"Herrenvolk (Herrenvolk)"
Staffel 4, Folge 1
Nach dem Cliffhanger der letzten Folge der dritten Staffel überrascht der vierte Staffelauftakt mit sonnigen Bildern dörflicher Idylle, in der ein Elektriker von einer Biene gestochen und dabei von mehreren stummen blonden Kindern angestarrt wird. Mörderbienen im "Dorf der Verdammten"? Habe ich überhaupt die richtige DVD eingelegt? Pustekuchen statt Bienenstich, denn der Prolog führte auf eine falsche Fährte und nach dem Vorspann wird tatsächlich direkt an den Ausgang der dritten Staffel angeknüpft. Die Wunderstichwaffe aus Mama Mulders Leuchte kommt zum Einsatz, kann den grünblutenden Gestaltenwandler-Rambo, der hinter dem auf den bürgerlichen Namen Jeremiah Smith hörenden Wunderheiler her ist, jedoch auch nicht dauerhaft aufhalten. Er vergreift sich sogar an Scully und würgt die Gute. Dieser Staffelauftakt redet viel Tacheles und treibt die Rahmenhandlung um die nun "großer Plan" genannte Verschwörung kräftig voran. Was Mulder bisher für Kolonisationspläne hielt, ist die Schaffung einer neuen Spezies: Auf einem abgeschotteten Farmland Kanadas leben menschliche Klone, von denen die Weibchen aussehen wie Mulders entführte Schwester, in Sklavenhaltung mit Unmengen Bienen zusammen, was Smith Mulder noch zeigen kann, bevor ihm endgültig der Garaus gemacht wird. Parallel dazu wird die Paranoia bedient, indem die Pockenimpfungen, die jeder Bürger in seiner Kindheit über sich ergehen lassen musste, zur staatlichen Etikettierungs- und Katalogisierungsmaßnahme, deren Ergebnisse in der Sozialversicherung gespeichert sind, erklärt werden, was Scully einige starke wissenschaftliche Momente verschafft. Und der dunkelhäutige Informant wird, gerade als ich ihn so richtig liebgewonnen hatte, aus der Rahmenhandlung herausgemordet - jedoch nicht, ohne dass er nicht noch kurz vor seinem Ableben mit seinem Blut die Buchstaben "SRSG" auf den Fußboden schmieren könnte. "Der Raucher" erklärt Agent Mulder schließlich zu "wichtig für das Gleichgewicht" und lässt dessen Mutter wunderheilen, damit Mulder nicht gar nichts mehr zu verlieren hat. Einmal mehr eine vollgepackte Folge von essentieller Bedeutung für die Rahmenhandlung, die sich in ihrem hohen Tempo jedoch nicht verfängt und der der aufmerksame Fan der Serie dankbar für all die mehr oder wenigen neuen Informationen sein dürfte. Darstellerisch und charakterlich wird ein tolles Kontrastprogramm geboten; Scully und Mulder werden in handfeste Actioneinlagen verwickelt. Die Bilder der kanadischen Menschen- und Bienenfarm wurden einprägsam gestaltet und wirken durchaus nach. Ein durchweg gelungener Start in Staffel 4! 8/10
"Blutschande (Home)"
Staffel 4, Folge 2
Im idyllischen Dörfchen Home in Pennsylvania findet unbemerkt von der Dorfgemeinschaft eine häusliche Geburt statt. Die Leibesfrucht wird direkt im Anschluss lebendig begraben und später von baseballspielenden Kindern entdeckt. Der örtliche Sheriff ruft das FBI in Person Mulders und Scullys zuhilfe. Verdächtigt wird die inzestiöse Familie Peacock bzw. die drei übriggebliebenen Söhne, deren Eltern vor Jahren bei einem Unfall ums Leben kamen. Doch deren Leichen wurden nie gefunden... Klassischer Backwood-Terror bestimmt diese Folge, die inspiriert wirkt von "The Texas Chainsaw Massacre" und Konsorten und dem späteren Subgenre-Erfolg "Wrong Turn" vorzugreifen scheint. Das Thema Inzest ist allgegenwärtig und unter Gebrauch einiger wissenschaftlicher Fachvokabeln werden die Folgen erläutert, die man schließlich am sämtliche möglichen Missbildungen aufweisenden Neugeborenen und vor allem in Form der Familie zu sehen bekommt. Die Maske leistete ganze Arbeit, um die missgebildeten Zurückgebliebenen entsprechend zu gestalten, während die Handlung sie weiter dämonisiert, indem sie zu skrupellosen Mördern gemacht werden. Mulder und Scully hingegen agieren etwas sehr abgeklärt und sogar humorvoll dafür, dass der Sheriff, seine Frau und der Deputy gerade getötet wurden. Die von der Folge präsentierte große Überraschung ist gar keine, denn die kündigte sich bereits zehn Meter gegen den Wind an - dafür wurde sie aber visuell umso kompromissloser umgesetzt. Zu gefallen weiß die hinterwäldlerische Backwood-Atmosphäre, die Zeit scheint irgendwann in den 1960ern stehengeblieben zu sein. Kritisch betrachtet hat diese Folge durchweg exploitativen Charakter, was sie indes gerade unterhaltsam macht. 7/10
