Review

Staffel 6

"Der Anfang (The Beginning)"
Staffel 6, Folge 1

Aus einem Mann in Arizona schlüpft ein außerirdisches Lebewesen. Die FBI-Agenten Mulder und Scully, die sich gerade vor einem Untersuchungsausschuss für die Arbeit an den X-Akten rechtfertigen müssen, werden von Skinner auf den Fall angesetzt. Mulder vermutet, dass eine Virusinfektion, wie sie auch Scully anheimfiel, dafür verantwortlich zeichnet und wertet das Virus als Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens. Scully bremst ihn jedoch in seiner Euphorie, ihre Untersuchungen hätten keinen unwiderlegbaren Beweis geliefert. Derweil wird das geheimnisvolle Syndikat ebenfalls auf den Fall aufmerksam und "der Raucher" verspricht, sich darum zu kümmern. Mit Hilfe des telepathisch und hellseherisch begabten Jungen Gibson Praise will er die Kreatur ausfindig machen... Die erste Folge der sechsten Staffel knüpft unmittelbar an den "Akte X"-Spielfilm an, zählt also zur Rahmenhandlung und hat sich mit seinen unappetitlichen Masken- und Spezialeffekten dem Science-Fiction-Horror verschrieben. Auffällig ist einmal mehr, wie eine solche Schlüsselfolge etwas überfrachtet wurde, in diesem Falle insbesondere mit Charakteren, denn zu den genannten gesellt sich beispielsweise Agent Fowley hinzu, die eine undurchsichtige Rolle spielt. Die Erfoschung des Virus und spezieller DNA trifft auf Alien-Action, FBI-Interna auf das Syndikat, der kleine Gibson wird reaktiviert und letztlich mit den Außerirdischen in Verbindung gebracht. Die nicht ganz unkompliziert erzählte Handlung läuft letztlich darauf hinaus, überraschen Parallelen in menschlicher und außerirdischer DNA zu diagnostizieren, was in eine nachdenkliche Pointe mündet. Alles in allem ein durchaus gelungener Staffelauftakt, wenn auch etwas zu viel auf einmal für gerade einmal 42 Minuten.

"Die Fahrt (Drive)"
Staffel 6, Folge 2

Die Polizei Nevadas verfolgt einen vermeintlichen Geiselnehmer, der mit seinem Auto die Highways entlangjagt. Als sie ihn stellt, stirbt seine vermeintliche Geisel unter ungeklärten Umständen: Ihr Kopf scheint explodiert zu sein, ohne dass sie einen Schuss abbekommen hätte. Agentin Scully stellt bei der Obduktion fest, dass das Innenohr geplatzt ist. Der Ehemann der Toten leidet unter den gleichen Symptomen wie zuvor seine Frau und nimmt Agent Mulder als Geisel... Von der Verfolgungsjagd der Polizei bekommt das Agenten-Duo zunächst nur durch Zufall mit, als es nach Schließung seiner Abteilung als eine Art Strafdienst zum Routinedienst innerhalb der inneren Aufklärung verdonnert wurde und bei einem der Normalbürger, denen es Kontrollbesuche abstattet, die TV-Liveübertragung der Ereignisse verfolgt. Mulder hat von vornherein seine Zweifel an der Schuld des verhafteten Mannes und als er selbst als Geisel genommen wird, dämmert es ihm: Die unter dem Innenohrdruck Leidenden benötigen Geschwindigkeit und eine bestimmte Fahrtrichtung (gen Westen) zur Linderung der immer stärker werdenden Symptome. Als Ursache entpuppt sich ein Zwischenfall mit geheimen Funksignalen, die innerhalb eines bestimmten Gebiets zu diesen Fällen führten. Die Folge appelliert damit an die verbreitete Skepsis gegenüber all den unsichtbar umherschwirrenden Signalen, die in hoher Konzentration gern einmal für Kopfschmerzen und noch sehr viel Schlimmeres verantwortlich gemacht werden. Die Handlung formt daraus eine rasante, aufregende Folge im Stile bestimmter Thriller, bei denen der Protagonist beispielsweise keinesfalls ein Gefährt anhalten kann/darf oder unbedingt davon absehen muss, einen Telefonhörer aufzulegen o.ä., also unter ständiger Anspannung steht, sich permanent in einer Extremsituation befindet. Hinzu kommt, dass ein eigentlich Unschuldiger verfolgt wird, so dass der Zuschauer mit diesem mitempfindet. "Die Fahrt" ist nicht nur äußerst spannend, sondern auch von beklemmender Stimmung und Mulder kann einmal mehr beweisen, wie abgeklärt er auch in den widrigsten Situationen bleiben kann. Die Thematisierung unterschwelligen Antisemitismus rundet den Mittelteil der Folge ab, bevor ein konsequentes Unhappy End für Gänsehaut sorgt, die Regierung einmal mehr nicht gut wegkommt und sich der neue Vorgesetzte der Agenten als wahrhaftiger Stinkstiefel herausstellt. Eine dramaturgisch perfekte, überaus gelungene Folge, die aus nur 42 Minuten ein Maximum herausholt! 8/10

