"Verschwunden (Within)"
Staffel 8, Folge 1
Assistant Director Skinner wurde der inzwischen zum Deputy Director aufgestiegene Kersh vorgesetzt, der so gar nichts von Übersinnlichem und Außerirdischen hält. Da die Doktrin lautet, dass nichts über Entführungen durch Außerirdische nach außen dringen dürfe, beauftragt er den engagierten FBI-Bullen Doggett, nach dem verschwundenen Fox Mulder zu suchen. Dieser gerät prompt mit Agent Scully aneinander. Computer und Unterlagen werden gestohlen und im Grabstein der Familie Mulder findet sich ein neuer Eintrag, der auf Fox' Ableben im aktuellen Jahr hinweist. Recherchen ergeben, dass Mulder eine Reihe ungewöhnlicher langer Fahrten unternommen hatte, ohne jemandem davon zu berichten. Außerdem scheint er totkrank gewesen zu sein, seit er seinen erhöhten Gehirnaktivitäten vor ca. einem Jahr ausgesetzt war. Hat Mulder sein Verschwinden inszeniert oder ist er wirklich entführt worden? Hinweise führen in die Wüste Arizonas und zu Gibson Praise, dem Jungen mit der außerirdischen DNA... Nahtlos knüpft der Auftakt der achten Staffel an das Finale der vorausgegangenen an, und einiges hat sich geändert: Walter Skinner kann nun selbst definitiv eine Ufo-Sichtung bezeugen und Scully bekommt widerwillig in Agent Doggett eine Art neuen Partner an die Seite gestellt, der quasi ihre alte Rolle einnimmt: Er ist der Ungläubige, Scully nun die an Außerirdische etc. Glaubende. Aus Mulder wurde also Scully und aus Scully Doggett, wenn man so will. Doggett bringt frischen Wind in die an die alte Rahmenmythologie anknüpfende Reihe an Folgen, denn er ist ein absolut professioneller und bisher erfolgreicher FBI-Agent, dem jedoch nicht nur Scully, sondern auch der Zuschauer zunächst mit starkem Misstrauen begegnet. Was sind seine wahren Beweggründe, warum wurde ausgerechnet er auf den Fall angesetzt? Gewürzt wird die Folge mit verstörenden Szenen, die Mulder auf einem OP-Tisch der Außerirdischen liegend und was dort mit ihm angestellt wird zeigen. Schließlich findet man Gibson - und Mulder! Doch ist er es wirklich? Die spannende, zu gleichen Teilen auf Bewährtes zurückgreifende und in ihrer neuen Rollenverteilung revolutionäre Folge endet erneut mit einem Cliffhanger (sogar im wahrsten Sinne des Wortes) und entpuppt sich als aufregender Staffelauftakt! 8/10
"Gibson Praise (Without)"
Staffel 8, Folge 2
Natürlich handelte es sich bei der Person am Ende der vorherigen Folge nicht um Agent Mulder, sondern um einen außerirdischen Gestaltenwandler, genauer: den Kopfgeldjäger, der hinter dem Wunderknaben Gibson Praise her ist. Während ein von Agent Doggett aufgefahrenes Großaufgebot staatlicher Autorität den Jungen zu beschützen versucht, mischt sich der Kopfgeldjäger immer wieder unerkannt unter... Der Abschluss der mit dem Finale der siebten Staffel begonnenen Folgen-Trilogie um das Wiederanknüpfen an die alte Rahmenmythologie, das Verschwinden Mulders und die Einführung Doggetts ist bestimmt von der Jagd auf Gibson Praise und erinnert durch den Gestaltenwandler und das durch ihn gestreute Misstrauen bis hin zur Paranoia und Selbstzerfleischung der Protagonisten stark an John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt", wobei die karge Eis- durch eine ebensolche Wüstenlandschaft ersetzt wurde. Interessant entwickelt sich die Beziehung Scullys und Doggetts untereinander, zwischen denen stets eine nervöse Spannung in der Luft liegt - die beide Schauspieler sehr gut transportieren. Die über weite Strecken gut gelungene Folge leidet etwas unter ihrer Vorhersehbarkeit, bietet ansonsten aber abenteuerliche bis gruselige Unterhaltung und Einblicke in die neue Rollen- und Charakterstruktur. Mehr oder weniger überraschend endet sie mit der Bekanntgabe, dass Doggett von nun an offiziell Scullys Partner sei. 7/10
"Klauen und Zähne (Patience)"
Staffel 8, Folge 3
Die FBI-Agenten Scully und Doggett untersuchen den Mord an einem Leichenbestatter und dessen Frau in Idaho. Der Täter ist kein Mensch, sondern ein humanoides Fledermauswesen, das vor 44 Jahren zuletzt aktiv war. Es sucht sich ein weiteres Opfer und es kommt heraus, dass dessen Tochter in der Woche zuvor mit schlimmen Brandwunden aus dem Fluss gefischt wurde. Die Kreatur scheint nun hinter jedem her zu sein, der Kontakt zur verbrannten Leiche hatte. Das Ermittler-Duo kommt einem 44 Jahre alten Dorfgeheimnis auf die Spur, nach dem drei Jäger das seltsame Wesen einst gejagt hatten... Mit der Einführung des neuen Ermittlers Doggett meinte man es also ernst, tatsächlich ist er der neue Beaufragte für die X-Akten an Scullys Seite, von Agent Mulder keine Spur. Nun gilt es, den ersten gemeinsamen Fall unabhängig von Mulders Verschwinden zu lösen. Schnell fällt auf, dass auch diese Folge den ernsten Tonfall der vorausgegangenen Folgen der Rahmenmythologie beibehält, nachdem in der vorherigen Staffel viele Folgen eher komödiantisch ausgelegt waren. Man widerstand auch der Versuchung, aus Doggett einen Teil einer Verschwörung zu machen, der die Arbeit an den X-Akten torpediert. Nein, er ist ein vollwertiger, integerer Partner an Scullys Seite, jedoch auch kein plumper Mulder-Ersatz, sondern eine eigenständige Persönlichkeit, die nun Scullys Part des Zweiflers übernimt, während Scully zum dominanten Charakter avanciert. Doggett wurde zudem intelligent und sorgfältig ins Buch geschrieben, so dass zwar gewisse Parallelen zwischen der alten, ganz und gar weltlichen Scully und ihm zu erkennen sind, er jedoch wesentlich schneller zu glauben bereit ist. Dass die Zusammenarbeit beider noch nicht derart vertraut wie zwischen Mulder und Scully erfolgen kann, war den Autoren bewusst und so läuft noch längst nicht alles rund und muss man sich erst gegenseitig beschnuppern und vor allem gegenseitiges Misstrauen überwinden. Die düstere und ernste Handlung um unmenschliche Geduld und menschliche Angst befindet sich auf dem Niveau einer guten Stephen-King-Verfilmung, atmet deren Kleinstadt-Geist und wartet mit einem faszinierenden, gruseligen und durch Make-up-Arbeit großartig gestalteten Antagonisten, einer Art Anti-Batman, auf. Während Scully und Doggett den Geheimnissen langsam auf die Spur kommen, geraten sie auch selbst in Gefahr und das spannende Ende wird zum Quantensprung für das Vertrauen Scullys in Doggett. Wer hätte gedacht, dass es auch ohne Mulder so gut geht? Zum jetzigen Zeitpunkt der Staffel entpuppt sich der neue Mann an Scullys Seite als gelungene Variation und durchaus willkommene Abwechslung. 8/10
"Gesteinigt (Road Runners)"
Staffel 8, Folge 4
