe die Aktualität – geht doch nichts über einen markanten politischen Thriller, wenn sich Amerika gerade im Wahlkampf befindet, noch dazu mit so einem umstrittenen Präsidenten.
Das kann natürlich auch nach hinten losgehen, denn nicht selten hat dann das kinobesuchende Volk das Thema aus den Tagesmedien satt und quittiert selbst gute Qualität mit dauerhaftem Fernbleiben.
„The Manchurian Candidate“ ging zwar nicht unter, spielte aber nur mühsam sein Budget wieder ein – was ein wenig schade ist, weil Jonathan Demme zu alten Regiequalitäten wieder aufläuft und der Film, obschon ein Remake, gute Thrillerqualität besitzt.
Brauchbar für das neue Millennium aufpoliert und aus dem kalten Krieg herübergerettet, ersetzt nun ein mächtiger Firmenkonzern nun die rotchinesische Gefahr und bemüht sich, einen Schläfer ins Weiße Haus zu bringen, indem man einen Kriegshelden des Desert Storm per Gehirnwäsche ein- und ausschaltbar macht.
Demmes Film folgt in den Grundzügen dem Klassiker mit Sinatra, hat aber bisweilen damit zu kämpfen, sein Geheimnis zu früh preiszugeben. Zu schnell ist klar, was in der Wüste wirklich geschah und der Aufklärungsprozeß des von Denzel Washington gespielten Marco gerät zwar zur flüssigen Angelegenheit, bleibt aber ziemlich überraschungsfrei.
Liev Schreiber als Sleeper hat auch nur eine beschränkte Rolle, die oftmals Rätsel aufgibt, weil sie hin- und herschwankend sich einmal den Ideen Marcos verweigert und dann wieder folgt. Seit seinem bekannten Auftritt als vermeintlicher Scream-Mörder Cotton Weary hat sich da für ihn nicht viel verbessert.
Ebenfalls kaum der Rede wert ist der Auftritt Meryl Streeps, die man eben in so einer unsympathischen Übermutterrolle noch nicht oft gesehen hat. Eine gute Vorstellung, aber nicht herausstechend, vor allem deuten sich ihre Verwicklungen in die Affäre zu früh an, um dann später, wie im Original, für einen große Überraschung zu sorgen.
Dennoch bietet das Drehbuch genug mysteriöse Vorgänge und Aktionen, Wendungen und Überraschungen, um dem ziemlich geschrumpften Genre des Politthrillers neues Leben einzuhauchen.
Diskutabel bleibt sicherlich das Ende, dessen Schlußpointe man schon eine Weile vorhersehen kann, die sich aber trotzdem gut in die Handlung einfügt. Gastdarstellern wie John Voight oder Bruno Ganz wünscht man aber substanziellere Parts. (6,5/10)