"Teliko (Teliko)"
Staffel 4, Folge 3
Ein Schwarzer nach dem anderen wird tot aufgefunden und ist dabei nicht immer gleich als Afro-Amerikaner zu erkennen: Die Opfer sind erbleicht wie Albinos. Die Spur führt Mulder und Scully zu einem jungen Einwanderer mit anatomischen Besonderheiten. Das ersatzlose Fehlen seiner Hypophyse macht den jungen Einwanderer aus Afrika zum Mörder, um das eigene Überleben zu sichern, indem er seinen Opfern deren Hormondrüsen absaugt. Da die Hypophyse auch für die Pigmentbildung verantwortlich ist, kommt es beim Täter zu partiellen Bleichungen, die ihm signalisieren, dass er Nachschub braucht, während die Opfer vollständig erbleichen. In diesem Zusammenhang wartet die Folge mit gelungener Maskenarbeit auf und präsentiert unwirkliche und doch realistisch anmutende Bilder. Dass der Täter sich offenbar auf kleinstem Raum verstecken kann, ist ein zusätzlicher "Gimmick", dessen Ursache nicht näher erläutert wird, aber ebenfalls zu unheimlichen Situationen und Bildern führt, wenn beispielsweise aus einer dunklen Schublade zwei Augen herauslugen. Der Subtext thematisiert die Probleme und Sorgen vor Einwanderern, während parallel auf emotionaler Ebene diffuse Ängste vor dem Unbekannten und Exotischen angesprochen werden, vor vergessenen oder unerforschten Stämmen mit ihren Eigenarten und Riten. Mulder verhält sich diesmal sehr rüpelhaft und extrem besserwisserisch Scully gegenüber, doch am Ende muss sie für ihn die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Gut gelungene, gruselige und wahrhaft originelle Mystery-Folge, die Mulder allerdings nicht im besten Licht dastehen lässt. 7/10
"Unruhe (Unruhe)"
Staffel 4, Folge 4
Ein Geisteskranker entführt seine weiblichen Opfer, um sie zu "heilen", was bedeutet, dass er sie in eine Art lobotomistischen Dämmerschlaf versetzt. Die Ursachen liegen in einer Familientragödie um seinen Vater und seine Schwester. Außerdem ist er in der Logo, Fotos von seinen Gedanken zu machen. Dass er die Bilder an den Tatorten zurücklässt, bringt das FBI auf seine Spur. Dass die Folge das Myterium der Gedankenfotogragie aufgreift, ist ein grundsätzlich interessanter Ansatz. Das allerdings derart stark mit psychopathologischen Schäden des Täters zu vermengen, dass man allein aus ihnen eine eigene Folge hätte bestreiten können, erscheint mir etwas zuviel des Guten, zumal die familiären Hintergründe mitunter etwas verworren eingebracht werden. Stellenweise wird der inflationäre Umgang mit den Gedankenfotografien sogar richtiggehend albern; beim Foto vom erschossenen Polizisten voll mehr schlecht als recht hineinmontierter Blutfontäne musste ich doch arg schmunzeln. Dass der Täter ausgerechnet Scully auch noch auf seiner Liste hat und sie in akute Lebensgefahr bringt, sorgt zwar für reichlich Dramatik, ist dann aber eindeutig zuviel der Zufälle. Gut getroffen ist hingegen die Wahl des Täters und seine charakteristische Unruhe in den Pupillen. Der schnell von einem unerklärbaren Phänomen überzeugte Mulder und die stets zweifelnde Scully wirken hingegen gerade zu Beginn reichlich schablonenhaft. Eine durchschnittliche Folge. 5/10
"Rückkehr der Seelen (The Field Where I Died)"
Staffel 4, Folge 5
Dank Mulders Instinkt verhindert das FBI während einer Razzia auf der Suche nach illegalem Waffenbesitz in letzter Sekunde den kollektiven Gift-Selbstmord einer Sekte um den Bibel-belesenen Guru Vernon Epheser. Oberhaupt und Mitglieder werden verhaftet, müssen jedoch aus Mangel an Beweisen nach und nach wieder freigelassen werden. Mulder aber setzt sich intensiv mit Ephesers Frau Melissa auseinander, die offenbar multiple Persönlichkeiten besitzt - die zudem Reinkarnationen jahrhundertealter Personen zu sein scheinen... Sektenwahn und Reinkarnation sind die beiden Themen dieser Folge, deren Mystery-Aspekt schließlich vollends ins Esoterische abgleitet, sich mit Mulders und Scullys vorherigen Inkarnationen beschäftigt und die daraus resultierende etwas kitschige These von vor- und füreinander bestimmten Schicksalen mit nichts plausibel untermauern kann. Interessanter sind da die handfesten Streitigkeiten zwischen dem Ermittlerpaar und die Entlarvung der Manipulation der Jünger durch den Sektenguru, der zu jeder Situation das passende Bibelzitat bereithält und damit all sein Handeln scheinbar religiös begründen kann. Meines Erachtens letztlich auch nur eine durchschnittliche Folge.