FBI-Agentin Scully wird nach Utah gebeten, wo sie einem Gerichtsmediziner bei der Obduktion eines gesteinigten Mordopfers helfen soll, da dieses diverse Anomalien aufweist. In der kargen, ländlichen Gegend wollen die Bewohner Scully jedoch anscheinend nicht ziehen lassen. Zunächst scheint, dass sie sie als Ärztin für einen Mann benötigen, der einen unbekannten Parasiten in sich trägt. Schließlich stellt sich jedoch heraus, dass sie Scully den Parasiten einpflanzen wollen... Hierbei handelt es sich um eine lange Zeit von Scully dominierte Backwood-Terror-Folge, in der sie auf wortkarge Landeier trifft, die Böses im Schilde führen. Sehr gut umgesetzte eklige und blutige Spezialeffekte besorgen den visuellen Pepp, die Lebensgefahr, in die Scully gerät, sorgt für Spannung, doch die religiösen Metaphern - die Hinterwäldler bilden eine Sekte und verehren den Parasiten fanatisch - wollen nicht so recht funktionieren. Am Ende muss Scullys neuer Partner Doggett eingreifen, um sie zu retten, was Scullys Dominanz aushöhlt. Auf ihren wissenschaftlichen Eifer wird dann leider auch gar keine Rücksicht genommen, denn man erfährt überhaupt nichts über den Parasiten, seinen Ursprung, seine genaue Wirkung, seine Zusammensetzung etc. Damit fällt die Folge auf etwas unschöne Weise aus der Reihe und bietet eine einfache, optisch jedoch sehr gelungene Melange aus Backwood- und Kreaturen-Horror ohne Tiefgang. 6/10
"Billy (Invocation)"
Staffel 8, Folge 5
Der kleine Billy ist wieder da - zehn Jahre, nachdem er entführt worden war. Und er ist noch immer ein kleiner Junge; eine genaue Analyse ergibt gar, dass er keinen Tag gealtert ist! Doch Billy ist verstummt, kein einziges Wort ist aus ihm herauszubekommen. Die FBI-Agenten Scully und Doggett ermitteln in diesem Fall, der sie ins White-Trash-Milieu führt... An diesem Fall äußert Doggett gesteigertes Interesse und der Zuschauer erfährt erstmals etwas mehr über ihn: So scheint sein besonderer Eifer daher zu rühren, dass er selbst schon ein Kind verloren hat. Die neue Rollenverteilung sticht wieder deutlich hervor: Scully glaubt an das Übersinnliche, Doggett bleibt lange Zeit skeptisch. Letztlich behandelt die Folge das sensible Thema von Kindermorden und Billy entpuppt sich - zugegebenermaßen wenig überraschend - als Besucher aus dem Jenseits, um den Mörder endlich dingfest zu machen und an weiteren Taten zu hindern. Er bedient also die Sehnsucht nach so etwas wie postmortaler Gerechtigkeit und ist mit seiner Stummheit und seinem starren Blick sowie mit seinem Verhalten gruselig in Szene gesetzt worden. Eine gute, wenn auch nicht herausragende Folge, die vor allem von ihren schauspielerischen Leistungen und ihrer unheilvollen Atmosphäre lebt. 7/10
"Rückwärts (Redrum)"
Staffel 8, Folge 6
Staatsanwalt Martin Wells lernt einmal die andere Seite kennen, denn nun sitzt er selbst im Gefängnis - angeklagt des Mords an seiner Frau. Als er verlegt werden soll, wird er von seinem Schwiegervater erschossen. Doch er erwacht wieder in seiner Zelle, und zwar einen Tag vor seiner Verlegung. Die Zeit läuft rückwärts und obwohl man ihm zunächst keinen Glauben schenkt, setzt er alles daran, den Mord an seiner Frau zu verhindern... Die FBI-Agenten Scully und Doggett spielen in dieser Folge nur eine untergeordnete Rolle, während sich dem Zuschauer nach und nach entspinnt, was wirklich passiert ist. Die Handlung wurde mit einigen Details (der Spinne in Wells' Zelle z.B.) anspruchsvoll inszeniert und die Verzweiflung des fälschlicherweise angeklagten Wells wirkt greifbar. Dass er sich mit den Folgen seiner Arbeit als Staatsanwalt auseinandersetzen muss, als er Mithäftlingen begegnet, die durch ihn hinter Gittern gelandet sind, stellt auch seinen eigenen zur Rechtsprechung geleisteten Beitrag zumindest ein Stück weit infrage. Spannende Unterhaltung, die beweist, dass eine "Akte X"-Folge auch funktionieren kann, wenn keiner der Ermittler im Mittelpunkt steht. Lediglich die Schlusspointe hat mir nicht zugesagt. Der englische Originaltitel "Redrum" ist als kleine Hommage an Stephen Kings "Shining" zu verstehen. 7/10
"Via Negativa (Via Negativa)"
Staffel 8, Folge 7
Die Mitglieder einer Sekte um den verurteilten Mörder Tipet werden allesamt mit Stirnwunden tot aufgefunden, zwei FBI-Agenten kommen in diesem Zusammenhang ebenfalls unter mysteriösen Umständen ums Leben. Von Tipet, der an "Via Negativa", einen "dunklen Weg, um zur Erleuchtung zu kommen", glaubte und dafür Psycho-Drogen konsumierte, fehlt jede Spur. Agent Doggett ist in diesem Fall nahezu auf sich allein gestellt, da Scully wegen Beschwerden in Bezug auf ihre Schwangerschaft im Krankenhaus liegt - und er gerät selbst in Lebensgefahr... Vorsicht: Diese Folge kann zum Wahnsinn führen! Denn meines Erachtens haben wir es hier mit einer der absonderlichsten "Akte X"-Episoden zu tun, die zwischen Trash, psychedelischem Surrealismus und Horror-Schocker im Minutentakt schwankt und mit ihrer Geschichte vom "dritten Auge", das sie dem armen Doggett dann auch noch zeitweise einpflanzt, in anderen Sphären schwebt. Nach einem düsteren Beginn mit blutigen Bildern liegen eine Menge Rätsel vor den Füßen des FBI und dem sich wacker haltenden, aber sichtlich überforderten Agent Doggett ist Assistant Director Skinner keine große Hilfe, als er mit ungewohnter Überzeugung gegenüber dem neuen vorgesetzten Kersh die Theorie aufstellt, Tipets Bewusstsein wäre vor Ort gewesen, nicht aber sein Körper. Fortan tötet Tipet à la Freddy Krueger Menschen im Schlaf und sieht dabei aus wie ein Zombie, die Handlung wird immer abgedrehter, aber auch kreativer und Doggett ist derart verzweifelt, dass er sogar die Hilfe der "einsamen Schützen", Mulders Nerd-Freunden, in Anspruch nimmt. Seine erste Begegnung mit diesem respektlosen Haufen, der sich erst einmal in seinem Büro lümmelt, nimmt er sehr gefasst auf; hier verschenkt die Folge viel komödiantisches Potential. Höhepunkt der sich zuspitzenden Entwicklung ist, als Doggett selbst von Tipet bedroht wird, nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden kann und den Verstand zu verlieren droht. Hier kann Robert Patrick einmal zeigen, welches schauspielerische Talent in ihm steckt; zudem hat man Doggett, diesen harten Hund, bisher noch nicht derartige Schwächen zeigen sehen. Davor gab's dritte Augen, Menschen, die sich in Kreissägen stürzen, Axthiebe und Rattenattacken und das Ende ist dann nochmal richtig gruselig, nachdenklich und wie so gern einmal offen. Eine in ihrer Konstellation völlig entfesselte Folge, die dem Wahnsinn Tür und Tor öffnet! Er hat mich befallen, daher gebe ich 8/10.
