Flopbuster ist ein häßliches Wort für etwas, was viel Geld gekostet hat, aber keins wieder einspielte, aber es trifft zu. Auch bei "Mit Schirm, Charme und Melone" wurde geklotzt wie blöd. Reichlich Geld wird er gekostet haben. Wie der fertige Film allerdings tatsächlich aussah, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, denn der Film wurde noch vor der Premiere so gnadenlos runtergeschnitten (um ca. 25 Minuten), daß das verbleibende Fragment kaum noch bewertet werden kann.
Arm ist das Ergebnis auf jeden Fall, das kann gesagt werden.
Zwar haben sich die Macher offenbar die gängigen Schemata der Original-Serie zu Dutzenden reingezogen, verstanden haben sie sie aber noch lange nicht.
Beweis Nr.1: der Reiz der Serie bestand u.a. im pointierten Zusammenspiel seiner Hauptakteure, die sich blind verstanden. MacNee und Rigg (um nur das populärste Paar zu nennen) warfen sich die Bälle nur so zu und konnten dennoch wichtige Informationen austauschen. Hier will das einfach nicht funktionieren.
Zwar ist der Dialog noch immer pointiert, dafür aber ziellos; anzüglich, aber ohne Biß. Die beiden reden drumrum. Das wäre nicht so schlimm, hätten sie wenigstens Ausstrahlung, aber selbst die geht den großen Namen ab. Ralph Fiennes ist von beachtlicher Gesichtslosigkeit und wenn auch MacNee nie der große Akteur war, so hatte er doch reichlich Style auszustrahlen. Fiennes wirkt wie ein großer Junge in einem schicken Anzug.
Dagegen ist Uma Thurman so bierernst bemüht, Rigg nachzuempfinden, daß sie einfach nur scheitern kann. Alles an ihr wirkt in dieser Hinsicht forciert, von den schreienden Outfits bis zum legendären Lederanzug, der aber nicht erotisch wirken will, weil er einfach nur gekünstelt ist. Daß sich beide zu Beginn nicht kennen, hilft der Sache nicht weiter und die spätere Entwicklung ist (dank der Schnitte) sprunghaft.
Beweis Nr.2: Das Schema der Serie bestand immer in einem scheinbar unerklärlichen Phänomen, meist einem visuellen Kniff, einer unheimlichen Täuschung oder einer Entdeckung, die für die nahe Zukunft nachvollziehbar wäre, aber zum jetzigen überraschend kommt. Steed und Peel ermitteln und entdecken die Realität hinter dem Unerklärlichen. Die ist nur in den wenigsten Fällen tatsächlich phantastisch gewesen.
Hier haben wir es gleich zu Beginn mit einem wirren Wetterkontrollschild über dem Königreich zu tun und einem verrückten Mitentwickler, der die Welt ins Chaos stürzen will (übrigens in der Serie bereits vorgekaut in der Episode "A Surfeit of H2O - H2O - Tödliches Naß). Die Avengers waren aber nur stark am Rande SF.
Beweis Nr.3: "The Avengers" waren immer ein wenig Whodunit. Der Schurke mußte enttarnt werden, gab sich meist den Anschein der Bürgerlichkeit oder Unscheinbarkeit. Hier haben wir stattdessen Sean Connery, dem der Größenwahn aus allen Poren trieft. Sofort decouvriert warten wir nur auf das finale Duell, ein Blockbusterfehler der gröberen Art.
Beweis Nr.4: Nicht jeder Avengers-Stil läßt sich gut kopieren. Sicher, in der Serie sah man immer äußerst wenig Leute auf der Straße, ein bewährter Look. Hier sind die Straßen und gewaltigen Plätze jedoch stets menschenleer, ein statisches Paradies, das übertrieben gewollt wirkt. Ebenso unverständlich das Kokettieren mit dem Bizarren: warum de Wynter (Connery) und seine Mitverschwörer in einem hypermodernen Gebäude ausgerechnet in riesigen Teddybärkostümen sitzen, wird nie geklärt, ebensowenig wie das Auftauchen einer zweiten Mrs.Peel. Selbst der Auftritt von MacNee als unsichtbarer Agent im Keller ist ungeklärt und lächerlich, aber immerhin war er in diesem Fiasko so nicht zu sehen.
Beweis Nr.5: Zu viele Schnitte haben noch jedem Film geschadet. Was von "The Avengers" noch übrig ist, ist ein Witz: knapp 90 Minuten, in denen eine unvermittelte Actionsequenz auf ein bizarres Erlebnis und darauf dann wieder ein pointiertes Zwiegespräch folgt. Rein, raus, rein, raus. Wohnung, Verfolgung, Wohnung, Kampf, Enführung, Befreiung, Wohnung. Hinter vielen Szenen stehen bloße Fragezeichen, wie hinter den seltsamen Kampfbienen (wieso überhaupt Bienen, warum keine schöne Autobombe?), dem Irrgarten, aus dem Peel nicht mehr herauskommt, den Teddybären oder der allgemeinen deduktiven Logik, der unsere Agenten hier folgen müssen.
Das Endergebnis sind knallbunte, wild aneinander montierte Szenen, die wünschen lassen, man hätte nicht zur Schere gegriffen, dann hätte das Ergebnis zwar als gescheitert, aber als geschlossener gegolten und Mrs.Peel hätte wenigstens einmal Karate angewandt. So wird vor ihrem besten Kick geschnitten und man fragt sich, wie sie an dem Mann vorbeigekommen ist. Ein trauriges Fiasko, nicht zu verstehen. (2/10)