"Unter Wasser (Nothing Important Happened Today (1))"
Staffel 9, Folge 1
Eine offenbar mit übermenschlichen Kräften ausgestattete attraktive Frau tötet in kurzem Abstand zwei Männer, die mit der Zugabe von Chloramin zum Trinkwasser zu tun hatten. Die Frau entpuppt sich als Shannon McMahan, eine ehemalige Kameradin Agent Doggetts aus seiner Zeit bei den Marines. Agent Mulder kann bei den Ermittlungen nicht mehr helfen, er hat sich abgesetzt und ist nicht mehr erreichbar. Auch Agentin Scully steht zunächst nicht mehr zur Verfügung, sie möchte sich in Ruhe um ihr Baby kümmern. Doggett wähnt sich auf sich allein gestellt auf ziemlich verlorenem Posten, da er außerdem interne Ermittlungen gegen seinen Vorgesetzten Kersh anberaumt hat, wodurch das Verhältnis zwischen beiden unterkühlter ist als je zuvor. Auch Assistant Director Skinner scheint nicht mehr loyal zu Doggett zu stehen und rät ihm eindringlich, die Ermittlungen einzustellen, da er ansonsten um das Wohlergehen Scullys Babys fürchte. Doch Agentin Reyes springt in die Bresche und sagt Doggett ihre Unterstützung zu. Sie begegnet Shannon im FBI-Gebäude und wird von ihrer ehemaligen Affäre, Assistant Director Brad Follmer, unter Druck gesetzt. Doggett und Reyes haben schlechte Karten, da die Überwachungsvideos, die die Ereignisse aus dem FBI-Parkhaus dokumentierten, manipuliert worden sind und es auf ihnen nichts zu sehen gibt. Scully, die feststellt, dass ihr Sohn William anscheinend über übersinnliche Fähigkeiten verfügt, als er das Mobilé über seinem Bettchen offenbar per Telekinese zum Drehen bringt, beteiligt sich schließlich doch noch an den Ermittlungen und führt an der Leiche des ersten Opfers Carl Wormus eine Autopsie durch; ferner unterstützen die "einsamen Schützen" Doggett und Reyes. Vor Ort im Wasserwerk kommt man einer Verschwörung zum Zwecke der Erschaffung von übermächtigen Supersoldaten näher, gerät jedoch auch in akute Lebensgefahr... Die erste Folge der bis dato letzten Staffel konkretisiert die neue Ausrichtung der Rahmenmythologie in Richtung der Züchtung von Supersoldaten, wirkt dabei jedoch wie bereits in der Vergangenheit häufiger etwas überfrachtet, führt neue Charaktere ein und nimmt viele Handlungsfäden auf. Das ist mitunter etwas anstrengend zu betrachten, wenngleich es durchaus seine Momente hat. Andererseits scheint sich das Konzept einer großangelegten Verschwörung in Regierungskreisen mittlerweile arg abzunutzen und drängt sich immer mehr der Eindruck einer im Vorfeld nie zu Ende gedachten, spontan um immer neue Aspekte erweiterten Rahmenhandlung auf, die sich immer stärker von den für sich allein stehenden Episoden absetzt. Der Grundton bleibt wie größtenteils in der achten Staffel ernst, für partielle humoristische Auflockerung scheinen jeweils die "einsamen Schützen" zuständig zu sein. Diese Folge ist wieder einmal reich an Dialogen, dafür eher arm an Schauwerten, greift aber die verbreitete Verschwörungstheorie um heimliche Trinkwasserzugaben auf. Seltsam naiv erscheint Doggetts Annahme, innerhalb einer solchen Verschwörung mit internen FBI-Ermittlungen erfolgreich Erkenntnisse zu erzielen, möglicherweise braucht dieser Rollentyp aber auch erst die absolute Gewissheit, dass eben eine solche in Gange ist. Erwartungsgemäß, aber eben auch dem Unterhaltungswert nicht unbedingt zuträglich bleibt auch in dieser Folge vieles ungreifbar, Freund und Feind diffus und undefiniert. Ein kleiner Lichtblick ist der Charakter Monica Reyes', der als weit weniger asexueller "Scully-Ersatz" nicht nur optisch zu Gefallen weiß. Ob die Handlung um Supersoldaten und Scullys Baby noch einmal dieselbe Faszination heraufbeschwören wird, wie es die ursprüngliche Rahmenhandlung einmal vermochte und ob man Mulders Ausscheiden als Chance begreift und spannend kompensieren kann, bleibt abzuwarten, ich hege jedoch so meine Zweifel. 5,5/10
"Adam und Eva (Nothing Important Happened Today (2))"
Staffel 9, Folge 2
Offenbar wollte Shannon McMahon, die, wie sich herausstellt, zur ersten Generation biotechnisch veränderter Supersoldaten gehört, Agent Doggett gar nicht töten: Sie zog ihn unter Wasser, damit Follmer ihn nicht findet. Das dem Trinkwasser zugeführte Chloramin würde manipuliert, um mehr solcher Elitekämpfer in der Bevölkerung heranzuzüchten - deshalb habe sie die Männer getötet, erklärt sie. Die FBI-Agenten Doggett und Reyes tauchen immer tiefer in die Verschwörung ein und stoßen auf einem Navy-Schiff schließlich auf ein ausladendes Genlabor... Der zweite Teil des Eröffnungsdoppels der neunten Staffel führt die neue Verschwörungsmythologie konsequent fort. Neben dem üblichen und auf Dauer etwas ermüdenden dialogreichen Kompetenzgerangel, in dessen Rahmen sich nunmehr Brad Follmer besonders als derjenige hervortut, der