Mexikaner in Italo-Western sind wie das Salz in der Suppe bzw. wie die Habanero-Schote im Chili. Werden sie zudem mit der Revolutionsthematik in Verbindung gebracht, wie hier in Sergio Corbuccis „Mercenario“ aus dem Jahre 1968, darf man sich auf ein besonderes Filmvergnügen freuen. Franco Nero („Django“) als polnischer Söldner Kowalski trifft auf Tony Musante als mexikanischen Aufständischen. Kowalski ist ein intelligenter, cooler, mit Bedacht agierender Mann, der nur sich selbst verpflichtet ist. Der hitzköpfige Paco hingegen ist mehr Bandit als Revolutionär und schießt sich in Mexiko plündernd von Stadt zu Stadt. Als beide aufeinander treffen, gehen sie eine Geschäftsbeziehung ein, im Laufe derer eine eigenartige Mischung aus gegenseitigem Respekt, Misstrauen/-gunst, Männerfreundschaft und unterkühltem Pragmatismus entsteht, die ein wenig an das Verhältnis zwischen Clint Eastwood und Eli Wallach in „The Good, The Bad and The Ugly“ erinnert. Das ist nicht nur interessant zu beobachten, sondern bietet auch Raum für allerlei Gags und absurde Situationen, die dem Film eine unterhaltsame Leichtigkeit verleihen, insbesondere verglichen mit z.B. Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“. Doch auch inhaltlich wird durch den politischen Subtext einiges geboten. Revoluzzer Paco entwickelt nach und nach tatsächlich eine Art politisches Bewusstsein, wozu ihm unter anderem ausgerechnet Kowalski, der sich an Pacos Plänen bereichert, mit denkwürdigen Erklärungen verhilft. Beide müssen außerdem vor Ricciolo in Acht nehmen, der sie unerbittlich verfolgt. Dieser wird von Jack Palance mit einer unnachahmlich fiesen Ausstrahlung gespielt und braucht sich nicht hinter den Leistungen Neros und Musantes zu verstecken. Giovanna Ralli als wunderschöne Columba stellt eine starke Frau mit Köpfchen dar, bei näherer Betrachtung gar eine Symbiose aus den Charakteren Kowalskis und Pacos? Der politische bzw. gesellschaftsanalytische Aspekt des Films dient natürlich als Parabel auf seinerzeit bzw. immer noch aktuelle Ereignisse, der – sofern ich „Mercenario“ richtig verstanden habe – etwas Zynisches, Desillusioniertes anhaftet, z.B. als stehe und falle eine Revolution mit externen Unterstützern, die private Interessen verfolgen. Allzu sehr vertiefen möchte ich das aber gar nicht, da soll sich doch bitte jeder seine eigenen Gedanken zu machen. Die häufig in strahlend hellen Einstellungen gefilmten Settings und Kulissen sind von hohem Niveau, die eingefangenen Bilder wirken stimmig, die Kameraarbeit ist ohne Tadel. Zudem veredelte niemand Geringerer als Maestro Ennio Morricone das Werk mit einer grandiosen Filmmusik. Das Ende fiel nach einigen sehr actionreichen und kreativen Szenen sowie einem unvermeidlichen, aber klasse in Szene gesetzten Showdown auf eine fast schon rührende Art versöhnlich aus, was den leichtfüßigeren Unterhaltungsfaktor des Films noch einmal unterstreicht. So schwer im Magen wie ein „Leichen pflastern seinen Weg“ liegt „Mercenario“ bei weitem nicht, auch ist er nicht so dreckig und verwegen wie ein „Django“, aber immer noch ein intelligenter, ernstzunehmender Western, der noch nicht viel mit späteren Klamaukfilmen gemein hat. Dürfte in die „Top Ten“ der italienischen Western gehören und jeden Genrefreund beeindrucken.