Review

Staffel 2

"Kontakt (Little Green Men)"
Staffel 2, Folge 1

Nachdem die X-Akten geschlossen worden sind, werden die FBI-Agenten Mulder und Scully anderweitig eingesetzt: Scully arbeitet wieder als Gerichtmedizinerin, Mulder ist mit dem Abhördienst, genauer: der Observation von Bankräubern u.ä. betraut. Doch eines Tages wird Mulder zu Senator Richard Matheson gerufen, der ihm im Geheimen den Tipp gibt, das SETI-Projekt in Puerto Rico zu untersuchen, das möglicherweise außerirdische Signale empfange. Mulder begibt sich unautorisiert auf die Reise... Der Beginn der zweiten Staffel bietet eine neue Ausgangssituation: Mulder und Scully haben nichts mehr miteinander zu tun und Mulder macht einen paranoiden Eindruck, trifft sich nur konspirativ mit Scully zu einem ersten Gespräch nach offenbar längerer Zeit. Den Prolog bestreitet Mulder aus dem Off, als er über Vergangenes sinniert und die Voyager-Mission, die Informationen für eventuelle außerirdische Intelligenzen bereithält, erläutert - wodurch die Serie einmal mehr die Realität in ihre Rahmenhandlung einbezieht. In einer Rückblende, einer verfilmten Erinnerung Mulders, bekommt man erstmals detailliertere Bilder der Entführung seiner Schwester zu sehen. Nach all diesen einführenden Maßnahmen, die den Zuschauer nach der Staffelpause wieder ins Thema holen, entspinnt sich in Puerto Rico die eigentliche, spannende Handlung. Ein Einheimischer hatte anscheinend Kontakt mit Außerirdischen und erschrickt schließlich zu Tode. Auch Mulder wird eine solche Begegnung zuteil, die nur schemenhaft zu erkennen ist und nach der er aus einer Ohnmacht erwacht. Dies ist der Punkt, an dem Scully aktiv eingreift. Sie findet Mulder und prompt geraten beide in Lebensgefahr, werden verfolgt und entkommen nur knapp der Militärpolizei. Ohne viel zu zeigen spielt die Serie ihre Markenzeichen aus und wirft Fragen auf. Beim anschließenden, einem Epilog gleichkommenden Rapport beim Vorgesetzten Skinner können diese natürlich nicht abschließend geklärt werden, doch in Anwesenheit des geheimnisvollen "Rauchers" erfährt Skinner durch Mulder von illegalen Abhöraktionen. Skinner scheint überrascht und es kommt erstmals zu einem Konflikt zwischen dem "Raucher" und ihm, er verweist ihn schließlich des Büros - womit die Serie erste Hinweise streut, dass Skinner nicht zwingend Beteiligter der Verschwörung ist. Dass erneut alle Beweise zunichte sind, lässt sämtliche Entwicklungsmöglichkeiten für die Fortführung der Rahmenhandlung offen. Eine gute, wenn auch nicht gänzlich ausgefeilte Episode und ein willkommenes Wiedersehen mit den Charakteren, die die Serie zu diesem Zeitpunkt ausmachen. 7/10

"Der Parasit (The Host)"
Staffel 2, Folge 2

Die Besatzung eines russischen Schiffs wird mit einem merkwürdigen Wesen konfrontiert, kurz darauf wird in der Kanalisation eine Leiche angeschwemmt. Agentin Scullys Obduktion des Toten fördert einen unbekannten Parasiten zutage... "Monster of the Week" ist diesmal ein fischähnliches Wesen, ein Parasit von "beinahe primatischer Physis", der optisch ein wenig an den "Schrecken vom Amazonas" erinnert, mit ihm ansonsten aber nicht viel gemein hat. Der Prolog wird aufgewandt für das russische Schiff und seine Begegnung mit dem Wesen, nach dem Vorspann wird der Zuschauer unmittelbar mit den unappetitlichen Bildern des Leichenfunds in der Kanalisation konfrontiert. Diesen nimmt Assistant Director Skinner zum Anlass, Agent Mulder von den Abhörmaßnahmen abzuziehen und ihm diesem Fall zuzuweisen - wodurch sich Mulder abermals bestraft wähnt, die "X-Akten"-Relevanz des Falls zunächst nicht erkennend. Dadurch, dass Scully die Obduktion vornimmt, arbeitet er jedoch wieder mit ihr zusammen, also fast wie zu Zeiten der noch bestehenden Abteilung. Ein gelungener Schockmoment ist es, als Scully einen wurmartigen Parasiten in der Leiche entdeckt und wenig magenschonend wird's, wenn der Kanalarbeiter mit seiner beunruhigend großen Bisswunde unter der Dusche einen eben solchen Parasitenwurm herauswürgt (was durchaus ein wenig an Cronenberg erinnert). Das Creature Design der ausgewachsenen Kreatur kann sich ebenfalls sehr gut sehen lassen und die Folge tendiert bald eindeutig in Richtung Öko-Horror, wenn radioaktive Strahlung als Erklärungsversuch herhält und beide Teile des Agenten-Duos gegen Ende nachdenklich stimmende Worte in den Mund gelegt bekommen. Im Gegensatz zu anderen "Monster of the Week"-Folgen streift diese auch die Rahmenhandlung und so bekommt Mulder einen mysteriösen Anruf, er habe einen Freund beim FBI und Scully einen weiterführenden Zeitungsartikel zugeschoben. Eine starke Episode in bester Manier! 8/10

"Blut (Blood)"
Staffel 2, Folge 3

In einer Kleinstadt im US-Staat Pennsylvania, die normalerweise eine überaus niedrige Kriminalitätsrate aufweist, schnellt diese plötzlich nach oben, als immer wieder bisher vollkommen unauffällige Bürger durchdrehen und zu Mördern werden. FBI-Agent Mulder untersucht diese Fälle, kann jedoch kein Täterprofil erstellen. Zusammen mit Agentin Scully kommt er einem illegalen Pestizid auf die Spur... Nach einem Prolog, der zunächst noch so etwas wie einen sozialpsychologischen Hintergrund vermuten lässt (ein frisch Entlassener läuft Amok), bekommt man mittels Mulder Einblicke in die Arbeitsweise von Profilern und steht ebenso wie die örtliche Polizei und das FBI vor einem Rätsel. Als Wissensvorsprung genießt man den Umstand, dass alle Mörder kurz vor ihren Taten auf verschiedensten Elektrogeräten Aufforderungen zum Töten gelesen haben. Für Spannung ist also gesorgt, bis sich des Rätsels Lösung als illegal, doch von Regierungskreisen abgesegnet und experimentell versprühtes Pestizid entpuppt, dessen Wirkung ähnlich wie die von LSD vorhandene paranoide Ängste bei denjenigen schürt, die damit in Verbindung gekommen sind. Auf dem Weg dorthin begegnen wir Menschen als tickende Zeitbomben in Alltagssituationen, die sich zu Extremsituationen entwickeln. Wie sich diese Momente immer weiter zuspitzen, wurde fiebrig bis hysterisch umgesetzt und führt zu gelungenen Suspense-Szenen. Reale Fälle, in denen normale Bevölkerung als Versuchskaninchen missbraucht wird, werden thematisiert und kritisiert, Mulders Nerd-Freunde bekommen einen weiteren Auftritt und die Dialoge verfügen über manch Witz. Unklar bleibt leider, wie die Übermittlung von nur von den ausgewählten Empfängern sichtbaren Botschaften auf Elektrogeräte funktioniert haben soll, dafür punktet die Folge aber immer mal wieder mit der Ungewissheit, inwieweit Mulder möglicherweise selbst betroffen ist. 7/10