auf seine nun involvierte ehemalige Freundin, Agentin Monica Reyes, manipulativ dahingehend einzuwirken versucht, dass sie die FBI-Untersuchungen fallenlassen solle, fällt diese Folge angenehm actionreich aus. So spitzen sich die Ereignisse dramaturgisch durchaus gelungen immer weiter zu und münden in direkten, spezialeffektreichen blutigen Konfrontationen mit einzelnen Supersoldaten, unter ihnen der totgeglaubte Knowle. Agent Doggett wird einmal mehr übel mitgespielt, als ihm beinahe der Schädel zerquetscht wird - und das, obwohl er mittlerweile suspendiert wurde. Eine große Explosion ist es schließlich, die erneut wichtiges Beweismaterial vernichtet. Die Ausbuchtungen in den Nacken der Soldaten sind nun offenbar keine Implantate mehr, sondern Mutationen der Wirbelknochen, wie eine Untersuchung Agent Scullys ergab. Ansonsten beherrscht das alte "Wer ist Freund, wer Feind?"-Spielchen die Szenerie, die mit McMahon, Follmer und Kersh gleich mehrere undurchsichtige Charaktere aufbietet. Leider scheint man mir mit zunehmender Beliebigkeit diesbzgl. vorzugehen und ich spüre, wie ich das Vertrauen in die Autoren ein gutes Stück weit verloren habe, ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, auf das man mit der neuerlichen Verschwörung hinarbeitet, so dass einige Elemente und Rollen mittlerweile austauschbar wirken. Da man vermeidet, diese Charaktere klar zu umreißen, läuft man Gefahr, dass sie für den Zuschauer nie wirklich greifbar werden, stattdessen widersprüchlich wirken, was zu Ungunsten von Spannung und letztlich der Nachvollziehbarkeit geht. Zudem erscheint mir die Geschichte um die großangelegte, also breit gestreute Trinkwassermanipulation zur eigentlich doch gezielten Züchtung der neuen Elite zumindest bis jetzt reichlich abstrus und unglaubwürdig. Der Epilog riecht diesmal nach Versöhnung zwischen Kersh und Doggett; was davon zu halten ist, wird die Fortsetzung der Rahmenhandlung zeigen. Positiv erwähnen möchte ich an dieser Stelle aber erneut die mit Doggett in die Serie zurückgekehrte Härte: Härte anderer gegen ihn, Härte gegen sich selbst. Ein nach wie vor angenehm individueller, faszinierender und inspirierender Charaker und dabei alles andere als eine Mulder-Kopie. Als Fan der Serie bin ich geneigt, diese Folge weitestgehend für sich allein stehend zu betrachten und ihr aufgrund ihrer Qualitäten als recht gelungenes, modernes Stück Science-Fiction-Horror wohlwollende 6,5 Punkte zuzugestehen.
"Daemonicus (Daemonicus)"
Staffel 9, Folge 3
Ein älteres Ehepaar wird von zwei dämonischen Gestalten ermordet. Am Tatort eingetroffen, spürt Monica Reyes, beim FBI zuständig für Ritualmorde und Fälle von vorgeblicher bzw. vermeintlicher Besessenheit, die tatsächliche "Anwesenheit des Bösen" und zieht daher Agent Doggett hinzu, da sie den Fall für eine X-Akte hält. Doggett indes bezweifelt dies. Als eine nahegelegene Psychiatrie jedoch die Flucht eines gefährlichen Patienten und eines Aufsehers meldet, hat man nicht nur die dringend Tatverdächtigen, sondern in Mitpatient Joseph Kobold auch jemanden, der etwas über die Männer und ihre Taten weiß - oder zu wissen vorgibt, denn Kobold ist ein versierter Manipulator. So glaubt Doggett auch nicht, dass dieser von einem Dämon besessen sei... Die erste für sich allein stehende Folge der neunten Staffel behält die sehr düstere Stimmung so vieler Folgen des neuen Ermittlerteams konsequent bei und wartet mit einer harten Mixtur aus Okkult- und Psycho-Horror auf, die es in sich hat. Schlangen in Leichenkörpern, dämonische Fratzen und Ekelattacken à la "Der Exorzist" treffen auf psychologische Kabinettstückchen vom Schlage eines Hannibal Lecter. Zu manifestieren scheint sich, dass Scully seit der Geburt ihres Kindes für die Obduktionen der Todesopfer im Hintergrund zuständig ist. Als irritierend erweist sich in dieser Folge Doggetts Ungläubigkeit, die man eher Agent Scully in früheren Staffeln zugetraut hätte und nicht so recht zu seinem Charakter, den er seit seinem Auftauchen in der Serie ausgeprägt hat, passen will. Ferner bleibt am Ende vielleicht die eine Frage zuviel unbeantwortet. Ansonsten eine starke Folge, die Hoffnung auf eine qualitativ hochwertige neunte Staffel in Hinblick auf in sich abgeschlossene Episoden macht. 7/10
"4-D (4-d)"
Staffel 9, Folge 4