"Im Bermuda-Dreieck (Triangle)"
Staffel 6, Folge 3

Mulder ist in einem Boot auf eigene Faust auf der Suche nach dem Kreuzfahrtschiff "Queen Anne", das 1939 im Bermuda-Dreieck verschwand, aber jüngst anhand von Satellitenbildern ausgemacht wurde. Doch er gerät in ein Unwetter und wird von der Besetzung des Schiffs gerettet. An Bord findet er sich plötzlich am 3. September 1939 wieder und er wird bezichtigt, ein deutscher Spion zu sein. Als Nazis die Kontrolle über das Schiff erlangen, gerät nicht nur Mulder in ernsthafte Gefahr... Die den Bermuda-Dreieck-Mythos aufgreifende Folge nutzt die Gelegenheit für eine Zeitreise ins Jahr 1939 kurz nach Ausbrauch des Zweiten Weltkriegs und beschäftigt sich mit Fragen nach dem "Was wäre, wenn...", ja, wenn Mulder durch sein Eingreifen den Lauf der Geschichte nachträglich ändern und evtl. gar ungewollt den Nazis zum Sieg verhelfen würde? Die geheime deutsche Atomgroßrakete mit dem Chiffre "Thors Hammer" spielt dabei eine zentrale Rolle. Leider versäumt es die mit zahlreichen Anspielungen auf geschichtliche Ereignisse, von denen das jüngste die Oral-Office-Affäre sein dürfte, gespickte Folge, der Thematik dauerhaft mit dem gebotenen Ernst zu begegnen. So steht ein betont komödiantischer Ton im Kontrast zu extremen Konfliktsituationen, in denen die Nazis aufgrund des Schweigens Mulders wahllos unschuldige Passagiere erschießen. So gut die Zeitreise visuell und technisch auch gelungen sein mag, so albern erscheint es mir, dass man sie zusätzlich mit Reinkarnationsthematik vermengte - augenscheinlich vor allem deshalb, um neben Mulder weitere bekannte Gesichter der Serie unterbringen zu können. So findet sich Scully bzw. eine Dame, die aussieht wie diese, plötzlich unter den Passagieren, "der Raucher" ist natürlich ein böser Nazi etc. Von historischer Bedeutung für den Serienkanon ist diese Folge indes deshalb, weil Mulder und "Scully" sich erstmals küssen - im Jahre 1939 -, und er ihr zurück in der Gegenwart seine Liebe gesteht. Beeindruckend ist auch der Kamerastil, da hier ausnahmsweise fast ohne Schnitte gearbeitet wurde, was dem Visuellen eine ganz spezielle Dynamik verleiht und technisch ein Sahnebonbon, so etwas wie den Höhepunkt der ohnehin meist hochqualitativen Kamerarbeit der Serie darstellt. Insgesamt aber eine eher durchwachsene Angelegenheit. 5-6/10

"Dreamland – Teil 1 (Dreamland, Part 1)"
Staffel 6, Folge 4

Mulder erhält den Anruf eines Informaten, dass im militärischen Sperrgebiet Area 51 die Regierung Experimente mit Ufos durchführt. Als er zusammen mit Scully das Gebiet aufsucht, werden sie von der Armee aufgehalten, als plötzlich ein solches Flugobjekt über sie hinwegfliegt. Aufgrund eines Risses im Raum-Zeit-Kontinuum wird Mulders Identität mit der des Armee-Befehlshabers Fletcher vertauscht - unbemerkt von allen anderen. Während Mulder dadurch Einblicke ins geheime Treiben der Regierungsmitarbeiter gewinnt, landet Fletcher beim FBI an der Seite Scullys, die sich über das seltsame Verhalten ihres vermeintlichen Partners wundert... Nach dem Bermuda-Dreieck- und Zeitreise-Thema der vorausgegangenen Folge wird erneut ein klassisches Science-Fiction-Motiv aufgegriffen, nämlich das des Körpertauschs zweier Individuen, und erneut ist die Folge über weite Strecken komödiantisch ausgelegt. Tatsächlich entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn sich Mulder Fletchers unzufriedener Ehefrau ausgesetzt sieht und Scully in einer Mischung aus Staunen und Entsetzen auf ihren scheinbar wie ausgewechselten Partner reagiert, der sich als unsympathischer Weiberheld geriert, aber auch den ohnehin vom neuen Vorgesetzten einmal mehr gemissbilligten Einsatz sabotieren will. Vor Ort bei Mulder inmitten der Regierungsverschwörung geht es mitunter dann aber auch ernster zu und man muss mitansehen, wie skrupellos über Leichen gegangen wird. Als Mulder verzweifelt versucht, Scully auf seine Situation aufmerksam zu machen, glaubt sie ihm kein Wort und so endet dieser Auftakt der nicht uninteressanten, aufgrund ihrer Unwahrscheinlichkeit aber ebenso wie zuvor "Im Bermuda-Dreieck" nicht so recht in die Serie passen wollenden Doppelfolge mit einem spannenden Cliffhanger. 6-7/10

"Dreamland – Teil 2 (Dreamland, Part 2)"
Staffel 6, Folge 5

Noch immer ist Agent Mulder nach dem Ufo-Absturz im militärischen Sperrgebiet Area 51 gefangen im Körper Morris Fletchers, welcher sich wiederum sehr gut damit arrangiert hat, Mulders Identität anzunehmen. Während Fletcher versucht, Agent Scully zu verführen, sucht Mulder verzweifelt nach einer Möglichkeit, den Körpertausch rückgängig zu machen. Als Scully Mulder endlich Glauben schenkt, zwingt sie Fletcher dazu, sie und Mulder zu unterstützen. Doch der originale Flugschreiber muss her... Der zweite Teil der Doppelfolge setzt verstärkt auf den komödiantischen Ton des ersten Teils, auf diesen riskierende harte Szenen wie die skrupellose Erschießung von Menschen wird diesmal weitestgehend verzichtet. So wirkt der Witz der Folge tatsächlich sehr unterhaltsam, insbesondere, wenn Fletcher sich mit Mulders Leben auseinandersetzt und mit dessen Verschrobenheit konfrontiert wird. In diesem Zuge beginnt die Folge mit Schmalfilm-Kindheitsaufnahmen Mulders und gipfelt darin, dass Fletcher Mulders Appartment komplett umgestaltet und Scully einlädt. Die nötige Spannung besorgt die Handlung, indem sie Mulders Kontaktperson enttarnt und es fast zu etwas wie einem Showdown kommt, wenn alle Parteien an einer Raststätte aufeinandertreffen und auch die Verwirrung um die unterschiedlichen Indentitäten auf die Spitze getrieben wird. Auch die mit dem Agentenduo befreundeten Nerds kommen zum Zuge; der anwesende Fletcher macht sich über sie lustig und plaudert offen von der Leber weg aus, wie nützlich sie ihm und seiner Arbeit sind, wenn sie von ihm erdachte Sensationsgeschichten über Außerirdische etc. nicht nur glauben, sondern auch weiterverbreiten. Inwieweit es dem ernsthaften Subtext der Serie gut tut, dass sie nun mit abstrusesten Verschwörungstheorien umherwirft (Saddam Hussein ein von den USA eingesetzter Schauspieler), sei einmal dahingestellt, zum kurzweiligen Unterhaltungsfaktor trägt all dies bei. Die Spezialeffektabteilung darf sich zwischendurch etwas an Körperhorror versuchen, dennoch steuert die trotz allem ungewohnt harmlose Folge auf ein etwas plumpes Happy End zu. Ernstzunehmen ist "Dreamland" somit in keiner Weise, Spaß macht sie trotzdem. 7/10