"Hexensabbat (Sanguinarium)"
Staffel 4, Folge 6
Die Lust auf eine Schönheitsoperation zu vergrätzen, darauf legt es diese im entsprechenden Chirurgen-Milieu spielende Folge an. Statt das Fett dort abzusaugen, was der Patient für seine Problemzonen hielt, erkennt der Arzt den eigentlichen Ort des Problems und saugt ihm das Hirnschmalz aus. Ein anderer lasert sich durch die Gesichtshaut einer Patientin. Die Ärzte geben Mulder und Scully zu Protokoll, wie besessen gewesen zu sein und keine Kontrolle mehr über ihr Handeln gehabt zu haben. Eine Schwester der Klinik wiederum "zeichnet" in Punktform stilisierte Pentagramme in die OP-Räume und verhält sich allgemein verdächtig... Diese Folge greift das Phänomen mehr oder weniger dekadenten Schönheitswahns und der sich daraus resultierend vor lauter Einnahmen die Hände reibenden Industrie auf, in diesem Falle verkörpert von einer Gruppe Ärzte, deren Abteilung für Schönheits-Chirurgie die einträchtigste des ganzen Krankenhauses ist. Verbunden werden diese realitätsnahen Beobachtungen mit der Mystik um "Hexensabbate" und Blutopfer. Grafisch mitunter ganz schön explizit, setzt "Hexensabbat" auf den Ekelfaktor und die Angst vor ärztlichen "Kunstfehlern". Einer der visuellen Höhepunkte ist das zumindest bis ca. zur Hälfte gezeigte Abziehen einer Gesichtshaut; auch nicht zu verachten das im wahrsten Sinne des Wortes "Blutbad" der Krankenschwester. Leider ergibt einiges bei genauerer Betrachtung wenig Sinn. Der Zusammenhang dieser Berufssparte mit mystischen Blutopfern erscheint bereits arg konstruiert und ist gerade noch so akzeptabel. Dass die angebrachten Pentagramme ihren Zweck anscheinend überhaupt nicht erfüllen und die Ärzte wie Berserker ihre Patienten grausam verstümmeln, steigert zwar den Horrorfaktor, erschließt sich mir aber nicht in Gänze. 7/10
"Gedanken des geheimnisvollen Rauchers (Musings Of A Cigarette Smoking Man)"
Staffel 4, Folge 7
Diese Folge greift wieder die Rahmenhandlung auf und widmet sich voll und ganz dem geheimnisvollen Raucher, enthüllt erstmals seine Geschichte. Dies geschieht in Form eines vom Raucher abgehörten Gesprächs zwischen Frohike und Mulder, denn Frohikes Ermittlungen zu jener Personalie waren von Erfolg gekrönt - und so plaudert er munter drauflos, nicht ahnend, dass auch der vermeintlich sicherste Abhörschutz längst von den Geheimdiensten geknackt wurde. So gestaltet sich die Folge in Form in mehrere Abschnitte unterteilter Rückblenden, beginnend mit der Jugend des Rauchers beim Militär in den frühen 1960ern, wo sich die Rekruten zu Zeiten der Schweinebucht-Affäre antikommunistischer Hetze ausgesetzt sahen. Fortan holt die Folge zum ganz großen Rundumschlag aus: Sie greift das reale tödliche Attentat auf den damaligen Präsidenten John F. Kennedy auf, das mutmaßlich vom CIA ausgeführt wurde, und erklärt den Raucher zum Todesschützen! Man zeigt, wie ein Sündenbock aufgebaut wurde, damit der wahre Mörder unerkannt bleibt. Dies hat ein geheimes Leben des Rauchers zur Folge, der von nun an als Mitglied des Geheimdienstes an weiteren Manipulationen und Morden beteiligt ist, sogar die Ermordung des Bürgerrechtlichers Martin Luther Kings resultierend aus der antikommunistischen Paranoia der USA-Regierung durchführte! Auch hierbei handelt es sich bekanntlich um einen realen Mordfall, der auf verschwörerische Regierungskreise verweist. Die Folge geht sogar so weit, dem Raucher und seinem Team die Manipulation von Sportereignissen etc. zu unterstellen (was vielleicht schon etwas zu viel des Guten ist). Doch verfügt diese Folge auch über eine andere Ebene, die in das Privatleben des Rauchers eintaucht und ihn als einen einsamen Mann ohne Freunde und Familie zeigt, der als verhinderter Roman-Autor ein unbefriedigendes Doppelleben führt und seine Nikotinabhängigkeit als Ersatzhandlung für etwas, das ihm fehlt - ein erfüllendes Privatleben, Anerkennung etc. - psychologisch weitsichtig interpretiert. Weitere geschichtliche Ereignisse wie der Niedergang des real existierenden Sozialismus bis zum Rücktritt Gorbatschows werden gestreift, bis - ja, bis tatsächlich ein Ufo abstürzt und der Geheimdienst sich dieses Themas annehmen muss, es als neue Wirkungsstätte und Existenzberechtigung nach Fall des alten Feinds betrachtet. Auch des Rauchers erste Konfrontationen mit der Personalie Fox Mulder werden dem Zuschauer gezeigt, bis hin zum Gespräch mit Scully, bei dem der Raucher anwesend war und woraufhin sie Mulder zur Seite gestellt wurde - der nicht ohne Grund zunächst dachte, dass Scully ihn ausspionieren solle... "Gedanken des geheimnisvollen Rauchers" ist eine überaus starke Folge, die Elemente eines Polit-Thrillers mit der Mystery- und Science-Fiction-Thematik der Serie erfolgreich verknüpft und außerdem zum Psychogramm eines Mannes wird, der bisher mehr oder weniger schlicht als das personifizierte Böse gezeichnet wurde. Das nachdenkliche Ende bescherte mir eine Gänsehaut und die Gewissheit, es hier mit einer der besten Folgen bisher zu tun gehabt zu haben. 9/10 Punkten für diese die bisherigen Ereignisse der Rahmenhandlung mal erklärenden, mal auf den Kopf stellenden und mal neue Fragen aufwerfenden Folge, die die Mythologie der Serie in großen Schritten vorantreibt.