"Schlaflos (Sleepless)"
Staffel 2, Folge 4

Wissenschaftler Dr. Grissom verbrennt bei lebendigem Leibe in seinem Hotelzimmer, obwohl es gar kein Feuer gab - anscheinend hat nur er es zu sehen und spüren geglaubt, woraufhin sein Körper mit Verbrennungssymptomen reagierte. FBI-Agent Mulders neuer Informant macht ihn auf den Fall aufmerksam. Mit Alex Krycek bekommt Mulder einen neuen Partner an die Seite gestellt. Gemeinsam führt sie die Spur zu einem geheimgehaltenen medizinischen Projekt des US-Militärs, das für den Krieg gegen Vietnam Supersoldaten zu generieren versuchte, die ohne Schlaf auskommen - während es zu weiteren mysteriösen Todesfällen kommt... Diese Mystery-Horror-Folge zeigt im Prolog den Tod Dr. Grissoms aus dessen Perspektive - also inkl. des Zimmerbrands. Anschließend macht auch diese Folge keinen Hehl aus der militärkritischen Ausrichtung der Serie, wenn sie offen menschenverachtende Experimente an den eigenen Soldaten thematisiert und Kriegsverbrechen anspricht. Die Gehirne einer Spezialeinheit derart zu manipulieren, dass sie keinen Schlaf mehr benötigen, ist natürlich in den Bereich der Science-Fiction zu verordnen, bietet der Handlung jedoch genügend Raum, um die Horrorvorstellung von ohne Schlaf auskommen müssenden Menschen zu entwickeln, die mit dicken Ringen unter den Augen ihre Kriegstraumata, die Schuld, sie sich auf sich geladen haben, als sie zu unmenschlichen Bestien mutiert waren, zu verarbeiten versuchen. Einer von ihnen, aufgrund seiner Bibelkunde "Preacher" genannt, hat seinen ganz eigenen Umgang damit entwickelt: Er nutzt seine Fähigkeit, stärkste Visionen auszulösen, die die Täter von damals ins Grab bringen. Diese Selbstjustiz wird gekleidet in horrible Bilder und eine beklemmende, katerhafte Stimmung, die bei den ehemaligen Soldaten vorherrscht. Agentin Scully unterstützt Mulder erneut als Pathologin. Was diese Episode eine Schlüsselrolle innerhalb der Serie einnehmen lässt, ist aber die Einführung sowohl Alex Cryceks als auch des neuen Informanten Mulders. Nach einem aufregenden Showdown zeigt der Epilog Cryceks wahres Gesicht und wird Scully erstmals gegenüber hohen Herren als Gefahr benannt. Eine an starken, faszinierenden und abstoßenden Charakteren reiche Folge, die neben ihrer Aussagekraft auch mit einer fantastischen Kameraarbeit zu begeistern weiß und deshalb zu meinen Favoriten zählt! 8,5/10

"Unter Kontrolle (Duane Barry (1))"
Staffel 2, Folge 5

Der ehemalige FBI-Agent Duane Barry bricht aus der Nervenheilanstalt aus, in der er seit Jahren aufgrund seiner Paranoia einsitzt: Er glaubt, von Außerirdischen entführt worden zu sein und ahnt, dass sie es wieder auf ihn abgesehen haben. Er nimmt seinen behandelnden Arzt Dr. Hakkie als Geisel und verschanzt sich mit weiteren Geiseln in einem Reisebüro. Zwar hat Agent Mulder noch nie mit Geiselnehmern verhandelt, wird aber dennoch aufgrund seines Wissens über vorgebliche Ufo-Entführungsopfer hinzugezogen, während Agentin Scully in Washington bleibt und weitere Informationen über Barry einholt. Als Mulder bereits das Reisebüro betreten hat, erfährt er von der nachgereisten Scully, dass Barry seit einem Kopfschuss unter Schizophrenie leidet und unberechenbar ist... Diese klassische Folge der Rahmenmythologie, die sich um Mulders Lieblingsthema, der Entführung durch Außerirdische, dreht, dokumentiert einerseits in Krimi-Manier die schwierige und gefährliche Arbeit mit Geiselnehmern und gewinnt an Spannung, als Mulder sich "in die Höhle des Löwen" begibt, präsentiert andererseits beunruhigende Bilder von Barrys Entführung und den Experimenten, die angeblich an ihm durchgeführt worden sind. Der besondere Clou jedoch sind die gleich mehrfachen Wendungen innerhalb der Handlung, die zunächst am Wahrheitsgehalt von Barrys Ausführungen zweifeln lassen, ihn dann jedoch wieder glaubwürdig erscheinen lassen, als Scully tatsächlich die beschriebenen Implantate findet. Doch damit nicht genug, der Cliffhanger zum zweiten Teil der Doppelfolge wird eingeläutet durch eine weitere Entführung, jedoch nicht durch Außerirdische... Ein rundum gelungener, mit einigen Überraschungen gespickter Beitrag zur Rahmenhandlung, der lediglich etwas zu viel Zeit für Barrys Geiselnahme aufwendet. 7/10

