Sergio Corbucci hat in seiner Karrierre viele Filme abgeliefert, die man gelinde gesagt als billigen Trash betiteln kann. Er hat noch mehr Filme produziert, die man - ebenfalls gelinde gesagt - als zynische Gesellschaftsstudien mit enorm viel Action abtun kann. In gewisser Weise kann man ihn mit ein bißchen mit Sam Peckinpah vergleichen, wenn beide mal von der Leine gelassen werden und den Final Cut haben dürfen: So kompromißlos und gleichzeitig hoch moralisch Alfredo Garcia des einen, so kompromißlos und mindestens genauso hoch moralisch der Silenzio des anderen.
Aber egal wie man zu Corbucci steht, ob man ihn nun mag oder nicht, man muß ihm zugestehen, dass er einer der großen Regisseure der wenn auch sehr kurzen Italo-Western-Ära war.
Hierbei war er anfangs nur einer der zahlreichen Imitatoren von Leone, der das Genre ja mit seinem Remake von Jojimbo quasi erschuf. Sein Django ist schließlich im Grunde genommen ein Remake von Für eine Handvoll Dollar, nur dreckiger, politisch ambitionierter und mit einem menschlicheren "Helden". Und im Gegensatz zu Leones Dollar-Trilogie ist sein Django, sowie seine meisten Italo-Western immer wieder so konsequent, dass es kein typisches Happy-End gibt.
Mercenario ist hierbei die Ausnahme-Erscheinung unter Corbuccis Western, nicht nur auf Grund seiner fröhlichen Grundstimmung und seinem versöhnlich wirkenden Finale, sondern auch insofern, dass er erstmals nicht Leone nacheifern bräuchte. Im Gegenteil, ein paar Jahre später wird Leone diesen Italowestern-Stil kopieren (mexikanische Revolution im Hinblick auf damals aktuelle Ereignisse) und elendlich daran scheitern.
Viele Italo-Western jener Zeit betrachten die mexikanische Revoluzion als eine Parrallele der 68er-Studenten-Bewegung. Che Guevara ist ein Symbol für diese Zeit und viele der helden sehen Che Guevara immer ähnlicher.
Um es kurz zu machen: Die meisten Revoluzzer-Italo-Western scheitern kläglich an den eigenen Ansprüchen.
Mit wenigen Ausnahmen. Und Mercenario ist einer der Könige dieser Untergruppierung des Italo-Western.
Im Gegensatz zu den meisten Corbucci-Western wirkt der Film richtiggehend edel: sehr gute Ausstattung, teure Effekte, sehr gutes Drehbuch, und das wichtigste: Markiger Humor wie man ihn selten so pointiert in einer hochklassigen Satire vorfinden würde. Es wird gekalauert, was das Zeug hält, so bleibt der Film immer so leicht und locker wie ein kleiner Bruder von Zwei Glorreiche Halunken. Man hat nie das Gefühl, dass den beiden Protagonisten etwas passieren würde. Es ist ein Verhältnis, das fast ein bißchen ein Eastwood/Wallach erinnert, was Franco Nero und Tony Musante hier abliefern. Nur um einiges hintersinniger. Und es ist eine Wonne, den Bauernschlauen mit dem Opportunisten mal zusammen mal gegeneinander agieren zu sehen. Und das wirklich Grandiose an diesem Film ist, man erkennt eine charakterliche Entwicklung auf beiden Seiten, wie man sie vielleicht bei dem dritten großen Segio der Italo-Western-Ära erwarten würde. Doch wo bei Solima die Entwicklung durch Ereignisse und Erkenntnisse auch ein bißchen abrupt vorangetrieben wird, geht hier Corbucci völlig lässig vor und läßt sich den ganzen Film über Zeit, man lernt quasi von Null an, genau wie der Bauernschlaue Revoluzzer, wofür er eigentlich kämpft und was er dafür tatsächlich opfern muß: Nämlich das Unbefangene.
Und selbst hier, da der Film eine Corbucci-typische Wendung zu nehmen scheint, und das bittere Ende irgendwie mehr als nur greifbar erscheint, ja fast unausweichlich, gerade weil das sarkastisch lustige wieder dem Zynischen zu weichen begonnen hat, wie gesagt: Corbuccis Filme sind meistens in dieser Ära sehr moralisch, selbst in dieser Situation bleibt der Film hell und irgendwie fröhlich.
Besonders muß man hier das Duo Nero und Musante hierfür loben, die geradezu kongenial miteinander harmonieren, auch tatkräftig vom genialen Drehbuch unterstützt werden und von der absolut überragenden Regie geleitet werden.
Dies ist der mit großem Abstand am leichtesten verdaulichste und eigentlich auch publikumswirksamste Western von Segio Corbucci, gerade eben weil er so leicht und locker von der hand geht.
Unübertroffen die Erklärung, warum eine Revolutzion immer zum Scheitern verflucht ist anhand eines nackten Frauenkörpers.
Besser geht es kaum.
Und nun zu den besonderen Erwähnungen:
1. Ennio Morricones Musik ist ganz eindeutig für dieses Genre erschaffen worden, das merkt man diesem Film an. Mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.
2. Jack Palance, der ewig Unterschätzte: es ist eine Augenweide ihm zuzuschauen, wie dieser leicht homosexuell wirkende Schurke trotz aller erniedrigungen seine Würde wahren kann, wie er um seine französische Tucke trauert, wie er seine Löckchen kultiviert, wie link und edel er gleichzeitig wirkt.
Grandios ist noch untertrieben, für die sarkastischen Lacher, die er dem Publikum bietet.
Und es ist unglaublich, wie angsteinflößend er schließlich im finalen Showdown wirkt.
Eine filmische Perle, die defintiv zum besten des genres gehört und eigentlich ist es eine Schande, dass ausgerechnet dieser Film noch keine deutsche DVD Veröffentlichung erfahren hat, denn er ist allemal besser als der ähnlich gelagerte Corbucci Film Zwei Companeros, welcher eigentlich dieselbe Geschichte erzählt, nur ohne den hier vorliegenden Esprit, statt dessen Corbucci-typisch bitter bleibt, billig runter gekurbelt wirkt und eine junge Iris Berben zum Cast zählt, die nichts zur Handlung beiträgt.
Mercenario ist damit betrachtet der beste Italo-Western, der nicht von Sergio Leone stammt.
Und das ist eine Hausnummer!!!
9 Punkte