"Tunguska – Teil 1 (Tunguska)" + "Tunguska – Teil 2 (Terma)"
Staffel 4, Folgen 8 + 9
Die Doppelfolge unmittelbar nach "Gedanken des geheimnisvollen Rauchers" knüpft ebenfalls an die Rahmenhandlung an und greift das "Öl-Alien", also die außerirdische Lebensform in flüssiger Form, die in ihre menschlichen Wirte eindringt, wieder auf. Diese soll im Diplomatengepäck in die USA gebracht werden, doch der Zoll funkt dazwischen, was die ersten Opfer fordert. Mulder sieht sich gezwungen, mit seinem Erzfeind Krycek zusammenzuarbeiten, was beide nach Sibirien führt, wo man im titelgebenden Tunguska auf eine Art Foltercamp stößt und in Lebensgefahr gerät. Scully muss sich derweil vor Gericht verantworten und droht, inhaftiert zu werden, wenn sie Mulders momentanen Aufenthaltsort nicht verrät... Wie gern einmal bei derartigen Doppelfolgen ist die Anzahl der Drehorte und der Charaktere ungewöhnlich hoch und der Inhalt vielschichtig. Hier treffen Justiz-Thrill in den Gerichtsszenen (der Prolog der ersten Folge wird sogar komplett in der zweiten wiederholt) sowie Spionage-Krimi-Elemente auf gewohnte Science-Fiction, erlangt die großangelegte Verschwörung immer globaleren Charakter und wird der Action-Anteil ein gutes Stück hochgefahren. Die Inszenierung und der Grundtenor sind düster und fast durchweg bitterernst, die Gefahren auch unabhängig des extraterrestrischen Toxins wirken unangenehm real und sicherlich wären beide Folgen auch hochspannend, wären sie nicht dann doch auch wieder etwas überladen. Nicht immer ist unschwer zu erkennen, was tatsächliche Komplexität und was redundante Überfrachtung ist. Nichtsdestotrotz überwiegen eindeutig die Stärken dieser Doppelfolge, die die Neugier weckt, wie sich diese Ereignisse auf die kommende Rahmenhandlung auswirken werden - insbesondere vor dem Hintergrund von Scullys Aussagen und Erklärungen vor Gericht und Mulders selbstbewusstem Auftritt vor demselben. 7-8/10
"Die Sammlung (Paper Hearts)"
Staffel 4, Folge 10
Ein Traum weist Mulder den Weg zur Leiche eines kleinen Mädchens - Opfer Nr. 14 des zu lebenslanger Haft verurteilten Serienmörders John Lee Roche, der lediglich 13 Morde zugegeben hatte. All seinen Taten ist gleich, dass er den Mädchen Stoffherzen aus ihrer Kleidung schnitt. Mulder und Scully finden die Herzen-Sammlung und stellen fest, dass es 16 Stück sind. Roche behauptet Mulder gegenüber, dass eines der beiden unbekannten Opfer Mulders Schwester Samantha sei und erpresst, für kurze Zeit aus dem Knast zu kommen, um dem FBI den Ort der Leiche zu zeigen. Er liefert sich ein perfides Psychospiel mit Mulder, der sich über Anweisungen Skinners hinwegsetzt und sogar das Leben eines weiteren Mädchens gefährdet. Psycho-Thrill trifft hier auf das phantastische Element mysteriöser Träume, die in Verbindung mit Serienmörder Roche stehen. Durch das Wiederaufgreifen der Suche Mulders nach dem Schicksal seiner Schwester darf Mulder diese durch und durch ernsthafte Folge sehr emotional bestreiten und bietet dem Antagonistend dadurch ebenfalls Raum zur Entfaltung. Gelöst wird der Fall - wenn auch nicht vollständig - durch ganz weltliche Intelligenz und das Ende stimmt durchaus nachdenklich. Eine gute, spannende Folge, die das Übernatürliche gar nicht gebraucht hätte und die in Bezug auf Details zu Roches Taten auf Tiefgang verzichtet. 7/10
"Der Chupacabra (El Mundo Gira)"
Staffel 4, Folge 11
In einem Lager mexikanischer Wanderarbeiter und illegaler Einwanderer ist ein Brüdrpaar in dieselbe Frau verliebt. Als einer von beiden, Eladio, mit ihr während eines außergewöhnlichen Unwetters mit gelbem Regen abzieht, stirbt sie. Eladios Bruder glaubt, er habe sie umgebracht und schwört Blutrache, die anderen Mexikaner indes halten Eladio für die Sagengestalt des Chupacabras, dem Ziegensauger. Mulder wiederum glaubt an Außerirdische und Scully kommt einem mörderischen Enzym auf die Spur, das vorhandene, eigentlich harmlose Pilzinfektionen bei Menschen die Kontrolle über den menschlichen Organismus erlangen lässt und ihre Opfer rasend schnell tötet. Offenbar ist Eladio Überträger des Enzyms und hinterlässt eine Spur des Todes... Eine weitere "Milieufolge", angesiedelt unter illegalen mexikanischen Einwanderern, die mit mexikanischer Mythologie und Aberglaube, aber auch befremdlichen Riten wie der Blutrache vertraut macht und nebenbei durchaus auch auf die Probleme der Einwanderer eingeht, die sozialen Nöten entfliehen wollen, jedoch als Schwarzarbeiter ausgenutzt werden. Vornehmlich geht es aber um die Todesfälle, von denen Maria, Objekt der Begierde des Brüderpaars, nur den Anfang markiert. Das geht einher mit schauriger Maskenarbeit entstellter und mit Pilzen überzogener Leichen, während die Handlung versucht, mit dem Enzym eine wissenschaftliche