"Fenster der Seele (Surekill)"
Staffel 8, Folge 8
Immobilienmakler Carlton Chase wird im Polizeiarrest erschossen - von einem Unbekannten, offenbar vom Dach aus durch den Lüftungsschacht. Die FBI-Agenten Scully und Doggett finden eine Spur, die zu den Zwillingsbrüdern Dwight und Randall Cooper führt. Diese verdingen sich als Kammerjäger und machen Jagd auf Drogendealer, allerdings alles andere als uneigennützig... Im Prolog spritzt das Blut nur so aus Chases Kopf, doch im weiteren Verlauf setzt die Folge weniger auf explizite Gewaltdarstellung als auf die Porträtierung der ungewöhnlichen Brüder. Während Dwight fast blind ist, kann Randall durch feste Materie hindurchsehen - und erschießt seine Opfer quasi hinter Mauern. Das ist alles leider nicht sonderlich spannend und wirkt auch sehr unglaubwürdig (präzise treffende Schüsse durch Mauern hindurch?). Eine zunächst nicht eindeutige Rolle spielt die verschüchterte und ängstliche Büroangestellte Tammi, die jedoch im Finale an Bedeutung gewinnt und für die entscheidende Wendung sorgt. Diese erscheint mir ebenfalls nicht sonderlich gut konstruiert, zudem fürchte ich, dass es zur Gewohnheit werden könnte, die Ermittler in Rekordgeschwindigkeit auf die eigentlich unwahrscheinlichsten Theorien kommen zu lassen (so durchschaut Scully Randalls besondere Fähigkeit sofort), was den Folgen an Spannung nehmen würde. Interessant finde ich jedoch die "Fenster der Seele"-Metapher für Augen, wenn der brutalere, skrupellosere Bruder fast blind ist und der mit dem anscheinend großen Herzen besser sieht als jeder andere. Dies wird jedoch lediglich angedeutet bzw. ist meine Interpretation. Das Finale geht holterdipolter über die Bühne, obwohl man aus der Thematik viel mehr hätte machen können. Höchstens 4,5/10.
"Schlaues Metall (Salvage)"
Staffel 8, Folge 9
Nachdem der Golfkriegsveteran Ray Pearce beerdigt wurde, stribt Pearce' ehemaliger Arbeitskollege bei einem mysteriösen Autounfall: Ein Mann hatte sich vors Auto gestellt, doch statt überfahren zu werden, zerspaltet sich das Auto beim Aufprall in zwei Häflten, als hätte es einen massiven Gegenstand gerammt. Die FBI-Agenten Scully und Dogget stehen vor einem Rätsel. Es war Pearce, der noch unter den lebenden weilt, doch infolge militärischer Experimente mit intelligentem, sich selbst regenierendem Metall zu einer Art Stahlmensch wurde - und seine Metamorphose schreitet unaufhaltsam voran, während er sich auf einem Rachefeldzug gegen die Menschen befindet, die für seinen Zustand verantwortlich sind... Diese schwer düster-atmosphärische Science-Fiction-Horror-Folge konfrontiert den ehemaligen T-1000 aus "Terminator II", Doggett-Darsteller Robert Patrick, mit so etwas Ähnlichem wie einem Terminator; wie unschwer zu erkennen ist, standen James Camerons Filme Pate für diese Episode. Erneut präsentiert die Serie unappetitliche Bilder zu Beginn, bevor sich eine wahnwitzige Handlung voller großartiger Spezialeffekte und Make-up-Arbeiten entrollt, die den Stoff bietet, aus dem beispielsweise Comic-Superschurken gemacht werden. Pearce, der sich mit einer Kneifzange rasieren muss und immer mehr zum Metallmenschen mutiert, ist quasi unzerstörbar und nimmt grausame Rache an denjenigen, die ihn zu dem gemacht haben, was er jetzt ist und die seine Verschrottung verhindert haben. Etwas schimmert auch Kritik an Militärexperimenten durch, doch hauptsächlich lebt die Folge von der Inszenierung der metallwerdenden, ehemals menschlichen Zerstörungsmaschine. Eine aufwändig gemachte, beeindruckende Folge, die nach dem misglückten Start ins neue Jahrtausend mit der vorausgegangenen Folge auf ganzer Linie überzeugt. 8/10
"Hier und nicht hier (Badlaa)"
Staffel 8, Folge 10
An einem indischen Flughafen trifft der fettleibige Geschäftsmann Hugh Potocki auf einen kleinwüchsigen Bettler auf einem Rollbrett. Dieser überrascht ihn auf der Toilette unr reist schließlich in seinem Körper mit nach Washington, wo Potocki 20 Minuten nach seinem Check-in ins Hotel tot aufgefunden wird. FBI-Agentin Scullys Obduktion ergibt, dass der Mann bereits seit ein bis eineinhalb Tagen tot gewesen sein muss. Als es zu zwei ähnlichen Fällen kommt, verdichtet sich der absonderliche Verdacht, dass jemand in die Körper der Opfer eindringt und sie anschließend wieder verlässt... Die sich mit indischer Mythologie beschäftigende Folge versteht es, den rektalreisenden, stummen Rollbrettfahrer, der sich zudem unsichtbar machen kann, hochgradig gruselig in Szene zu setzen und wartet mit dem einen oder anderen Schockmoment ebenso auf wie mit einem erhöhten Ekelfaktor. Das Geräusch quietschender Rollbrettreifen als Signal für nahende Gefahr sorgt für Gänsehaut, doch leider gelang es den Autoren weder, schlüssige Motive für die Morde des Bettlers zu finden, für die er sogar vor Schulkindern nicht Halt machen möchte, noch zu erörtern, weshalb er ausgerechnet den Weg eines - man möge mir meine Wortwahl verzeichen - "Arschkriechers" dafür beschreitet. Verwunderlich ist auch diesmal, wie schnell Scully auf ihre sich letztlich bewahrheitende These kommt; zudem wird Doggetts Verdacht, dass es sich beim ersten Opfer um einen rektal Drogen schmuggelnden Kurier handelte, mit der unsinigen Begründung hinfortgewischt, dass bei einem Überfall auf ihn zwecks Entwendung der Drogen aus dem Darm er nicht solch schwere Unterleibsverletzungen davongetragen hätte. Inszenatorisch und visuell top, inhaltlich leider durchwachsen.