"Seilbahn zu den Sternen (Duane Barry (2): Ascension)"
Staffel 2, Folge 6

Nach Scullys Entführung durch den flüchtigen Psychiatriepatienten Duane Barry verfolgen die FBI-Agenten Mulder und Krycek den Kidnapper, dessen Spur auf einen hohen Berg führt, der nur per Seilbahn zu erreichen ist. Mulder findet Barry, doch von Scully keine Spur: Sie sei anstelle seiner von Außeridischen entführt worden, insistiert Barry. Beim anschließenden Verhör verstirbt er während einer Pause plötzlich. Des Mordes verdächtig: Krycek, der ein falsches Spiel treibt und offenbar vom mysteriösen "Raucher" beauftragt wurde... Der zweite Teil der Doppelfolge bietet an Schauwerten schwindelerregende Seilbahnstunts und Bilder von Scullys Entführung durch Aliens, von der man nicht weiß, ob sie wirklich stattgefunden hat oder Barry sie nur zu sehen glaubte, evtl. gar bewusst schwindelt. Überlieferungen zufolge war Scully-Darstellerin Gillian Andersons Schwangerschaft ausschlaggebend für diesen Schritt, die Integration in die Rahmenhandlung der Serie erfolgte indes optimal. So muss sich Mulder mit einem aalglatten Krycek plagen, der gleich mehrmals über Leichen geht und werden dessen Unterredungen mit dem "Raucher" gezeigt, von dem man noch immer nicht weiß, welches Ziel genau er verfolgt - doch man als Zuschauer immer neugieriger wird. Assistant Director Skinner steht zwischen Baum und Borke, seine Rolle ist die personifizierte Ambivalenz. Er schließt die Episode jedoch mit einem Paukenschlag, indem er die X-Akten wieder öffnen lässt, was auf viele weitere spannende Folgen hoffen lässt. 7,5/10

"Drei (3)"
Staffel 2, Folge 7

Ausgerechnet jetzt, da die X-Akten wieder geöffnet werden, steht FBI-Agent Mulder ohne Partner da: Scully und Krycek sind verschwunden, letzterer hat sich gar als Verräter und Mörder entpuppt. Einen Mordfall in Los Angeles aber identifiziert er als Tat eines mysteriösen Trios, dessen Handschrift er wiedererkennt: Es wird das Blut der Opfer getrunken. Für gewöhnlich folgen jeweils drei Morde kurz aufeinander und so nimmt Mulder die Ermittlungen auf, die ihn in den "Klub Tepes" führen - einen Vampirclub... Die erste richtige Vampirfolge der Serie erweist sich nach einem sehr stilsicheren Prolog leider als ziemlicher Rohrkrepierer. Mulder lässt den örtlichen Sherrif reichlich blöd aussehen, als er mit seinem Wissen auftrumpft und erliegt dem Charme der attraktiven Kristen, die Verbindungen zum Vampir-Trio hat. So recht ins Serienkonzept passen will diese Episode nicht, die eher unspektakulär vor sich dümpelt und es nicht schafft, Faszination für die morderne Blutsauger-Variante zu wecken - dafür aber Mulder und Kristen sich sexuell nahekommen lässt. Die Dramaturgie ist nicht sonderlich gut getimt und die Atmosphäre dröge. Manch Dialog zeigt, dass man sich offenbar gern tiefgründiger gegeben hätte, als es letztlich gelungen ist - was zudem leider auf Kosten von Esprit und Charakter geht. Eine enttäuschend durchschnittliche Folge. 5/10

"An der Grenze (One Breath)"
Staffel 2, Folge 8

Scully lebt! Aber kann man das wirklich Leben nennen? Nachdem sie auf mysteriöse, nicht nachvollziehbare Weise in ein Washingtoner Krankenhaus eingeliefert wurde, liegt sie im Koma und wird nur noch von Maschinen am Leben erhalten, schwebt zudem in akuter Lebensgefahr. Welche Rolle spielen der geheimnisvolle Informant "Mister X" und der sinistere "Raucher" dabei? Als auch Mulders Freunde, die "einsamen Schützen", ihm nicht weiterhelfen können, sucht er wutentbrannt den Nikotiniker auf... Wie selten zuvor überschlagen sich die Ereignisse dieses Beitrags zur Rahmenmythologie, der zu einem Wechselbad der Gefühle für Mulder und Scullys Familie wird. Hatte man zu Beginn die Hoffnung schon fast aufgegeben, taucht Scully plötzlich wieder auf, ist aber nicht ansprechbar und muss bald wieder um ihr Leben bangen. Dies nutzt die Folge, um weitere Einblicke in Scullys Familie zu gewähren und Scullys Koma-Zustand anhand einer ebenso simplen wie effektiven Metapher zu skizzieren: Scully liegt auf einem Boot im Wasser, nicht weit vom Ufer entfernt, doch regungslos, unfähig, das Boot zu steuern. Diese ruhigen Szenen stehen im krassen Gegensatz zu Mulders emotionaler Aufgewühltheit und Wut, die ihn in Konflikt mit seinem Informanten geraten lässt, der wie üblich vornehmlich in Rätseln spricht. Überraschend exekutiert dieser jedoch regelrecht in schockierender Kaltschnäuzigkeit einen Delinquenten vor den Augen Mulders, welcher sich wiederum mit einem hilflosen Vorgesetzten Skinner konfrontiert sieht. Beim Zusammentreffen Mulders mit dem "Raucher" droht die Situation endgültig zu eskalieren, denn Mulder ist kurz davor, ihn zu erschießen - einer von mehreren möglichen Wendepunkten der Serie, die jeweils den Verdacht nahelegen, dass diesmal schwerwiegendste Entscheidungen für die weitere Entwicklung der Handlung getroffen werden. Ausnahmsweise gelingt es auch einmal, Mulders Nerd-Freunde weitestgehend humorlos darzustellen, wodurch die angespannte Atmosphäre der Folge erhalten bleibt. Zu allem Überfluss entpuppt sich Scullys Pflegerin als eine dem Krankenhaus völlig unbekannte Person. Eine intensive, aufwühlende, äußerst rätselhafte Episode, die dem Publikum Scully zurückbringt und viele neue Fragen aufwirft. 8/10

"Der Vulkan (Firewalker)"
Staffel 2, Folge 9

Ein Vulkanforschungsroboter versagt seinen Dienst und ein menschlicher Vulkanologe verschwindet, sein Kontakt zur Basis bricht ab. Der Verdacht fällt auf eine unbekannte Lebensform im Inneren des Vulkans. Die FBI-Agenten Mulder und Scully werden zum Vulkan gerufen, wo das Forschungsteam sie alles andere als freundlich empfängt. Der Grund: Teile von ihnen sind mit dem Organismus, einem gefährlichen Pilz, infiziert - und die Agenten geraten einmal mehr in Lebensgefahr... Dass große Teile der Meere noch unerforscht sind, ist bekannt. Dass dies auch für tiefe Höhlen wie Vulkane u.ä. gilt, dürften weit weniger Menschen wissen und wird zum Aufhänger dieser Folge, die einen aggressiven, sich auf Silizium- statt Kohlenstoff-Basis entwickelnden Pilz als Gegner wählt, der schleichend Besitz von den Menschen ergreift, seine Sporen weiter streuen will und damit für Misstrauen und Paranoia untereinander sorgt - womit "Der Vulkan" vom Aufbau her stark an die Episode "Eis" respektive John Carpenters Science-Fiction-Horrorklassiker "Das Ding aus einer anderen Welt" erinnert. Insofern Altbekanntes bzw. Bewährtes in neuem Ambiente, etwas überraschungsarm, aber mit einigen derben Spezialeffekten aus den Menschen brechender Pilze und unappetitlicher Make-up-Kunst versehen. Als Öko-Horror-Folge sehr solide und ansprechend umgesetzt, wenngleich "Eis" der stärkere Beitrag zu diesem Konzept war. 7/10