Erklärung zu finden, aber einen außerirdischen Ursprung eben jenes zu suggerieren. Die Geschwindigkeit, mit der es seine Opfer dahinrafft, ist jedoch derart absonderlich, dass die Erklärungsversuche eher Alibi-Funktion einnehmen und viele Fragen unbeantwortet lassen - beispielsweise weshalb nicht wirklich jeder, der mit Überträgern Kotakt hatte, das gleiche Schicksal erleidet wie die bedauernswerten Opfer. Für meinen Geschmack wird mit der Chupacabra-Sage, dem Enzym/Pilz-Thema und den Außerirdischen ein bisschen viel zusammengewürfelt und die dass die Folge als eine Art Rückblende bzw. Erzählung einer mexikanischen Lagermutti aufgezogen ist und zwischenzeitlich gleich zwei verschiedene Varianten der Geschehnisse anbietet, macht's nicht besser, im Gegenteil. Dafür darf Mulder aber ein paar lustige Sprüche reißen und sind die Mutationen der Brüder im Finale wahrhaft grausig anzusehen, womit die Folge doch noch den Bogen zu einer ungewöhnlichen, nachwirkenden Familientragödie letztlich offenen Ausgangs gespannt bekomt. 6-7/10
"Leonard Betts (Leonard Betts)"
Staffel 4, Folge 12
Sanitäter Leonard Betts, bekannt dafür, mit der unglaublichen Fähigkeit ausgestattet zu sein, Krankheiten seiner Probanden besonders gut diagnostizieren zu können, wird bei einem Autounfall enthauptet. Doch der Körper der Leiche verschwindet aus der Pathologie, der Kopf wird im medizinischen Abfall gefunden. So sehr Scully auch zweifeln mag, erhärtet sich doch der Verdacht, dass Leonards Körper weiterlebt und einen neuen Kopf gebildet hat. Wer ist dieser Mann, dessen abgeschlagener Kopf von Krebszellen überwuchert ist, dadurch aber anscheinend sämtliche Körperteile neu bilden kann? Bei dieser Folge bin ich zwiegespalten: Einerseits ist sie großartig getrickst und sowohl die Make-up-Arbeit als auch die Handlung setzen auf einen hohen Ekelfaktor. Andererseits geht mir das ganze Krebs-Gequatsche gehörig auf den Zeiger und macht die Folge überaus unangenehm und schwer verdaulich. Möglicherweise bedeutet sie auch einen Wendepunkt für die Rolle der Scully, bei der eine mögliche Krebserkrankung angedeutet wird. Ich bin gespannt, welchen weiteren Verlauf die Serie nehmen wird. Zunächst ohne Wertung.
"Mutterkorn (Never Again)"
Staffel 4, Folge 13
Mulder macht ausnahmsweise einmal Urlaub und betraut Scully mit einem mit russischen Migranten zusammenhängenden Fall. Sie lernt dabei Ed Jerse kennen, der gerade die Scheidung von seiner Frau über sich ergehen lassen musste und sich alkoholisiert eine Tätowierung hat stechen lassen. Diese entwickelt jedoch ein Eigenleben und macht Ed zum Mörder. Befindet sich auch Scully in Gefahr? In dieser interessanten Folge wird am Rande Scullys schwieriges Verhältnis zu Mulder angeschnitten. Scully fühlt sich von Mulder nicht ganz für voll genommen und scheint damit zu hadern, dass er sie kaum als das sieht, was sie neben ihrer Eigenschaft als FBI-Agentin vor allem ist: eine attraktive Frau. Der Fall um die Russen gerät schnell zur Nebensache, hauptsächlich geht es um Ed und seine Tätowierung. Geschichten über ganz besondere Tätowierungen, die sich verheerend auf ihre Träger auswirken, sind in Mystery- und Horror-Formaten durchaus beliebt. Hier gibt es letztlich eine ganz weltliche Erklärung, doch wurde schön gelöst, welch Einblicke in die Psyche des enttäuschten und frustrierten Ed die Wirkung des Tattoos offenbart. Getragen wird diese stets von Melancholie, Schwere und einer gewissen Düsternis begleitete Folge von Scully, die man sehr privat erlebt. Sie bändelt mit Ed an, mit dem sie die Frustration gemein hat. Nicht so ganz zu ihrer Rolle passen will ihr Entschluss, sich ebenfalls tätowieren zu lassen, jedoch hat die Folge damit das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Leichte Abstriche machen muss man bei der unrealistischen Darstellung angeblich frischer Tätowierungen und dem Einstimmen in den in den 1990ern noch verbreiteten Chor der Tattoo-Paranoia inkl. manch Klischee. Ansonsten eine ungewöhnliche, weil aus dem üblichen Schema ausbrechende Folge, die recht gut gelungen ist. 7/10
"Memento Mori (Memento Mori)"
Staffel 4, Folge 14
Was in der Folge "Leonard Betts" bereits angedeutet wurde, wird für Scully traurige Gewissheit: Sie ist an Krebs erkrankt, einem inoperablen Gehirntumor. Dieses Schicksal teilt sie mit einigen Frauen, die davon berichten, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Die meisten dieser Frauen sind bereits tot. Scully begibt sich in Behandlung und sucht die neben ihr letzte Überlebende auf, während sich Mulder mit seinen Hackern in das Computersystem des Lombard-Forschungsinstitus hackt und nach Erklärungen sucht. Skinner verhandelt derweil mit "dem Raucher". Sensibel geht diese zur großen Rahmenhandlung gehörende Folge auf Scullys Diagnose und ihrem Umgang mit ihr ein und entlockt der so oft kühlen, abgeklärten Rolle einmal mehr sehr verletztliche Facetten. Schön auch, wie man fast schon in Vergessenheit geratene Handlungsfäden wie den um die Gruppe weiblicher Entführungsopfer und Scullys Involvierung wieder aufgreift. Den ruhigen und traurigen Aspekten der Folge werden Kampfeswille und Action gegenübergestellt, während die Rolle des "Rauchers" noch etwas unklar bleibt, aber das Finale viele Fragen beantwortet und die Dramaturgie der Serie vorantreibt - wofür man diesmal mit einer einzelnen anstelle einer Doppelfolge auskommt. 8/10