Einen besonderen Stellenwert genießt diese Folge bei mir übrigens, da sie nach dem Bezug meiner ersten wirklich eigenen Wohnung die erste war, die ich mir - endlich Kabelfernsehanschluss! - ansehen konnte, aber das nur am Rande.
7/10
"Der Seelenesser (The Gift)"
Staffel 8, Folge 11
Die Ermittlungen im Fall des verschwundenen FBI-Agenten Fox Mulder führen dessen Nachfolger Agent Doggett nach Squamash, Pennsylvania, wo sich Mulder laut seiner Handyrechnungen vor seiner Entführung durch Außerirdische öfter aufhielt. Er ermittelte in dem kleinen Nest zwar in einem Fall, doch das war nicht der einzige Grund für Mulders Besuche: Ein unheimliches Wesen, dem man magische Heilkräfte nachsagt, treibt sich dort herum - und Mulder hat es anscheinend erschossen. Doggetts Ermittlungen stoßen nicht auf Gegenliebe... Diese ohne Agent Scully auskommende Folge greift die jüngsten Entwicklungen der Rahmenmythologie wieder auf und zeigt in kurzen Rückblenden Ausschnitte aus vorausgegangenen Folgen zum Thema, bevor Doggett sein Interesse ggü. Skinner einmal mehr rechtfertigen muss, jedoch verdächtigt wird, vornehmlich an seiner Karriere interessiert zu sein und die Verantwortung für die X-Akten möglichst schnell wieder loswerden zu wollen. In weiteren Rückblenden während Doggetts Ermittlungen bekommt man Mulder in neuen Szenen zu sehen, die seinen Aufenthalt in Squamash zeigen. Die Bewohner des Örtchens hüten ihr Geheimnis gut, so gut, dass auch der Zuschauer längere Zeit im Dunkeln tappt. Dies wirkt sich positiv auf die Spannung der Folge aus und wenn sich schließlich herausstellt, um welch ein Wesen es sich handelt und in welcher Verbindung es zu Agent Mulder stand, darf sich die Spezialeffekt- und Make-up-Abteilung wieder in Kreativität üben und neben einem erschreckenden Äußeren verstörende Szenen kreieren, in denen es seinen Mund aufreißt und sich daran macht, seine "Opfer" zu... heilen. Das ist mir eigentlich etwas zu dick aufgetragen, doch beleuchtet die Handlung erfolgreich die negativen Seiten dieser Fähigkeit und ist auch diese Folge der achten Staffel trotz eines Kurzauftritts der "einsamen Schützen" derart konsequent düster gestaltet worden, dass sie ihre Wirkung kaum verfehlt. Die eigentliche Rahmenmytholige wurde, wie sich zeigt, lediglich als Aufhänger verwendet und findet nur am Rande statt. Agent Doggett kann einem aber langsam wirklich leid tun, angesichts dessen, was er seit seinem Wechsel zu den X-Akten schon alles mitmachen und über sich ergehen lassen musste. Noch immer ist es interessant zu beobachten, wie dieses Musterbeispiel eines harten Ex-Marines und karrieristischen FBI-Bullen an die Grenzen seiner Vorstellungskraft gerät - und trotzdem nie klein beigibt. 7,5/10
"Underground (Medusa)"
Staffel 8, Folge 12
Eine Bahnwache, die in der Bostoner U-Bahn einen Schwarzfahrer verfolgte, wird verstümmelt und verätzt tot aufgefunden. Bei der U-Bahn-Wache ist man ob der daraufhin erfolgten Streckensperrung nervös und wartet ungeduldig auf das Eintreffen der FBI-Agenten Scully und Dogget. Zusammen mit einer Spezialeinheit inspiziert Doggett das unterirdische Streckennetz, während Scully von der Verkehrsleitzentrale die Aktion per Video überwacht. Das Team findet weitere Leichen und wird selbst von einem fremdartigen Organismus infiziert, der für die schrecklichen Verstümmelungen verantwortlich ist. Die Situation spitzt sich zu und man hat nur wenig Zeit - in wenigen Stunden soll die Strecke wieder für den Berufsverkehr freigegeben werden... Auch diese Folge behält den düsteren Ton der achten Staffel bei und schickt Doggett in ein klaustrophobisches Manöver, in dem der Gute wieder allerlei am eigenen Leibe erleiden muss. Sie bedient sich des Faszinosums einer Art unterirdischen Parallelwelt und der Angst, dass sich dort unten unbemerkt gefährliche Lebensformen entwickeln könnten. Elektrifizierte Spezialeffekte gehen einher mit bösen Make-up-Arbeiten und der aus dem unbekannten Gegner resultierenden Spannung sowie dem Wirken eines außergewöhnlich mutigen und verantwortungsvollen Agent Doggett, was vielleicht schon etwas zuviel Heldenmythos in sich birgt. Das Thema Öko-Horror wird ebenfalls mehr als nur gestreift, doch die schlussendliche Erklärung wirkt etwas unentschlossen und nicht vollends befriedigend. Alles in allem aber eine erneut gelungene Folge, in der ich als vom ÖPNV des Öfteren geplagter Pendler die Ambitionen der U-Bahn-Zentrale, die Strecke schnellstmöglich wieder freizugeben, sogar sehr gut nachvollziehen und im Endeffekt nur begrüßen kann. 7/10
"Frucht des Leibes (Per Manum)"
Staffel 8, Folge 13
Duffy Haskells Frau bringt in einer Klinik ein außerirdisches Baby zur Welt. Diesen Moment kann Duffy jedoch nicht miterleben, da er von den Ärzten ausgesperrt wurde. Er wendet sich an die FBI-Agenten Scully und Doggett, erklärt, Agent Mulder von früher aufgrund der Entführung seiner Frau durch Außerirdische zu kennen, dass sein Baby gestohlen worden sei und seine Frau jetzt tot wäre. Doch Scully reagiert ob der Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte mit Verdrängung und schenkt Duffy zunächst keinen Glauben. Doggett drängt derweil darauf, Nachforschungen anzustellen. Als Scully auf die hochschwangere Mary Hendershot trifft, ebenfalls ein Entführungsopfer, schaltet sie sich doch in die Ermittlungen ein und stößt auf eine Verschwörung von Ärzten... Etwas überraschend greift diese Folge die Rahmenmythologie der Serie auf sensible und emotionale Weise wieder auf, indem sie Scully mit ihrem eigenen Schicksal konfrontiert, die dünnhäutig darauf reagiert und sich entsetzt zeigt, dass Doggett die X-Akten bereits so weit durchgearbeitet hat, dass er genauestens über sie Bescheid weiß, sich schließlich aber gezwungen sieht, sich erneut damit auseinanderzusetzen, was ihr widerfahren ist. Hierzu bedient sich die Folge einiger Rückblenden mit Agent Mulder und deckt die Hintergründe von Scullys Schwangerschaft auf: Mulder fungierte als Samenspender. So erfährt Doggett nun auch, dass sich Scully in anderen Umständen befindet. Der