"Die Geister, die ich rief (How The Ghosts Stole Christmas)"
Staffel 6, Folge 6

Agent Mulder überredet Agent Scully, mit ihm ein Haus zu observieren, in dem es jedes Jahr an Heiligabend spuken soll. Scully glaubt Mulder zunächst kein Wort, doch als sie zusammen das Gebäude betreten, machen sie einen grausigen Fund und werden anschließend voneinander getrennt und eingesperrt. Dafür lernen sie das Ehepaar Maurice und Lyda kennen, das 1917 gemeinsam Selbstmord beging und seitdem als Gespenster drei weitere Paare in den Freitod trieb. Welchen Plan hat es für Mulder und Scully? Spukhaus-Horror und morbide Romantik treffen auf Selbstironie und jede Menge Genre-Zitate, wenn diese erneut humoristische Folge als eine Art Weihnachts-Spezial beide Hauptdarsteller nicht nur mit Geistern mit klaffenden Schusswunden, sondern auch mit genauesten Analysen ihrer Psyche und ihres Charakters konfrontiert. Zudem werden etliche Genre-Klischees bewusst mitgenommen und darf die ängstliche Scully als Art Pfeifen im Walde in wenigen Sätzen herunterbeten, was die Faszination von Geister- und Gruselgeschichten i.d.R. ausmacht. Wesentlich ernster wird der Ton, wenn beide aufeinander loszugehen drohen. Einmal mehr eine kurzweilig unterhaltsame Folge, die jedoch nur wenig mit der klassischen "Akte X" zu tun hat. 7/10

"Zeit der Zärtlichkeit (Terms Of Endearment)"
Staffel 6, Folge 7

In Virginia trägt die junge Laura den Fötus eines nach Arztsicht aller Wahrscheinlichkeit nach missgebildeten Kinds in sich. Eines nachts verliert sie ihr Kind nach einem wahnhaften Alptraum, in dem ein Dämon in Teufelsgestalt an ihr Bett tritt. Anscheinend wurde das Ungeborene bei lebendigem Leib ihrem Körper entnommen. Agent Mulder geht dem Fall nach und teilt die allgemeine Ansicht, Laura habe eine illegale Abtreibung vorgenommen, nicht. Stattdessen fällt sein Fokus auf Wayne - Lauras Ehemann. Dieser scheint über mehrere Identitäten zu verfügen... Nach den aus dem Rahmen fallenden vorausgegangenen Folgen handelt es sich um eine klassische um eine bestimmte außergewöhnliche Existenz aufgebaute, in sich abgeschlossene Geschichte, die starke Anleihen bei "Rosemaries Baby" aufweist, aber nur zunächst sehr vorhersehbar scheint. Tatsächlich hält die Handlung die eine oder andere Überraschung bereit. Agent Scully klinkt sich gewohnt widerwillig in den Fall ein und hilft mit wissenschaftlichen Analysen vom Telefon aus, muss schließlich aber ebenfalls die dämonischen Kräfte, die hier am Werk sind, anerkennen. Visualisiert werden diese in erster Linie durch eher durchschnittliche Kreaturen-Effekte beim Kindsraub am im Flammen stehenden Bett. Die Geschichte entwickelt sich schließlich mehr in Richtung "Stepfather" und damit verbundener tragischer Note, thematisiert im Subtext sowohl den männlichen Drang nach Vermehrung als auch die Sehnsucht nach einer heilen Familie und wartet mit einer wunderbar bösartigen Pointe auf. Eine ziemlich gelungene Rückkehr zu alten "Akte X"-Stärken! 7,5/10

"Der Regenmacher (Rain King)"
Staffel 6, Folge 8

Kroner, Kansas: Daryl Mootz scheffelt eine Menge Geld mit der Behauptung, ein Regenmacher zu sein. Tatsächlich gelingt es ihm immer wieder, in von Dürre geplagten Gebieten das ersehnte Nass zu bringen. Agent Scully ist voller Skepsis, doch selbst der lokale Meteorologe Holman Hardt glaubt an Daryls übernatürliche Fähigkeiten. Agent Mulder jedoch findet heraus, dass nicht Daryl, sondern Holman mit den Wetterschwankungen in Verbindung zu stehen scheint. Der Schlüssel: DIe Blondine Sheila, in die er schon seit Jugendzeiten verliebt ist... Eine weitere komödiantisch angelegte Folge, die davon ausgeht, dass spezielle Menschen durch starke Gefühlsregungen das Wetter beeinflussen können. Eingebettet wird die Handlung in einen dörflichen Mikrokosmos voller überzeichneter schräger bis debiler Charaktere, wo sie auf eine beinahe klassische Romanze hinsteuert. Einmal mehr kokettiert man mit den unausgesprochenen Gefühlen, die Mulder und Scully füreinander hegen, aber letztlich sind derartige Gags und ein paar Wetterphänomene nicht genug, um die Folge zu etwas Spektakulärem zu machen und da zudem der Humor nicht so recht zünden will und der ironisierte Kitschanteil sich eher störend auswirkt, man außerdem erst gar keine weitergehenden Erklärungsversuche für Holmans Fähigkeiten unternimmt, bleibt die Folge oberflächlich und durchschnittlich. 5/10