"Der Golem (Kaddish)"
Staffel 4, Folge 15
Ariel Weiss verliert ihren Mann Isaac Luria wenige Tage vor der Hochzeit durch einen feigen Mord. Mutmaßliches Motiv: Antisemitismus. Doch nach und nach verliert ein Verdächtiger nach dem anderen ebenfalls sein Leben. An den Tatorten: Fingerabdrücke Lurias. Scully und Mulder gehen der Frage nach, ob Ariels Vater sich in Selbstjustiz übt und stoßen dabei nicht nur auf den Anstifter des ersten Mords, sondern auch auf uralte jüdische Geheimnisse... Die Folge greift das leider anscheinend einfach nicht aus der Welt zu schaffende Problem des Antisemitismus auf, zeigt, wie feige und anonym gehetzt und verleumdet wird, wie Schreibtischtäter willige Erfüllungsgehilfen heranzüchten, die schließlich in jugendlichem Leichtsinn und juveniler Verwirrtheit voller Hass über Leichen gehen. Verknüpft wird all das mit Ausflügen in offenbar jüdische Mythologie, was für das phantastische Element der Folge sorgt. Der daraus resultierende Gruselfaktor hält sich in der krimilastigen Folge aber in Grenzen und zwingend gebraucht hätte es das gar nicht, denn Antisemitismus an sich ist schon erschreckend und gruselig genug. Interessanter finde ich die weniger dominante, sensible Thematisierung von Rache, Gegengewalt und Trauerarbeit. 7/10
"Unsichtbar (Unrequired)"
Staffel 4, Folge 16
US-General MacDougal wird Opfer einen Attentats. Das FBI um Agent Skinner wird mit dem Fall sowie mit dem Schutz anderer hochrangiger Militärs betraut. Die Spur führt Scully und Mulder zunächst zum Kopf einer paramilitärischen Einheit, den sie verhaften. Dieser jedoch berichtet von einem ehemaligen US-amerikanischen Kriegsgefangenen, der in Vietnam wissentlich zurückgelassen und für tot erklärt wurde, sich aber bester Gesundheit erfreut und auf Rachefeldzug befindet. Als sich diese Geschichte bewahrheitet, fällt es schwer, seiner habhaft zu werden: Er verfügt über die besondere Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen... Der Prolog dieser Folge, die sich mit dem für Horror- und Mystery-Episoden-Formate beliebten Vietnam-Trauma der USA auseinandersetzt, ist eigentlich keiner, sondern nimmt sozusagen den Beginn des Finals vorweg. Die Handlung greift auf, wie die USA ihre eigenen Soldaten im verbrecherischen Vietnam-Krieg verheizt haben, wie vertuscht und gelogen wurde, wie ein Leben junger, in den Krieg geschickter Menchen keinen Pifferling wert war - und wie bis in die Gegenwart hinein die Wahrheit parout nicht ans Licht kommen soll. Für letzteres erfährt die Handlung gar eine interessante dramaturgische Wendung, als sich Mulder, Scully und ihr Vorgesetzter eingestehen müssen, selbst nur Marionetten in einem perfiden Plan zu sein und ebenso wenig Interesse am Überleben der alternden Militärs auf der Liste des vergessenen Veteranen besteht wie damals an der Rettung des GIs. Als Mystery-Element muss das trotz manch wissenschaftlicher Exkursionen kaum glaubhaft erklärte Unsichtbarmachen des Attentäters herhalten, das ihm immerhin eine unheimliche Aura verleiht - insbesondere, wenn der Zuschauer ihn bereits im Rücken seiner zukünftigen Opfer sieht. Eine starke Folge, die den Finger in die Wunde eines nationalen Traumas legt. 8/10
"Tempus Fugit – Teil 1 (Tempus Fugit)" + "Tempus Fugit – Teil 2 (Max)"
Staffel 4, Folgen 17 + 18
Diese Doppelfolge behandelt einen Flugzeugabsturz, bei dem Mulders alter Bekannter Max Fenig ums Leben kam. Während alle Hinweise darauf deuten, dass das Flugzeug versehentlich von der Luftwaffe abgeschossen wurde, verfolgt Mulder seine These von einem involvierten Ufo. Zu Beginn werden die Rollen Mulders und Scullys derart offensichtlich im Schnelldurchlauf charakterisiert, dass man den Eindruck bekommt, die Folge wäre speziell für bisher mit der Serie nicht vertraute Zuschauer konstruiert worden. Auch im weiteren Verlauf wirkt diese Folge fast wie ein Fremdkörper im "Akte X"-Universum, wie eine Art zweitklassiges Selbstplagiat am Rande zur Karikatur. Wie ja ganz gern einmal in Doppelfolgen wird mit zahlreichen Namen um sich geworfen und Charaktere scheinbar inflationär eingeführt und wieder verschwinden gelassen, so dass die zugegebenermaßen