"Rotes Museum (Red Museum)"
Staffel 2, Folge 10

In einem Rinderfarm-Gebiet in Wisconsin werden immer wieder verwirrte Jugendliche in Unterwäsche aufgegriffen, die "He (bzw. "She") is One" auf dem Rücken gekritzelt haben und sich nicht daran erinnern können, wie sie in diese Situation gerieten. Die FBI-Agenten Mulder und Scully übernehmen den Fall und werden zunächst mit einer merkwürdigen Vegetarier-Sekte, der "Kirche des Roten Museums", konfrontiert, die die Rinderzucht radikal ablehnt und damit Zorn und Misstrauen der Landbevölkerung auf sich zieht... Diese überaus räselhafte Folge schlägt mehrere Haken und knüpft schließlich überraschend an die Rahmenmythologie an, als sich herausstellt, dass das Fleisch der Rinder vergiftet wird, um die Jugendlichen für Experimente mit außerirdischer DNS zu missbrauchen. Die Darstellung der Vegetarier als in alberner Verkleidung herumlaufende Fanatiker ist dabei sicherlich etwas sehr übertrieben, der hergestellte Bezug zum Verschwörungsmitglied, das Mulders Informanten aus der ersten Staffel ermordet hat, hingegen weiß ebenso zu gefallen wie der sich kritisch mit Massentierhaltung und Medikamentenmissbrauch in der Nutztierzucht auseinandersetzende Subtext. Jedoch bleiben viele Fragen unbeantwortet und wirkt manches etwas an den Haaren herbeigezogen. Überlieferungen zufolge war diese Episode ursprünglich als Doppelfolge und Crossover mit "Picket Fences" geplant, was dies erklären könnte. Dennoch gehobene, spannende Mystery-Science-Fiction-Unterhaltung mit Aussagekraft. 7/10

"Excelsis Dei (Excelsis Dei)"
Staffel 2, Folge 11

In einem Altersheim in Massachusetts wurde eine Pflegerin vergewaltigt - von einem Unsichtbaren, wie sie behauptet, gleichzeitig jedoch beschuldigt sie einen demenzkranken Bewohner. Dies ruft die FBI-Agenten Mulder und Scully auf den Plan, die ungewöhnlich agile Senioren vorfinden, welche fleißig eine besondere Pilzart als eine Art neuem Heilmittel konsumieren, die ihnen der malaiische Pfleger verabreicht. Als es zu Todesfällen kommt, gewinnt die Angelegenheit jedoch eine noch größere Dimension... Indem sich diese Mystery-Episode einer der Geißeln der Menschheit, der alzheimerischen Altersdemenz, annimt, thematisiert sie die weit verbreitete Furcht vor dieser Krankheit im Speziellen, aber auch vor dem Dahinvegetieren in unwirtlichen Heimen im Alter im Allgemeinen - und die Hoffnung, dass endlich ein wirkungsvolles Gegenmittel gefunden wird. Dass man dieses hier in exotischen Pilzkulturen gefunden zu haben glaubt, kann ich noch nachvollziehen, dass deren Einnahme mit Wahnvorstellungen und Visionen als Nebenwirkungen einhergehen kann, ebenfalls - dass man jedoch auf Teufel komm raus die Handlung mit einer Geistergeschichte von Bewohnern und Patienten, die sich an den ruppigen Pflegern rächen, vermengt, ist mir zu viel des Guten. Für Kurzweil sorgen jedoch eine sexy Teryl Rothery in der Rolle des Vergewaltigungsopfers und der mutmaßliche senile Übeltäter, der mit erfrischend frechen Sprüchen aufwartet. Interessant ist auch, dass es diesmal Mulder ist, der an Übersinnlichem zweifelt, während Scully quasi Mulders Rolle einnimmt und aufgeschlossen an den Fall herantritt - und Mulder diesmal zwischenzeitlich in akute Lebensgefahr gerät. Das konsequente, aber traurige Ende lässt die fragwürdigen Auswüchse der Folge jedoch schnell vergessen und den Zuschauer mit einem Kloß im Hals zurück. 5,5/10

"Böse geboren (Aubrey)"
Staffel 2, Folge 12

Der Polizistin B.J. Morrow erscheinen Träume und Visionen eines fast 50 Jahre alten Falls: Dadurch entdeckt sie das Grab eines seit fast einem halben Jahrhundert vermissten FBI-Agenten, der eine mysteriöse Mordserie untersuchte. Als eben diese Mordserie wieder aufzuflammen scheint, werden die FBI-Agenten Mulder und Scully hinzugezogen, die zwischen Traum und Realität unterscheiden müssen und einem alten Schwerverbrecher wieder auf die Pelle rücken... Diese Folge um das Thema genetische Vererbung bzw. "genetisches Gedächtnis" bedient sich auf reichlich gruselige Weise der irrationalen, doch latenten Angst, jemand könnte - entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse - eine Art Kriminalitäts- bzw. Mörder-Gen von einem Vorfahren geerbt haben, in diesem Falle sogar unwissentlich. Dafür zieht die Handlung alle Register von erschütternden Erkenntnissen über im Wahnsinn begangene Verstümmelungen über 77-jährige Verbrecher, die als unappetitliche Wracks vor sich hin vegetieren bis hin zu feildrehenden Nachkommen, denen eben jener Wahnsinn in eskalierenden Situationen ins Gesicht geschrieben steht. Generell geizt "Böse geboren" nicht mit deftigen Bildern und ist zudem dramaturgisch derart auf den Punkt inszeniert worden, dass zeitgleich auch die unwirtliche, fast schon dreckige Grundstimmung genug Raum zur Entfaltung findet. Ein Mystery-Thriller mit Horror-Anleihen, wie er gerade in den 1990ern auch in Spielfilmform dann und wann in hochqualitativer Form anzutreffen war. 8/10