ja ohnehin stets gewissen- und bisweilen gar heldenhafte Doggett avanciert hier geradezu zum Supermann, als er sich auch noch als regelrechter Frauenversteher entpuppt, der Scully mit viel Respekt und Verständnis begegnet. Die Verschwörung plant also den Diebstahl von Hendershots Baby, was Scully zu verhindern versucht, doch niemand weiß, wem vertraut werden kann - auch der Zuschauer nicht. So bleiben nach einem spannenden Finale der ansonsten auf angenehme Weise ruhig erzählten Handlung wieder mehrere Fragen und der Ausgang der Geschichte offen. Die Folge glänzt mit tollen Spezialeffekten von Alien-Babys und scheint mir sehr empathisch die fragile Gefühlswelt schwangerer Frauen zu thematisieren, dabei Urängste vor Verlust des Kinds aufzugreifen. Trotz ihrer getragenen Erzählweise und der einen oder anderen Ungereimtheit hat die Folge das gewisse Etwas und entpuppt sich als wertvoller Beitrag zur Rahmenhandlung. 7/10
"Es ist zu spät (This Is Not Happening)"
Staffel 8, Folge 14
Richie Szalay (bekannt aus der Episode "Requiem") erblickt in Montana ein Ufo am Himmel. Er verfolgt es, bis es plötzlich verschwindet. Er sieht jemanden davonlaufen und folgt ihm, findet jedoch nur noch die schwerverletzte Teresa Nemmen vor, die kurz vor Agent Mulder entführt wurde. Die FBI-Agenten Scully und Doggett reisen nach Montana, um den Fall zu untersuchen - und sind unterschiedlicher Ansicht: Während Scully davon ausgeht, dass es sich bei Teresa um ein Entführungsopfer von Außerirdischen handelt, will Doggett davon nichts wissen und schaltet die BFI-Spezialistin für rituelle Verbrechen, Monica Reyes, ein. Diese hält die Aktivität einer Ufo-Sekte für wahrscheinlich - und tatsächlich findet sich die zwischenzeitlich aus dem Krankenhaus entführte Teresa in den Händen einer fragwürdigen Organisation wieder, wurde jedoch von Jeremiah Smith geheilt. Das FBI führt eine Razzia durch, bis sich schließlich die Ereignisse überschlagen... Auch diese Folge knüpft an die Rahmenmythologie an und reanimiert mit Richie und Jeremiah Charaktere aus früheren Folgen, führt mit Monica Reyes eine neue Charakterin ein und scheint sich etwas irritierenderweise wieder auf das alte Mulder/Scully-Spiel zurückzubesinnen, indem sie den zuletzt so aufgeschlossenen Doggett plötzlich stark an außerirdischen Entführerin zweifeln lässt, obwohl er es doch längst besser wissen müsste. Dafür platziert man weitere Andeutungen in Bezug auf Doggetts Schicksal, der offenbar seinen Sohn verloren hat. Bei Absalams Ufo-Sekte handelt es sich anscheinend um einen Verbund von Menschen, die an eine außerirdische Invasion zur Jahrtausendwende glaubten, die ja auch beinahe eingetreten wäre und die mithilfe Jeremiahs Fähigkeiten den Entführungsopfern helfen. In dieser Hinsicht bricht die Folge also sozusagen eine Lanze für eine Gemeinschaft wie diese, die in der Realität sicherlich nicht zu Unrecht als ein Haufen von Spinnern abgetan werden würde. Die Art, wie sie in die Thematik integriert wurde, weiß ebenso zu gefallen wie die zunehmende Härte, die die verstörenden Bilder Agent Mulders auf dem Experimentiertisch der außerirdischen Entführer wieder aufgreift und schwerverletzte und gar tote Entführungsopfer zeigt. Als den Erzählfluss und den Unterhaltungswert etwas hemmend erweist sich der Informationsvorsprung des Zuschauers, denn zu lange hält sich die Folge mit Doggetts Skepsis auf. Das Finale indes zieht dramaturgisch ordentlich an und wartet mit dem Fund des möglicherweise ebenfalls toten Agent Mulders mit einem Cliffhanger per excellence auf, der den Freund der Serie mit der spannenden Frage zurücklässt, wie es wohl mit der Serie weitergehen wird. 7/10
"Lebendig tot (Deadalive)"
Staffel 8, Folge 15
Agent Mulder wird beerdigt, die Trauer ist groß. Für FBI-Director Kersh ist der Fall gelöst und er versucht, Agent Doggett zu überreden, sich versetzen zu lassen. Doch nach drei Monaten wird die aufgedunsene Leiche des Entführungopfers Billy Miles angeschwemmt, der in der Autopsie noch Lebenszeichen von sich gibt! Tatsächlich ist Miles gar nicht tot, die Körperfunktionen wurden lediglich auf ein absolutes Minimum heruntergefahren. Deshalb wird Mulders Körper exhumiert, und tatsächlich: Trotz deutlich sichtbarer Verwesungserscheinungen zeigt auch er noch Lebenszeichen! Der inhaftierte Endzeitprophet Absalam informiert Agent Doggett darüber, dass die Entführungsopfer in ihrem todesähnlichen Zustand zu Außerirdischen transformieren. Da tritt Krycek auf den Plan und an Assistant Director Skinner heran: Er habe einen Impfstoff, um diese Transformation zu verhindern, rückt diesen jedoch nur heraus, wenn Skinner verhindert, dass Agent Scully ihr Baby bekommt. Skinner kann sich nicht wehren, da Krycek ihn mit den Nanobots in Skinners Körper erpresst, doch Skinner geht auch nicht auf die Forderungen ein... Hier haben wir sie, die vielleicht abstruseste Wiederauferstehung eines "Serienhelden" seit dem sechsten "Freitag der 13."-Film. Wie Mulder wieder als aktiver Part in die Serie geschrieben wurde, ist mal so richtig "von hinten durch die Brust ins Auge". Der Weg dorthin ist jedoch gepflastert mit manch Zuschauer sicherlich Übelkeit bereitenden Make-up-Arbeiten verwesender Körper und Miles' Duschszene, während der er sich quasi häutet. Starker Tobak fürs TV-Programm, inhaltlich indes offenbar inspiriert vom Science-Fiction-Klassiker "Die Dämonischen". Absalam aus der vorherigen Folge ist wieder dabei und Krycek taucht auch einmal mehr aus der Versenkung auf, erstmals greift man auch dessen Skinner-Erpressungs-Maschine wieder auf. Wie es letztlich gelang, Mulder auch ohne den Impfstoff wieder zu "ganz dem Alten" zu machen, erscheint mir bei aller Liebe dann aber doch ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen und unwahrscheinlich und generell sollte man diese Folge wohl besser nicht versuchen, nach logischen Maßstäben - auch in Bezug auf die innere Logik der Serie - abzuklopfen. Trotzdem eine sehr unterhaltsame Episode, die uns immerhin unseren Mulder zurückbringt - den ich aber angesichts der Qualitäten Agent Doggetts gar nicht sooo sehr vermisst habe (zumindest nicht so sehr, wie es Scully tat). 7/10