inhaltlich nicht gänzlich anspruchslose Folge den Anschein unnötiger Komplexität bekommt. Wieder einmal geht es um Verschwörungen der Regierung bzw. der Geheimdienste, für die über Leichen gegangen wird, jedoch leider ohne die große Rahmenhandlung voranzubringen. Das Katastrophenszenario des Flugzeugabsturzes wurde ansprechend umgesetzt und schön mit Science-Fiction-Mystik gewürzt, doch die Dialoglastigkeit des Rests ist bisweilen ermüdend und lässt fast jegliche Überraschung vermissen. Die zweite Folge konzentriert sich einmal mehr auf ein technologisches Objekt der Begierde für diverse Parteien, die sich darum streiten. Zudem widmet man sich verstärkt der Charakterisierung des toten nerdigen Freaks Max, was jedoch kaum ernstzunehmen ist und deshalb auch nur marginal berührt. Sehr durchwachsen, dieses (ich nenne es mal so) Experiment, das mich weitestgehend kalt gelassen hat. 5/10
"Rückkehr aus der Zukunft (Synchrony)"
Staffel 4, Folge 19
Die Jungen Biochemiker Jason Nichols und Lucas Menand werden während eines Streits auf offener Straße von einem alten Mann überrascht, der Jason inständig bittet, auf Lucas achtzugeben, der Gefahr liefe, gleich von einem Bus überrollt zu werden. Sie schenken ihm keinen Glauben und er wird von einer Wache abgeführt, doch kurz danach passiert tatsächlich das Unglück. Während Jason in Untersuchungshaft sitzt, weil er verdächtigt wird, Lucas vor den Bus gestoßen zu haben, suchen Mulder und Scully nach dem alten Mann - der sich als Besucher aus der Zukunft entpuppt... Diese wendungs- und überraschungsreiche Folge verbindet Science-Fiction-Mystik um philosophisch-abstrakte Gedankenspiele zum Thema Zeitreisen mit dessen wissenschaftlichen Hintergründen sowie einem nicht unbeträchtlichen Horroranteil, der sich in deftigen Bildern schockgefrorener Menschen einer- und bei lebendigem Leibe verbrennender andererseits äußert und insbesondere in seinem Kontext nichts für schwache Nerven ist. Was das Zeitreise-Thema mit einer chemischen Substanz, die Menschen in Windeseile gefrieren lässt, zu tun hat und was genau die Motivation des alten Mannes ist, der es auf junge Forscher abzusehen haben scheint, entwickelt die spannende Folge nach und nach bis zu einem feurigen Finale und einem nachdenklichen Epilog bzw. quasi-offenen Ende, das den menschlichen Forschungsdrang von seiner kritischen Seite betrachtet. Meines Erachtens eine der stärksten der in sich abgeschlossenen Folgen! 8,5/10
"Ein unbedeutender Niemand (Small Potatoes)"
Staffel 4, Folge 20
Gleich fünf Babys werden mit einer körperlichen Anomalie geboren: Sie haben einen Schwanz am Steiß. Des Rätsels Lösung führt zu Eddie van Blundht, dem unscheinbaren Hausmeister des örtlichen Ärztezentrums. Dieser entpuppt sich als Gestaltenwandler, der das Äußere anderer Menschen perfekt imitieren kann und so in die Rolle der Ehemänner der Frauen schlüpfen konnte. Eines Tages sperrt er Mulder ein und nimmt dessen Identität an... Sehr aus dem Rahmen fallende komödiantische Folge, die mit überzeichneten Charakteren arbeitet, die amerikanische Durchschnittsehe mit ihren Kinderwünschen aufs Korn nimmt und die Geschichte eines mehr oder weniger glücklosen Außenseiters erzählt, der es mit seinem besonderen Talent etwas zu weit treibt. Letzteres wird notdürftig mit einer zusätzlichen Muskelschicht erklärt; später wird nebenbei noch etwas von Anomalien der Stimmbänder, des Haarwuchses o.ä. erwähnt, was Eddies Fähigkeit zur Stimm- und Behaarungsimitation mehr schlecht als recht erörtet. Diese klaffenden Logiklücken geraten jedoch in den Hintergrund, wenn Eddie in Mulders Gestalt Annäherungsversuche an Scully wagt, die gleichzeitig das meist unterkühlte Verhältnis der beiden FBI-Ermittler zueinander karikieren. Effekttechnisch greift man auf die Morphing-Technologie zurück. Ein kurzweiliger Schmunzler für zwischendurch, der aber auch als Plädoyer gegen zwischenmenschliche Oberflächlichkeit betrachtet werden kann. 7/10
"Der Pakt mit dem Teufel (Zero Sum)"
Staffel 4, Folge 21
Diese Folge führt die Rahmenhandlung der Serie fort: Skinner hat einen Pakt mit dem "Raucher" geschlossen, um Agent Scullys Leben zu retten. Aus diesem Grund muss er Beweismaterial verschwinden lassen und Spuren verwischen, die zu Fällen durch Killerbienen verursachter Pocken-Infektionen und weiteren Toten führen... Zu Beginn sieht man Skinner in einer ungewohnten Rolle als Einbrecher und fragt sich, was es damit wohl auf sich hat. Auf die Vereinbarung mit dem "Raucher" wird erst später eingegangen, bis dahin bleibt Skinners Rolle unklar - was dem Spannungsaufbau der Folge gut tut. In den Dialogen zwischen Mulder, Skinner und dem Nikotiniker knistert es dann umso mehr. Die Luft ist zum Schneiden und Skinner-Darsteller Mitch Pileggi bekommt endlich einmal wieder Gelegenheit, sein schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Die Angriffe aggressiver Bienenschwärme sind gut inszeniert und die aus ihnen resultierenden Leichen angemessen eklig zurechtgemacht worden - so hätte 1978 "Der tödliche Schwarm" sein sollen! Einmal mehr gehen die Geheimdienste kaltschnäuzig über Leichen, indem sie ohne ihr Wissen unschuldige Menschen zu Versuchskaninchen ihrer todbringenden Experimente machen. Starke Folge, die von fast allem etwas bietet und sogar für Scully noch ausreichend Platz findet. 8/10