Die FBI-Agenten John Doggett und Monica Reyes sind dem Frauenmörder Lukesh auf den Fersen - doch der Einsatz misslingt gründlich. Lukesh schneidet Reyes die Kehle durch und schießt auf Doggett, der daraufhin gelähmt im Krankenhaus liegt. In einer Parallelwelt hingegen bezieht Reyes ihre neue Wohnung und Doggett schaut mitsamt Einweihungsgeschenk vorbei. Assistant Director Skinner ruft Reyes an und berichtet davon, dass Doggett angeschossen wurde - und tatsächlich ist er plötzlich aus ihrer Wohnung verschwunden, liegt stattdessen im Krankenhaus. Agent Follmer leitet die Untersuchungen und weiß zu berichten, dass der Schuss aus Reyes' Waffe kam... Diese mit harschen Bildern beginnende Folge macht den Zuschauer auf schockierende Weise zunächst glauben, Monica Reyes wäre tot. Lange hält man diese Prämisse jedoch nicht aufrecht und so kommt nach anfänglichem Verwirrspiel Reyes für meinen Geschmack etwas sehr schnell dahinter, dass Lukesh zwischen zwei Dimensionen wandelt und dabei etwas durcheinandergewirbelt hat. Dafür gibt es aber viel Zeit für leisere Töne, wenn der stumme, ans Krankenbett gefesselte Doggett mit Reyes kommuniziert und natürlich die spannende Frage, wie alles wieder in Ordnung zu bekommen ist. Was die Beantwortung dieser Frage betrifft, lohnt es sich sicherlich nicht, sich allzu sehr in Science-Fiction-Logik zu versuchen und sie auf ihren Wahrscheinlichkeitsgehalt hin abzuklopfen. Der charakteristische Psychopath Lukesh reißt's letztlich heraus und macht "4-D" zu einer leicht überdurchschnittlichen Folge. 6/10
"Der Herr der Fliegen (Lord Of The Flies)"
Staffel 9, Folge 5
In New Jersey drehen ein paar Schüler der High School neue waghalsige Stunts für ihre "Volltrottel-Show". Dabei kommt "Captain Dare", der Star der Show, ums Leben - nicht durch den Stunt, wie sich herausstellt, sondern weil ihm Fliegen innerhalb kürzester Zeit das Gehirn weggefressen haben. Die FBI-Agenten Doggett und Reyes werden vom überforderten Leichenbeschauer hinzugezogen, die sich mit Dylan, einem geheimnisvollen Außenseiter-Jungen, konfrontiert sehen, dem "Herrn der Fliegen"... Der an den Roman William Goldings angelehnte Titel ist diesmal wörtlich zu nehmen und hat ansonsten nichts mit der literarischen Inspiration gemein. Vielmehr geht es in dieser comicartigen Episode um einen einsamen Jungen, der anders ist als die anderen und von den Machern der "Volltrottel-Show" gemobbt wird. Er besitzt die Gabe, Insekten zu steuern und hofft, so der Ex-Freundin des Toten näherzukomen, was zunächst zu gelingen scheint. Außenseiter-Romanze trifft auf "MTV JackAss"-Parodie, spezielle Make-up- und Masken-Effekte verzerrter Fratzen gehen einher mit beängstigendem schwarmartigen Verhalten der Insekten, das das FBI-Duo vor ein Rätsel stellt. Dr. Rocky Bronzino kommt als Experte hinzu, bringt das Thema der Pheromone ein und baggert permanent die ebenfalls hinzugestoßene Agentin Scully an, sorgt so für den gelungenen Humoranteil. Scullys Gesichtsausdruck ob seiner Avancen ist ebenso köstlich wie die Fähigkeiten Dylans faszinierend, die ausgeprägte tragische Note erinnert äußerst angenehm an Teenage-Horror jugendlicher Zielgruppe. Eine rundum gelungene Folge, die meinen Nerv nicht nur für Tier- und Kreaturen-Horror trifft und bisweilen an Stephen Kings "Schlafwandler" erinnert. 8/10
"Schattenmann (Trust No. 1)"
Staffel 9, Folge 6
Ein anonym bleibender Informant bietet den FBI-Agenten Doggett und Reyes an, die Identitäten der genmanipulierten Supersoldaten zu enthüllen - allerdings nur gegenüber Agent Mulder, der sich abgesetzt hat. Das Ermittler-Duo informiert Agent Scully darüber, die noch sporadischen E-Mail-Kontakt zu Mulder unterhält. Handelt es sich um eine große Chance oder um eine Falle? Nach einigem Zögern entscheidet sich Scully, den Kontakt zu Mulder zu vermitteln... Der Prolog dieser zur neuen Rahmenhandlung gehörenden Folge zeigt eine Unterredung Scullys mit ihrem Sohn, der angenehm philosophischer und romantischer, inspirierender Natur ist. Die eigentliche Handlung greift die emotionale Ebene, die Liebesbeziehung zwischen Scully und Mulder auf, die sich endlich duzen - zumindest in ihrer E-Mail-Korrespondenz. Wie üblich innerhalb der Rahmenmythologie geben sich wieder unterschiedliche Charaktere ein Stelldichein, die die Frage aufwerfen, inwieweit man ihnen trauen kann, was ihre wahren Beweggründe sind. Die heutzutage hinlänglich bekannten und bewiesenen Totalüberwachungsmöglichkeiten der NSA werden hier anschaulich demonstriert, ebenso die Skrupellosigkeit des Geheimdienstes und seiner Mitarbeiter, was der Folge einen nicht von der Hand zu weisenden Realitätsbezug verschafft. Die Handlung gipfelt schließlich in einem erstklassig inszenierten Showdown am Bahnhof und zieht die Spannungsschraube extrem an. Sie endet mit der zufälligen Entdeckung einer Möglichkeit, der Gefahr durch die Supersoldaten Herr zu werden. Auch wenn ich mit der Supersoldaten-Saga noch immer nicht ganz warm geworden bin, habe ich den Eindruck, dass man aus dieser Folge das Beste gemacht hat. Hervorzuheben ist, dass sie sowohl auf emotionaler, als auch auf autoritätskritischer sowie der Action- und Schauwerte-Ebene funktioniert und somit nie langweilig oder konfus wird. 7/10
"Desaparecido (John Doe)"