"Drei Worte (Three Words)"
Staffel 8, Folge 16
Ein Mann namens Howard Salt wird vor dem weißen Haus erschossen, als er den US-Präsidenten vor der außerirdischen Invasion warnen wollte. Mit sich geführt hatte er eine mit "Fight the Future" beschriftete CD. Der Kopf der Ufo-Sekte Absalom entkommt aus dem Gefängnis und nimmt FBI-Agent Doggett als Geisel, um sich Zutritt zum statistischen Bundesamt zu verschaffen, wo er sich Informationen zur Invasion erhofft. Das Vorhaben misslingt, doch Agent Mulder stürzt sich wieder voll in die Arbeit, misstraut aber Doggett. Schließlich gelingt es Mulder mithilfe der "einsamen Schützen", Zugriff auf die Daten zu bekommen - doch es handelte sich um eine Falle... "Die berühmten drei Worte - ich lieeebeee diiich!" schmetterte einst Schlagerbarde Andy Borg, doch diese sind hier nicht gemeint. Vielmehr zieht sich die Parole "Fight the Future" durch diese Folge der Rahmenmythologie, die geprägt ist von berechtigter Verschwörungsparanoia und dem ersten Aufeinandertreffen Doggetts und Mulders. Doggett hat einfach kein Glück, was seinen ersten Eindruck auf andere betrifft; nachdem ihn Agent Scully damals mit einem Getränk überschüttete, geht Mulder körperlich auf ihn los - und das, nachdem er sich als Geisel hatte nehmen lassen und einen Streifzug im Gesicht hatte abbekommen müssen. Der Ärmste kann einem wirklich leidtun, doch bleibt er weiter der Suche nach der Wahrheit verpflichtet, tappt aber glatt in eine Falle, die ihm sein Informant stellte. Er bermerkt es gerade noch rechtzeitig, doch glaubt ihm Mulder kein Wort, obwohl sich längst beide in höchster Gefahr befinden. Allerspätestens in dieser Rahmenfolge ist er wieder perfekt, der alte Verschwörungswahn; niemandem kann man trauen, doch gleichzeitig behindert das eigene Misstrauen erfolgreiche Kollaborationen. Spannend und flott inszeniert, Absalom zu Grabe tragend und Doggetts zwielichtigen Informaten entlarvend. Etwas zu lässig bleiben mir die "einsamen Schützen" angesichts der Gefahrensituation und Mulders Kenntnisse an einem vollkommen fremden Computer- und Netzwerksystem überraschen mich etwas zu sehr - dennoch eine typische, gelungene Folge der Rahmenhandlung, die wie so oft mehr Fragen stellt, als zu beantworten. 7/10
"Feuer und Asche (Empedocles)"
Staffel 8, Folge 17
Der Büroangestellte Jeb Dukes verliert seinen Job. Doch damit nicht genug; als er das Firmengebäude verlässt, wird er Zeuge eines Autounfalls mit Explosion und verbrennendem Fahrer nach einer Verfolungsjagd durch die Polizei. Plötzlich hat Dukes die Vision, dass der brennende Fahrer aussteigen und durch ihn hindurch gehen würde. Wie von Sinnen rennt er daraufhin zu seinem Vorgesetzten zurück und erschießt ihn und dessen Assistenten. FBI-Agentin Monica Reyes untersucht die Leichen und nimmt sie kurz als Aschehaufen wahr - genau wie damals bei Luke Doggett, dem ermordeten Sohn Agent Doggetts. Welche Verbindung gibt es zwischen beiden Fällen? Diese Folge ging mir total gegen den Strich, möglicherweise handelt es sich gar um die mieseste überhaupt. Nicht nur, dass die Handlung schon äußerst dämlich und dünn ist - "das Böse" lässt die Menschen im Affekt schwere Straftaten begehen und es springt von Wirt zu Wirt -, nein, man musste den Unfug auch noch mit Doggetts persönlicher Geschichte um den in vorausgegangenen Folgen mehrmals erwähnten Verlust seines Sohns verknüpfen, was mehr schlecht als recht herbeikonstruiert ist. Affekt-Taten wie nach einem Job-Verlust unterliegen also nicht zwingend psychologischen Ursachen wie purer Verzweiflung, z.B. durch Existenzängste, oder geschürten Hass, es kann schlicht sein, dass der Täter vom "Bösen" befallen war. Dieser nach uraltem Aberglaube oder auch religiöser Doktrin klingende Blödsinn wird auch nicht dadurch besser, dass man ihn auf diese Weise in eine Mystery-Folge einbettet - erst recht nicht, wenn man ansonsten gar nicht erst versucht, Erklärungen zu liefern, auch nicht für Monica Reyes' Visionen. Absoluter Tiefpunkt ist indes der FBI-Einsatz bei Dukes' Schwester, der die Situation erst eskalieren lässt - zuvor las Dukes seiner Nichte friedlich eine Gutenachtgeschichte vor. Dass das FBI auf Dukes schießt, während er seine Nichte im Arm hält und den Einsatz anschließend auch noch als Rettung der Nichte darstellt, wird in keiner Weise kritisch hinterfragt, sondern als einzig richtige Lösung des Konflikts kommuniziert. Ein offensichtlich Besessener, der in Konfliktsituationen nicht Herr seiner Sinne ist, wird also in eine eben solche getrieben und in Kauf genommen, dass er vor den Augen seiner kleinen Nichte tödlich von einer Kugel getroffen und das Kind für sein Leben traumatisiert wird - das scheint tatsächlich der Ernst des Drehbuchautors zu sein. So bleibt das einzig positive an dieser Folge, dass Doggett einmal mit Nachdruck versuchen darf, Agent Mulder in die Schranken zu weisen, was zudem unterstreicht, dass der ungelöste Fall des Mordes an seinem Sohn sein (vielleicht einziger) wunder Punkt ist. 3/10
"Sie kommen (Vienen)"
Staffel 8, Folge 18