"Todestrieb (Irresistible)"
Staffel 2, Folge 13

In Minneapolis wurde eine Frauenleiche geschändet, u.a. hat man ihr die Haare abgeschnitten. Der örtliche Agent glaubt an das Werk Außerirdischer, doch die eigentlich auf so etwas spezialisierten Mulder und Scully kommen einem Triebtäter auf die Spur, der sich schon bald nicht mehr mit Leichen begnügt, sondern es auf lebendige Opfer abgesehen hat, für deren Haare und Fingernägel er einen besonderen Fetisch hegt - wie Scully am eigenen Leib erfahren muss... Beinahe komplett in klassischer Thriller-Manier behandelt diese Folge den Fall des sexuell motivierten Serienmörders Donnie Pfaster. "Todestrieb" ist in seiner Nüchternheit, mit der sich die FBI-Agenten des Falls annehmen, befremdlich und besorgniserregend, zur getragenen Atmosphäre trägt der hypnotisierende Synthesizer-Klangteppich in Moll seinen Teil bei, die Optik gemahnt an kühlen '80er-Neon-Glanz. Innerhalb dieses Neo-Noir-Ambientes findet sich Scully einmal mehr in einer Operrolle wieder, als sie von Pfaster entführt wird. Wie ein Fremdkörper in dieser ansonsten nur allzu weltlich anmutenden Folge wirkt es, wenn sie in Pfasters Gesicht einen Dämon erkennt - doch wie ich heute weiß, wird dieser Aspekt in einer späteren Folge gar noch einmal aufgegriffen. Aufgrund ihrer äußerst überzeugenden, im Serienkontext ungewöhnlichen Ästhetik einer der Höhepunkt der Staffel. 8/10

"Satan (Die Hand Die Verletzt)"
Staffel 2, Folge 14

Eine Handvoll Kleinstadt-Jugendlicher sucht ein Waldgebiet auf, um mit schwarzer Magie zu experimentieren. Doch irgendetwas geht schief: einer der Teenager wird am nächsten Tag tot und verstümmelt aufgefunden, seine Freunde konnten fliehen. Die FBI-Agenten Mulder und Scully nehmen die abergläubischen Bewohner zunächst nicht ernst, sehen sich jedoch bald mit einer handfesten Okultisten-Sekte konfrontiert, die die ganze Kleinstadt infiltriert zu haben scheint... Auf parodistische, jedoch nicht minder gruselige Weise beschäftigt sich diese Folge einerseits mit okkultistischen Klischees, andererseits mit dem Sozialgefüge von Kleinstädten. So kommt es zu einigen bizarren Momenten - beispielsweise regnet es Kröten, begleitet von Mulders süffisanten Kommentaren - und zu Begegnungen mit typisch konservativem bis reaktionärem ländlichem Mief, unter dem die Jugend zu leiden hat. Dieser wird jedoch nur nach außen hin vertreten, eigentlich ist alles viel schlimmer und steht man unter der Knute der dämonischen Lehrerin Mrs. Paddock, die ihre Schüler gern Ferkel-Embryos sezieren lässt. Das ist alles mal mehr, mal weniger stark karikierend überzeichnet, funktioniert dank bedrohlicher Make-up-Effekte für sensiblere Gemüter auch gut als Horror-Episode, ist mit seinen Schlangenattacken etc. aber vorrangig auf angenehme Weise trashig. Das Klischee-Unwetter zum Finale ist mir aber auch unter dieser Prämisse zu dick aufgetragen, dennoch weiß der unterschwellige Humor prima zu gefallen. 7/10

"Frische Knochen (Fresh Bones)"
Staffel 2, Folge 15

Um ein US-Militär-Lager für haitianische Flüchtlinge kommt es zu rätselhaften Selbstmorden unter den Soldaten. Nachdem jüngst einer sein Auto scheinbar absichtlich gegen einen Baum gesetzt hat, werden die FBI-Agenten Mulder und Scully von dessen Frau kontaktiert und gebeten, sich dort einmal umzusehen - sie vermutet den Einfluss von Voodoo-Zauber. Tatsächlich sehen sich die Ermittler mit Leichendiebstahl, Zombie-Soldaten, Fällen von Misshandlung und einem geheimnisvollen Haitianer namens Beauvais konfrontiert, der von der Lagerleitung mitverantwortlich gemacht wird... "Frische Knochen" gibt den in Abschiebelagern dahinvegetierenden und der Willkür der US-Autorität ausgesetzten Insassen ein Gesicht und eine Stimme und verfügt damit über einen starken sozialkritischen Aspekt. Die sehr düster gehaltene Folge setzt als phantastisches Element auf Voodoo-Zauber und streut wohldosiert beängstigende Bilder ein, beispielsweise von einer Ekel-Vision Scullys. Wie vor der Umdeutung von Zombies zu aus ihren Gräbern kriechenden, verwesenden, kannibalistischen Untoten werden die Zombies hier als unter dem Einfluss von Voodoo stehend dargestellt, was zusammen mit dem modernen, gleichwohl unwirtlichen Ambiente eine höchst interessante Abwechlung darstellt. Eine fürwahr überraschende Wendung und eine Gänsehaut erzeugende Schlussszene auf dem Friedhof veredeln diese außergewöhnliche Episode und machen sie zu einer weiteren sehr guten der zweiten Staffel. 8/10

"Die Kolonie (1) (Colony (1))"
Staffel 2, Folge 16

Drei verschiedene Ärzte werden in unterschiedlichen US-Städten ermordet, jedoch fehlt von ihren Leichen jede Spur. Eine weitere Besonderheit: Alle drei sahen absolut identisch aus. Ein mysteriöser Kopfgeldjäger ist hinter ihnen her und es gibt noch einen vierten, der per Zeitungsanzeige gesucht wird. Nachdem sich die FBI-Agenten Mulder und Scully eingeschaltet haben, klinkt sich auch ein Mann vom CIA ein, der behauptet, es handele sich bei den Ärzten um seinerzeit von den Sowjets eingeschleuste Klone. Derweil wird auch Mulders Privatleben auf den Kopf gestellt, denn plötzlich taucht seine vor etlichen Jahren entführte Schwester Samantha wieder auf... Mit großen Schritten geht es mit der Rahmenhandlung voran. Der Prolog dieser bedeutenden Doppelfolge zeigt einen Mulder in desolatem Zustand und wie es dazu kam, lässt sich gegen Ende dieses ersten Teils lediglich erahnen. Geklonte Ärzte, gejagt von einem Gestaltenwandler, der (per Morphing-SFX) jede beliebige menschliche Form annehmen kann und aus seinen Opfern ätzenden grünen Schleim macht - das ist der Stoff, aus dem hier die Action, angereichert mit dem in Richtung Paranoia-Kino tendierendem Verwirrspiel um den Wahrheitsgehalt der kaltkriegerischen Aussagen des (vermeintlichen?) CIA-Manns und am Schluss gar um Mulders Identität, dessen Familie als Kontrastprogramm dem Zuschauer ein gutes Stück weit vorgestellt wird, wenngleich einem doch irgendwie Zweifel kommen, ob es sich bei der jungen Dame tatsächlich um seine zurückgekehrte Schwester handelt. Emotional geführte Dialoge unterstreichen die angespannte Stimmung dieser spannend gestalteten Folge, über der die große Frage nach den wirklichen Motiven schwebt und deren klassischer Cliffhanger wie so einiges hier möglicherweise gar nicht so sehr überrascht, seine Wirkung aber dennoch nicht verfehlt. 7,5/10