Staffel 9, Folge 7
FBI-Agent Doggett erwacht orientierungslos und unter Amnesie leidend in einer heruntergekommenen Gegend der mexikanischen Stadt San Gradura. Er weiß weder, wie er dorthin gekommen ist, noch, wie er heißt. Die örtliche Polizei steckt ihn ins Gefängnis, wo er den Ganoven Domingo kennenlernt. Dieser eröffnet Doggett, dass er nun ein "Desaparecido", ein "Verschwundener", sei. Er besorgt Doggetts Freilassung und will, dass er für ihn arbeitet. Doch Domingo ist ein Menschenschmuggler, der für das örtliche Mafiakartell arbeitet - und das geht skrupellos über Leichen... Einen tollen, dreckigen Look hat diese Folge, die die mexikanische Hitze spür- und den Straßendreck schmeckbar macht. Sie spielt mit der Urangst, eines morgens in einem fremden Land aufzuwachen und nicht mehr zu wissen, wer man ist, quasi ausgeliefert zu sein. Die komplett auf Doggett zugeschnittene Folge lässt ihn noch einmal Vaterfreuden und -trauer durchleben und bezieht ihre Spannung aus der Frage, wie er aus den Fängen des Kartells wieder herauskommt und sein Gedächtnis wiedererlangt. Zugleich kokettiert sie mit Doggetts Vergangenheit als Marine, der sich zudem auf die US-Behörden verlassen kann. Seine Härte, aber auch seine sensible und traurige Seite, seine Verletzlichkeit, werden gleichsam betont, bis die Folge an Action gewinnt und Schießereien sowie Stunts bietet. Einige starke Dialoge stellen Überzeugungen und Werte Angst und Zynismus gegenüber. Etwas enttäuschend fällt die Auflösung aus, denn als Ursache für Doggetts Amnesie greift man dann doch wieder auf Mystery-Elemente zurück, was dem Zuschauer einen gruseligen Charakter näherbringt, der jedoch leider nicht näher beleuchtet wird - ebensowenig der Umstand, wie Doggett letztlich sein Gedächtnis wiedererlangte. 7/10
"Häutungen (Hellbound)"
Staffel 9, Folge 8
Die Psychologin Dr. Lisa Holland arbeitet in Novi, Virginia mit ehemaligen Strafgefangenen, muss jedoch den Verlust zweier Mitglieder ihrer Therapiegruppe beklagen: Die Männer wurden bei lebendigem Leibe gehäutet! Die FBI-Agenten Doggett und Reyes untersuchen den Fall und stoßen dabei auf einige lange zurückreichende Gräueltaten ähnlicher Art... Eine der grausamsten Vorstellungen, nämlich bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen zu bekommen, wird hier vermengt mit dem Mystery-Thema der Reinkarnation. Und so unachgiebig hart und für manch Zuschauer geradezu unverdaulich die Bilder gehäuteter Opfer den Horror-, Ekel- und Schock-Faktor in die Höhe schnellen lassen, so vereinfacht wird das Thema der Reinkarnation abgehandelt, das Monica Reyes auf den Leib geschneidert wurde. Eine (glücklicherweise?) nicht allzu ernstzunehmende Folge, die einerseits sprichwörtlich unter die Haut geht, ansonsten aber eher oberflächlich bleibt - dabei jedoch als in sich abgeschlossene Horrorfolge gut funktioniert und für manch Alpträume vorm Zubettgehen gesorgt haben dürfte. 7/10
"Drohungen (Provenance)"
Staffel 9, Folge 9
Zwei Grenzposten beobachten einen illegalen Grenzübertritt an der US-kanadischen Grenze durch einen Motorradfahrer. Bei der Verfolungsjagd stürzt er in eine Schlucht und das Kraftrad geht in Flammen auf - doch der Mann ist verschwunden. Das FBI findet am Ort des Geschehens jedoch mysteriöse Abdrücke, ähnlich denen, die einst bei einem in Afrika abgestürzten Ufo gefunden worden waren. Obwohl Scully mit diesem Thema grundsätzlich vertraut ist, versuchen Assistant Director Skinner & Co., den Fall vor Scully, Doggett und Reyes geheimzuhalten... Zurück zur Rahmenmythologie, und zwar nicht zu der um die Supersoldaten, um die es jüngst verstärkt ging, sondern zu den Außerirdischen, die göttliches Wissen über die Menschheit zu haben scheinen. Diese Folge bringt all das mit Scullys Sohn William in Verbindung und zeigt, dass es in Kanada einen weiteren Ufo-Fund gegeben hat - und dass eine gefährliche Ufo-Sekte existiert, die es auf Scullys Kind abgesehen hat. Durchaus spannend und dabei weit weniger kryptisch als zeitweise zuvor wird die Handlung auf angenehme und sehr unterhaltsame Weise weitergesponnen, werden dramaturgisch wertvolle Eskalationspunkte gesetzt und Scullys Muttergefühle und Schutzinstinkte betont, bevor die Folge mit einem eine baldige Fortsetzung versprechenden Cliffhanger endet. Unverständlich erscheint aber, weshalb Skinner & Co. Scully und die Abteilung für X-Akten unbedingt heraushalten wollen, denn die gelieferte Erklärung erscheint nicht wirklich befriedigend, wenngleich sie für weitere Spannung sorgen soll. Ob Nebencharaktere wie Agent Follmer wieder bewusst verschlagen und undurchsichtig gezeichnet wurden und weiterhin ihre eigenen Ziele verfolgen, werden die nächsten Folgen zeigen. Ist dies nicht der Fall, ist es zumindest unglücklich, sie zunächst mit mimischer Fiesheit Scully, Doggett und Reyes auflaufen zu lassen, um später hehre Beweggründe zu offenbaren. Apropos, erneut starke Auftritte hat Agent Doggett, der Provokationen einer nervlich aufgekratzten Scully an sich abprallen lässt und sich über interne Vorschriften hinwegsetzt, um der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. 7/10
