Review

Staffel 10

Ich muss gestehen, das ich die Serie bei dem deutschen Start vor über 20 Jahren gesehen habe. Bis zur vierten Staffel jedenfalls. Dann hab ich sie nur noch sporadisch verfolgt. Den Kinofilm Nummer Eins von 1998 hab ich gar nicht gut in Erinnerung. Der zweite Abklatsch von 2008 hat mir da schon besser gefallen, da er spannender und wieder mysteriöser war. Nachdem man die Serie nun nach 9 Staffeln eingestellt hatte, es etliche andere Serienhighlights gab die unsere Sehgewohnheiten maßgeblich veränderten, kommt das unerwartete Comeback nach knapp 14 Jahren. Die Protagonisten David Duchovny und Gillian Anderson sind sichtlich gealtert, spielen ihre Figuren aber immer noch mit voller Inbrunst. Was man auch nachvollziehen kann, sind die Figuren ein Teil der internationalen Pop- und Fankultur geworden und Duchovny & Anderson fest damit verbunden. Trotzdem ist man nun gefangen in der Darstellung moderner Seriengewalten und die macht einen starken Quantensprung in der Seriengeschichte. Optisch versucht man die alten Sachen aufzufrischen und nicht gänzlich in der Struktur zu vernachlässigen. Doch zusätzlich hat man nun Dramaelemente die, die beiden Hauptfiguren betreffen eingebaut, was irgendwie fehlplatziert wirkt. Und das ist dem Ding mit dem Zeitgeist zu schulden: jede Quotenserie von HBO, Fox, Netflix oder sonstwelchen Sender hat solche Momente und ist Teil einer Industrie und keinem kreativen Prozess geschuldet.
Mulder und Scully müssen nun also auch ihre eigende Vergangenheit aufarbeiten, was sie auch reichlich tun. Das garniert mit dem aktuellen Zeitgeschehen und einen Klecks Mystery ist für meinen Geschmack einfach zu wenig. Der dreckig düstere Ton fehlt und machte mir das Sehen nicht einfacher, da Spannung nur erahnt, aber nicht gespürt und gefühlt wurde. Dazu kommt das Einstreuen von gewollten Humor im Rahmen der Ironie. Siehe die gute „Werwolf"-Episode oder die träumerische, surreale Szene in Folge 5, nach der Einnahme Mulders von Mushrooms. Scheinbar geht es nicht ohne Witze in der amerikanischen Serienwelt. Düster ist diese Serie nicht mehr, dafür geht es mit Krimielementen und innerlichen Konflikten voran. Das Geheimnisvolle, das Dunkle, das Böse - ist nur noch ein blasses Zeichen, hinterlässt keine starke Hoffnung. „Akte X" wird so zur kulturellen Unterhaltungsserie ohne Gruselfaktor, ohne Besonderheiten, dafür sieht man reichlich strukturiertem Blödsinn. Dieser Neustart hätte nochmals gründlich überdacht werden sollen.

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