Auf einer US-Bohrinsel im Golf von Mexiko wird ein mexikanischer Arbeiter von einem vom "schwarzen Öl" besessenen Vorgesetzten ermordet und sein von schwersten Verbrennungen vollständig entstellter Körper schließlich ans Ufer gespült. FBI-Agent Mulder erwartet Agent Doggett bereits im Büro der X-Akten und macht ihn auf den Fall aufmerksam Unabhängig voneinander treffen beide schließlich auf der Bohrinsel ein, um das Rätsel um den Tod des Mannes zu lösen. Während Agentin Scully die Leiche untersucht, geraten die beiden selbst in Lebensgefahr... Das "schwarze Öl", jene außerirdische Lebensform aus der Rahmenmythologie der Serie, ist zurück und treibt sein Unwesen passenderweise auf einer Öl-Bohrinsel, die die klaustrophobische Kulisse für diese Folge bietet. Diese ist nach einem gruseligen Prolog zunächst geprägt von Kompetenzgerangel zwischen Mulder und Doggett. Mulder verhält sich zunehmend anmaßend, was ihn Sympathiepunkte kostet, ist letztlich aber derjenige, der stets Recht behalten soll und im Umgang mit der Materie schlicht erfahrener ist als Doggett. Während ein Abgesandter des Ölförderungsunternehmens die Sperrung der Bohrinsel durch die Behörden aufzuheben versucht und aus diesem Grunde Director Kersh konsultiert, findet Scully heraus, dass das Opfer immun gegen das schwarze Öl gewesen zu sein scheint, denn dieses fließt leblos aus seinem Körper. Die Begründung tendiert stark in Richtung Rassenkunde und genutzt hat es ihm auch nicht viel, denn so wurde er eben mittels übernatürlicher Kräfte so Tode versengt. Ein weiterer mexikanischer Landsmann befindet sich noch auf der Insel, der weiß, dass ihm ein ähnliches Schicksal blüht und sich deshalb versteckt. Letztlich müssen Mulder, Doggett und der verbliebene Immune erkennen, dass sie sich mitten in der Höhle des Löwen befinden, was zu spannenden und dramatischen Szenen, aber auch zu einem etwas plumpen Ende führt. Die Folge weiß zu unterhalten, setzt jedoch verstärkt auf Action und lebt, nach Vorbild US-amerikanischer Action-Filme, von vielen Zufällen und denkbar knapp ausgehenden Gefahren, die die Protagonisten mittels fast schon übermenschlicher Kräfte bestehen. Die Wahrscheinlichkeit bleibt demnach etwas auf der Strecke und Mulder in seiner Rolle als Doggett wenig ernstnehmender, ihn ständig übergehender und brüskierender Kotzbrocken weist einen inzwischen beträchtlichen Nervfaktor auf. Versöhnlich wird es dafür im Epilog, als Mulder alle Schuld auf sich und damit in Kauf nimmt, vom FBI entlassen zu werden, woraufhin er Doggett anscheinend guten Gewissens die zukünftige Verantwortung für die X-Akten überträgt - vermutlich ein wichtiger Punkt in der Geschichte der Rahmenhandlung. 6/10
"Augenlicht (Alone)"
Staffel 8, Folge 19
Agent Doggett scheint auf sich allein gestellt: Agent Mulder ist aus dem FBI ausgeschieden und Agent Scully geht in Mutterschaftsurlaub. Da platzt jedoch Agentin Leyla Harrison herein, die sich ihm als neue Partnerin vorstellt. Sie sei zwar bisher lediglich für die Buchhaltung zuständig gewesen, kenne jedoch alle X-Akten und wäre damit prädestiniert für den "Job". Zusammen untersuchen sie den Tod des alten Mannes Arlen Sacks, der von einem reptilienartigen Wesen dahingerafft worden zu sein scheint. In welcher Verbindung steht der Fall zum Wissenschaftler Stites...? Der etwas naive Charakter der neuen Partnerin Harrison bringt eine komödiantische Note in diese Folge ein und sorgt für einige Zitate vergangener Fälle, doch erscheint ihre Berufung zu den X-Akten doch arg unwahrscheinlich - weshalb sollte das FBI eine Buchhalterin für qualifiziert genug für diese gefährliche Aufgabe halten? Doggett nimmt's jedoch nach außen hin gelassen und behandelt sie wie ein Gentleman. Sie finden Schleim, der auf ein Reptil hindeutet und Scullys Untersuchung der Leiche ergibt, dass Sacks an einem Herzinfarkt starb, nachdem er durch eine Substanz geblendet worden war. Jene bekommen auch Doggett und Harrison ins Gesicht gespritzt, nachdem sie sich ungewollt in einem unterirdischen Tunnel wiederfanden, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Dass sie zudem nicht mehr richtig sehen können, verstärkt den klaustrophobischen Charakter dieser Folge. Die Aussichtslosigkeit der Situation wird betont, indem man Skinner einen Suchtrupp nach den beiden anführen und auch Mulder wieder am Tatort erscheinen lässt. Die Aussage ist eindeutig: Alleine ist Doggett den X-Akten nicht gewachsen, schon gar nicht mit einer solch unerfahrenen Partnerin an seiner Seite. Letztlich schafft man es mit vereinten Kräften, in einem nervenaufreibenden FInale die Kreatur zu töten und der Situation zu entkommen. Die nun gegenseitiges Vertrauen erfordernde Zusammenarbeit Mulders und Dogetts bedeutet einen weiteren Schritt der Annäherung beider, doch die Auflösung, dass sich Stites selbst in das Ungetüm verwandelt hat, hätte weiterer Erläuterungen bedurft, um überzeugend zu wirken. Unterm Strich handelt es sich um eine wenig ernstzunehmende Folge, die nicht über den Durchschnitt hinauskommt, im Epilog jedoch eine nette Pointe bietet, als Harrison Scully und Mulder eine Frage stellt, die sich viele Fans der Reihe sicherlich ebenfalls nach Sichtung des ersten "Akte X"-Films gestellt haben, jedoch auch diesmal keine Antwort bekommen - stattdessen entwickelt sich ein amüsantes Streitgespräch zwischen Mulder und Scully: Welch schöner, selbstironischer Umgang der Serie mit einer größeren Logiklücke. 5/10
"Einer von vielen (Essence)"
Staffel 8, Folge 20
Agent Scullys Schwangerschaft ist mittlerweile so weit vorangeschritten, dass ihre Mutter ihr eine Haushaltshilfe zur Seite stellt. Scully erwischt diese jedoch, wie sie ihre Medikamente manipuliert und stellt sie zur Rede: Sie gehörte angeblich zu jener Geheimgruppe, die mit Alien/Mensch-Hybrik-Klonwesen experimentierte, sei nun aber besonders um Scullys Baby besorgt, bei dem es sich um eine Art Wunderkind ohne menschliche Schwächen handeln solle. Aus diesem Grunde seien die Außerirdischen hinter ihm her - und tatsächlich hat es der Außerirdische, der einst Billy Miles war, auf Scully bzw. ihre Leibesfrucht abgesehen und geht dabei brutal über Leichen. Doch ist er bei Weitem nicht der einzige seiner Sorte... Diese Folge läutet das Staffenfinale ein, das die Rahmenmythologie weiterspinnt. Es stellen sich die üblichen Fragen, wem vertraut werden darf und wem besser nicht, doch wurde diese Folge weniger komplex gestaltet als manch andere. Verschiedene Puzzleteile fügen sich zusammen und sorgen für ein Stelldichein immer einmal wieder auftauchender Charaktere, so u.a. Alex Kryceks, der diesmal vorgibt, auf Scullys Seite zu stehen. In einem zunächst wie eine Parallelhandlung erscheinenden Fall tötet die Kreatur, die einmal als Billy Miles bekannt war, Dr. Lev in den Räumen von Zeus Genetics und brennt das Labor nieder. Agent Mulder macht Agent Doggett auf den Fall aufmerksam und die Ermittlungen wirbeln Staub auf, sorgen für Unmut und führen zu Dr. Perenti, der Föten in Gläsern aufbewahrt und seinen Kopf nach Miles' Besuch schließlich selbst im Einweckglas wiederfindet. Auf dramaturgisch sehr ansprechende Weise werden erschreckende und gruselige Bilder mit der Paranoia-Stimmung der Rahmenhandlung kombiniert, stellt man in Form von dem, was mal Miles war, die neue, formvollendete und anscheinend unzerstörbare Generation fieser Alien-Invasoren dem Zusammenhalt der FBI-Clique gegenüber und steuert man auf ein aufregendes Finale zu, das - natürlich - mit einem Cliffhanger. endet. Beinahe vergessen sind zu diesem Zeitpunkt schon Mulders nachdenkliche Gedankengänge im Prolog, die er aus dem Off heraus formuliert und philosophische Fragen nach dem Wunder des Lebens stellt. In dieser Form macht die Rahmenhandlung Laune und Lust auf mehr! 7,5/10