"Die Prophezeiung (Providence)"
Staffel 9, Folge 10
Scully bangt weiter um ihr entführtes Baby, doch es gelingt den FBI-Ermittlern, dem schwerverletzt im Krankenhaus liegenden Ex-FBI-Agenten Comer die Motive für seinen Mordversuch an William sowie Informationen über die Ideologie der Ufo-Sekte zu entlocken. Diese wiederum sieht sich nach kompletter Freilegung des kanadischen Ufos plötzlichen Aktivitäten desselben ausgesetzt. Zusammen mit den "einsamen Schützen" versuchen Scully und Reyes, William zu retten, während Doggett im Koma liegt, nachdem er von der Entführerin angefahren wurde... Der zweite Teil der Rahmenmythologie-Doppelfolge beginnt mit einem furchtbar pathetischen Prolog, der Sektenführer Josepho als Soldat im 1991er Golfkrieg zeigt, der Zeuge einer göttlichen Erscheinung wurde. Nach diesem Mumpitz spielen die offenbar heilenden Kräfte des Artefakts eine Rolle, doch dann überschlägt sich die Folge mit wenig nachvollziehbaren, schlecht konstruiert wirkenden Erklärungen und Verhaltensweisen: Josepho und seine Sekte glauben, die Außerirdischen wollen die Erde erobern und Wunderkind William würde mit ihnen zusammenarbeiten, außer sein Vater Mulder ist noch am leben und erzieht ihn dahingehend, dass er sich gegen die Außerirdischen wendet. Deshalb soll William nur am Leben bleiben, wenn Scully Josepho den Beweis erbringt, dass Mulder tot sei - ansonsten müsse William sterben. Comer wiederum will am liebsten beide tot sehen, William und Mulder, und mit den Supersoldaten wird das auch noch alles irgendwie in Verbindung zu bringen versucht. Was für ein Schwachsinn, bei dem das eigentlich Interessante, Faszinierende der Thematik, die Verquickung Außerirdischer mit Göttlichem nach Vorbild eines Erich von Däniken, geradezu unterzugehen zu droht. Ziemlich schnell hat es mit der Ufo-Sekte dann auch ein Ende, denn das Ufo beschließt kurzerhand, davonzufliegen und die Sektenmitglieder zu verbrennen. Dadurch kommt nun auch endlich einmal Scully in den zweifelhaften Genuss eines Ufo-Starts, William ist Wohlauf und dass Mulder bestimmt nicht tot sein wird, dürfte jedem Zuschauer klar sein. Eine enttäuschende, schwache Folge - unverständlich nach dem gelungenen ersten Teil der Doppelfolge. 4/10
"Audrey (Audrey Pauley)"
Staffel 9, Folge 11
Die FBI-Agenten John Doggett und Monica Reyes kommen sich näher, alles sieht nach dem Beginn einer großen Liebe aus - doch kurz darauf erleidet Reyes einen schweren Autounfall, liegt anschließend im Krankenhaus. Die erschütternde Diagnose: Hirntod. Doggett indes ist nicht bereit, ihren Tod zu akzeptieren und kämpft darum, dass die Maschinen nicht abgestellt werden. Monica befindet sich derweil in einer Art Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, aus der sie mit Hilfe der geheimnisvollen Audrey zurückzukehren versucht - während ihr behandelnder Arzt bereits auf ihre Organe spekuliert... Schon länger schien es zwischen Doggett und Reyes zu knistern, ihre Beziehung zueinander treibt nun also diese Folge voran, die ansonsten die verbreitete Angst vor skrupellosen Ärzten aufgreift, die einen im Zweifelsfalle lieber sterben lassen oder dem Tod gar nachhelfen, um die inneren Organe veräußern zu können. Damit ermutigt diese Folge sicherlich nicht, einen Organspendeausweis auszufüllen, versucht aber, mittels einen fast menschenleeren Krankenhauses die "Zwischenwelt" atmosphärisch beklemmend abzubilden. Das geht soweit in Ordnung, jedoch erscheint mir die Erklärung, warum sie so aussieht und welche Rolle die Pflegerin Audrey dabei spielt, etwas abstrus. Auffallend ist auch, dass ständig jemand der FBI-Ermittler im Koma liegt: jüngst Doggett, nun Reyes... Insgesamt eine leider nur durchschnittliche Folge. 5/10
"Der Mörder in mir (Underneath)"
Staffel 9, Folge 12
