Nach „Scream“ und „Scream 2“ war „Verflucht“ die Reunion von Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson, aber die Qualität der vorigen Kooperationen reicht „Verflucht“ leider nicht heran.
Das Scheitern kann man den beiden aber nicht so wirklich anlasten, da das Studio mehrfach in die Dreharbeiten eingriff, den Film umschreiben und umschneiden ließ, bis von den ursprünglichen Ideen nur noch ein Teil übrig war. Wie die Ursprungsversion aussah, lässt sich nur mutmaßen, aber vermutlich war sie unkonventioneller und spannender als der Film, der „Verflucht“ auch in der Unrated Fassung noch ist, auch wenn an ein paar Stellen intelligente Ideen durchscheinen.
Nachdem man in einer Jahrmarktssequenz zwei potentielle Anfangsopfer (Mya, Shannon Elizabeth) kennen lernt, schwenkt „Verflucht“ zu den Geschwistern Ellie (Christina Ricci) und Jimmy (Jesse Eisenberg), den Hauptpersonen. Die beiden haben ihre Eltern durch einen Autounfall verloren; ein Handlungsstrang auf den (aufgrund der Studioveränderungen?) nicht mehr weiter eingegangen wird. Jimmy geht noch zur Schule, ist dort ein Außenseiter, Ellie arbeitet bei einem Fernsehsender, aber auch dort sind ihr nicht alle freundlich gesinnt.
Eines Nachts werden die beiden in einen Autounfall verwickelt, in den neben einem der Auftaktopfer auch ein Wolf verwickelt ist. Die beiden werden gebissen und zumindest Jimmy dämmert schnell, was auf sie zukommt...
Was Williamson ursprünglich vorschwebte, kann man nur raten, aber immerhin kann sich bei „Verflucht“ über einen Werwolffilm freuen, bei dem die Protagonisten an ihren Zustand glauben, bevor sie diverse Unschuldige weggeschnetzelt haben. Ähnlich wie „Scream“ und andere (post)moderne Horrorfilme kennen sich die Protagonisten mit phantastischem Film aus und Jimmy nutzt das Internet, um sich über Werwölfe zu informieren. Ellie ist da etwas zweifelhafter, aber die beiden schlittern nicht so blauäugig in die Chose wie in anderen Genrevertretern.
Leider ist die Geschichte nur teilweise so einfallsreich, denn als ironische Abrechnung mit den Regeln des Werwolffilms (so wie „Scream“ es beim Slasher tat), ist „Verflucht“ dann leider nicht. Teilweise hat Williamsons Script einige nette Ideen zu bieten (z.B. der Chef des Ringerteams, der später vor Jimmys Tür steht, aber aus anderen Gründen als erwartet), aber insgesamt ist „Verflucht“ auch nicht parodistischer als moderne Werwolffilme wie „Wolf“ oder „American Werewolf in Paris“. Zudem gibt der Plot bereits im ersten Drittel schon unübersehbare Hinweise, wer ein Werwolf sein muss, sodass zumindest eine Enthüllung nicht mehr überrascht (auch wenn eine zweite Offenbarung deutlich mehr Überraschungspotential besitzt).
So schwankt „Verflucht“ immer wieder zwischen Parodie und Werwolfhorror und das teilweise unsauber. Die klamaukige Szene beim Ringtraining würde in Schoten wie „Teenwolf“ passen, wirkt aber hier deplaziert, da sie über beißende Ironie hinausgeht. So will einfach keine klare Linie in den Mix aus konventioneller Metzelunterhaltung und Spiel mit dem eigene Genre kommen, zumal das letzte Drittel sämtliche neuen Ideen direkt über Bord wirft und nur noch aus zwei überlangen Showdowns besteht.
Da ist dann die extrem simple, Ironie vermissende Figurenzeichnung nicht gerade hilfreich. Ellie und Jimmy sind nur etwas besser ausgearbeitete Außenseiterstereotypen, Ellies scheuer Freund Jake (Joshua Jackson) noch die interessanteste Figur. Ansonsten stehen da noch die beiden brünetten Schicksen zum anfangs weghäckseln da, eine nervige Bitch macht Ellie das Leben beim Sender schwer und Wahrsagerin Zela (Portia de Rossi) warnt wie der prophet of doom im Slasherfilm vor drohendem Unheil.
Angesichts der verhackstückten Story macht Wes Craven noch das Beste aus dem Film und inszeniert die Chose möglichst spannend. Die wenigen Schockeffekte sitzen trotz aller Vorhersehbarkeit, in den seltenen Mordszenen treibt Craven das Adrenalin nach oben, nur im überlangen Zweifachshowdown kann der Spannungsmeister nicht dagegen ankämpfen, dass sich „Verflucht“ einfach totläuft. Weniger Lob verdienen die FX, gerade die Werwölfe sehen doch fürs Jahr 2005 enttäuschend schwach aus (gerade die CGI-Kreaturen) und auch die Goreeffekte wie die zweigeteilte Frau sehen teilweise sehr künstlich aus. Gelegentlich gelingen Rick Baker sehenswerte Tricks, aber von dem Altmeister ist man Besseres gewohnt.
Christina Ricci spielt sich solide durch ihre übliche Außenseiterrolle, mehr aber auch nicht, Jesse Eisenberg als Bruder hingegen ist nur mittelmäßig. Judy Greer als arrogante Senderbitch übertreibt zu sehr, während immerhin Joshua Jackson noch einen recht ordentlichen Job macht. Mya und Shannon Elizabeth sind kaum gefordert, Portia de Rossi absolviert mit ihren zwei Miniszenen nur einen besseren Gastauftritt.
In der vom Studio zugrundegerichteten Fassung ist „Verflucht“ leider nur Mittelmaß: Der Plot bietet nur selten ein wirklich ironische Spiel mit Genrekonventionen und ist streckenweise arg vorhersehbar. In den Jagd- und Mordszenen zieht Craven immerhin die Spannungsschraube ordentlich an, aber auch das hebt „Verflucht“ nicht über den Durchschnitt hinaus, zumal dem Film spätestens im zweiten überlangen Showdown sämtliche Ideen ausgegangen sind.