"William (Existence)"
Staffel 8, Folge 21
Es ist soweit, FBI-Agentin Scullys Kind steht kurz vor der Geburt. In Absprache mit Agent Doggett bringt Agentin Reyes die hochschwangere Scully in Doggetts Geburtsort, ein verlassenes Nest in Georgia, da noch immer der neue Typus Außerirdischer hinter Scullys Kind her ist, der in ihm eine Gefahr sieht. Dort angekommen, bekommen sie Unterstützung vom örtlichen weiblichen Sheriff, doch bald taucht auch Miles auf. Im FBI-Hauptquartier eskaliert die Situation zwischen den Agenten Doggett, Mulder und Skinner auf der einen und Krycek, Doggetts Informant Knowles und Agent Crane auf der anderen Seite - mit tödlichem Ausgang. Wird Scully ihr Kind zur Welt bringen können und wenn ja, schafft sie es, es vor den Außerirdischen zu verteidigen? Miles bzw. das, was in seiner menschlichen Hülle unterwegs ist, hat also auch den Sturz in die Müllpresse überlebt, obwohl es erst einmal als ein Haufen Mettgut in der Leichenhalle liegt. Doch das Implantat scheint die Lebenskraft zurückzubringen und die Folge zeigt, wie es offenbar ein Eigenleben entwickelt. In diesem zweiten Teil des Staffelfinales bringt Scully tatsächlich ein gesundes Kind namens William zur Welt, gibt Krycek zum letzten Mal einen herrlich verschlagenen, undurchsichtigen Fiesling und wird Spannung gepaart mit Action abermals großgeschrieben. Noch immer kann man sich nicht sicher sein, wer aus welchen Gründen welches Ziel verfolgt, Verfolungsjagden, Schusswechsel und Explosionen führen zu einigen herben Bildern und abermals reicht die Verschwörung bis in die FBI-Zentrale hinein. Das ist alles andere als verkehrt, jedoch beantwortet dieses ausnahmsweise einmal nicht mit einem Cliffhanger endende Finale enttäuschenderweise einige Fragen nicht und wirft stattdessen neue auf: Was genau war Kryceks Rolle in der Verschwörung, welche Ziele hat er wirklich verfolgt? Und vor allem (Achtung, massiver Spoiler!): Weshalb unternehmen die Außerirdischen, die es geschafft haben, rechtzeitig zu Scullys Entbindung vor Ort zu sein, nach all dem Trubel und betriebenen Aufwand schlicht gar nichts und stehen nur glotzend in der Gegend herum? Das ist zwar erfreulich für Scully, zählt aber sicherlich auch zu den denkbar enttäuschendsten aller möglichen Pointen und erweckt den Eindruck, als habe man seitens der Autoren selbst keine vernünftigen Antworten gewusst. Im Epilog dürfen sich Scully und Mulder endlich zum zweiten Mal innig küssen, was nun vermutlich den endgültigen Startschuss der Liebesbeziehung miteinander bedeutet. Und als die "einsamen Schützen" mit Geschenken kamen, dürften dem einen oder anderen all die Anspielungen auf die christliche Mythologie aufgefallen sein, angefangen bei quasi-unbefleckter Empfängnis über die Geburt unter widrigen Umständen in einer sehr bescheidenen Unterkunft und ein helles Licht am Himmel bis zu eben den drei Nerds als Ersatz für heilige drei Könige. Damit tendiert diese Folge zwar auch stark in Richtung Kitsch, integrierte diese Elemente aber subtil genug, um neben der Paranoia, der stets im Nacken sitzenden Gefahr und der Action keine dominante Rolle einzunehmen. Was ich von all dem halten soll, weiß ich trotzdem noch nicht so recht. Es bleibt abzuwarten, ob in der neunten und bis dato letzten Staffel all die Fragen befriedigend beantwortet werden. Bis dahin gebe ich erst einmal 6/10 kleinen göttlichen Hosenscheißern.
Im Nachhinein kann ich der Serie aus Fan-Sicht attestieren, dass man gut daran tat, die achte Staffel zu realisieren. Trotz schwieriger Umstände - Mulder-Darsteller David Duchovny sollte oder wollte nach einem Rechtsstreit nach Ende der siebten Staffel ausscheiden - sind einige starke, atmosphärisch und inhaltlich düstere Episoden gelungen und auch die Fortsetzung der Rahmenmythologie hatte einige wahrlich starke Momente zu bieten. Da man sich mit Duchovny darauf einigen konnte, sich noch für eine nicht unbeträchtliche Folgenzahl zur Verfügung zu stellen, konnten sich die Zuschauer langsam von Mulder ent- und an seinen Nachfolger Doggett gewöhnen, während Mulder immer noch eine wichtige Rolle spielte, sich die eine oder andere Folge gar ganz um ihn drehte und er vor allem nicht durch einen plötzlichen Tod oder ein nie aufgeklärtes Verschwinden aus der Serie herausgeschrieben werden musste. Dadurch kam man auch nie in die Verlegenheit, Doggett als Abziehbild Mulder zu konzipieren, sondern schuf einen interessanten neuen Charakter. Dieser kann gewissermassen als Alter Ego des "Akte X"-Teams hinter den Kulissen interpretiert werden: Das Misstrauen, das ihm anfangs von allen Seiten entgegenschlägt, ist vergleichbar mit dem damaligen Misstrauen der Fans der Serie, die gern Mulder als Hauptrolle behalten hätten. Die stoische Besonnenheit, mit der Doggett trotz aller Umstände, Rückschläge und Verletzungen so souverän wie möglich seine Arbeit aus- und fortführt, steht stellvertretend für das Engagement des Teams aus Autoren, Regisseuren, Kameraleuten, Bild- und Tontechnikern und Spezialeffekt-/Make-up-Künstlern, die unbeirrt weiter daran arbeiteten, für niveauvolle Mystery-, Science-Fiction- und Horror-Unterhaltung zu sorgen - was meines Erachtens zwar nicht immer ganz gelang, oft genug aber eben doch.