Hat der wegen mehrerer Morde einst von FBI-Agent Doggett und seinem Kollegen verhaftete Bob Fassl tatsächlich all die Jahre zu Unrecht im Gefängnis gesessen? Doggett bezweifelt dies und fällt aus allen Wolken, als er von Fassls Freilassung erfährt. Doch tatsächlich hat sein Kollege seinerzeit eine DNA-Probe gefälscht, weil er von Fassls Schuld überzeugt war, jedoch keine zwingenden Beweise vorlegen konnte. Aber wer ist der wahre Mörder, der sich als bärtiger Charles-Manson-Verschnitt herausstellt und in welcher Verbindung steht er zum unscheinbaren, schüchternen und verunsicherten Fassl? Agentin Reyes entwickelt eine Hypothese... Achtung, ich spoilere! Denn ohne darauf zu verweisen, dass es sich um den Fall einer gespaltenen Persönlichkeit handelt, kann ich kaum auf diese Folge eingehen. "Der Mörder in mir" betont einmal mehr Doggetts ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und krankt leider wie bereits einige Folgen zuvor daran, dass sie Reyes in Rekordgeschwindigkeit die abwägigsten Theorien aufstellen lässt, die sich schließlich bewahrheiten. Mit spannender Ermittlungsarbeit ist's da nicht mehr weit her. Zu überzeugen weiß die Rolle Bob Fassls, da dieser Kerl in erster Linie Mitleid erzeugt und man ihm kaum brutale Morde zutraut. Im Raum steht zunächst die Frage, was genau jeweils passiert, denn Fassl steht ohne Erinnerungen plötzlich mit der Mordwaffe in der Hand und/oder blutverschmiert da und sieht das jeweilige Opfer vor sich liegen - ein gelungener, beängstigender Effekt. Dass er als gläubiger Katholik sich seine Sünden nicht eingestehen kann und deshalb eine gespaltene Persönlichkeit entwickelt, klingt schon reichlich abstrus, dass er dabei auch noch, wie pseudowissenschaftlich erklärt wird, ein vollkommen neues Äußeres und gar eine abweichende DNA entwickelt, ist mir jedoch irgendwie zu doof, um es als Erklärung zu akzeptieren. Somit leider nur eine weitere durchschnittliche Folge, die aber immerhin am Rande die Frage aufwirft, ob es legitim ist, einen Mörder mittels Schummelei hinter Gittern zu bringen, wenn die Beweise nicht ausreichen. 5/10
"Sechs und neun (Improbable)"
Staffel 9, Folge 13
FBI-Agentin Monica Reyes ist davon überzeugt, dass eine ungeklärte Mordserie mit Numerologie in Verbindung steht, der Mörder nach einem numerischen Muster vorgeht. Es fällt ihr zunächst schwer, ihre Kollegen davon zu überzeugen, doch ist dies nicht der einzige Schlüssel zur Klärung des Falls: Ein mysteriöser fremder Spieler scheint über den Mörder Bescheid zu wissen... Eine der skurrilsten Folgen der Serie ist diese um Burt Reynolds in einer Rolle als namenlosem, aber allwissendem Spieler herumkonstruierte. Zu italienischen Chansons tanzt er singend durch die Straßen und hat einen Serienmörder durchschaut, provoziert ihn, verhilft letztlich den FBI-Agenten auf die richtige Spur. Wer genau er ist, wird jedoch nicht erörtert und bei aller Ungewöhnlichkeit vergisst man auch glatt, dem Mörder ein Motiv zu geben. So ist diese Folge gespickt mit viel Witz und sonorem Charme in sommerlichem, leichtfüßigem Ambiente, verfügt auch über Spannung und bietet Einblicke ins Themengebiet der Numerologie, wirkt aber auch wie ein Insider-Gag, den ich nicht ganz verstanden habe. 7/10
"Unter dem Bett (Scary Monsters)"
Staffel 9, Folge 14
Der kleine Tommy wähnt Monster unter seinem Bett, trotzdem schließt ihn sein Vater im Zimmer ein. Als sich seine Mutter mit 16 Messerstichen in den Bauch selbst umbringt, alarmiert FBI-Agentin Leyla Harrison die Abteilung für X-Akten. Nach anfänglicher Skepsis sind auch Reyes und Doggett davon überzeugt, dass dort etwas ganz und gar nicht stimmt, geraten jedoch kurz darauf selbst in größte Gefahr. Der Schlüssel dazu: Die leb- und boshafte Phantasie des Jungen... Diese Folge greift auf Mulder-und-Scully-Fan Agent Harrison zurück, die erneut für den Humor zuständig ist, der hier aber eher unpassend erscheint und mit der düsteren Stimmung kollidiert, die bereits im Prolog erfolgreich erzeugt wird und sich anhand des Gruselkinds Tommy fortsetzt. Scheint es sich zunächst um die klassischen Monster unterm Bett zu drehen (die hier übrigens leider via CGI umgesetzt wurden), nimmt die Folge einen anderen Verlauf und bezieht Spannung daraus, dass sie den Zuschauer lange im Dunkeln tappen lässt. Weiterführende Erklärungen für Tommys spezielle Fähigkeiten bekommt man keine geliefert, dafür einige nette Spezialeffekte. Die Folge sprüht vor Potential, doch hätte man es gern weiter ausschöpfen können. 6/10
"Helden (Jump The Shark)"
Staffel 9, Folge 15
Ex-Geheimdienstmitarbeiter Morris Fletcher sucht den Schutz des FBIs, genauer: der X-Akten-Agenten Doggett und Reyes, weil er fürchtet, dass man es auf ihn abgesehen habe und ihn umbringen wolle. Im Gegenzug bietet er an, bei der Ergreifung der Supersoldatin Yves Adele behilflich zu sein. Da Adele früher eine berüchtigte Hackerin war, die mit den "einsamen Schützen" in Kontakt stand, werden eben diese hinzugezogen. Byers, Langley und Frohike misstrauen Fletcher aber und ermitteln auf eigene Faust. Tatsächlich gelingt es, Adele ausfindig zu machen, doch gibt sie an, mit ihren Morden lediglich biologische Kampfstoffe unschädlich zu machen... Um es vorwegzunehmen: Diese Folge endet mit dem "Heldentod" der "einsamen Schützen". Dies ist ein schwieriges Unterfangen, da das Hacker- und Nerd-Trio stets Humor in die Serie einbrachte und sich allein schon deshalb