"Die Kolonie (2) (End Game (2))"
Staffel 2, Folge 17

FBI-Agentin Scully sieht sich mit dem außerirdischen Gestaltenwandler konfrontiert, der sich als Agent Mulder ausgibt und sie kidnappt. Im Austausch für Scully fordert er Mulders Schwester Samantha. Das FBI geht auf den Handel ein, will den Gestaltenwandler bei der Übergabe jedoch durch Scharfschützen unschädlich machen. Der Plan misslingt, der Gestaltenwandler stürzt zusammen mit Samantha von einer Brücke in einen Fluss, beide verschwinden zunächst spurlos. Ein U-Boot in der Arktis ist auf das Raumschiff des Gestaltenwandlers gestoßen und hatte den spontanen Auftrag bekommen, es zu zerstören, doch auch das misslingt. Die Suche nach seiner Schwester und nach Antworten treibt Mulder ins Eis zur finalen Konfrontation... Im zweiten Teil der Doppelfolge, die die Rahmenhandlung rasant vorantreibt, verliert Mulder seine Schwester zum zweiten Mal und er muss erfahren, dass es sich lediglich um einen Klon gehandelt hat. Als Zuschauer bekommt man viele brisante Informationen; so sind außerirdische Klone auf der Erde aktiv, die sich ein identisches Äußeres zulegen mussten, damit sie sich nicht am selben Ort versammeln können. Sie arbei(te)ten als Abtreibungsärzte, um ihre DNA mit der menschlichen zu kombinieren, was den gestaltenwandlerischen Kopfgeldjäger auf den Plan rief. Auch Mulders Informant "Mister X" versorgt ihn wieder mit Geheimnissen und treibt Mulder mit seinen chiffrierten Informationen an den Rande des Wahnsinns. So kommt es auch zur einer ungewöhnlichen Konfrontation Skinners mit "Mister X", die in einer handfesten Prügelei endet. Erstmals bezieht Skinner mehr als eindeutig Stellung für Mulder und Scully und am Ende der Folge bzw. des langen Rückblicks, aus dem die Handlung bestand, erfährt man endlich den Grund für Mulders besorgniserregenden Zustand zu Beginn der Doppelfolge, so dass man nun auch noch um ihn bangen muss, während sich seine vermeintliche Schwester längst in grünen Schleim aufgelöst hat. Das Tempo, mit dem diese Episode vorgeht, ist atemberaubend und die Fülle an Informationen und Handlungssträngen fast etwas zu viel des Guten, innerhalb der Serienmythologie ist sie aber von großer Bedeutung und punktet besonders während der Erstsichtung mit einer ungeheuren Unvorhersehbarkeit bei gleichzeitigem Auftrag, das Publikum mit vielen Details weiter anzufüttern und nachhaltig sein Interesse aufrecht zu erhalten - wofür die Mythologie zunehmend komplexer gerät und beinahe schon fraglich erscheint, ob sie sich nicht irgendwann verzettelt. 7,5/10

"Sophie (Fearful Symmetry)"
Staffel 2, Folge 18

Unsichtbare Tiere werden in Unfälle verwickelt, u.a. für einen Straßenarbeiter mit tödlichem Ausgang. Man vermutet entflohene Tiere aus dem örtlichen Zoo oder das Werk radikaler Tierrechtsaktivisten. Mithilfe der FBI-Agenten Mulder und Scully werden die Leichen der Tiere gefunden kilometerweit von den Unfallorten entfernt gefunden - alle waren schwanger... Positiv fällt in dieser Folge die Kritik an nicht artgerechter Tierhaltung auf, wie sie leider noch immer tausendfach von Zoos und Zirkussen betrieben wird. Die Folge geht gar noch weiter und weist auf die Gefahr der Ausrottung ganzer Gattungen hin - was sie jedoch leider als reichlich hanebüchenen Aufhänger für den Einsatz von Öko-Aliens nimmt, die dafür sorgten, dass die Tiere Nachwuchs gebären, den sie dann auf einer Art Weltall-Arche-Noah mitnahmen. Von all dem bekommt man nicht viel zu sehen, stattdessen liefern Mulders Nerd-Freunde Hinweise und steigt Scully in den Bauch eines Elefanten. So dümpelt die Folge längere Zeit recht unspektakulär vor sich hin und kann mit ihrer Pointe nicht überzeugen - mit ihrer Aussage aber durchaus, so dass sie sich in den Durchschnitt rettet. 5/10

"Totenstille (Død Kalm)"
Staffel 2, Folge 19

Ein US-amerikanisches Schiff verschwindet in einem Gebiet, das auch als eine Art norwegisches Bermuda-Dreieck berüchtigt ist. Die sich in ein Rettungsboot gerettet habenden Besatzungsmitglieder scheinen wie von Geisterhand vergreist. FBI-Agent Mulder Vermutungen tendieren in Richtung "Wurmlöcher" und der Manipulation des Raum-Zeit-Kontinuums, doch auf dem Schiff, das er und Agentin Scully schließlich mithilfe eines norwegischen Steuermanns schließlich finden, scheint eine andere Erklärung plausibler... Diese angenehmerweise mit etwas norwegischem Lokalkolorit arbeitende Folge greift zumindest authentisch klingende Fälle verschwundener Schiffe auf und kreiert auf dieser Grundlage eine Geschichte, die von rasanter Alterung durch Dehydration handelt, dafür einmal mehr ihr Ermittler-Duo in akute Lebensgefahr bringt und mit Make-up-Effekten aufwartet, die nicht nur Mulder und Scully so aussehen lassen, wie ich mich Sonntagmorgens um 15:00 Uhr fühle. Doch Spaß beiseite, die Dramaturgie wurde spannend umgesetzt und dei Atmosphäre auf dem "Geisterschiff" ist klamm, gespenstisch, beklemmend und klaustrophobisch. Dass man einen kriminellen Charakter zusätzlich einführt, hätte diese Episode nicht unbedingt gebraucht, dafür hätte ich gern mehr über die Ursache erfahren - diese bleibt nämlich trotz aller Erklärungsversuche letztlich im Dunkeln, zumindest ihren Ursprung betreffend. Zurück zur norwegischen Kultur findet man im Epilog, wenn Scully aus einer örtlichen Endzeit-Saga zitiert und damit weitere eisige Stimmung erzeugt. Alles in allem eine besonders visuell starke Folge, bei der man sich gern ganz warm einpacken möchte. 7/10