"Todes-Omen (Elegy)"
Staffel 4, Folge 22
Bowlingbahn-Betreiber Angelo Pintero wird zwischen den Kegeln Zeuge der Geistererscheinung einer Frau, die kurz darauf ermordet aufgefunden wird - ein weiteres Opfer einer unheimlich Mordserie. Die Spur führt sowohl die Polizei als auch die FBI-Agenten Mulder und Scully zu einem geistig behinderten Mann, der in einem nahegelegenen Heim wohnt und aushilfsweise für Pintero arbeitet... Es geschah bisher nicht oft, dass eine in sich abgeschlossene "Akte X"-Folge am Rande die Rahmenhandlung aufgreift. "Todes-Omen" ist ein solches Beispiel, denn Scullys Erkankung wird thematisiert. Die Geistererscheinungen fungieren als eben solche Todes-Omen, werden Gänsehaut-fördernd eingesetzt und versetzen auch Scully in Angst und Schrecken. Die sensibel mit den Themen Krankheit, Behinderung und Tod umgehende Folge präsentiert ferner eine Reihe liebenswürdiger Charakterdarsteller, die die Folge auch schauspielerisch zum Genuss machen. sie bietet zudem Einblicke in ausgeprägten Autismus, wenngleich dieser Begriff nie fällt. Lediglich die Auflösung fällt etwas ab, ihr wurde schlicht zu wenig Zeit eingeräumt. 8/10
"Dämonen (Demons)"
Staffel 4, Folge 23
Agent Mulder erwacht verwirrt und ohne Erinnerung in einem Motel in Providence, Rhode Island. Er bittet Agent Scully herbei und zusammen erlangen beide die erschreckende Erkenntnis, dass die Eheleute Amy und David Cassandra tot sind und Mulder so viel damit zu tun haben scheint, dass er wegen Mordverdachts verhaftet wird. Während Mulder versucht, seine Erinnerung zurückzubekommen, kommt es zu rätselhaften Selbstmorden, in die der Arzt Dr. Goldstein verwickelt scheint... Auch diese Folge nimmt direkten Bezug zur Rahmenhandlung, ist doch Mulders Suche nach der Wahrheit das Verschwinden seiner Schwester betreffend treibende Kraft hinter seinem Aufenthalt in Providence. Vordergründig handelt es sich um eine Mystery-Folge, die mit der Angst vor Amnesie kokettiert und im Subtext Fragen nach der Schuldfähigkeit sich an ihre Taten nicht erinnern könnender Täter stellt sowie ihre Spannung aus dem sich nach und nach entspinnenden wahren Handeln Mulders bezieht. Der Mad-Scientist-Bereich wird touchiert, wenn Dr. Goldstein auf der Bildfläche erscheint und seine nicht tiefergehender erläuterten, fragwürdigen Methoden vorstellt, die nicht nur mit einer Droge, sondern auch mit einem unangenehmen physikalischen Eingriff zu tun haben, bei dem einem während des Zuschauens durchaus etwas anders zumute werden kann. Wirklich neue Erkenntnisse die Rahmenhandlung betreffend liefert die Folge jedoch nicht, ist im Gegenteil eher geeignet, sie weiter zu mystifizieren. 7/10
"Gethsemane (Gethsemane)"
Staffel 4, Folge 24
Geologen finden im ewigen Eis den eingefrorenen Körper einer außerirdisch anmutenden Kreatur. Agent Mulder wird darüber informiert, doch an der Funstelle sind fast alle Geologen tot, nur einer hat angeschossen überlebt. Während der Körper der extraterrestrischen Lebensform obduziert wird, trifft Scully auf einen geheimnisvollen Mann, der ihre Krankheitsgeschichte kennt und Zweifel an der Echtheit des Außerirdischen streut... Der Abschluss der vierten Staffel stiftet kräftig Verwirrung, was damit beginnt, dass Scully einer Kommission gegenüber erklärt, dass Mulder mit all seinem Glauben an Außerirdische vollkommen falsch gelegen habe und die Folge in Form von Rückblenden erzählt wird. Die Obduktion verläuft visuell hübsch unappetitlich, doch das Ergebnis wird infrage gestellt, als man den Alien-Fund zum Teil einer großangelegten Verschwörung gegen Mulder erklärt. (Achtung, Spoiler:) Dessen Weltbild bricht daraufhin zusammen und Scullys abschließende Worte sind, dass Mulder Suizid verübt habe. Das mag bei der Erstausstrahlung ein echter Schock gewesen sein, doch mit dem Wissen um fünf weitere Staffeln verpufft dieser Effekt. Dafür wird umso deutlicher, wie sich schlicht alles anhand von Verschwörungstheorien be- und widerlegen lässt, was diese Folge jedoch auch irgendwie beliebig erscheinen lässt. Ohne die sicherlich zu Beginn der nächsten Staffel gelieferte Erklärung für den Ausgang dieser Folge zu kennen, tue ich mich schwer mit einer abschließenden Beurteilung.