wenig eignet, um eine solch ernste Thematik wie den eigenen Tod zu behandeln. Insofern erscheint es mir wenig sinnvoll, diese Idee überhaupt zu verwirklichen. So krankt diese Folge an vielem: Das beginnt damit, dass ihnen Abenteuer angedichtet werden, die innerhalb der regulären Serie überhaupt nicht vorkamen, geht darin über, dass nun wirklich alles ins Lächerliche gezogen und eine unglaubwürdige, bemühte Handlung entsponnen wird und endet mit dem unnötigen Tod der drei, der ebenfalls wie ein schlechter Witz wirkt. Die bereits beim ersten Aufeinandertreffen mit Fletcher zelebrierten Dialogschlachten werden noch einmal aufgewärmt, auf die Schnelle neue Charaktere eingeführt und die Hacker als verarmte Idealisten dargestellt, die sich nun mit vorsinntflutlichem Equipment herumschlagen müssen. Auf der Habenseite kann ich lediglich die Ehrerbietung an Punkrock-Sänger Joey Ramone verbuchen, ansonsten ist diese Folge ein kompletter Schlag in Wasser, der der bisherigen Rolle des Trios nicht im Mindesten gerecht wird. 3/10
"Zum Wohle des Kindes (William)"
Staffel 9, Folge 16
Ein mysteriöser Mann unbekannter Identität, entstellt von Brandnarben, wühlt in den X-Akten und setzt sich zur Wehr, als er von Agent Doggett überrascht wird. Ein DNS-Test sowie seine umfangreiche Kenntnis über die Außerirdischen-Verschwörung legen nahe, dass es sich um Agent Mulder handele, doch Agentin Scully bleibt misstrauisch und identifiziert ihn schließlich als Mulders Halbbruder Jeffrey Spender, der totgeglaubt war, nachdem sein Vater auf ihn geschossen hatte. Sein gesteigertes Interesse an Scullys Sohn William rührt daher, dass er ihm eine Injektion verabreicht, die ihm seine übermenschlichen Fähigkeiten nimmt und damit uninteressant für die Außerirdischen macht... "Fertig werden!", meint man es am Produktionsset hallen zu hören, denn die Serie neigt sich ihrem Ende entgegen und so hat es den Anschein, dass die Handlungsstränge überhastet abgeschlossen werden. Immer willkürlicher erscheint die Serie dabei auf ihren letzten Metern, denn jemanden auszugraben, dem aus nächster Nähe in den Kopf geschossen wurde und als noch lebendig zu präsentieren, ohne dass man zwischenzeitlich je wieder von ihm gehört hätte, ist eine denkbar schlechte Idee. Das Verwirrspiel um seine Identität will auch nicht so recht funktionieren, denn dass es sich nicht um Mulder handelt, ist eigentlich klar. Woher plötzlich diese Lösung kommt, die William seine Fähigkeiten nimmt, wird ebensowenig hinterfragt und insgesamt wirkt diese Maßnahme reichlich plump. Zu allem Überfluss gibt Scully nun auch noch ihr Kind mir nichts, dir nichts zur Adoption frei, weil sie es bei einer anderen Familie in Sicherheit wähnt. Nachvollziehbar ist das alles nicht und die Folge somit eine ziemliche Enttäuschung. 4/10
"Erlösung (Release)"
Staffel 9, Folge 17
Agent Doggett findet eine eingemauerte Frauenleiche. Der junge FBI-Kadett Rudolph Hayes analysiert die sterblichen Überreste überraschend scharfsinnig und bringt den Mörder mit dem noch immer ungeklärten Mord an Doggetts Sohn in Verbindung. Die Spur führt ins Mafiamillieu zu Nicholas Regali. Doch ist er wirklich der Mörder? Hayes ist nämlich nicht der, der er zunächst vorgab zu sein, sondern ein Schizophrener, der längere Zeit in einer Klinik untergebracht war... Zum Ende der Serie wird nun also auch endlich der Mord an Doggetts Sohn aufgeklärt, mit der Hilfe eines von ungeklärten Mordfällen besessenen Schizophrenen, wobei stets fraglich bleibt, woher dieser all seine Informationen nimmt - als einzige, notdürftige Erklärung muss seine Schizophrenie herhalten. Das ist etwas dünn, interessanter sind da schon die Verwicklungen Agent Follmers mit Regali sowie die Dialoge zwischen Doggett und dem Verdächtigen. Dass sich dieser letztlich als der tatsächliche Täter herausstellt, will nur leider nicht so recht zu dessen Rolle passen und eine "normale" "Akte X"-Folge hätte sicherlich wieder einen offenen Ausgang gehabt. Dank des guten Schauspiels Robert Patricks und des weitestgehend sensiblen Umgangs mit der traurigen Thematik geht die Folge dennoch halbwegs in Ordnung. 5,5/10
"Die perfekte Familie (Sunshine Days)"
Staffel 9, Folge 18