"Der Zirkus (Humbug)"
Staffel 2, Folge 20

Der "Alligator-Mann", ein von schuppigen Hautveränderungen gezeichneter Mann, der für einen "Freakshow"-Zirkus arbeitet, wird ermordet; Täter: unbekannt. Da sein Tod zu einer Serie rituell anmutender Morde passt, die seit Jahren an verschiedensten Orten der USA verübt werden, reisen die FBI-Agenten nach Gibsonton, Florida, wo der jüngste Mord geschah und noch viele weitere körperliche Anomalien aufweisende Artisten, Lebenskünstler etc. leben. Obwohl das Ermittler-Duo verschiedene Verdächtige auserkoren hat, tappen sie im Dunkeln - und weitere "Freaks" kommen ums Leben... In "Der Zirkus" treffen Schauspieler auf echte "Freaks" und Körpermodifizierer. Kleinwüchsige, Entfesselungskünstler, eine bärtige Frau, den mit Puzzleteilen tätowierten "The Enigma", siamesische Zwillinge etc. - die vereinte Bizarrie bestimmt dann auch diese komödiantische Folge, die nicht nur gespickt ist mit viel Situationskomik, Sprachwitz und makabrem Humor, sondern auch Mulder und Scully als "Normalos" durch den Kakao zieht. Den "Freaks" wird eine Bühne gleichermaßen zur Selbstdarstellung wie zur Selbstironie geboten, die diese zur Präsentation ihrer Künste ebenso nutzen wie zur Formulierung ihres Selbstverständnisses, für Plädoyers für die Andersartigkeit und gegen langweilige Normalität, Anpassung und Assimilation. Diese Protagonisten sind hier nicht länger in fragwürdigen "Freakshows" ausgebeutete, bemitleidenswerte Wesen, sondern mit ihrer Individualität selbstbewusst umgehende und das jeweils Beste daraus machende Menschen, einerseits wie du und ich, andererseits eben gerade nicht. Das ist Inhalt einiger köstlicher scharfzüngiger Dialoge und spätestens, wenn man Mulder abermals auflaufen lässt, z.B. beim Exhumieren einer Kartoffel des örtlichen Sheriffs, verkehrt sich der Respekt vor dem scharfsinnigen Fuchs von einem FBI-Agenten in pures Amüsement. Herrlich auch, wie Scully versucht, ausgerechnet einen Entfesselungskünstler zu verhaften... Nun gibt es aber nicht nur Spaß, sondern auch handfeste Morde und eine entfesselte, aber unbekannte Kreatur, die mit einem nicht ungefähren Ekelfaktor einhergeht. Auch in dieser Hinsicht kann die Folge punkten, zumal es bis zum Schluss spannend bleibt, dem Zuschauer ebenso Rätsel aufgegeben werden wie FBI und Sheriff und die originelle Auflösung ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist - ganz zu schweigen vom kuriosen Epilog. Nicht nur aufgrund der vermittelten Botschaft, sondern gerade auch wegen ihrer Ausnahmestellung innerhalb des Serien-Sujets ist "Der Zirkus" meines Erachtens die am allerbesten gelungenste "Akte X"-Folge, nicht nur der zweiten Staffel. Grandioser Humor, ein bizarres Ambiente mit großartigen Darstellern, groteske Handlung und eine überraschende Pointe - verdammt nah an der Perfektion! 9,5/10

"Heilige Asche (The Calusari)"
Staffel 2, Folge 21

Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern besucht einen Vergnügungspark, als das schreckliche Unglück geschieht: Der zweijährige Sohn läuft einem Luftballon hinterher und gerät dabei auf die Schienen der Eisenbahn, woraufhin er überrollt wird und stirbt. Hat der eifersüchtige ältere Bruder etwas damit zu tun? Zufällig aufgenommene Fotos zeigen, dass sich der Ballon wie von Geisterhand gesteuert gegen die Windrichtung bewegte, was die FBI-Agenten Mulder und Scully auf den Plan ruft. Als diese die Familie aufsuchen, lernen sie auch die extrem abergläubische rumänische Großmutter kennen, die der Meinung ist, der nun einzige Sohn sei vom Teufel besessen... "Das Omen" trift auf "Der Exorzist" trifft auf rumänische Zigeuner-Folklore in dieser düsteren Folge, die lange Zeit den Anschein erweckt, der ältere Sohn verfüge über paranormale Kräfte, die ihn sich an seiner Familie rächen lassen. Tatsächlich handelt es sich um einen Zwilling, der eigentlich tot sein sollte, aber auf übernatürliche Weise sein Unwesen treibt - und weitere Tote fordert. So wird mit Hakenkreuzen als Glücks- und Schutzsymbol herumhantiert und die Großmutter fast noch gruseliger als ihr Enkel gezeichnet, die eine Gruppe älterer Exorzisten um Hilfe bittet. Generell wird klassischer Grusel hier großgeschrieben, wofür sich die Folge auf einen ausgezeichneten Jungdarsteller ebenso verlassen kann wie auf das Temperament der rumänischstämmigen Mutter und die Verschrobenheit in überlieferten Mythen und Ritualen gelehrter Alter. Das gipfelt in ein Finale reich an Spezial- und Make-up-Effekten, die sich sehen lassen können, wenn auch die physische Manifestation gleich zwei Kinder stark an der Logik kratzt und es immer etwas fragwürdig erscheint, wenn es sich als wahr erweisen soll, dass entgegen aller Aufklärung der Exorzismus an einem Kind durch wenig vertrauenserweckende, wie religiöse Fundamentalisten wirkende Männer zum Erfolg führt. 7/10