"S.R. 819 (S.r. 819)"
Staffel 6, Folge 9

Skinner liegt im Krankenhaus in desolatem Zustand, um ihn herum Ärzte. Herzstillstand, er hört auf zu atmen. Die Ärztin beschließt, ihn sterben zu lassen. Er wurde Opfer einer Vergiftung, die seine Arterien in rasend schnellem Tempo lahmlegte. Mulder und Scully versuchten fieberhaft, sein Leben zu retten und Motiv sowie Urheber des Attentats herauszufinden. Die Spur führte zu Senator Matheson und die Resolution S.R. 819, die Ausfuhrbestimmungen für neue Technologien enthält... Diese Folge bietet ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Vorgesetzten Scullys und Mulders, Skinner. Nach seinem Todeskampf im Krankenhaus werden die Ereignisse in Form einer Rückblende aufgerollt, die fast die komplette Folge einnimmt. Gewohnt bissig und engagiert kniet sich Mulder in den Fall hinein und dadurch, dass es sich bei Skinner um jemanden handelt, den die Agenten ohne zu zögern als Freund bezeichnen, bekommt die Folge eine starke emotionale Komponente. Diese äußert sich auch, als der todgeweihte Skinner sich reumütig bei Scully für sein Verhalten in der Vergangenheit entschuldigt. Visuell setzt man auf Make-up-Kunst, die die Vergiftungsopfer aufgrund heraustretender dunkler Arterien, die sich über den ganzen Körper ausbreiten, entstellt - ein höchst unangenehmer Anblick; zudem sitzt der Schock beim Zuschauer tief, dass Skinner nun tatsächlich tot sein soll. Die Folge ist zur Rahmenhandlung zu zählen und greift ferner die Thematik der Mikro- oder Nano-Technologie auf sowie die bösartigen Zwecke, zu denen sie verwendet werden kann. Das Ende indes überrascht und der offene Epilog bietet ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Eine recht starke Folge, die absichtlich nicht alle Fragen beantwortet und ich bin froh, dass man mittels ihrer die komödiantische Schiene der vorausgegangenen verlassen hat. 7,5/10

"Tithonus (Tithonus)"
Staffel 6, Folge 10

Der freischaffende Fotograf Fellig unterstützt hin und wieder die Polizei, da er eigenartigerweise häufig der Erste am Tatort ist, wenn jemand ermordet wurde, und dadurch Fotos der Leichen liefern kann. Als er selbst unter Mordverdacht gerät, untersuchen Agent Scully und ein ihr zur Seite gestellter neuer Partner den Fall und stellen fest, dass Fellig nicht nur nicht der zu sein scheint, der er zu sein vorgibt, sondern auch wesentlich älter ist, als er aussieht. Man ist auf Agent Mulders Mithilfe angewiesen, um mehr über den Mann herauszufinden, der dem morbiden Hobby nachgeht, den Augenblick des Tods fotografisch festzuhalten... Diese hochspannende, düstere Folge negiert die Wunschvorstellung ewigen Lebens und skizziert einen alten Mann, der erfüllt ist von Todessehnsucht und nichts so sehr herbeiwünscht, wie eine Begegnung mit dem "Sensenmann". Die Schwermut, die von seiner Rolle ausgeht, wirkt sich belastend auf den Zuschauer aus und wird lediglich ein wenig durch die vom neuen Partner Scullys gestörte Beziehung zwischen ihr und Mulder relativiert, die sich erneut als Metapher für den unausgesprochenen Gefühlzustand beider lesen lässt: Mulder verspürt Eifersucht und Scully muss feststellen, auf Mulder angewiesen zu sein. Die dominante Rolle, die Scully in dieser Folge spielt, beschert ihr eine große Präsenz, die wie ein Kontrast zum verbitterten alten Mann wirkt. Gestreift wird zudem die Magie, die von Fotos ausgehen kann, insbesondere, wenn man auf ihnen Dinge zu sehen glaubt, die mit bloßem Auge zuvor nicht zu erkennen waren. Das packend und durchästhetisiert gestaltete Finale ist der Höhepunkt dieser starken Folge, in der Scully einige Nehmerqualitäten beweisen muss. Who wants to live forever? 8/10

"Zwei Väter (Two Fathers)"
Staffel 6, Folge 11

Ein Experiment, das kurz vor dem Durchbruch steht - doch die gesichtslosen Wesen überfallen die Forscher und brennen sie brutal bei lebendigem Leibe nieder. Zurück bleibt eine Patientin: Entführungsopfer Cassandra. Der geheimnisvolle "Raucher" offenbart sich anschließend einer Vertrauensperson und spricht offen über die bevorstehende Außerirdischen-Invasion, über die nun endlich geglückten Versuche, menschlich-außerirdische Hybrid-Wesen zu erschaffen, die den Invasoren als Sklaven dienen sollen, und den Widerstand der gesichtslosen Alien-Rebellen - sowie über die Beziehung zu seinem Sohn, der sich als Agent Spender entpuppt... Diese Rahmenhandlungsfolge nimmt eine gewichtige Position innerhalb des Serienkanons ein, rollt sie doch nach dem verstörend skrupellosen Auftakt wohlsortiert alle bisherigen Erkenntnisse zusammengefasst noch einmal auf, indem sie den ausgedehnten Monolog des "Rauchers" zwischen die Verschwörer zeigende Rückblenden und die aktuellen Ereignisse um das Wiederauftauchen Cassandras - Agent Spenders Mutter - montiert und zudem die Identität des "Rauchers" enttarnt: Es handelt sich um Agent Spenders Vaters, der in den Akten als "CGB Spender" geführt wird. Erstmals hat er einen Namen und so fügen sich diverse Puzzlestücke zusammen, die das Bild einer akut bevorstehenden Invasion zeichnen, denn das Experiment an Cassandra ist geglückt. In hochspannenden Sequenzen stehen sich Verschwörer, Rebellen und FBI-Agenten gegenüber und die Make-up- und Spezialeffektabteilung unterstützt die Ereignisse mittels horribler Bilder. Der Cliffhanger zum zweiten Teil der Doppelfolge ist einer der nervenaufreibendsten der Seriengeschichte und beschließt eine inhaltlich starke, viele Fragen beantwortende, ohne neue aufzuwerfende Folge, die wohldosierte Action bietet, sich nie zu verzetteln droht und Klartext redet. 8/10

