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Der Held der Stunde, wenn nicht sogar des Tages ist Inspector Chan [ Chen Kuan Tai ], der gerade zwei Geldräuber auf offener Strasse gestellt, das Feuer eröffnet, Einen [ Pomson Shi ] der Jugendlichen Punks per Testament in Blei getötet und den Anderen, seinen Bruder Hung [ Lam Gwok-Hung ] zumindest verletzt hat, auch wenn dieser anschließend noch in die bewaldeten Hügel von Tuen Mun entfliehen konnte.
Chan darf sich nach dem Freilichtspektakel jedoch nicht lange im Glanze des medialen Scheinwerferlichts freuen. Nicht nur, dass der Flüchtige wutentschnaubt, bald psychopathisch entbrannt auf Rache sinnt. Seine Frau Fong [ Lee Yin-Yin ] lässt spürbar Sarkasmus in ihren Worten mitschwingen, leitet die müßige, jedem Polizisten sattsam bekannte Diskussion darüber ein, was denn nun an welcher Ordnung der Priorität steht, Familie – schließlich kam man mit dem kleinen Sohn gerade vom Strandausflug – oder doch Beruf. Und was denn – als Hintergrund menschlicher Tragik – eigentlich aus den Lieben werden soll, wenn der diensteifrige Gesetzeshüter in der Pflicht der Wertebewahrung einer freiheitlichen Gesellschaft seinen Abgang vom verantwortungsvollen Posten zum Fährmann in den Hades macht.

Viel Neues hört der in selbstzerstörerischem Trotz befangene Patriarch Chan und der im Aufknacken von Botschaften geschulte Zuschauer damit nicht. Notorisch abgedroschene Phrasen und ihre entsprechend unreflektierte Bebilderung ebenso vertrauter, nur vorgeblich realistischer Szenerien werden in Dangerous Person ebenso publik gemacht wie die Rekonstruktion des Männer-Ideals, in dem ein Mann eben muss tun, was ein Mann tun muss. Und die rechtsanarchistische These vom Cop, der am Rande der Legalität, in der Drecksarbeit politischer Vernachlässigung über die Strenge zu schlagen hat, um als Katalysator der Entmachteten Bevölkerung der zunehmenden Verrohung der Kriminellen wenigstens annähernd beikommen zu können. Kritik vom Vorgesetzten Commisioner Chung [ Paul Chun Pui ] – "Why you've to make 5-6 shots ? You're not in movie." – stößt auf pauschale Zurückweisung bei dem nicht Ein-, dafür aber Weitsichtigen.

Nützlichkeit oder Schädlichkeit, zerklüftetes Institutionen- und Systemvertrauen gegen unbarmherzige oder doch ohnmächtige Härte, Wortgeplänkel gegen Krisensymptom, alles eine Frage der Dosierung. Sollte man nach dem Lehrbuch handeln, kann man das Polizeirevier gleich in den städtischen Friedhof ummodulieren; dann doch lieber Verkehrsregeln übertreten, nicht lange mit der Androhung oder der Ausübung von Gewalt verzagen und auch mal in verantwortungsloser Hybris ein paar Verdächtige, sich im Nachhinein aber schnell als unschuldig Herausstellende in voller Fahrt von der Straße drängen. Für und Wider ? Im Zweifel für den spiritus rector - Polizisten. Alles Andere wäre von Ressentiment verblendet.

Öffentlichkeits- oder Überzeugungsarbeit muss auch nicht groß geleistet werden, nicht nur der Erfolg gibt Chan und der Tragweite seines reaktionären Handelns an vorderster Front Recht, auch die verzogene Jugend auf der Feindesseite, ein Volk von Delinquenten, genusssüchtig rebellierende Frontkämpfer, trägt ihr Scherflein dazu bei, dass das amtliche Willkürgebaren letztlich nicht mehr bedeudet als eine Ausweitung notwendigen Demokratieverständnisses. Der Rüpel von 1981 kennt im kapitalistisch verseuchten Moloch zwischen Reichtum und Elend keine Skrupel, keine Scham, keine Moral, pfeift auf die Ganovenehre und nimmt die Zivilisation als Geisel; symbolische Präsenz mit freundschaftlichem Samthandschuh reicht im herrenlosen Bürgerkrieg nicht mehr aus.

