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"Es wurde ziemlich wild im Bett. Und ehe ich mich versah, hat die Bestie mich gekratzt und somit verflucht."

Bei einem nächtlichen Autounfall werden die Geschwister Ellie (Christina Ricci) und Jimmy (Jesse Eisenberg) von einer wolfsähnlichen Kreatur attackiert. Mit leichten Verletzungen überleben sie den Vorfall. In den folgenden Tagen bemerken beide einen Anstieg ihrer Sinne. Ellie verliert jedoch keine Gedanken daran und setzt sich stattdessen mit ihrer nervenden Kollegin Joanie (Judy Greer) und der mäßig laufenden Beziehung mit Jake (Joshua Jackson) auseinander. Jimmy dagegen zweifelt von Beginn an der Harmlosigkeit des nicht identifizierten Tieres. Bei Nachforschungen über Unfälle mit Tieren stößt er auf das Thema des Werwolfs und erkennt ähnliche Züge in seiner eigenen Umwandlung und diversen Büchern. Die einzige Möglichkeit die Verwandlung aufzuhalten besteht darin, den Verursacher zu finden und zu töten.

Mit seiner "Scream“-Reihe revolutionierte Regisseur Wes Craven ("Red Eye”) den Teen-Slasher. In "Verflucht" versucht Craven beliebte Elemente seiner bekannten Filmreihe in einen klassischen Werwolfs-Horrorfilm einzuflechten. Dies gelingt ihm durch diverse Umstrukturierungen und Kürzungen im Skript aber nur bedingt.

"Verflucht" bleibt durchgehend zielorientiert. Er will schockieren und gruseln, dies tut er auch. Abseits dieser wenigen atmosphärisch dichten Szenen bleibt der Film allerdings enorm oberflächlich. Die Geschichte ist dünn und schreitet Dank eingestreuter Nebenhandlungen, wie einer nervigen Romanze, nicht voran.
Klischeebeladene Charaktere sind in dem Genre keine Seltenheit. Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich solche, gepaart mit unglaubwürdigen Handlungen, auch hier finden. Durch die schrittweise Verwandlung inklusive der obligatorischen Sinnesschärfung sowie einer postpubertären Problemwelt, erinnert der Film stark an "Teenwolf", der allerdings seine Prioritäten mehr auf Komik und das Thema des erwachsenwerdens legte.

Sicherlich sind die Wendungen zum Schluss zweckmäßig eingesetzt. Bis dahin bleibt die Spannung allerdings an ein paar Standardsituationen hängen, die viel zu schnell durchschaubar werden.
Dazwischen versucht "Verflucht" seine engen Pfade mit Selbstironie aufzulockern. So vermag ein Werwolf der nach Beschimpfungen den Mittelfinger zeigt sicherlich belustigen, die Umstände nebenbei aber irritieren.

Das in die Länge gezogene Finale überzeugt nicht durchgehend. Gerade die schwankende Qualität der Effekte und Kostüme rütteln an der Glaubwürdigkeit und Spannung. Digitale Effekte sind schnell enttarnt und wirken teilweise arg künstlich. Das Werwolfskostüm leidet besonders in nahen Kameraeinstellungen unter der nicht lebensechten Mechanik. Dafür wissen die detailreichen Kulissen und ein paar Gewaltspitzen zu überzeugen.

Das charismatische Potential der Darsteller unterliegt der inhaltlichen Leere. Christina Ricci ("Monster", "Sleepy Hollow"), Jesse Eisenberg ("The Social Network"), Joshua Jackson ("Eiskalte Engel") und Judy Greer ("Elizabethtown") werden zwar zweckmäßig eingesetzt, bekommen aber keinerlei Spielraum um ihre Vorzüge zu präsentieren.

"Verflucht" bietet durchchoreographierten Hochglanz-Horror wie er im Buche steht. Die Darsteller sind ansehlich, die Atmosphäre weitgehend stimmungsvoll und die Gewaltspitzen überzeugend. Ganz im Gegensatz zu den wieder einmal merkwürdig agierenden Charakteren, künstlich anmutenden Effekten und beinahe lachhaftem Kreaturendesign. Diese Punkte nehmen dem Film über weite Strecken die Spannung, genauso wie die ideenlose Handlung. Nur ein paar Wendungen während des in die Länge gezogenen Finale können inhaltlich überzeugen. Ganz besonders schade ist der Verlust an bissiger Ironie, dessen Umgang Craven sonst so gut beherrschte.

6 / 10

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