"Ein Sohn (One Son)"
Staffel 6, Folge 12

Eine Spezialeinheit des Seuchenschutzes platzt überfallartig herein und steckt Cassandra, Scully und Mulder in angebliche Quarantäne in der Militär-Basis Fort Marlene. Dort treffen sie auf Diana Fowley, der sich CGB Spender anvertraut hatte und die sich für den Einsatz verantwortlich erklärt. Auf dem Flur trifft Mulder Marita Covarrubias wieder, die seit den an ihr durchgeführten Experimenten nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Aus der Basis entlassen, erläutert Scully in Anwesenheit der Nerd-Freunde Mulder, dass sie glaube, Diana würde mit den Verschwörern zusammenarbeiten. Mulder glaubt ihr nicht, immerhin handelt es sich um seine Ex-Freundin, der er vertraut. Er sucht sie auf, trifft jedoch auf CGB Spender, der nun offen mit Mulder über die Geschichte der Verschwörung, seine Zusammenarbeit mit Mulders Vater und das Verschwinden von Mulders Schwester berichtet... Dieser zweite Teil der Doppelfolge lüftet weitere Geheimnisse und entmystifiziert die Verschwörer quasi komplett. Im Gespräch CGB Spenders mit Mulder erklärt der Verschwörer, man habe die Kolonisation der Außerirdischen seit ihrer Ankunft in Roswell so lange herauszögern wollen, bis man ein Gegenmittel gegen das "schwarze Öl", den vielzitierten Impfstoff, entwickelt habe. Als eine Art Pfand hätten sie damals nahestehende Verwandte wie eben auch Mulders Tochter den Invasoren übergeben und im Gegenzug ein extraterrestrisches Embyro zur Forschung an den Hybriden erhalten. CGB Spender gibt zu glauben an, das man damit Millionen Menschenleben gerettet habe. Die Idee Mulders seniors wäre es zudem gewesen, aus der DNA des Embryos den Impfstoff zu entwickeln. Mulder jedoch lehnt diese Überlebensideologie zum Preis der Versklavung bei Impfung einer Elite entschieden ab. Der Beginn der Kolonisation steht unterdessen unmittelbar bevor, was Mulder zu Beginn aus dem Off gar als Armageddon bezeichnet. Das Treffen der Verschwörer mit den Außerirdischen verläuft jedoch anders als gedacht und so endet diese wahnwitzige, spannende und emotionale Folge, die beinahe den Charakter eines Serienfinales hat, mit gleich mehreren wahrhaftigen Paukenschlägen: (Achtung, Spoiler!) Die Verschwörergruppe wird von gesichtslosen Außerirdischen per Verbrennung ausgelöscht, nur CGB Spender, der seine Ex-Frau Cassandra zur Übergabe vorbereitet hatte, bleibt unbetroffen und erschießt seinen Sohn, nachdem dieser bei Mulders und Scullys neuem Vorgesetzten Kersh angeregt hatte, die X-Akten dem Ermittler-Duo wieder zu übertragen. Und Mulder und Diana haben sich geküsst... Inwieweit die bisweilen sogar nachvollziehbar erscheinenden Motive CGB Spenders zum skupellosen, menschenverachtenden Verhalten, das in vielen vorausgegangenen Folgen an den Tag gelegt wurde, passen mag, sei einmal dahingestellt und würde einer genaueren Untersuchung der Kontinuität bedürfen, aber wie dem auch sei: Diese Folge muss einen Wendepunkt in der Serie darstellen, vollgepackt mit geschichtsträchtigen Ereignissen, ausformulierten Erkenntnissen, faustdicken Überraschungen und einem erneuten Anzug der Komplexität lässt sie den überwältigten Zuschauer sprachlos zurück. 8/10

"Aqua Mala (Aqua Mala)"
Staffel 6, Folge 13

Der ehemaliger Bearbeiter der X-Akten, Arthur Dales, ruft Agent Mulder nach Florida zur Hilfe, denn während ein Hurrikan immer näher kommt und es bereits in Strömen regnet, ist Familie Shipley aus Dales Nachbarschaft spurlos verschwunden. Dales vermutet eine Art Seeungeheuer als Ursache, doch die mitgekommene Agentin Scully glaubt nicht an so etwas. Tatsächlich aber scheint der Hurrikan etwas aus den Tiefen des Meeres in die kalifornische Stadt mitgebracht zu haben... Nach der fulminanten vorausgegangenen Doppelfolge verlässt man die Rahmenhandlung für einige Folgen wieder und widmet sich in sich abgeschlossenen Themen. Diese komödiantische Episode nimmt die Bewohner Floridas als skurrile Südstaaten-Charaktere aufs Korn und Bezug auf die noch weitestgehend unerforschte Meeresfauna, um in wahrlich unangenehm nassklammen Bildern eine Art wurmartigen Parasiten wüten zu lassen, der seine Opfer fordert und zwischenzeitlich sogar Mulder befällt. Der Humor stimmt und die Kreatur bietet Anlass für einige eklige Make-up-Arbeiten, die Handlung leidet aber etwas unter eigenartigen und unglaubwürdigen Wendungen. So ist die Kreatur mal unsichtbar und dann wieder nicht, weil sie anscheinend nur Meereswasser, jedoch kein salzloses verträgt, was irgendwie mit dem Vorschlaghammer kontruiert klingt. Auch wie schnell das Agenten-Duo all das durchschaut und Scully sogar offenbar problemlos als Geburtshelferin fungiert, erscheint mir fragwürdig und realitätsferner als die Existenz von Meeresungeheuern. Dennoch eine unterhaltsame und spannende Folge. 7/10