"Verseucht (F. Emasculata)"
Staffel 2, Folge 22

Ein seltsames Stück Fleisch wird in ein Gefängnis geliefert, woraufhin dort eine unbekannte Seuche ausbricht, die mit extrem kurzer Inkubationszeit einhergeht. Im allgemeinen Trubel entkommen zwei Häftlinge, an deren Suche sich die FBI-Agenten Mulder und Scully beteiligen sollen. Angesichts der massiven Präsenz von Spezialtruppen und Seuchenkommandos beginnen sie zu hinterfragen und kommen einem Komplott von Pharmaindustrie und Regierung auf die Spur, die Strafgefangene für Medikamententests missbrauchen... Diese Folge zehrt zunächst einmal von einem sehr hohen Ekelfaktor: Aufplatzende Pusteln, die auf diese Weise den Erreger verbreiten und ihre Wirte innerhalb von 36 Stunden töten - wieder einmal hat die Make-up-Abteilung aus dem Vollen geschöpft. Mulder und Scully ermittlen getrennt voneinander, was für zusätzliche Spannung sorgt sowie für die Sorge, dass Scully evtl. ebenfalls infiziert wurde. Der mysteriöse "Raucher" hat einen gewohnt zynischen Kurzauftritt und Vorgesetzter Skinner versucht sich wieder einmal wenig sympathisch an einem Mittelweg, der möglichst wenig Staub aufwirbelt, während Mulder es darauf anlegt, mit dem letzten noch entflohenen Sträfling einen wichtigen Zeugen zu bekommen. Die Geiselnahme, in die dieses Unterfangen mündet, hätte für sich genommen schon genügend Nervenkitzel geboten, aber diese Episode will und bietet mehr. Etwas befremdlich muten die wissenschaftlichen Dialoge bzgl. ach so exotischer Insekten an, die mit dem Erreger in Verbindung stehen sollen, aber aussehen wie gemeine Blattwanzen o.ä. Verwunderlich ist auch, wie ungeschützt viele Schlüsselfiguren in Anbetracht der Seuche herumlaufen und somit eine Infektion geradezu provozieren. Von diesen Ungereimtheiten aber einmal abgesehen handelt es sich um eine starke Folge, die an die Nieren geht. 7,5/10

"Das Experiment (Soft Light)"
Staffel 2, Folge 23

Eine ehemalige Studentin der FBI-Agentin Scully bittet sie um Hilfe bei der Aufklärung rätselhafter Vermisstenfälle: Die betreffenden Personen scheinen sich in Luft aufzulösen, lediglich ein Brandfleck bleibt zurück. Zusammen mit Agent Mulder kommen sie dem Wissenschaftler Dr. Chester Ray Banton auf die Spur, der mit einem Teilchenbeschleuniger experimentierte und seinen eigenen Schatten versehentlich zu einer Art schwarzem Loch gemacht hat, das alle verschlingt, die sich in dessen Umriss begeben... Hier bekommen wir es mit einer recht eigenwilligen Science-Fiction-Folge zu tun, in der Dr. Banton nach seinem Unfall Menschen unfreiwillig mit seinem Schatten tötet - in Sekundenschnelle verbrennen diese zu einem Häufchen Asche, das kurz noch elektrische Blitze aufweist. Zunächst wird das Phänomen spontaner Selbstentzündung zitiert, um dann jedoch Antimaterie ins Spiel zu bringen, was jeglicher Logik entbehrt, schon so ein bisschen an "Pseudowissenschaft für Dummies" erinnert und der Folge eine comichafte, trashige Aura verleiht. Weshalb Menschen mitsamt Kleidund etc. in Bantons Schatten verschwinden, jedoch nichts anderes, wird gar nicht erst thematisiert, dafür liefert Tony Shalhoub, der später als "Monk" zu Ruhm gelangte, eine intensive schauspielerische Leistung. Eher ungewöhnlich ist es auch, dass sich die große Verschwörung auch durch diese eigentlich in sich abgeschlossene Folge zieht und Mulder mit seinem Informanten "Mr. X" aneinander gerät. Davon, dass man seitens der Verschwörung wieder einmal über Leichen geht, profitiert die Episode jedoch letztlich, denn das macht sie düsterer und ernsthafter, was konsequent in einem bösen, desillusionierenden Ende mündet. 7/10

"Unsere kleine Stadt (Our Town)"
Staffen 2, Folge 24

In der Kleinstadt Dudley in Arkansas verschwindet ein Inspektor, der jüngst Unmut auf sich zog, als er sich negativ über die örtliche Geflügelfabrik äußerte. Kaum sind die FBI-Agenten Mulder und Scully vor Ort, scheint eine Mitarbeiterin dem Wahnsinn zu verfallen, woraufhin sie erschossen wird. Die Obduktion durch Scully ergibt, dass die Tote an der Creutzfeld-Jakob-Krankheit litt. Die Nachforschungen fördern weitere Fälle zutage und ihr Ursprung scheint im Kannibalismus zu liegen: Hühnerabfälle werden an Hühner verfüttert. Doch ist dies nicht der einzige Fall von Kannibalismus im Städtchen... Lange vor der ganz großen BSE-Welle thematisiert diese gelungene Folge schon zu Kannibalismus zwangsverordnete Zuchtnutztiere (in diesem Falle Hühner) und kritisiert damit indirekt die ekelhafte Tierproduktindustrie, zeigt vor allem aber den Zusammenhang zwischen Kannibalismus und der Creutzfeld-Jakob-Krankheit auf. Bei den Bildern aus der Tierfabrik ist hoffentlich vielen der Appetit auf Geflügel vergangen. Clou der Episode ist, dass sich der Kannibalismus nicht nur auf die Hühner beschränkt, was zu einer schönen und gruselig inszenierten Mischung aus Backwood- und Öko-Horror führt - in der Scully schon wieder in akute Lebensgefahr gerät. Abgetrennte Schädel, die in geheimen Schränken aufbewahrt werden, besorgen weitere visuelle Härte, lediglich die hier als korrekt dargestellte Theorie von ewiger Jugend durch Kannibalismus erscheint etwas weit hergeholt. Nichtsdestotrotz sehr gute Folge! 8/10

"Anasazi (Anasazi (1))"
Staffel 2, Folge 25

FBI-Agent Mulder bekommt ein Band mit strengsten Geheiminformationen zugespielt, das die Wahrheit über die außerirdischen Besuche enthält, jedoch in der uralten Sprache der Navajo-Indianer verfasst und damit verschlüsselt ist. Die Entschlüsselungsversuche werden begleitet von Mord und Totschlag durch die Verschwörer, was sogar bis in Mulders Familie hineinreicht... Hier überschlagen sich die Ereignisse! Wir erfahren, dass Mulders Vater in der Verschwörung mit drinhängt und er Verbindungen zum mysteriösen "Raucher" hat - kurz bevor er erschossen wird, durch niemand Geringeren als Alex Krycek, der auf diese unrühmliche Weise wieder auf der Bildfläche auftaucht. Auch auf Mulder und Scully macht man Jagd, unter dem Einfluss von Halluzinogenen im Trinkwasser prügelt Mulder auf den Vorgesetzten Skinner ein, Scully schießt auf Mulder und die "einsamen Schützen" schießen nicht, sondern sorgen für etwas Auflockerung in der ansonsten bierernsten Folge, die keine Gefangenen macht. Interessant ist, was man beim Buddeln in der Wüste so alles findet und am Ende ist unklar, ob Mulder entkommen konnte - der Cliffhanger ist einer der hochspannenden Sorte. Mystery, Science-Fiction, Paranoia und Action sowie schön modellierte Leichen, offenbar nicht von dieser Welt - alles enthalten, die zweite Staffel endet mit einem Knalleffekt! 8/10

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