In Van Nuys, Kalifornien, fiel einem Pizzalieferanten ein Haus auf, das von innen wie das Brady-Haus aus der Heile-Welt-Familienserie "Drei Mädchen und drei Jungen" aussieht. Zusammen mit einem Kumpel dringt er in das offenstehende Gebäude ein, kommt dabei jedoch unter mysteriösen Umständen ums Leben: Er wird durch das Dach des Hauses geschleudert. Nachdem die FBI-Agenten Doggett und Reyes die Ermittlungen aufgenommen haben und Scully die Leiche des Jungen obduziert, kommt auch dessen Freund ums Leben, als er erneut das "Brady-Haus" betritt - das seltsamerweise vollkommen anders aussah, als die Agenten es betraten. Der Schlüssel zum Phänomen ist der Bewohner Oliver Martin alias Anthony Fogelman, der über besonders ausgeprägte psychokinetische Fähigkeiten verfügt, die er nur schwerlich kontrollieren kann und ihn selbst in Lebensgefahr bringen... Die vorletzte Folge der Serie scheint zunächst eine komödiantische, für sich selbst stehende zu sein, die einen einsamen Sonderling sich seine eigene, aus dem US-Kitsch-TV entlehnte Welt schaffen lässt. Oliver Martin kann sämtliche physikalischen Kräfte außer Kraft setzen, was auch Doggett am eigenen Leib in einer bizarren Szene erfahren muss. Der Tonfall der Serie ändert sich jedoch alsbald, als man Martin vielmehr als Opfer denn als Täter zu betrachten beginnt und ihm helfen will, es zu einem Wiedersehen und einer Versöhnung mit seinem alten (Para-)Psychologen Dr. Reitz kommt und man seitens des FBI die Chance ergreifen möchte, mit Martins Fähigkeiten an die Öffentlichkeit zu gehen, um endlich einen unumstößlichen Beweis für das Paranormale zu präsentieren und die Relevanz der Arbeit an den X-Akten zu unterstreichen. Mit letzterem schlägt die Folge einen Bogen zur Rahmenhandlung, jedoch löst sich die Folge in dann ebenfalls kitschigem und rührseligem Wohlgefallen auf. 5/10
"Die Wahrheit (The Truth)"
Staffel 9, Folge 19
Mulder gibt sein Versteck auf und dringt in den geheimen Militärstützpunkt Mount Weaver ein, wo er vom Supersoldaten Rohrer entdeckt und verfolgt wird. Es kommt zu einem Kampf um Leben und Tod, den Mulder für sich entscheiden kann. Jedoch wird er gefasst, inhaftiert, drangsaliert, gefoltert und gefügig gemacht. Die FBI-Agenten Skinner und Scully suchen Mulder in seiner Zelle auf und können bewirken, dass er sich vor einem Militärgericht unter Leitung Alvin Kershs verantworten darf. Skinner fungiert als Mulders Anwalt und unter Anwesenheit der aktuellen X-Akten-Beauftragten Doggett und Reyes wird im Prozess die gesamte Außerirdischen-Verschwörung noch einmal aufgerollt. Doch es sieht nicht gut für Mulder aus, denn man glaubt ihm kein Wort bzw. erkennt in diesem abgekarteten Spiel keinerlei Beweise an. Für seinen vermeintlichen Mord an einem Militärangehörigen soll er mit dem Tod durch die Giftspritze bestraft werden... Diese Episode in doppelter Länge bildet den vorläufigen Abschluss der Serie und ist grob in drei Abschnitte aufgeteilt: Mulders Einsatz in Mount Weaver und seine Inhaftierung, der ausgedehnte Gerichtsprozess sowie die erneute Flucht. Nachdem der Einstieg unmenschliche Psychoterror- und Folter-Methoden des US-Militärs zeigt, aber auch Mulder wieder mit Scully zusammenführt, macht den Hauptteil der Doppelfolge der Prozess auf, in dem die ja viele Haken geschlagen habende und oftmals verwirrende, komplexe Rahmenmythologie einmal sehr verständlich aufgedröselt wird. Unter den Zeugen gibt es ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, die relevant für die Entwicklung der Rahmenhandlung waren, selbst Tote wie die "einsamen Schützen" bekommen als Visionen Mulders noch einmal ihre Auftritte; ferner wird mit einigen Rückblenden gearbeitet. Undurchsichtig bleibt dabei noch immer die Rolle Kershs, im Großen und Ganzen aber handelt es sich um eine angenehme Zusammenfassung und Aufarbeitung der wichtigsten Eckpunkte der vorausgegangenen Ereignisse, die für manch frühere Verwirrung entschuldigt. Alles scheint irgendwie Sinn zu ergeben, wenngleich Agent Mulder wie ein Häufchen Elend vor den Trümmern seiner Existenz sitzt. Nach seiner Verurteilung wird die finale Wendung eingeläutet: Seine Flucht gelingt, Kersh scheint pessimistisch, aber auf Mulders Seite und empfiehlt die Flucht über Kanada. Stattdessen geht es gen Süden, in die Wüste bei Texas und New Mexico. In einem Anasazi-Dorf treffen sie auf den totgeglaubten "Raucher" CGB Spender, der hier wie ein indianischer Einsiedler lebt und als "Wahrheit" die Alien-Invasion auf den 22.12.2012, das Ende des Maya-Kalenders, datiert - womit die Serie final an eine seinerzeit verbreitete Weltuntergangstheorie anknüpft. Das Finale wird infernal und bietet Raum für Action und Explosionen, bevor sich Scully und Mulder im Epilog wiederfinden. Alles in allem ein würdiger Abschluss einer großen Serie, der die vielen Fäden der Mythologie aufgreift und zu einem befriedigenden Ganzen zusammenstrickt, ohne dass es jedoch - von CGB Spenders Auftritt einmal abgesehen - zur ganz großen Überraschung kommen würde. Ganz im Stil der Serie bleibt das Ende offen, wird die paranoide Bedrohung aufrecht erhalten. Somit bleibt man letztlich aber konsequent und bot den Fans noch einmal ein Stelldichein von vielem, was die Serie ausgemacht hat. Ein versöhnliches vorläufiges Ende nach einigen enttäuschenden Folgen und Entwicklungen gerade dieser letzten Staffel. 7,5/10