"Montag (Monday)"
Staffel 6, Folge 14

Mulder ist gefangen in Déjà-vus und erlebt den gleichen ungut mit einem Defekt seines Wasserbetts beginnenden und noch viel schlimmer mit seinem Tod durch eine durch einen Selbstmordattentäter in seiner Bank ausgelöste Bombenexplosion endenden Montag immer wieder. Pam, die Freundin des verhinderten Bankräubers, versucht stets, Mulder und/oder Scully im vorm Betreten der Bank zu beeinflussen, damit der Tag anders endet, denn auch sie ist Opfer dieser Endlosschleife der Zeit... Diese interessante und nach dem erschreckenden Prolog, der den angeschossenen, blutüberströmten Mulder in der Bank zeigt, humorvoll wie ein (zum Glück dann doch nicht) typischer Montag beginnende Variation der "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Thematik stellt Fragen nach der Vorbestimmtheit des eigenen Schicksals und gibt Hinweise auf die über Biochemie hinausgehende eventuelle Bedeutung von Déjà-vus, ist dabei äußerst spannend und letztlich überaus berührend und traurig. Der Gänsehaut-Schluss besorgt sein Übriges. Bis jetzt vielleicht eine meiner Lieblingsfolgen, die außerhalb jeder bisherigen "Akte X"-Tradition angesiedelt wurde. 8,5/10

"Arkadien (Arcadia)"
Staffel 6, Folge 15

In einer gepflegten Wohnanlage verschwinden immer wieder Menschen spurlos. Die FBI-Agenten Mulder und Scully mieten als verdeckte Ermittler dort ein Haus, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Schnell fallen die vielen, in einem dicken Buch notierten Vorschriften und Verbote auf, über die der Vorsitzende penibel wacht... In dieser Folge wird nun ausgesprochen, dass das Duo ganz offiziell die X-Akten zurückbekommen hat. Ansonsten gibt es keine Berührungen mit der Rahmenhandlung, denn diese in einer Art (ironischerweise auf einer Müllkippe erbauten) "Pleasantville" spielenden Folge ist vielmehr eine gelungene Satire auf spießige Vor- und Kleinstadtsiedlungen und ihre Blockwarte, die die kleinste Abweichung von der Norm zu ahnden bereitstehen. Der köstliche Humor ergibt sich darüber hinaus aus dem Ehepaar-Spiel der Ermittler, das besonders Mulder zum Anlass nimmt, Scully zu necken und das mit typischen Eheproblemen wie der Handhabung von Zahnpastatuben und Klodeckeln einhergeht. Viele spaßige Dialoge säumen den Weg zur Auflösung, die wiederum in ihrer Übersinnlichkeit zwar etwas (kaum wirklich sichtbare) Monster-Action bietet, jedoch sehr an den Haaren herbeigezogen scheint. Das hätte man gerade im Rahmen der behandelten Thematik etwas eleganter und realitätsnäher lösen können. Dennoch eine Spitzenfolge! 8/10

"Alpha (Alpha)"
Staffel 6, Folge 16

Ein Frachtschiff transportiert einen angeblich vor 150 Jahren ausgestorbenen Wildhund nach Kalifornien, wo er entkommt und Menschen tötet. Dr. Ian Detweiler jedoch bezweifelt dies ebenso wie die Hundeexpertin Karin Berquist, die Agent Mulder übers Internet kennengelernt hat... Einem zähnefletschenden, regelrecht mordenden Hund mit glühenden Augen widmet sich diese Folge, die das Tier furchteinflößend in Szene setzt. Recht vorhersehbar (und deshalb kaum ein Spoiler an dieser Stelle) ist die Verquickung mit einer Art Werwolf-Motiv, wobei die Handlung mitunter etwas wirr und unglücklich konstruiert scheint und dabei nicht ohne Längen auskommt. Interessant ist, dass diese Folge aus dem Frühjahr 1999 das Kennenlernen von Menschen über das Internet thematisiert, was damals noch nicht alltäglich war. Positiv fallen vorsichtig geäußerte Kritik am Umgang des Menschen mit Hunden bzw. Tieren allgemein und sich daraus evtl. ableitende Mistanthropie auf. Zudem ist der Schlussgag gelungen: Durch seine Internet-Bekanntschaft bekommt Mulder wieder ein "I Want to Believe"-Poster. 5-6/10

"Trevor (Trevor)"
Staffel 6, Folge 17

Der Sträfling Pinker Rawls, zum Schuften in einem Arbeitslager verdonnert, wird während eines Tornados in eine Einzelzelle gesteckt. Nach Abflauen des Unwetters ist Rawls verschwunden, sucht fieberhaft nach seiner Ex-Freundin, die etwas hat, was seiner Meinung nach ihm gehört - und er meint nicht die nie gefundene Beute aus seinem Bankraub. Den Gefängnisdirektor hat er in zwei Hälften geteilt zurückgelassen. Rawls hat irgendwie die Fähigkeit erlangt, durch feste Materie hindurchgreifen und -gehen zu können und nutzt diese... Diese mit düsterer Stimmung und ebensolchen Drehorten und Ausleuchtungen punktende Folge versucht leider gar nicht erst, eine nachvollziehbare Erklärung für Rawls' Erlangung seiner übernatürlichen Fähigkeiten zu liefern, was schade ist. Fiese Bilder verstümmelter Leichen beweisen einmal mehr die gute Arbeit der Make-up- und SFX-Abteilung, während die Handlung nach einiger Zeit Rawls' eigentliche Motivation offenbart: sein während seiner Gefangenschaft geborener Sohn Trevor. Die Dramatik wird dadurch durch Tragik ergänzt und der Subtext stellt Fragen nach Resozialisierung und einer neuen Chance - bevor die Folge nachdenklich stimmend schließt. Eine weitere Folge, die das übernatürliche Element gar nicht gebraucht hätte, das hier irgendwie deplatziert wirkt. 7/10