Dangerous Person folgt dieser populistischen [Im Dutzend zur Hölle] Perzeption und steht entsprechend dessen mit seiner dramaturgisch sicheren Ventil-Aussage, der Hilfsmittel zur Annäherung an das was einmal war und das, was jetzt ist und dem spröden, stark angerauten Aussehen auch nicht allein auf weiter Flur: In HK galten die Fernsehserien CID [ 1976, Patrick Tam. Yim Ho. Ann Hui ] und ICAC [ 1977, Ann Hui. Yim Ho. David Lam ] als Auslöser einer Diskussion über Missbrauch und Legitimation polizeilicher Gewalt und als vielfach dokumentiertes, sachbezogenes nüchternes Spiegelbild einer zwischen Zerrissenheit und Hoffnungsarmut verzweifelnden Ära. Ein Trend von grobschlächtig gerasterter modern day action und new wave entstand, der mit zunehmender Beständigkeit den Weg von lebensnaher Detailgetreue in den Straßenwestern individueller Helden und einen ebenso drastischen Umschlag von der Qualität in die Quantität nahm. Fern von kritischen oder anderweitig differenzierten Momenten und abseits eines Bemühens, einen vielfältigen und komplexen Sachverhalt trotz der Kürze verständlich zu machen verfolgt der grantig modulierte Film in wohl notwendiger Begrenzung geistiger Prozesse die gedrängten, rein restaurativen Grundzüge des Genres. Inklusive der Aneinanderreihung von Stereotypen in der Besetzung, deren Nebendarsteller wie Lo Lieh als Knackie Uncle Tse, Lung Fong als rookie cop Peter und Hon Yee-Sang als altgedienter Kollege Little Tiger trotz wenig Zutun auch keine Gegenrede, aber doch eine zweite Stimme und so auch ein wenig seelisches Leben in der weitgehend aussichtslosen Geschichte vom [Tote pflastern seinen Weg] erheben.

Regisseur, Autor und selbsterwählte Identifikationsfigur Chen Kuan Tai formuliert die gemütsarme Handlung denknotwendig als konsequente Gegenüberstellung von zwei zentralen psychischen Dynamiken im existenzialistischen Nervenkitzel. Die unerbittliche [Der Killer und der Kommissar] Fehde mit zwangsläufig jeweils ganz eigenem Verhaltenskodex von Versessenheit und Verbohrtheit wird in erst in kompatiblen Parallelsituationen und bald in kinopotentieller Reiberei, nicht gänzlich ohne naiven, sarkastischen oder doch zynischen Humorspitzen erforscht. Während sich die chinesischen Polizisten trotz rudimentärer Englischkenntnisse gegenüber Ausländischen Bürgern weitgehend taub stellen, deren Anzeigen nicht nur nicht aufnehmen, sondern auch abschätzig darüber lästern und sich ansonsten fleißig im Verbrecher Verprügeln selbst vor Publikum ergehen, werden die Gauner nur mit der Motivation von erst Geld, dann Hass ausgestattet und verharren perspektivlos unter Ihresgleichen. Die Ermordung eines Waffenhändlers, eine Geiselnahme im Vergnügungstempel der lokalen Diskothek, der Überfall auf eine Supermarktkette sowie die folgende Plünderung eines Goldschmiedes, der seine Wachmannschaft statt mit Knarren nur mit hauseigenen Kung Fu Künsten bestückt, treiben das überaus solide, aber selten über die Alltäglichkeit, den Durchschnittswert hinausragende Werk mit manch schonungslos deftigen Gewalteruptionen und ebensolchen rigid zerstörerischen Eingriffen voran.

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