(Enthält viele Spoiler, juckt aber nicht weiter.)
Daniel Stern - dieser Name sagt einem was, oder? Auch das Gesicht kommt einen heute noch sehr bekannt vor. Doch wann hat man ihn denn das letzte Mal gesehen? Oder besser: in welchen halbwegs populären Film? Lange her! 1998 in Very Bad Thimgs vielleicht, als er als hysterischer Familienvater nach zwei Morden auf dem Junggesellenabschied eines Kumpels langsam immer weiter durchdreht. Oder in Kevin - Allein in New York, als er als Einbrecher zusammen mit Joe Pesci Macaulay Culkin als zurückgelassenes Kind erneut zu Leibe rückte. Das war übrigens 1992. Exakt zwischen diesen beiden letzten Glanzlichtern (ja, ich nenne es mal so) seiner Karriere drehte er nun diesen Film mit dem depperten deutschen Titel Durchgeknallt und auf der Flucht.
Genau so deppert wie der deutsche Filmtitel ist leider auch die Hauptfigur, welche von Daniel Stern verkörpert wird. Er spielt den stets etwas zwielichtig anmutenden Paketzusteller Max Grabelski, der für die pünktliche Lieferung einer Handvoll Pakete je 50 Dollar kassieren soll. Er denkt sich nichts dabei und nimmt den Auftrag von einem gewissen Mr. Bragdon (Anthony Heald) an. Bei der vorletzten Lieferung läuft jedoch etwas schief: Grabelski betritt Bragdons Haus, doch darin brennt es und der Besitzer scheint tot. Er wird auf frischer Tat von zwei FBI-Agenten ertappt (wo kommen die nur so schnell her?) und gilt fortan als Mordverdächtiger. Das letzte Paket soll an eine Adresse namens Devil's Peak in eine Berghütte geliefert werden. Grabelski sieht eine Chance, aus dem Schlamassel heraus zu kommen und fährt dorthin. Dann wird er mit einem Scout einer Horde von Pfadfinder-Kindern verwechselt (was logisch ist, wenn er ein leichtes Hemd, hässliche Lederjacke anstatt Scout-Uniform sowie leichtes Schuhwerk trotz anstehender Klettertour trägt), weil er unterwegs dessen Auto geklaut und ihn mit einer Waffe bedroht hat. Es folgt die Handlung um einen Städter in der Wildnis, der von Kindern nur angenervt ist und sich mit ihnen zusammenrotten muss, um den angerückten Hundertschaften des FBI aus dem Weg zu gehen und seine Unschuld zu beweisen, was wohl in irgendeiner Weise komisch sein soll.
Das Problem: Ich habe nicht gelacht. Gut, drei- oder viermal habe ich in mich hineingeschmunzelt, aber das war's dann auch. Bushwhacked, so der Originaltitel, der auf Deutsch übersetzt soviel heißt wie „aufgelauert", ist nicht komisch, sondern liegt eher auf der humoristisch ziemlich anspruchslosen Ka-Lauer. Das Dilemma beginnt symptomatisch schon beim Vorspann: Daniel Stern läuft über einen Gehweg durch die Stadt. Welche vollkommen willkürliche Musikuntermalung einer populären Band kramt man da raus? Mh? Richtig, die Bee Gees mit „Stayin' Alive", weil die da in dem Video dazu auch irgendwo rumspazieren. Tieferer Sinn (und das trifft auf den gesamten Film zu): Fehlanzeige. Stattdessen ein Daniel Stern, der mit der übelsten deutschen Nerv-Synchronstimme von Bruce Willis gestraft wurde. Manfred Lehmann hat es diesmal leider zu gut gemeint, als er zu keinem Zeitpunkt leise, dafür umso mehr lärmende Töne anschlägt.
Gut, dafür kann ja Daniel Stern nix, könnte man meinen; für sein mieses Grimassieren, das sich schauspielern schimpft aber schon. Stets wirkt er mit seinen weit aufgerissenen Augen und seinem schicken Hemd, wenn er mit offenem Mund Kaugummi kaut wie ein Gockel kurz vorm Gackern - mal abgesehen davon, dass die von ihm dargestellte Figur enorm unsympathisch und reißbrettartig wirkt. Anscheinend wurde hier Bewegung der Gesichtsmuskeln mit der viel zu selten aufkommenden Komik verwechselt. Und da man die Gags beinahe an einer Hand abzählen kann, hier die negativen Highlights: Daniel Stern fällt im Anblick eines Bären in Ohnmacht und die Kinder denken, er stelle sich absichtlich tot; Daniel Stern pinkelt mit den Pfadfindern von einem Felsen herab genau auf einen FBI-Agenten, der natürlich im ersten Moment so einen „erfrischenden Bergregen" ganz toll findet; und (mein absoluter Favorite): Daniel Stern will mit einem sichtbar aus Gummi bestehenden Wespennest Football spielen. Das ist nicht nur einfach, sondern schlicht dumm - aber irgendwie auch kurzweilig. Genauso dumm wie die Erwachsenen übrigens, denen die klugen Kinder haushoch überlegen sind. Mal abgesehen vom echten Survival-Scout , der fast schon persiflierend mit seinem Image als harter Hund spielt. Weiteres Positivum: Die Kids nerven zumindest nicht so, wie man es erwarten könnte, wenn es um Pfadfinder geht, die öfter mal altkluge Sprüche parat haben.
Die eigentliche Beleidigung für den Verstand folgt aber noch: das Finale. Der eine FBI-Agent wird von den Kindern und dem echten Scout, der die Kinder natürlich gefunden hat obwohl er die letzten zwei Tage an einen Baum angekettet wurde, matt gesetzt. Daniel Stern darf ein Kiddie nach vorhergegangenem Rettungsversuch seiner Mutter inklusive Heldenzeitlupe noch von einem Baumstamm über dem Abgrund eines Berges bar jeglicher Statik retten und der Böse Mr. Bragdon wird überwältigt und dann im Jubel-Taumel, weil das eine Kind gerettet wurde, schlicht vergessen. (Abgehauen ist er aber natürlich trotzdem nicht.) Vergessen wurde auch, uns über das Schicksal der beiden FBI-Leute, die sich zu Komplizen haben machen lassen, aufzuklären. Der eine wird schon etliche Minuten vor dem Ende gar nicht mehr erwähnt und darf noch weiter zuvor in seinen wenigen Szenen nur dummes Gefasel von sich geben, das wohl auch lustig sein soll.
Diese lärmende und nahezu witzlose Klamotte endet also so, wie man es seit dem Beginn erwartet hat und bietet damit nichts Neues im Typ-muss-lernen-mit-Kindern-klarzukommen-und-lernt-etwas-daraus-Genre. Dabei ist Durchgeknallt und auf Flucht (ich wollte diesen dämlichen deutschen Titel nochmal schreiben) extrem inkonsequent, so dass man sich fragt, welche Zielgruppe eigentlich angesprochen werden soll. Für Kinder ist der Film durch häufigen Schusswaffeneinsatz und die verkappte Thriller-Handlung zu brutal, für Erwachsene zu banal und übertrieben naiv inszeniert. Und nach diesem Verriss werde auch ich mal inkonsequent: Irgendwie hat mich dieser Schund trotzdem phasenweise unterhalten, ich geb's zu. Wenn auch auf eine ziemlich anstrengende und nervige Art und Weise. Ansonsten war es aber vertane Zeit (3/10).