"Milagro (Milagro)"
Staffel 6, Folge 18

Ein unheimlicher Serienmörder treibt sein Unwesen und gibt den Ermittlern Rätsel auf: Er entnimmt seinen Opfern das Herz, ohne Verletzungen oder Operationswunden zurückzulassen. Ausgerechnet Agent Mulders neuer Nachbar Phillip Padgett scheint etwas über die Fälle zu wissen: Er ist Schriftsteller und beschreibt in seinem jüngsten Manuskript genauestens die Morde. Außerdem interessiert er sich für Agent Scully, stellt ihr nach und lässt sie ebenfalls eine große Rolle in seinem aktuellen Werk spielen. Das FBI nimmt den dringend Verdächtigen fest, doch die Morde gehen weiter... Diese offenbar von Stephen King inspirierte Folge, die die Beziehung eines Autors zu seinen Romanfiguren und deren Verselbständigung beschreibt, bietet Einblicke in Scullys quasi nicht vorhandenes Liebesleben und damit in ihren Charakter: Nachdem Padgett ihr ein Amulett geschenkt und ihr auf den Kopf viel über ihr Gefühlsleben zugesagt hat, ist sie abgestoßen und fasziniert zugleich. Sie verteidigt ihn sogar gegenüber Mulder, weil sie sich geschmeichelt fühlt, was ein Indiz für ihre ausgehungerte Libido ist (- und das nur, weil der olle Mulder einfach nicht aus dem Quark kommt). Dieser reagiert humorvoll, ändert während der Diskussion mit Scully seine Standposition und kommentiert: "Sie wollten doch gerade meinen üblichen Standpunkt einnehmen!" In einer anderen Szene, als Scully schweigend das Amulett betrachtet, erklingt die Stimme des Schriftstellers aus dem Off und beweist, mit wie vielen Worten eine einfache Szene psychologisch detailliert beschrieben werden kann und was Bücher Filmen bzw. Serien damit voraus haben. Handfeste Erklärungsversuche für die letztlich übersinnlichen Phänomene liefert diese Folge auch nicht, was hier jedoch nicht stört. Und gegen Ende gibt es wieder einmal Hinweise darauf, dass Scully in Mulder verliebt ist. Starke, gruselige Folge über die Macht des geschriebenen Wortes, die Psychologie von Schrift- und die Furcht vor Nachstellern. 8/10

"Ex (The Unnatural)"
Staffel 6, Folge 19

Agent Mulder sucht Arthur Dales auf, den Bruder des kurioserweise ebenfalls so heißenden ehemaligen Zuständigen für die X-Akten. Dieser erzählt Mulder von der Baseball-Legende Josh "Ex" Exley, der in den 1940ern in Roswell spielte - und eigentlich ein außerirdischer Gestaltenwandler war, der sich mit Dales angefreundet hatte... Der Prolog dieser einmal mehr vollkommen aus dem Rahmen fallenden und damit das Abwechslungsreichtum der Serie unter Beweis stellenden Folge beginnt mit einem Baseball-Training in Roswell im Jahre 1947, das aufgrund des (vermeintlichen) schwarzen Spielers Exley vom rassistischen Ku-Klux-Klan angegriffen wird. Die Spieler setzen sich erfolgreich zur Wehr, doch der Rädelsführer des KKK entpuppt sich als Außerirdischer. Nach dem Vorspann findet man sich zunächst in der Gegenwart wieder und wird Zeuge herrlicher, weil voller Witz steckender Dialoge zwischen Scully und Mulder, bevor dieser Dales aufsucht, der ihn zunächst abwimmeln will, Mulder aber schließlich hineinbittet, nachdem dieser mit Baseball-Wissen glänzen konnte. Dales' Erzählungen finden wieder in Form von Rückblenden statt, aus denen der Großteile der Folge besteht. Dales berichtet von einem Mordaufruf gegen Exley und wie er ihn als Polizist beschützte. Er behauptet, die besten Baseball-Spieler wären allesamt Außerirdische, wie eben Exley, bei dem Dales erst einmal in Ohnmacht fiel, als er ihn erstmals in dessen eigentlicher Erscheinungsform zu Gesicht bekam. Ein anderer Gestaltenwandler, der mit Exleys Leben als Baseballer nicht einverstanden ist, versucht, ihm einen Mord in die Schuhe zu schieben und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Am Ende wird der KKK-Vorfall aus dem Prolog noch einmal aufgergiffen und so traurig die Folge auch schließt, so macht sie doch zugleich Mut. Sie ist eine entschiedene Liebeserklärung an den Baseball-Sport und fungiert zugleich als Parabel auf Rassismus, jene US-amerikanische Geißel seit Beginn der Kolonialisierung des Kontinents. Nostalgie, Werte, Charme, hintergründiger Humor und viel Herzblut - klasse! 8/10

"Suzanne (Three Of A Kind)"
Staffel 6, Folge 20

Ein Hotel in Las Vegas: die "Def-Con '99", eine Messe um neuartige Technologien für Militär und Geheimdienste, findet statt. Vor Ort sind auch Mulders Nerd-Freunde Byers, Langly und Frohike, um die Rüstungsindustrie auszuspionieren. Als ihr Bekannter Jimmy mit einem weiteren Mann im Schlepptau auftaucht und Byers die vor Jahren entführte Suzanne Modesky wiedersieht, überschlagen sich die Ereignisse - und wird Jimmy Opfer eines Attentats... In dieser Rolle greift man den Handlungsstrang um Suzanne Modesky wieder auf, nachdem Byers im Prolog von seinem immer wiederkehrenden Traum einer heilen Welt bzw. zumindest USA berichtete und bereits während einer konspirativen Pokerrunde als Spion aufgeflogen war. Nach Jimmys Tod sucht Byers Suzanne auf und Langly wohnt der Autopsie durch Agent Scully bei. Natürlich verschwindet er zwischendurch, um sich zu übergeben und als er zurückkommt, wurde Scully ebenfalls ein Schuss aus einer Betäubungspistole verabreicht. Wie meist, wenn das genannte Trio im Mittelpunkt einer Folge steht, ist die Handlung von einem komödiantischen Stil bestimmt, der leider den Ernst des Inhalts untergräbt und zu Überzeichnungen neigt. Andererseits bekommt man dadurch die Gelegenheit, Gillian Andersons komödiantisches Talent zu beobachten, wenn sie nach schnellem Erwachen aus der Ohnmacht die Contenance zu wahren versucht, aber sich auf einem Ball wie betrunken verhält - und dabei ziemlich süß ist. Das währt jedoch nicht lange, denn Suzanne hat ein Gegenmittel und der dramatische Höhepunkt der Folge ist Langlys Erschießen Suzannes. Natürlich ist alles anders, als es zunächst scheint und so wird mit Tricks und Finten gearbeitet, um die Übeltäter zu überführen. Dennoch will die Folge u.a. aus genannten Gründen nicht so recht zünden, weil der Spagat zwischen Ernst, Tragik und Komik nicht dauerhaft funktioniert und der Ablauf eher beliebig zurechtkonstruiert erscheint. Eine schwächere Folge um eine längst in Vergessenheit geratene Nebenhandlung einer- und die Skrupellosigkeit der Rüstungsindustrie andererseits, in der interessanterweise einmal Agent Mulder kaum eine Rolle spielt. 5/10

