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Wer hätte gedacht, dass einer der besten 80er-Filme ausgerechnet aus Neuseeland kommt und ein erschreckend unbeachtetes Dasein fristet? Gelegenheitsregisseur Bruce Morrison hat 1986 mit „Queen City Rocker“ seinen anscheinend bis dato letzten Spielfilm gedreht, ein Jugendbandenfilm angesiedelt im neuseeländischen Auckland.

Ska ist Mitglied einer Jugendbande, die aus Punks, Skins und anderen Außenseitern besteht. Die ausschließlich aus den Nachfahren neuseeländischer Ureinwohner bestehende Bande um Anführer Flak sieht in Skas Haufen eine unliebsame Konkurrenz. Ihm geht es um letztlich völlig wertlose Territorialansprüche, er gibt nichts auf Skas Bemühungen um Zusammenhalt. Doch in Ska brodelt es gewaltig, seit seine Schwester für einen anrüchigen Escort-Service arbeitet, der dem reichen Pfeffersack Ryder gehört. Ska und seine Jungs verwüsten dessen Etablissement und holen seine Schwester dort heraus. Als daraufhin die Gewalt eskaliert, sichert Flak Ska seine Unterstützung zu…

Klassenkampf, unten gegen oben, ist das Thema dieses actiongeladenen, rasanten Streifens. Darüber hinaus geht es um Freundschaft, um Zusammenhalt und um Subkultur. Ganz selbstverständlich legt Ska zu Hause eine Hardcore-Platte auf und ist seine Bande eines sehr gemischten äußeren Erscheinungsbildes. Punks, Skins und Straßenkids im Zusammenhalt gegen Popper, Autoritäten und die Oberschicht. Dieser Umstand muss nicht besonders betont oder pathetisch übertrieben zelebriert werden, nein, das ist einfach so und die Ausgangssituation dieses Films. „Queen City Rocker“ atmet dabei so dermaßen Ästhetik und Zeitgeist der 80er, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe, nur eben angenehmerweise aus Sicht der Underdogs. Das bedeutet, dass sich die 1980er hier nicht in erster Linie in Form von scheußlichen Frisuren und affigen Klamotten zeigen, sondern in einer quietschbunt-vergnügten Ansammlung von Details, die ein Lebensgefühl zum Ausdruck bringen, das Erinnerungen bei allen weckt, die selbst dabei waren.

Was seine Handlung betrifft, ist „Queen City Rocker“ herrlich konsequent in seiner Aussage, einfach das zu zerstören, was einem ein Dorn im Auge ist, und die korrupte, mafiöse Oberschicht direkt zu attackieren. Die Romanze zwischen Ska und seiner aus „gutem Hause“ stammenden Freundin schlägt aber durchaus eine Brücke. Das Ende drückt zusätzlich aus, dass Geld eigentlich unwichtig und es nicht wert ist, sich dafür zum Affen zu machen. Klasse!

Hauptdarsteller Matthew Hunter („Tödliche Ernte – Kinder des Zorns II“) als Ska kommt mit seinem einen trüben Gesichtsausdruck aus, wirkt damit aber keinesfalls unbeholfen, sondern nachdenklich und auf gewisse Weise cool. Alle weiteren Schauspieler sind gut aufgelegt; hier und da etwas Overacting veranschaulicht, was zum generell natürlich exploitativ-übertriebenen Spektakel passt, das sich aber nie der Lächerlichkeit preisgibt. Manch eine Kampfchoreographie verdient zwar eher das Prädikat „zweckmäßig“ statt „hochqualitativ“, doch für so eine Low-Budget-Produktion geht das alles in Ordnung. „Queen City Rocker“ ist ein ganz starker, atmosphärischer, spannender, dramatischer, tragischer, actionreicher, rebellischer, romantischer Film, der zu keiner Sekunde langweilt und Pflichtstoff sein sollte für alle „Juvenile Delinquent“-, Jugendbanden- und Subkultur-Film-Fans sowie für Freunde der glorreichen 1980er.

Die deutsche VHS ist für ein Taschengeld zu haben. Greift zu, bevor es jemand anderes tut!

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