"Sporen (Field Trip)"
Staffel 6, Folge 21

Die Leichen des Eherpaars Schiff werden gefunden: skelettiert und mit Rückstanden eines Schleims überzogen, der sich aus Magensäure und einem pflanzlichen Verdauungsenzym zusammenzusetzen scheint. Dies ist eigenartig, da das Paar erst seit drei Tagen vermisst wurde. Die FBI-Agenten Scully und Mulder untersuchen den Fall. Mulder jagt schließlich am Fundort dem quicklebendigen, aber völlig verängstigten Wallace Schiff hinterher, der angibt, bei ihren Leichen handele es sich um Fälschungen, sie seien Entführungsopfer der außerirdischen "Brown Mountain Lights". Noch während des Gesprächs wird auch seine Frau Angela von den Entführern zurückgebracht, welche die bekannten Implantate im Nacken hinterlassen. Mulder geht freiwillig mit den Außerirdischen mit und als er zurück ist, präsentiert er Scully, dass er den Spieß umgedreht und seinerseits einen Außerirdischen entführt habe... Zu Beginn dieser einmal mehr außergewöhnlichen Folge wird Mulder eindlich einmal wenigstens ein bisschen sauer, als Scully ihm wieder einmal nicht glaubt, doch ausgerechnet hier zu Unrecht - denn die wendungs- und überraschungsreiche Handlung entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. Mulder hat plötzlich einen Schleier vor den Augen und seine Wahrnehmung verschwimmt, er scheint nur geträumt zu haben. Scully sucht derweil nach Mulder am Fundort und findet dessen Skelett, allerdings ohne Schleim! Der Zuschauer wird hier vorsätzlich verwirrt, aber auf ein angenehme Weise: Er weiß nicht genau, was los ist, dadurch wird Spannung erzeugt. Nach Mulders offensichtlichem Ableben übernimmt Scully dessen Denkweise, was psychologisch interessante Hinweise auf ihre Rolle des Duos und ihre "Funktionsweise" liefert. Mittels Kameratechnik wird die Gedenkfeier in Mulders Wohnung unwirklich erscheinen gelassen, bis schließlich auch Scully an denselben Wahrnehmungsstörungen leidet und Mulder den Raum betritt und von seiner Entführung berichtet. Die Pointe an dieser Stelle zu verraten, wäre Sünde, aber die Handlung bietet im weiteren Verlauf sowohl mehrere echte Gänsehautmoment als auch eine finale, wahrhaft böse Wendung, ganz zu schweigen von ganz starken Auftritten Scullys. Am Ende hatte ich tatsächlich Tränen der Rührung in den Augen, doch eine Frage blieb leider unbeantwortet: Weshalb blieb die Haut beider offenbar gänzlich frei von Zersetzungserscheinungen? Nichtsdestotrotz eine meiner Lieblingsfolgen! 8,5/10

"Artefakte (Biogenesis)"
Staffel 6, Folge 22

An der Elfenbeinküste wird ein mysteriöses Artefakt gefunden. Ein Wissenschaftler bringt es in die USA, wo ein Kollege ein ähnliches besitzt. Beide Teile schweißen sich von selbst aneinander. Als die Männer spurlos verschwinden, setzt Skinner die Agenten Mulder und Scully auf den Fall an. Scully glaubt, dass es sich bei den Artefakten um Fälschungen handele und die Spur führt zu Forschern, die glauben, alles Leben käme aus dem All. Auf Mulder haben die Ermittlungen negative Auswirkungen, er entwickelt ernsthafte gesundheitliche Probleme und verliert den Verstand... Im Prolog referiert Scully über die Entwicklung des Lebens auf der Erde - und dass es durch rätselhaftes Massensterben immer wieder genommen wurde. Dies ist der Startschuss zu einem ganz neuen Abschnitt der Serien-Mythologie, einer neuen Rahmenhandlung. Das zusammengesetzte Artefakt fetzt eindrucksvoll in eine Bibel, Morde unter Wissenschaftlern betonen die Brisanz des Funds und Mulder glänzt vor seiner Erkrankung mit hellseherischen Fähigkeiten, während Scully philosophische Fragen aus dem Off stellt. Krycek taucht wieder auf und Diana Fowley wird involviert; offenbar möchte man von nun an Science-Fiction-Motive mit religiösen und anerkannten wissenschaftlichen Themen vermengen, was vielversprechend, aber zumindest hier auch etwas komplizierter als unbedingt nötig erzählt erscheint. Viele neue Fragen werden aufgeworfen und eine beeindruckende Schlusseinstellung sowie der erwartete Cliffhanger machen neugierig, bereiten mir aber auch etwas Sorge, dass die neue Mythologie nicht an die alte hereinreichen wird. Die sechste Staffel endet also mit einem gewagten Neuanfang. 7/10

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